Kapitel 18:
Wie sich herausstellte, war es keine Option denselben Weg zurück zu gehen, da sich die Brücke wohl mit dem Boden abgesenkt hatte und nun nur noch ein breiter Abgrund zurückgeblieben war.
„Da seid ihr hergekommen?", fragte Serana und schaute in den Abgrund hinunter.
„Tja, mein Herweg ist wohl keine Option. Habt ihr noch eine andere Idee?", fragte Aurora im Gegenzug.
Sie sah, wie Serana sich umschaute.
„Auf der anderen Seite gibt es ebenfalls eine Brücke über den Abgrund", sagte sie und deutete auf das Steinbauwerk, das sich elegant von Kannte zu Kannte schwang.
Aurora nickte zustimmend.
„Na dann, lasst uns diesen Weg testen", sagte Serana und grinste sie an, die letzten Reste das Blutes wurden wieder sichtbar.
Aurora wollte sie gerade darauf hinweisen, als Serana mit ihrer Zunge über die Tropfen fuhr und sie so von ihrem Mundwinkel entfernte. Sie gab ein leises seufzen von sich, dann grinste sie sie wieder an.
„Euer Blut schmeckt wirklich einzigartig", meinte sie mit einem verträumten Gesichtsausdruck und begann dann in Richtung der zweiten Brücke zu laufen.
Als sie sich bewegte und vor Aurora herlief, viel Aurora auf, dass sie leicht schwankte und offenbar Schwierigkeiten hatte sich aufrecht zu halten. Kurz bevor sie zu stürzen drohte, rannte Aurora zu ihr und legte Seranas rechten Arm über ihre Schulter und ihren eignen um die Mitte des alten Vampirs um sie zu stabilisieren.
„Hey, langsam, nicht dass ihr wieder das Bewusstsein verliert", flüsterte Aurora.
„Mir geht es gut, ich bin nur etwas geschwächt durch den Blutmangel", gab Serana ihr zur Antwort.
„Wie könnt ihr euch so gut kontrollieren? Ihr wart wer weiß wie lange hier unten, wie könnt ihr den Durst unter Kontrolle halten?".
„Zum einen habe ich etwas von eurem Blut bekommen und es ist mächtig, das kann ich euch sagen. Aber vor allem, seid froh ihr seid kein Mensch. Ich weiß nicht, ob ich mich um einen Menschen jetzt kontrollieren könnte".
Aurora überlegte kurz, ob sie ihr anbieten sollte, etwas ihres Blutes zu trinken, erinnerte sich dann aber an das was Marcus ihr über die Intimität des Nährens erzählt hatte. Allerdings wurde der Gedanke nach der ersten Abschreckung dadurch nur noch verlockender. Ja, sie wollte ihr eigenes Blut mit dieser wunderschönen Frau teilen.
„Ihr könnt von mir trinken", sagte sie schließlich, wahrscheinlich zu schnell vor Aufregung.
Sie konnte sehen wie sich Seranas Blick veränderte und sie sich die Zähne leckte. Nach einem Moment veränderte sich ihr Gesichtsausdruck zurück ins ernste.
„Habt ihr schon einmal einen Vampir willentlich von euch trinke lassen?", fragte sie.
„Nein", antwortet Aurora ihr in leiser Stimme.
„Das erste Mal sollte nicht so sein, ich will euch das nicht nehmen. Lasst uns hier schnell heraus kommen und dann werde ich mir etwas zu essen suchen", sagte Serana mit sympathischem Tonfall.
Die Antwort lies einen scharfen Schmerz der Enttäuschung durch Auroras Körper fahren, aber sie nickte und half Serana weiter hin dabei auf den Beinen zu bleiben.
Als sie die andere Seite der Brücke erreicht hatten, bewegte sich plötzlich etwas vor ihnen. Plötzlich sprangen zwei merkwürdig aussehende Kreaturen mit Flügeln auf sie zu. Ihre Bewegungen wurden von metallischem Kreischen und dem Gerumpel von Steinen begleitet.
„Gargoyles, passt auf!", rief Serana neben ihr plötzlich und hob ihre freie linke Hand, in der sie sofort begann Magica zu sammeln.
Aurora tat es ihr gleich und zog mit ihrer rechten Hand die Malachit Klinge, da sie ihr Akaviiri Schert mit Seranas Arm um ihre Schulter nur schwer erreicht hätte.
„Ich versuche sie auf Distanz zu halten, ihr müsst den Rest erledigen, falls sie zu uns durchbrechen", befahl Serana.
Aurora gefiel es zwar nicht wie sie mit ihr redete, tat aber was sie wollte. Serana war offenbar eine begabte Magierin, denn die erste der beiden Bestien war tot, bevor sie auch nur in die Nähe von Auroras Schwert gekommen war, durch einen mächtigen Schockzauber, dessen Funken für einen Moment die gesamte Höhle ausleuchteten.
Der zweite Gargoyle hingegen schaffte es ihrem Zauber das erste Mal auszuweichen und nährte sich nun mit springenden Schritten. Ein Eisgeschoss von Serana traf ihn in die Brust und zerbrach dort, so als wäre es auf Stein getroffen, ohne Schaden zu verursachen. Er war so schnell, dass Aurora nur das Schwert nach vorne halten musste und er genau darauf zu raste, allerdings drang die Waffe nicht in ihn ein sondern prallte von seiner Haut ab. Der Aufprall war so stark, dass die Erschütterung, die durch die Klinge zurück in ihren Arm gesendet wurde, ihr das Schwert aus den Händen riss.
Nur einen Moment später kollidierte das Monster mit ihr und sie wurde nach hinten geschleudert und verlor Serana aus den Augen. Sie fand sich nur Zentimeter von der Kante des Abgrundes wieder. Der Gargoyle stand einige Meter vor ihr und schien sich auf seinen nächsten Angriff vorzubereiten.
Aurora überfiel eine Idee. Schnell ließ sie ihre magische Energie in ihre Hände fließen und schleuderte mit all ihrer Kraft ein Eisstachel in die Decke der Höhle. Direkt über dem Gargoyle löste sich ein großer Felsbrocken und viel herab. Als er die Bestie unter sich begrub, splitterten unzählige kleine Felsstückchen umher und stachen in Auroras Haut.
Als sie sich schlie0ßlich erhob sah sie, dass Serana in ähnlicher Verfassung war. Schnell lief sie zu ihr hinüber um zu sehen ob es ihr gut ging. Als sie eine Hand ausstreckte um ihr aufzuhelfen, winkte diese nur ab und begann sich aus eigener Kraft langsam Aufzurichten. Aurora begann sich nach ihrem Schwert umzusehen. Sie konnte es nirgendwo sehen. Es musste unter samt dem Gargoyle unter dem Felsbrocken begraben worden sein.
Als Aurora sich wieder umdrehte, sah sie, dass Serana eine kleine Treppe nach oben lief. Schnell verdrängte sie den Gedanken an ihr verlorenes Schwert und folgte ihr.
Nach einigen Biegungen und weiteren Räumen, die allesamt aussahen, als wären sie ebenfalls von den alten Nord gebaut worden, erreichten sie eine große, kreisrunde Halle. Der Bau erinnerte ein wenig an eine Arena, denn sie befanden sich auf halber Höhe und konnten auf diesem Level auch einmal um die Halle herum gehen. In der Mitte, einige Meter unter ihnen, befand sich eine runde Fläche, die mit Sand bedeckt war. Auf der ihr gegenüberliegenden Seite befand sich eine Wand, die aus massivem Stein gefertigt war. Auf ihr befanden sich merkwürdige Zeichen.
Ein plötzlicher, ohrenbetäubender Lärm riss sie aus ihren Gedanken. Auf einem steinernen Thron vor der Wand, den sie vorher nicht bemerkt hatte, saß ein Draugr. Er war noch größer als die beiden, denen sie vorher bergend war und hielt eine große Axt in den Händen.
„Wartet hier", sagte sie zu Serana und begann schnell nach unten in den Ring zu laufen.
Ein weiteres Donnern erfüllte den Raum und ließ Staub von der Decke rieseln. Diese Mal jedoch war Aurora vorberietet und konnte der blauen Schockwelle ausweichen, indem sie sich zur Seite warf und so dicht wie möglich auf den Boden drückte.
Plötzlich hörte sie ein surrendes Geräusch über sich und schaute gerade noch rechtzeitig auf um zu sehen, wie ein kleiner goldener Dolch sich in die Brust des Draugr biss. Eine Sekunde nachdem er eingeschlagen war, explodierte eine elektrische Flamme aus ihm und der Kopf des Draugrs platze. Sein lebloser Körper fiel erst auf die Knie und dann vorn über.
Langem erhob sich Aurora und schaute zu, wie Serana die Treppe zu ihr hinunter kam, es war ihr anzusehen, dass der Zauber all ihre letzte Kraft gebraucht hatte. Aurora konnte sie gerade noch rechtzeitig stützen um zu verhindern dass sie die letzten zwei Stufen nach unten gefallen wäre.
„Das war recht eindrucksvoll", sagte sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Serana nickte nur und legte ein Großteil ihres Gewichtes auf Auroras Schulter. Der Weg in die nächste Kammer führte direkt an der Wand vorbei. Aurora hatte erkannt, was sie war und war nicht besonders scharf darauf sich ihr zu nähren. Aber es führte kein Weg daran vorbei, also begann sie langsam darauf zu zulaufen.
„Was war das für eine Art von Magie, die der Draugr angewendet hat? Habt ihr so etwas schon einmal gesehn?", fragte Aurora während dem gehen.
„Nicht persönlich, aber wenn ich mich nicht irre, dann war das ein Schrei in der Drachensprache, Dovahzul", antwortete Serana ihr erschöpft.
Sie mussten so schnell wie nur möglich aus dieser Höhle heraus und jagen gehen, so dass Serana wieder zu Kräften kommen würde.
Als sie noch etwa zehn Meter von der Wand entfernt waren, begann Aurora wieder das Flüstern in ihrem Kopf zu hören, so als rufe die Wand nach ihr. Je weiter sie sich nährte, desto schwerer wurde es dem Drang, dem Befehl zu widerstehen. Auf einmal war es unmöglich etwas anders zu denken als das was die Wand ihr vorgab.
Ohne Serana loszulassen, bewegte sie sich langsam vor die Wand und spürte wie sie immer stärker zog. Als sie schließlich mit der Stirn gegen die Wand gepresst vor ihr Stand, erschienen die blauen Fäden, die schon das letzte Mal aufgetaucht waren und umgarnten sie. Sie bemerkte, dass sie um Serana einen Bogen zu machen schienen.
Sie hörte ein Wort in der fremden Sprache in ihrem Kopf.
GAAN.
Es brannte sich in ihren Verstand. Wie beim letzten Mal wusste sie, dass sie dieses Wort nie wieder vergessen würde, obwohl sie keine Schimmer hatte was es bedeutet.
Als die Wand sie freigab, stolperte sie rückwärts, bis sie schließlich auf den Boden fiel. Serana stand immer noch an der Wand und hatte sie offen aber während des Prozesses losgelassen.
„Was war das?", fragen sie.
Aurora musste mehrmals blinzeln um den andern Vampir scharf zu sehen.
„Ich weiß es nicht, aber das war nicht das erste Mal, dass das passiert ist".
Serana schaute wieder zu der Wand und lies eine Hand darüber wandern. Offenbar in Gedanken begann sie zu sprechen.
„Diese Wände wurden soviel ich weiß von den alten Nord erbaut. Die Inschrift ist in Dovahzul verfasst. Ich weiß aber nicht, was da steht oder was sie bedeuten", sagte sie leise.
Als sie geendet hatte, beugte sie sich ein wenig vor um sich die Zeichen genauer anzusehen. Aurora wartete noch einen Moment, bevor sie sich vom Boden erhob, und bewunderte Serana. Als sie sich von der Wand wegdrehte, schaute Aurora schnell zu Boden und stand auf.
„Gute Aussicht?", fragte Serana mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen, als sie sich langsam und schwankend nährte.
Aurora konnte spüren, wie sie rot wurde.
Nach einer steilen Treppe, die Serana wirklich an die Grenze ihrer Reserven gebracht hatte, standen sie schließlich vor dem Ausgang aus der Ruine. Draußen war es immer noch Nacht und der Mond stand noch hoch am Himmel. Sie würden noch mehrere Stunden haben, bevor die Sonne aufging, hoffentlich genug Zeit um zu jagen.
Die Reise die vor ihnen lag, war zwar nicht so lang, aber bis Morthal war es das schnellste querfeldein zu laufen. Zum Glück waren sie schnell auf einige Jäger getroffen, die so arglos gewesen waren und sie mit sich ins Lager genommen hatten. Insgesamt waren es vier Menschen und zwei Waldelfen. Nach nur wenigen Minuten hatte Serana sie alle ausgesaugt. Aurora konnte sich nicht vorstellen, wie stark ihr Durst gewesen war.
Nach dem Serana wieder bei Kräften war, gelangten sie deutlich schneller voran und erreichten Morthal schon in der nächsten Nacht. Am Tag hatte sie halt gemacht und sich im Schatten einiger großer Bäume aufgehalten und abwechselnd geschlafen, wobei Aurora die meiste Zeit geschlafen hatte, denn als sie Serana angeboten hatte, einen Teil der Wache zu übernehmen, hatte diese nur gesagt, sie habe genug geschlafen für die nächsten tausend Jahre.
Von Morthal aus, kamen sie noch schneller voran, denn sie konnten die Straße benutzten, so schafften sie den Weg nach Drachenbrügge bis zur Hälfte der nächsten Nacht.
In der Entfernung war die Drachen Brücke zu sehen, allerdings war das nicht das was Auroras Aufmerksamkeit erlangte. Ein Mann rannte ihnen aus Richtung Norden entgegen und würde sie schnell erreichen. Serana hatte ihn offenbar auch bemerkt und verlangsamte ihren Gang.
„Was der wohl hat?", fragte sie und klang dabei leicht amüsiert.
Aurora zuckte nur mit den Schultern und wartete stumm darauf, dass er zu ihnen kam. Der Mann, ein Nord wie sie jetzt sehen konnte, kam direkt auf sie zu.
„Ich brauche eure Hilfe", sagte er verzweifelt und wollte gleich weiter reden, wurde aber von Serana unterbrochen, die eine Hand hochhielt und ihn so zum Schweigen brachte.
„Wollen wir uns anhören was er zu sagen hat oder ihn gleich …", sagte sie mit einem Lächeln.
Aurora hatte Serana über die letzten zwei Tage besser kennen gelernt und mochte ihre Art des Humors, auch wenn sie in Situationen wie dieser nicht wusste ob sie es ernst meinte oder nicht.
„Bitte, meine Frau und Tochter werden von Kaiserlichen gefangen gehalten. Ich will mir gar nicht vorstellen, was sie mit ihnen machen".
„Warum flieht ihr dann?", fragte Serana scharf.
Der Mann zuckte zusammen und schaute zu Boden.
„Um Hilfe zu suchen, es sind etwa ein duzen Männer bei ihnen, ich hätte sie nie alleine befreien können", sagte er traurig.
„Warum halten die Kaiserlichen denn eure Familie fest?", fragte Aurora in einem freundlicheren Ton.
„Sie glauben ich wäre ein Sturmmantel und hätte Ulfric dabei geholfen nach Einsamkeit zu gelangen um den Großkönig zu töten".
„Und, habt ihr?", stellte Serana die Frage, die sie auch stellen wollte.
„Nein, natürlich nicht und ich bin auch kein Sturmmantel", sagte der Mann empört, „Bitte helft mir".
Aurora schaute auf in Seranas Gesicht und sah wie sie überlegte, dann nickte sie fast unmerklich.
„Also gut", sagte sie schließlich, „Wir werden eurer Frau und Tochter helfen, wo finden wir sie?"
„Im Dorf gibt es ein Haus, eine Kaiserliche Flagge hängt vor der Türe, dort drinnen befinden sie sich".
„Gut, versteckt euch hier und wartet bis wir zurück kommen", sagte Serana und begann in Richtung Brücke zu laufen.
Drachenbrügge war ein kleines Dorf, hatte aber schon immer hohe Militärpräsenz verzeichnet, da es durch die Lage direkt an der Drachenbrücke strategisch sehr kostbar war. Als sie einige hundert Meter die Hauptstraße im Dorf Richtung Einsamkeit gelaufen waren, stand auf der linken Seite ein Haus. Zwei große Banner die das Kaiserliche Wappen zeigten hingen links und rechts des Eingangs.
„Das muss es sein", sagte Aurora und deutete auf die Türe.
Serana trat vor und schaute sich das Kaiserliche Wappen an.
„Warum benutzt das Reich einen Drachen als Wappentier?", fragte sie.
„Soweit ich weiß, waren die ersten Kaiser des Reiches Drachenblut", antwortet Aurora ihr, sie konnte sehen, dass Serana gerade etwas fragen wollte, als sie einen Schrei von innen hörten. Er war hoch und klang nach dem einer Frau oder eines Mädchens.
„Lasst uns keine Zeit verschwenden", konnte Aurora hören, dann war Serana auch schon an der Türe des Hauses.
Nur einen Moment später hatte sie die Türe mit einem Tritt geöffnet und war eingetreten. Aurora schüttelte den Kopf und schaute sich schnell um, um zu überprüfen, dass sie keiner gesehen hatte. Als sie nach wenigen Sekunden auch eintrat, sah sie Serana wie versteinert da stehen. Zwei der Soldaten hatten ihre Waffen gezogen und auf Serana gerichtet, aber das war nicht was sie zum Erstarren gebracht hatte.
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Auf dem Tisch der in der hinteren Ecke des Raumes stand, lag eine Frau. Ihre Kleidung war zerrissen und hing in fetzten von ihr herunter. Zwei der Soldaten waren gerade dabei sie zu vergewaltigen während ein dritter ein kleines Mädchen festhielt und zwang zuzusehen. Ein halbes Duzend weitere Männer in kaiserlicher Uniform standen um den Tisch herum und feuerten ihre Kameraden an oder beschimpften die Frau.
„Ja, besorgs ihr! Ihr verräterischer Mann, hat bestimmt nicht mal einen Schwanz!", grölte einer der Männer.
Auroras Blick wanderte wieder zu dem Mädchen, es hatte die Augen fest geschlossen und versuchte offenbar die Hände auf die Ohren zu pressen, was der Soldat der sie festhielt aber verhinderte.
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Sie hörte wie Serana etwas flüsterte:
„Ihr Bastarde".
Es war so leise, dass sie nicht wusste ob die Beiden Soldaten die sie bedrohten es gehört hatten. Es spielte aber auch keine Rolle, denn nur einen Moment später war sie nach vorne geschnellt und hatte die Schädel der Soldaten mit solcher Wucht gegeneinander geschlagen, dass sich ihre Hände durch die Knochen drückten und als die beiden toten Männer zu Boden fielen, konnte man auf der Innenseite sehen wie einige Knochensplitter durch die Haut nach außen drangen.
Ein plötzlicher Nebel umgab Serana und Aurora konnte sie nicht sehen. Einige Moment später war ein lautes Fauchen zu hören und eine Kreatur, die sie entfernt an einen Gargoyle erinnerte trat aus dem Nebel hervor. In was hatte Serana sich verwandelt?
Was auch immer es war, es war mächtig. Ohne auch nur das geringste Bisschen in Schwierigkeiten zu gelangen, schlachtete sie einen Soldaten nach dem anderen ab. Aurora konnte sehen, wie sie sich in einem Blutrausch verlor beschloss zu handeln um das Mädchen aus ihrer Reichweite zu bringen.
Sie zog ihren Dolch und schnellte hinter den Mann, ohne zu zögern schnitt sie ihm die Kehle auf. Die Geräusche die er von sich gab, gingen im Getöse das Serana veranstaltete unter. Als sein Griff um die Arme des Mädchens locker wurde, hab sie es hoch und zog sich schnell ans andere Ende des Raums zurück.
Als das Kind in Sicherheit war, schaute Aurora wieder zu dem andern Vampir. Ihre Bewegungen waren anmutig und tödlich. Sie war ungeheuer heiß. Serana war der Tot, sie war schnell und effizient. Sie merkte, wie Erregung in ihr wuchs.
Der letzte Soldat der stand, war einer der beiden, die die Frau auf dem Tisch vergewaltigt hatte. Serana schloss eine ihrer großen Hände um seinen Hals. Ihre krallenartigen Fingernägel bohrten sich in seinen Hals. Sein Gesicht war eine Maske des Schreckens. Sie schlug ihn mit dem Rücken gegen die Wand und der Aufprall ist so laut, dass Aurora dachte, sie die Wand würde nachgeben. Seine Beine zappelten freihängend in der Luft. Nachdem sie ihn einige Sekunden abschätzend angesehen hatte, konnte Aurora sehen, wie sie ihm die Kehle mit den Zähnen aus dem Hals riss.
Es dauerte einen Moment, dann hatte sie sich zurück verwandelt. Ihre Rüstung hatte den gesamten Prozess offenbar überstanden. Sie ging langsam zum Tisch und hob die Frau auf, die an der Grenze der Bewusstlosigkeit schwebte.
„Gehen wir", sagte sie, als sie an Aurora vorbei aus dem Haus lief.
Das Gesicht des Kindes war angsterfüllt, Aurora seufzte und blickte ihr in die Augen. Sie war vielleicht vierzehn Jahre alt, aber schon fast so groß wie sie selber. Sie streckte ihre Hand aus und legte sie dem Mädchen auf die Wange. Sie konnte spüren wie es vor ihrer Berührung zurückschreckte.
„Ich weiß, dass du jeden Grund hast Angst zu haben, aber wir wollen dich und deine Mutter zurück zu eurem Vater bringen", versuchte sie das Mädchen zu beruhigen.
Der Blick des Mädchens hatte sich nicht verändert, Aurora konnte es ihr nicht verdenken, nach dem was sie gerade miterlebt hatte. Aber schließlich nickte sie.
„Gut, wir müssen schnell hier weg, bevor die Wachen sehen was hier geschehen ist", sagte sie, „Steig auf meinen Rücken und halt dich gut fest".
Das Mädchen zögerte kurz, dann stieg es auf. Schnell hatte Aurora Serana eingeholt und sie rannten nebeneinander über die Drachen-Brücke. Nach wenigen Minuten erreichten sie das Verschreck des Nords und stoppten. Es dauerte nicht lange und der Mann kroch aus dem Gebüsch hervor und kniete sich vor Serana auf den Boden.
„Danke, ich weiß nicht wie ich euch danken soll", sagte er und nahm seine bewusstlose Frau aus Seranas Armen.
Seine Tochter sprang von Auroras Schultern und rannte ihm entgegen. Aurora berührte Serana leicht an der Schulter und sie begannen sich von der Familie zu entfernen.
„Wir sollten uns beeilen, bevor sie das Dorf abriegeln", sagte Serana.
Einige Zeit liefen sie schweigend neben einender her, bis die Stille unerträglich wurde.
„Serana …", sie wusste nicht wie weiter reden sollte, „… seit ihr in Ordnung?", fragte sie schließlich.
Es dauerte einen Moment, bevor die Antwort kam.
„Mir geht es gut", sagte sie, schüttelte aber den Kopf, „Mir geht es gut", sagte sie noch einmal mit zittriger Stimme.
Sie hatten Drachenbrügge inzwischen einige Meilen hinter sich gelassen und folgten der Straße Richtung Einsamkeit. Plötzlich sank Serana neben ihr auf den Boden und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Gedämpftes Schluchzen war zu hören. Langsam setzte sich Aurora neben sie und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Was ist los, redet mit mir", fragte sie sanft.
„Das fragt ihr? Ihr seid eine Tochter von Kalthafen genau wie ich. Was glaubt ihr wohl was los ist", wurde sie von Serana angefahren.
Vorsichtig legte sie einen Arm um Seranas Schulter und zog sie an sich heran. Es dauerte einen Moment, aber sie entspannte sich und nahm die Umarmung an. Aurora hatte zu Anfang in diesem Raum selber kurz an Molag Bal denken müssen, aber wurde dann schnell abgelenkt durch Seranas kleinen Trick. Die Nacht war noch einige Stunden lang, sie konnten es sich leiten eine Pause zu machen, also ließ sie Serana in ihren Armen sitzen, bis sie sich wieder beruhigt hatte.
Die neue Nacht war nur einige Stunden alt, als sie eine Art Anleger erreichten. Er befand sich direkt hinter einer Festung in der es von Thalmor nur so zu wimmeln schien. Während sie im Bot saßen und auf die andere Seite übersetzten erzählte Serana von dem Schloss.
„Ach ja, noch etwas wichtiges. Erzählt dort drinnen niemandem, dass ihr mehr seid als ein gewöhnlicher Vampir", sagte Serana in ernstem Tonfall, „Das ist mit einer der Gründe warum ich in diesem Stein war", fügte sie leiser hinzu.
Aurora nickte und schaute wieder nach vorne wo sich eine dunkle Festung langsam gegen den Nebel abzeichnete.
Als sie das Boot am Anleger der Insel befestigt hatten, machten sie sich auf den Weg zum Haupttor. Ein Fallgitter versperrte den Weg und ein Wachposten stand zwischen dem Gitter und dem eigentlichem Tor. Er machte einige Schritte nach vorne, als er sie sah.
„Lady Serana?", fragte er ungläubig, „Ihr seid es wirklich. Öffnet das Tor, Lady Serana ist zurückgekehrt".
Er verschwand in der Feste und kurz danach öffnete sich das Gitter.
„Eines noch", begann Serana, „Es ist wahrscheinlich am besten, ihr lasst dort drinnen erst einmal mich reden".
Aurora nickte und gemeinsam betraten sie die Burg.
Der vorherrschende Geruch im großen Sahl der Festung war ein penetranter Gestank nach abgestandenem Blut. Aurora unterdrückte das rümpfen ihrer Nase. Wie konnte man nur in solchen zuständen leben. Sicher es war bestimmt komfortabel immer zugriff auf Blut zu haben, aber dass hier war einfach nur widerlich.
Ein großer Nord mit dunklem Haar und harten Gesichtszügen stand auf um ihnen entgegen zu kommen.
„Wen haben wir den hier? Es freut mich euch kennen zu lernen. Wie ich sehe habt ihr mir meine Schriftrolle der Alten wieder gebracht", sagte er und deutete auf einen Gegenstand den Serana aus ihrem Rucksack geholt hatte.
Eine Schriftrolle der Alten, so sahen diese Teile also aus, dachte sie als sie sich den Gegenstand ansah.
„Ist das alles was du in mir siehst, Vater?", fragte Serana plötzlich, ihre Stimme empört und scharf.
Der Mann sah sie scharf an.
„Das ist wohl kaum der Ort und die Zeit für dieses Gespräch Serana", antwortete er ihr mit finsterem Gesichtsausdruck, dann wendete er sich wieder Aurora zu, „Mein Name ist Lord Harkon. Ich bin euch zu Dank verpflichtet, dass ihr mir meinen teuersten Besitzt wieder gebracht habt".
Sein teuerster Besitzt? Wie konnte er nur so von seiner Tochter denken, wenn es sich überhaupt auf sie bezogen hatte.
„Ich biete euch hiermit an, meinem Hofe beizutreten, wenn ihr das wünscht", sagte er.
„Was wenn ich euer Angebot ablehne?", fragte sie ihn.
„Ihr seid jederzeit hier willkommen um eure Meinung zu ändern, auch wenn ich hoffe, dass das nicht nötig sein wird", sagte er mit einem betont freundlichen Gesichtsausdruck.
„Dann lehne ich euer Angebot für das erste ab", sagte Aurora entschlossen.
„Es betrübt mich das zu hören, aber ich hoffe ihr ändert eure Meinung noch".
Aurora nickte ihm zu und wendete sich zu Serana. Diese nickte Richtung Ausgang und Aurora begann sich zu bewegen. Sie spürte die Spannung im Raum förmlich. Als sie die Treppe, die hinauf zum Tor führte schon fast erreicht hatte, begann Harkon erneut zu sprechen.
„Ich weiß was ihr seid", sagte er.
Aurora blieb wie angewurzelt stehen, er wusste es. Serana hatte sie gewarnt nichts zu sagen und sie hatte sich daran gehalten, also woher wusste er es. Die Erkenntnis traf sie wie ein Stein in den Magen. Er war selber ein Kind von Kalthafen. Diese Tatsache ließ Seranas erste Bemerkung in der Höhle in einem vollkommen neuem Licht erscheinen. Er hatte sie Molag Bal geopfert um selber zu einem reinen Vampir zu werden.
„Ich hatte gehofft, ihr würdet uns freiwillig beitreten, aber ich kann euch nicht gegen lassen", sagte er, seine Stimme war so vollkommen kalt, dass ein Schauder über Auroras Rücken lief.
Sie konnte sich offensichtlich keinen Weg hier heraus Kämpfen, so voll wie die Halle war, wäre das Selbstmord, also ließ sie sich von zwei Vampiren abführen und in eine Zelle bringen.
