Jetzt wollte ich mich beeilen, und jetzt hat es noch länger gedauert. Es tut mir total leid! Aber im Moment ist es alles etwas stressig. :-(

Danke an alle, die mich zum Weiterschreiben motiviert haben. Dann geht es also weiter mit Sharon und Andy. Ich freu mich natürlich weiterhin über Kommentare und Vorschläge von euch.

Viel Spaß mit diesem Kapitel :-)

Kapitel 4

Sharon

Sie wusste nichts mehr.

Vor 24 Stunden saß sie in einem ähnlichen Verhörraum, nur mit einem kleinen Unterschied. Sie stellte die Fragen.

Sie wusste nicht, wie sich das so schnell hatte ändern können.

Andys Gesicht machte ihr noch mehr zu schaffen. Sein gleichzeitig trauriger, wütender und verletzter Ausdruck zerquetschte ihr Herz förmlich.

Sie wusste nicht, was passiert war.

Aber eins wusste sie: Sie war keine Mörderin.

Und Gavin würde das beweisen. Er musste einfach.

„Sie haben nun einen Anruf, um ihren Anwalt zu konsultieren." Detective Sanchez reichte ihr den Hörer und drehte sich höflich um. Er respektierte sie noch, aber dennoch fehlte das übliche „Captain".

Sobald Gavins Sekretärin den Namen Raydor gehört hatte, stellte sie durch.

„Gavin, ich brauche Dich." Sharons Stimme zitterte leicht und das alarmierte Gavin sofort.

„Was hat der Idiot jetzt wieder angestellt?" Sharon und Gavin hatten oft über Andy gesprochen. Das war schließlich ein Thema, über das sie nicht mit Andy selbst sprechen konnte. Obwohl Andy nicht direkt etwas „angestellt" hatte, fühlte Sharon sich immer besser, wenn Gavin ihn als „Idioten" bezeichnete, weil er mal wieder mit Kerry ausging. Nicht so in diesem Moment.

„Nichts, Gav. Ich…" Sie schluckte, sie konnte nicht fassen, was sie gleich gezwungen war zu sagen.

„Ich brauche dich als meinen Anwalt." Ihre Augen brannten und sie hatte das ungute Gefühl, dass ihre Beine sie nicht mehr lange tragen würden. Von ihrem Kopf ganz zu schweigen.

Am anderen Ende der Leitung herrschte Stille. Gavin Baker war sprachlos. Dass ich das nochmal erleben darf, dachte Sharon zynisch.

Im nächsten Moment drehte Julio sich zu ihr um und deutete auf sein Handgelenk.

„Hör zu, Gavin. Ich habe keine Zeit mehr. Ich stehe unter Mordverdacht und ich brauche dich bei Major Crimes." Sie atmete noch einmal tief ein. „Jetzt."

Das letzte Wort war kaum mehr als ein Flüstern.

„Ähm, Sharon." Gavin hatte immer noch Schwierigkeiten, ganze Sätze zu bilden. „Du unter Mordverdacht? Und hab ich das richtig verstanden? Major Crimes? Willst du mich auf den Arm nehmen?"

Fast hätte Sharon bei der Ironie der Situation gelacht. Nur fast.

„Gavin, bitte komm her." Sie legte all ihre Verzweiflung in ihre Stimme und legte dann auf. Sie senkte den Kopf und schloss die Augen. Es war alles so irrational. Wie konnte ihr Leben innerhalb von ein paar Stunden den Bach herunter gehen?

Ein Räuspern riss sie aus ihren Gedanken. Sharon sah auf und blickte Julio an.

„Mam, ich muss sie zurück in den Verhörraum bringen." Man merkte ihm deutlich an, dass er sich unwohl fühlte in seiner Haut.

Sharon beschloss, es ihm so einfach wie möglich zu machen, er konnte schließlich auch nichts dafür.

„Natürlich."


Andy

„Chief, das kann doch alles nicht wahr sein. Sie glauben doch nicht wirklich, dass Sharon…." Andy war außer sich vor Wut. Sein Kopf war knallrot und er fuchtelte wild mit seinen Händen herum, während er vor dem Chief auf und ab ging. „Ich meine, Sie halten Sharon doch nicht wirklich für eine Mörderin?"

Er starrte sie ungläubig an. Sein Blick machte Brenda nervös, also wich sie ihm aus.

„Andy. Es geht nicht darum, was ich glaube. Es geht darum, was wir beweisen können."

Andy schüttelte entrüstet den Kopf. Dann seufzte er.

„Chief, ich weiß das. Doch MICH interessiert einfach, was Sie glauben."

Bei diesen Worten sah Brenda ihn an. Es lag ein Schmerz in seinen Augen, der ihr klar machte, dass er nicht mehr weiter wusste, dass er vielleicht selbst nicht wusste, was er glauben sollte. Er suchte Bestätigung bei ihr. Irgendjemand sollte ihm versichern, dass er richtig lag, dass Sharon die war, für die er sie hielt.

„Ich…" Brenda zögerte. Sie war mit der ganzen Situation zugegebenermaßen überfordert.

Doch mit einem Mal wurde ihr alles klar.

„Captain Raydor und ich sind weit gekommen im letzten Jahr. Das heißt nicht, dass wir uns mögen. Sagen wir so: Ich traue der Frau immer noch vieles zu. Aber sie ist keine Mörderin."

Andy sah zu Boden und hielt für einen Moment die Luft an. Nach ein paar Sekunden stieß er die Luft aus und nickte dann entschlossen.

„Sie ist keine Mörderin", wiederholte er nochmal.

„Dann lassen Sie uns das beweisen, Chief."

...


Sharon

Der Metalltisch im Verhörraum war kalt. Ihr war vorher nie aufgefallen, wie kalt er war.

Sharon zuckte zusammen, als plötzlich die Tür aufging und Chief Johnson und Lieutenant Tao eintraten.

„Captain, ich weiß, Sie wollen nicht mit uns reden, bis Gavin da ist. Aber ich habe eine Frage."

Sharon zeigte keine Regung, sie gab nicht mal zu verstehen, dass sie überhaupt zugehört hatte.

Aber Brenda fuhr fort.

„Sie haben gesagt, dass Sie sich an nichts von gestern Abend erinnern können. Wir würden gerne einen Bluttest machen. Falls wir irgendwelche Betäubungsmittel oder ähnliches finden, wäre das entlastendes Material für Sie."

Sharon sah sie an. Dann wanderte ihr Blick zu Mike.

Sie überlegte, welche Konsequenzen das Ganze noch haben konnte. Sie war überzeugt von ihrer Unschuld und Betäubungsmittel wären ein gutes Zeichen. Wahrscheinlich hätte sie auf Gavin warten sollen, aber Sharon war verzweifelt.

„Nun gut. Von mir aus."

Brenda war erleichtert, das sah Sharon ihr an. Sie lächelte die ältere Frau an und nickte eifrig.

„Danke, Sharon. Wir sind sofort wieder da."

Im nächsten Moment war Sharon wieder allein. Fast hätte sie sich gehen lassen. Fast hätte sie geschrien und geheult, denn danach war ihr gerade.

Doch dann fiel ihr Blick auf das Spiegelglas und die kleine Kamera neben ihr. Sie sah Roberts bildlich vor ihr mit seinem überlegenen, arroganten Lächeln. Also riss sie sich zusammen und schluckte ihre Verzweiflung hinunter.

Ja, vielleicht würde sie untergehen.

Aber Sharon Raydor würde mit Würde untergehen.