Es tut mir wirklich leid, dass es so lange gedauert hat, aber im Moment hab ich so viel um die Ohren. Ich versuche wieder schneller zu sein mit den Updates, aber ich kann euch nichts versprechen.
Ich kriege immer noch wenig Rückmeldung. Ich würde einfach gern wissen, ob es sich lohnt, diese Story fortzuführen oder ob ich lieber etwas anderes anfangen soll. Sagt mir eure Meinung. :)
So und jetzt viel Spaß mit dem Kapitel, ich hoffe, es gefällt euch.
Kapitel 3
Andy
Das kann nicht sein, das kann nicht sein. Ungläubig starrte Andy Sharon an, die Türklinke immer noch in der Hand. Sie wich seinem Blick aus und schaute auf ihre Finger. Erst als er ihrem Blick folgte, sah er, dass sie ihre Hände in Handschellen gelegt hatten. Er spürte, wie die Wut in ihm aufstieg.
Mit geröteten Wangen wandte er sich zum Chief und fuhr sie an. „Das kann doch wohl nicht ihr Ernst sein?!"
Brenda sah ihn verständnisvoll an, dann wanderte ihr Blick zu Sharon, die immer noch auf ihre Hände starrte. „Ich weiß, Andy. Ich weiß auch nicht, was hier vorgeht. Aber lassen Sie uns das schnell klären. Für Sharon." Sie sprach so leise, dass weder Sharon noch der Rest des Teams im Elektronikraum sie verstehen konnte.
Andys Wut verflog langsam, Brenda konnte schließlich auch nicht dafür. Er holte tief Luft, legte seine Hände auf die Hüften und schüttelte den Kopf.
„Ja Chief, aber ist das wirklich nötig?" Er gestikulierte in Sharons Richtung. „Die Handschellen?"
Brenda folgte seiner Handbewegung und blickte Sharon an, die den Kopf gehoben hatte. In ihren Augen lag pure Verzweiflung.
„Nein natürlich nicht." Sie gab dem uniformierten Officer vor der immer noch offen stehenden Tür ein Zeichen. Er kam herein und befreite Sharon schließlich von den Handschellen. Sie bedankte sich und rieb sich die Handgelenke.
Nachdem der Officer den Raum verlassen hatte, nahmen Brenda und Andy gegenüber von Sharon Platz. Andy kannte sie mittlerweile gut. Er konnte die exakte Sekunde benennen, in der sie ihre Maske aufsetzte, um sich selbst zu schützen. Er konnte es ihr nicht verübeln, aber er war sich nicht so sicher, ob das in der gegenwärtigen Situation wirklich hilfreich war.
„Captain Raydor." Das klang falsch. Die beiden nannten sich längst bei ihren Vornamen.
Brenda sortierte die Unterlagen, die sie von Robbery/Homicide bekommen hatte, dabei war auch Sharons Waffe. Andy konnte den Blick nicht davon abwenden.
„Sie haben bereits auf Ihre Rechte verzichtet. Ist das richtig?"
Brenda klang fast so streng wie immer. Fast. Andy und auch Sharon konnten das leichte Zittern in ihrem Ton vernehmen.
„Ja."
Es klang entschlossen. Es klang kalt. Nicht wie Sharon, sondern wie Captain Raydor. Andy wusste noch nicht, was er davon halten sollte.
„Gut." Brenda zögerte einen Moment und sah dann Sharon direkt in die Augen. „Mir wurde gesagt, dass Sie allerdings für Robbery/Homicide noch keine Aussage gemacht haben."
„Der Fall wurde Major Crimes übergeben, sobald mein Name involviert war."
Dieser Tonfall machte Andy Sorgen. Am liebsten hätte er sie angeschrien, hätte ihr gesagt, sie solle aufhören damit, dass es die Situation nicht bessern würde. Aber er konnte nicht. Er ließ Brenda die Vernehmung führen und hörte stattdessen aufmerksam zu.
„Ja, dann werde ich Ihnen jetzt einige Fragen stellen. Fangen wir an mit: wo waren Sie gestern Abend ab acht Uhr?"
Sharons Blick huschte nur für eine Sekunde zu Andy, bevor sie antwortete. „Wir hatten einen Fall bei FID, der oberste Priorität hatte. Ich war bis halb neun im Büro. Das kann Ihnen mein gesamtes Team bestätigen."
Brenda nickte und begann, Notizen zu machen. „Wo waren Sie danach, Captain?"
„Ich…" Sie zögerte und Brenda blickte sie fragend an. Auch Andy zog die Brauen zusammen. „Ich bin etwas trinken gegangen in einer Bar."
„Mit wem?"
„Allein. Ich war allein."
Andy schloss die Augen für einen Moment. Sie hatte kein Alibi. Und was wollte sie allein in einer Bar? Das klang nicht nach Sharon. Also mischte er sich doch ein.
„Darf ich fragen, warum Sie allein etwas trinken gehen?" Brenda sah ihn überrascht an. Das tat nun nichts zur Sache. Sie wunderte sich über seine Frage.
Sharon starrte ihn an. Ihr Gesichtsausdruck war kalt.
„Ich weiß zwar nicht, wozu diese Information gut sein sollte, aber ich war sauer." Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Auf einen Freund."
Das versetzte Andy einem Stich. Er wusste zwar nicht, warum sie sauer war, aber dass sie ihn meinte, war klar.
„Captain, welche Bar war das?" Sharon wandte ihren Blick zu Brenda, während sie antwortete.
„Molly´s. 16. Straße."
Brenda blinzelte zweimal, dann schluckte sie und wandte den Blick von Sharon ab. Sie sah in ihre Unterlagen und schloss die Augen. Andy warf ebenfalls einen Blick auf den Bericht von Roberts Einheit.
Nein.
„Bis wann waren Sie dort?"
Sharon schluckte. Sie antwortete nicht.
Brenda sah sie an. „Captain?"
Sharon senkte den Kopf und antwortete nach ein paar weiteren Sekunden Stille.
„Ich weiß es nicht."
Brenda und Andy sahen sie verwirrt an.
„Sie wissen es nicht? Was meinen Sie damit?"
Sharon schaute Brenda in die Augen und für einen kurzen Moment ließ ihr Blick zu, dass man die Unsicherheit darin erkannte.
„Das heißt, dass ich nicht weiß, was gestern Abend passiert ist."
Andy schnappte nach Luft und sah sie ungläubig an. Nicht gut, das war gar nicht gut.
Brenda überlegte einen Moment, während sie in Richtung des Spiegelglases zum Elektronikraum sah. Andy konnte sich die einzelnen Gesichter nur zu gut vorstellen. Geschockt, überrascht, bestürzt. Nur Roberts und wahrscheinlich auch Taylor waren bestimmt hocherfreut.
„Okay, Captain. Dann setzen wir anders an. Wo bewahren sie ihre Dienstwaffe auf?" Bei der Frage legte sie eine Hand auf die Pistole vor ihr, die in eine Tüte gehüllt war.
„Ich habe sie in einem Safe in meinem Büro. Es sei denn, ich fahre direkt von einem Tatort oder ähnlichem nach hause."
Brenda nickte und schrieb es sich auf. „Und gestern? Wo hatten Sie Ihre Waffe da?"
Sharon öffnete den Mund und schloss ihn dann wieder. Sie schloss die Augen und schüttelte den Kopf leicht. Ihre Fassade begann zu bröckeln und Andy hasste es.
„Ich hatte sie in meiner Handtasche. Sie musste gereinigt werden, aber ich bin vorher nicht dazu gekommen, also wollte ich es zuhause tun."
„Kennen Sie diesen Mann?" Sie schob Sharon ein Foto von einem jungen Mann hinüber, der so blass war, dass jeder erkennen würde, dass er nicht mehr lebte. Er hatte dunkles Haar und einen Dreitagebart. Sharon sah sich das Foto einen Moment lang an und schüttelte dann den Kopf.
„Nein, das Gesicht sagt mir nichts." Sie sah Brenda aufrichtig an, die einen Moment lang zögerte. Dann nahm sie Sharons Waffe und legte sie neben das Foto. Sie zog noch weitere Fotos aus der Akte und breitete sie vor Sharon aus. Andy sah sie sich an und musste schlucken.
„Bevor wir darauf eingehen, Captain, sagen Sie mir bitte, wo und in welchem Zustand Sie heute Morgen waren."
Sharons Kopf fuhr hoch. Diese Frage schien ihr besonders Sorgen zu machen. Verwirrt zog Andy die Augenbrauen zusammen, legte seine Hände zusammen vor sich auf den Tisch und lehnte sich nach vorne. Er konnte erkennen, wie nervös Sharon war, aber sie versuchte es zu verstecken.
Sie holte tief Luft, als würde sie sich wappnen für ihre eigenen Worte. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf.
„Ich bin heute Morgen in einem Hotelzimmer aufgewacht in der Baker Street. Ich habe einen unglaublichen Kater, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, viel getrunken zu haben. Aber wie gesagt, ich kann mich an gar nichts mehr erinnern. Meine Handtasche lag neben dem Bett. Es war alles noch da. Meine Brieftasche, mein Schlüssel, mein Handy und ja, meine Waffe."
Sie starrte auf das Beweisstück vor ihr und einen Moment lang herrschte eine Stille, die Andy kaum aushielt.
Brenda sah Sharon ungläubig an, bevor ihre Mine wieder dieses gequälte annahm. Andy schluckte, er wusste, worauf das hier hinauslaufen würde und es war nicht gut.
„Das hier ist Jonathan Canson. Er war 25 Jahre alt und arbeitete in einer Computerfirma hier in LA." Brendas Finger ruhte auf dem Foto des Opfers. Dann wanderte er zu Sharons Waffe.
„Er wurde gestern Nacht gegen halb elf erschossen. Und zwar mit Ihrer Dienstwaffe."
Sharon konnte nur den Kopf schütteln. Andy konnte Tränen in ihren Augen erkennen und zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit brach es ihm das Herz.
Brenda zeigte nun auf die übrigen drei Fotos vom Tatort, die neben dem des Opfers lagen.
„Die Leiche von Canson wurde heute Morgen in der 16. Straße gefunden. Und wenn Sie sich dieses Foto mal genauer anschauen, können Sie auf der anderen Straßenseite die Lichter des Molly´s erkennen."
Sharon schaute sich das Foto nicht an und Andy spürte, wie sie um Fassung rang.
„Captain, wenn Sie ehrlich sind, ist die Beweislage ziemlich eindeutig. Und deshalb würde ich jetzt gerne die Wahrheit von Ihnen hören."
Brendas Stimme war nur eine Spur weicher als sonst. Sharons Hände zitterten und eine Träne hatte sich den Weg über ihr Gesicht gebahnt.
Aber als sie wieder aufschaute war ihr Gesichtsausdruck gefasst und in ihrem Blick lag eine Kälte, die Andy einen Schauder durch den Rücken jagte. Und was sie dann sagte, machte ihn wütend und traurig zugleich.
„Ich will einen Annwalt."
