Danke für die Kommentare, ich hoffe auf mehr. Sie bringen mich dazu weiterzuschreiben. Denn ihr seid so toll. :-D
So, das Kapitel war nicht einfach zu schreiben. Ich hoffe, es ist mir trotzdem gelungen. Und ja, ich entschuldige mich schon mal im Voraus für das Ende dieses Kapitels. Es musste sein. ;-)
Kapitel 6
Andy
Er beobachtete die Kinder, die vor ihm auf der Wiese Fußball spielten. Immer wieder passten sie sich gegenseitig den Ball zu oder nahmen ihn sich gegenseitig ab. Die Leidenschaft und Freude, mit der sie das machten, beruhigte ihn auf irgendeine Weise.
Er saß auf der Parkbank und verlor sich in dem Spiel der Jungs. Es lenkte ihn von dem Verlangen ab, an der nächsten Ecke eine Flasche Whiskey zu kaufen und sich in sein Elend zu stürzen.
Er seufzte und schüttelte den Kopf. Noch vor gut einem Jahr hätte er kein Problem damit gehabt, wenn sie einfach verschwunden wäre. Doch jetzt…. Es gab einen Punkt, an dem sich alles änderte. Er musste sie daraus holen, denn er brauchte sie. Er brauchte sie so sehr.
Er schloss die Augen und spürte, wie eine Träne über seine Wange lief. Und in dem Moment wurde ihm etwas klar.
Er brauchte sie, ja. Er war nicht über sie hinweg, ganz und gar nicht. Er… Ja, er liebte sie.
Sharon
Dieser Gang war ihr nie so lang und schwarz und kalt vorgekommen wie heute. Und sie war ihn schon oft entlang gegangen.
Sie versuchte, ihren Blick starr geradeaus gerichtet zu lassen und vermied es, links und rechts in die Zellen zu schauen. Die Rufe wurden immer lauter, einige Gefangene hämmerten an die Gitterstäbe. Sie hasste es. Aber die Blicke wären viel schlimmer.
Sie stieß einen Seufzer aus, als der Officer vor ihr rechts abbog und endlich den Gang verließ. Aber die Erleichterung hielt nicht lang, denn sie wusste auch, was am Ende dieses Gangs lag.
Sie musste schlucken. Man würde sie in eine Zelle mit einigen anderen Frauen stecken, die auch unter Verdacht standen, ein schwerwiegendes Verbrechen begangen zu haben. Das würde nicht lustig werden, nein, ganz und gar nicht.
Ihr war nie aufgefallen, wie viele Schlüssel so ein Gefängniswärter mit sich herumtrug. Es mussten bestimmt um die fünfunddreißig sein. Mit einem davon schloss er die Zellentür auf.
Sharon wusste, sie konnte ihre Augen nicht länger verschließen. Es gab keinen Ausweg mehr, da musste sie durch. Sie holte tief Luft und blickte dann nach vorn.
Der Anblick raubte ihr dennoch den Atem.
Andy
„Mann, was für ein Tag, Alter."
Andy öffnete die Augen und drehte den Kopf, damit er seinen Partner anschauen konnte, der sich neben ihn gesetzt hatte.
Louie sah ihn einen Moment später auch an und zog fragend die Augenbrauen hoch.
Andy seufzte und richtete seinen Blick wieder nach vorn. Bis auf einen waren alle von den Kids verschwunden. Der Kleine kickte den Ball etwas hin und her.
Provenza wartete ein paar Sekunden ab, aber als er keine Antwort erhielt, richtete auch er seinen Blick auf den Jungen mit dem Fußball. Er klopfte seinem Partner auf den Rücken und suchte kurz nach den richtigen Worten.
„Hör zu, Kumpel. Du weißt, ich mag die Frau nicht besonders, aber…" Er kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf leicht. „Aber sie sitzt zu unrecht im County, das sollte niemand. Also holen wir sie daraus, klar? Weil…"
Louie schien mit sich zu ringen, deshalb sah Andy ihn an. Provenza seufzte und setzte ein schiefes Lächeln auf. Dann sah er ihn an und Andy konnte nicht glauben, was er jetzt hören würde.
„Weil sie eine von uns ist."
Andy zog die Augenbrauen hoch und sah seinen Freund überrascht an. Es war seltsam, das aus dem Mund von dem Mann zu hören, der Sharon immer am meisten gehasst hatte. Aber Provenza hatte Recht, er hatte sowas von Recht.
Andy fing langsam an zu nicken, doch schon bald war die Bewegung entschlossen und bestimmt.
„Ja, lass uns raus finden, was an dem Abend wirklich passiert ist."
Provenza konnte gar nicht so schnell schalten, da war Andy schon aufgesprungen und unterwegs Richtung Headquarters.
„Dieser Kerl bringt mich noch ins Grab." Mit etwas mehr Mühe stand auch er auf und folgte seinem Partner.
Sharon
Jetzt war sie allein.
Naja, allein mit zehn anderen Schwerverbrechern.
Innerlich verdrehte sie die Augen. Sie war kein Schwerverbrecher und wer wusste schon, wer von diesen Frauen überhaupt schuldig war?
Andererseits war ihr Gedankengang durchaus nachvollziehbar, wenn man bedachte, dass sie gerade von etwa zehn Augenpaaren angestarrt wurde. Augen, die weder freundlich noch unschuldig aussahen.
Sie versuchte sich zu beruhigen, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Schwäche zu zeigen, würde mit Sicherheit nicht weiterhelfen.
Rechts in der Ecke stand, saß, lag oder hockte niemand. Also lehnte Sharon sich dort gegen die Wand. Die Blicke folgten ihr.
Auch sie sah sich um. Gut, ein paar sahen vielleicht wirklich harmlos aus. Aber es waren auch ein paar dabei, bei denen sie sich sicher war, dass sie dieses Gefängnis nicht zum ersten mal von innen zu sehen bekamen.
Dort waren zwei Latinos mit dunklen Haaren, grimmigen Blicken und von Tattoos übersäten Armen.
Rechts davon auf einem der schmalen Betten saß eine Frau mit kurz geschorenen Haaren, die Sharon mit einem bösen und misstrauischen Blick fixierte.
Sharon schaute auf den Gang, wo gerade zwei Officers vorbei gingen. Sie seufzte leise. Es war einfach nicht zu begreifen, wie sie hier gelandet war. Sie, Captain des LAPD. Sie, die Eiskönigin, die böse Hexe des FID. Sie, die das Regelbuch doch immer befolgte.
Die Ironie in der ganzen Situation war so lächerlich.
Sie hatte den Blick auf ihre Füße gerichtet, deshalb bemerkte sie den Mann nicht, der vor der Zelle Halt machte.
„Captain? Sind Sie das?"
Aus Reflex und ohne zu überlegen, reagierte Sharon darauf. Sie hob den Kopf und schaute in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Noch mehr als vorher hatte sie die Aufmerksamkeit ihrer Zellengenossinnen.
Sharon schluckte. Sie wusste das war ein Fehler gewesen, und das wusste ihr Gegenüber auch. Mit einem hämischen Grinsen stand Lt. Alex Connor vor ihr. Sharon erinnerte sich, vor Jahren mal gegen ihn und seinen Partner ermittelt zu haben. Seinen Partner hatte das den Job gekostet, er war als korrupt überführt worden. Das schien Connor nicht gefallen zu haben. Denn er wusste, was es bedeutete, wenn die anderen hier über sie bescheid wussten. Und er machte weiter.
„Oh mein Gott, Sie sind es wirklich. Was machen Sie denn hier drin, Captain? Das ist die falsche Seite des Gitters, Frau Kollegin." Er lachte, dann drehte er sich um und verschwand.
Sharon stand völlig perplex da. Sie konnte es nicht fassen, was gerade passiert war.
Plötzlich musste sie schlucken, als sie Bewegung im Raum spürte. Widerwillig drehte sie sich um und wurde konfrontiert mit einer Wand. Einer Wand aus wütenden… Schwerverbrechern?
„So so… ein Bulle, ja?" Die Frau mit den kurzen Haaren machte einen Schritt auf sie zu. „Sogar ein Captain, ja?"
Sharon hatte Angst, ja sie hatte Angst, aber das würde sie niemanden wissen lassen. Sie holte tief Luft und hielt dem Blick der Frau stand. Eine Antwort gab sie nicht.
„Ach, du redest nicht mit uns?" Jetzt stellte sich eine der Latinos neben die vorgetretene Frau. Sie lächelte spöttisch. Mit einem starken Akzent sprach sie weiter.
„Weißt du, Süße, orange ist nicht deine Farbe."
Sharon wurde plötzlich schwindelig und um sich zu beruhigen, schloss sie kurz die Augen.
Deshalb sah sie den ersten Schlag auch nicht kommen.
