Kapitel 5
Sharon
„Es tut mir wirklich sehr leid, Sharon." Brenda sah erst zu Gavin, der nun neben seiner Freundin und jetzt auch Mandantin saß, und dann zu Sharon selbst. Das schlimmste an ihrem Blick war das Mitleid. Mitleid von Brenda Leigh Johnson. Sharon wurde übel.
„Wir werden abwarten müssen, was der Bluttest ergibt. Im Moment spricht so vieles gegen Sie und wir haben noch nicht viel gefunden, was Sie entlasten könnte."
Sharon sah auf ihre Hände, die sie vor sich auf dem Tisch gefaltet hatte, damit niemand sah, wie sehr sie zitterten. Sie spürte, wie Gavin sie anstarrte, aber sie konnte seinen Blick jetzt nicht erwidern. Dann könnte sie ihre Gefühle bestimmt nicht länger zurückhalten. Also schaute sie weiterhin nach unten und brüstete sich für das, was sie wusste, das jetzt kommen würde.
„Ich fürchte, mir bleibt nichts anderes übrig, als Sie vorläufig festzunehmen."
Obwohl sie sie erwartet hatte, schlugen die Worte ein wie eine Bombe. Sie steckten sie ins Gefängnis. Wegen Mordes.
„Das glaub ich nicht." Gavin schüttelte energisch den Kopf und lachte hysterisch. „Brenda!"
Brenda öffnete den Mund, vermutlich, um sich erneut zu entschuldigen. Aber Sharon wusste, wann sie verloren hatte.
„Gavin, ist schon gut." Ihre Stimme klang rau und resigniert, aber sie sah den geschockten Blick von Gavin nicht. Sie stand auf und hielt Sanchez ihre Hände hin. Julio stand an der Wand und sein nervöser Blick wanderte von Sharons Handgelenken zu ihrem Gesicht und über Gavin zu seiner Vorgesetzten.
Brenda sah Sharon für einen Moment mit großen Augen an, dann fasste sie sich wieder und wandte sich Sanchez zu.
„Bringen Sie Captain Raydor bitte nach draußen zu den Officers des County, Detective."
Als weder Julio noch Sharon sich rührten, fügte sie hinzu: „Ich denke, die Handschellen sind nicht nötig."
Julio nickte und bedeutete Sharon vorauszugehen. Langsam ließ sie die Hände sinken und sah für einen kurzen Moment zum Spiegelglas auf der anderen Seite des Raums. Sharon wusste, dahinter stand Andy und sie wusste, er glaubte ihr.
Dann starrte sie geradeaus zur Tür und setzte sich in Bewegung. Julio blieb dicht hinter ihr. Bevor die beiden ganz aus dem Raum verschwunden waren, sagte Gavin mit einer Entschlossenheit, die sie fast davon überzeugte: „Ich hole dich daraus, Sharon, verlass dich darauf."
Eine Minute später lief sie durch den Murderroom, an dessen Ende sie schon die jungen Männer sehen konnte, die sie in ihre Zelle begleiten würden. Schlimm genug.
Doch vorher erwartete sie etwas ganz anderes. Rechts von ihr standen nebeneinander Roberts und Taylor. Beide mit einem hämischen Grinsen auf dem Gesicht, das Sharon den Drang gab, sich übergeben zu müssen. Sie hasste es, aber sie wich ihren Blicken aus, denn sie wusste nicht, was sonst passieren würde.
Als sie aber nach links schaute, machte es das auch nicht besser. Die übrigen Männer von Major Crimes kamen dort gerade zusammen und schauten sie an. Alle waren da, und doch sah sie nur Andy. Sein Gesicht war wutverzerrt. Doch sie wusste, diese Wut war nicht an sie gerichtet, sondern an den, der sie in diese Lage gebracht hatte. Auch wenn noch niemand wusste, wer genau das war.
Sie sah ihm kurz in die Augen, bevor sie ihren Blick geradeaus richtete und ihrem Schicksal entgegen lief.
...
So, ich weiß, das Kapitel ist sehr kurz, aber ich fand, es musste als eigenes hier erscheinen. Außerdem wollte ich euch nicht länger als ohnehin schon warten lassen. Ich hoffe, es hat euch trotzdem gefallen.
Lieben Dank für die Rückmeldungen, ich freu mich immer sehr darüber (das würde ich auch dieses Mal ;-))!
