Ich weiß, es hat lange gedauert. Aber im Moment hab ich Klausurphase und die Zeit fehlt etwas.

Danke für die Reviews, ich freu mich über jede einzelne.

Ich hoffe, es gefällt euch. Viel Spaß!

Kapitel 7

Andy

„Mein Gott, denkst du das nächste Mal bitte daran, dass ich zu alt bin dafür?! Ich wiederhole mich nur ungern. Aber ICH LAUFE NICHT." Leicht genervt wandte Louie sich an seinen Freund, während er sich eine Hand in die Seite stützte und die andere an die Wand des Fahrstuhls stemmte. Er atmete schwer, er keuchte gerade so vor sich hin.

Andy drückte die Taste für den neunten Stock mehrere Male, obwohl die Nummer schon beim ersten Mal aufleuchtete.

„Reg dich ab. Wir alle wissen, dass du alt bist und manchmal etwas länger brauchst, Kumpel." Andy drehte sich um und entgegnete Provenzas bösem Blick mit einem schiefen Lächeln.

Er war voller Tatendrang. Sharon war jetzt seit über zwei Stunden im County und Andy war fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass sie keine Sekunde länger dort verbringen musste als nötig.

Nervös trat er von einem Fuß auf den anderen und fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar, während der Aufzug sich langsam nach oben bewegte. Provenza neben ihm musterte ihn genau und schüttelte dann den Kopf. Diesem Idioten schien diese Frau wirklich viel zu bedeuten.

Mit einem leisen Ding gelangte der Fahrstuhl zum neunten Stock. Andy quetschte sich zwischen den Türen durch, bevor sie überhaupt richtig offen waren. Dann lief er in Richtung Murderroom. Provenza trottete hinter seinem Partner her.


Sharon

Sie hatte den Schlag nicht kommen sehen, aber sie hatte ihn gespürt. Und wie sie ihn gespürt hatte. Der Schmerz hatte sie völlig überrumpelt, sie taumelte rückwärts und war dann an den Gitterstäben langsam zu Boden gerutscht.

Aber sie waren noch lange nicht fertig gewesen.

Jetzt war alles ganz ruhig. Und dunkel.

Es tat gut, die Ruhe und die Dunkelheit.

Sie war so müde, sie könnte jahrelang schlafen. Zumindest fühlte es sich so an.

Aber irgendetwas in ihr wehrte sich. Irgendetwas in ihr wollte aufwachen.

Sie war unschuldig. Ja, sie war unschuldig. Und das musste sie beweisen.

Für sich. Für ihn.

Andy.

Sie wollte zu ihm, damit er sie in die Arme nahm und sie beruhigte, bis sie davon überzeugt war, dass alles gut werden würde.

Es war ein Alptraum.

Und sie WOLLTE aufwachen. Jetzt sofort.

Eine Schwester hing gerade einen Infusionsbeutel auf, als Sharon die Augen aufschlug. Die Frau blickte auf sie herab. Aber anstatt sie anzulächeln oder ihr zu sagen, wo sie war und was genau passiert war, musterte sie sie nur mit einem strengen Blick.

Sharon ließ ihren Blick durch den Raum wandern. Es sah anders aus als bei den Krankenhausaufenthalten, die sie hinter sich hatte.

Sie war noch im County, auf der Krankenstation. Sharon seufzte innerlich.

Natürlich war sie noch da, wo sollte sie auch sonst sein? Sie war immer noch verdächtig, einen Mord begangen zu haben. Dass sie zusammengeschlagen wurde, weil sie Police Officer war, änderte nichts daran.

Es war noch lange nicht vorbei.


Andy

„Hey Leute, gibt es was neues? Haben wir schon was von dem Bluttest?"

Als Andy und wenig später auch Provenza den Raum betraten, waren die übrigen Mitglieder des Teams vor dem Board versammelt. Sie wandten sich um und Mike machte einen Schritt nach vorn.

„Ja, das Labor hat gerade angerufen. Es war sehr interessant, was sie alles in dem Blut des Captains gefunden haben. Also, wenn man von den Hämoglobin-Werten ausgeht-"

„Mike! Kein Geschwafel. Haben sie irgendetwas gefunden, was uns weiterbringt?" Provenza sah ihn genervt an, während er sich in seinem Stuhl niederließ.

Mike sah ihn einen Moment etwas gekränkt an, dann wandte er sich zu Andy und fuhr fort.

„Allerdings. Zum einen waren nur noch Reste von einem Alkoholspiegel zu finden, das heißt, sie kann nicht viel getrunken haben."

Andy nickte, er hatte auch nichts anderes erwartet.

„Was noch viel interessanter ist: da waren KO-Tropfen in ihrem Blut, und zwar eine ganze Menge. Kein Wunder, dass sie sich an nichts, was gestern Abend betrifft, erinnern kann."

Andy wandte sich an den Chief.

„Das heißt, sie ist entlastet?"

Brenda sah ihn an und nickte dann vorsichtig.

„Wir dürfen keine voreiligen Schlüsse ziehen, schließlich heißt das nicht direkt, dass sie es nicht war. Aber das Betäubungsmittel an sich spricht erstmal für sie, ja."

Andy lächelte. Er war erleichtert. Dieser Fall begann endlich, sich in die richtige Richtung zu entwickeln.

„Chief?"

Alle im Raum drehten sich zu Sanchez um, der mit seinem Telefon am Ohr an seinem Schreibtisch saß. Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Wut und Sorge. Er knallte den Hörer auf den Tisch und stand auf.

„Das war das County. Irgendwie haben die Zellengenossinnen von Captain Raydor Wind davon bekommen, dass sie Polizistin ist."

Allen im Raum raubte das den Atem, denn jeder wusste, was das bedeuten konnte.

Andy wurde ungeduldig. Er ging einige Schritte auf seinen Kollegen zu und fuhr ihn an.

„Sanchez, red weiter!"

Sanchez seufzte und schüttelte den Kopf.

„Sie haben mir nichts Genaueres gesagt, aber sie liegt auf der Krankenstation."

Andy wurde blass und er schwankte leicht. Gabriel, der neben ihm stand, fasste ihn an den Schultern und setzte ihn in den Stuhl hinter ihm.

Andy beugte sich vornüber und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Ihm war übel, er konnte es einfach nicht fassen.

Er hatte gedacht, dieser Tag hätte nicht mehr schlimmer werden können. Gerade hatte er gedacht, sie könnten Sharon da bald rausholen. Er hatte gedacht, es würde alles gut werden.

Nach zwei Minuten völliger Stille stand Andy auf und schaute sich um. Sie alle waren niedergeschlagen, müde davon, gegen eine von ihnen zu ermitteln. Das war hart.

Plötzlich wurde ihm klar, dass Sharon genau das jeden Tag tun musste. Und sie hatte bisher immer gehobenen Hauptes durchgehalten.

Er würde das auch. Für sie.

Er wusste, er musste sofort zu ihr, um ihr zu sagen, dass alles gut wird, dass er sie da raus holt. Er musste zu ihr.

Sofort.