Es tut mir unglaublich leid, dass ich so lange gebraucht habe, aber im Moment fehlt mir einfach oft die Zeit. Danke, dass ihr die Geschichte immer noch lest und auch ab und zu eine Review hinterlasst. Ich freue mich immer RIESIG über jede einzelne!
Viel Spaß! :)
Kapitel 13
Andy
Es war ganz still im Verhörraum. Zu still.
Connor starrte mit glasigen Augen auf die Stelle, wo eben noch der Bildschirm war, auf dem er den Tod seines ehemaligen Partners mit ansehen musste.
Ein kleiner, wirklich winziger Teil von Andy hatte Mitleid mit ihm, weil er sich in ihn hineinversetzte und sich vorstellte, dass Provenza derjenige auf dem Bildschirm sein könnte.
Doch der Gedanke wurde sofort im Keim erstickt. Provenza hätte nicht derjenige sein können, denn sein Kumpel war nicht korrupt. Und der Typ ihm gegenüber hatte auch kein Mitleid verdient.
Andy wurde ungeduldig.
„Was, hat es dir die Sprache verschlagen?! Ja, es ist grausam mit anzusehen, nicht?"
Andy sprach laut und ungehalten, die Abscheu in seiner Stimme unverkennbar. Er ignorierte Brendas Versuche, ihn zu beruhigen und schüttelte ihre Hand auf seinem Arm ab.
„Sie ist unschuldig, Connor! Unschuldiger als dieser Idiot Crownfield es war!"
Andy wurde immer wütender und seine Stimme immer lauter. Er wusste, dass er einen Fehler machte. Aber er konnte sich einfach nicht zurückhalten, wenn er daran dachte, was dieser Typ Sharon bloß angetan hatte.
„Lieutenant Flynn."
„Ich schwöre dir, Connor, wenn du nicht sofort redest, dann wirst du das bitter bereuen. Ich werde-"
„LIEUTENANT!"
Andy erstarrte in seiner Bewegung, in halb erhobener Haltung, die eine Hand auf den Tisch gestützt, die andere drohend vor Connors Gesicht gehoben.
Connor sah nur mit einem verachtenden Blick auf Andys Hand herab und zeigte sonst keine Reaktion. Das machte Andy noch wütender, aber er hatte schon genug angerichtet, das wusste er. Also schloss er die Augen und atmete tief ein und aus. Er richtete sich ganz auf anstatt sich hinzusetzen, denn er wusste, was jetzt kam.
Brenda sah ihn mit einem strengen Blick an, doch noch bevor sie etwas sagen konnte, flog die Tür auf und Chief Pope trat ein. Andy konnte ihm ansehen, wie sehr er seine Wut zurückhielt und verdrehte innerlich die Augen. Das würde lustig werden.
„Lieutenant Flynn. Kommen Sie bitte kurz mit?"
Andy seufzte und rannte dann fast aus dem Raum. Er war wütend auf sich selbst. Er wusste, das Interview war eine große Chance und er hatte es versaut. Aber er konnte nichts dagegen tun, sein Temperament gewann einfach immer wieder die Oberhand über seine Vernunft.
Frustriert wirbelte er herum und stand nun einem kochenden Pope gegenüber im Gang.
„Sind Sie noch ganz bei Trost?! Was bitteschön ist in Sie gefahren, Flynn!? Er wird jetzt nie reden. Wissen Sie, was Sie da angerichtet haben? Das war in keiner Weise das, was ich unter Professionalität verstehe!"
Andy hatte das Geschrei vom Chief kommentarlos über sich ergehen lassen. Doch bei dem letzten Satz platzte ihm der Kragen.
„WIE BITTE?! SIE wollen mich belehren, was professionell ist und was nicht? SIE nehmen dieses Wort in den Mund! Professionalität?"
Er brüllte dem Assistent Chief ins Gesicht, und wieder konnte er nichts dagegen tun, obwohl ihm bewusst war, dass er alles nur noch schlimmer machte. Popes Gesichtsmuskeln spannten sich an und seine Lippen fingen an, vor Wut zu zittern. Als er sprach, wusste Andy, dass es nicht gut aussah für ihn, weil Popes Stimme so ungewohnt leise und besonders tief war.
„Gehen Sie nach hause, Flynn. Jetzt sofort."
„Ich denke gar nicht daran."
Noch ein Fehler.
„Okay, wissen Sie was? Es ist mir egal, was Sie wollen oder woran Sie denken und woran nicht. Sie sind SUSPENDIERT. Mit sofortiger Wirkung!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand im Elektronikraum.
Für einen kurzen Moment dachte Andy daran, ihm hinterher zu laufen und ihm seine Meinung zu sagen. Doch er wusste, er hatte schon genug angerichtet. Er war suspendiert. Die beruflichen Konsequenzen waren ihm egal. Aber was ihm nicht egal war, war, dass er Sharon nicht helfen konnte, wenn er suspendiert war.
Voller Wut auf sich selbst und seine mangelnde Kontrolle schlug er mit der Faust gegen die Wand. Der Schmerz war heftig, aber es linderte die Wut etwas.
Sharon. Sie würde enttäuscht sein von ihm. Wieder einmal hatte er sich nicht unter Kontrolle gehabt, wieder einmal hatte das alles versaut. Sharon würde ihm jetzt sagen, dass es am vernünftigsten sei, nach hause zu gehen, um nicht noch schlimmeres anzurichten. Er wollte zwar gerade alles andere als vernünftig sein, aber vor allem wollte er Sharon nicht noch mehr enttäuschen als ohnehin schon.
Also setzte er sich in Richtung der Aufzüge in Bewegung. Er würde nachher einfach Provenza anrufen, um alles weitere von Connors Interview zu erfahren.
Vielleicht wäre es ganz gut, ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, damit er morgen versuchen konnte, Pope umzustimmen. Zwar kam ihm bei dem Gedanken, sich bei Pope zu entschuldigen, sein Essen hoch, und es lag auch nicht daran, dass er seinem Team nicht zutraute, Sharon daraus zu holen. Aber er konnte einfach nicht untätig herumsitzen. Nicht wenn es um Sharon ging.
Nicht, wenn es um die Frau ging, die er liebte.
