Ich liebe Reviews!;-)

Kapitel 15

Andy

Wutentbrannt raste er durch die Straßen von Los Angeles. Er kannte sein Ziel genau.

Dieser Bastard würde für alles bezahlen, und wenn es da letzte war, wofür er sorgte. Er würde es tun.

Auf dem Highway beschleunigte er weiter. Er lag weit über der Höchstgeschwindigkeit. Aber er war so von blanker Wut geblendet, dass ihm gar nicht in den Sinn kam, das Blaulicht in seinem Dienstwagen anzuschalten.

Seine Gedanken waren ganz bei Sharons Verletzungen, ihrem verzweifelten und traurigem Gesicht und ihrem Flehen. All das ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Sie war alles, das zählte. Die Verkehrsregeln waren egal.

Auch sein Handy, das er auf den Beifahrersitz geworfen hatte und nun immer wieder mit Provenzas Namen im Display aufleuchtete, war ihm egal.

Die Worte seines Partners, er konnte sie beinahe hören.

Lass den Mist, du bist ein solcher Idiot. Du machst alles nur schlimmer. Blablabla…

Es war ihm egal.

Er starrte auf die Straße vor sich, ohne sie wirklich zu sehen.

Er dachte zurück an letztes Jahr. Nicht weit von hier war es passiert. Der Moment des Unfalls war eine so lebendige Erinnerung, es tat ihm jedes Mal physisch weh, wenn er daran dachte.

Aber auch dieser Schmerz wurde von seiner Wut völlig überrollt.

Er war noch nie so wütend gewesen. Noch nie.

Der Mistkerl würde reden. Ganz sicher.


Sharon

Sie war sich nicht ganz sicher, was sie da vor sich hatte.

Brei? Mit Erbsen? Waren das überhaupt Erbsen? Sie mochte sowieso keine Erbsen.

Es war etwas Schleimiges, soviel stand fest.

Angeekelt verzog Sharon das Gesicht. Eigentlich hatte sie Hunger, aber bei dem Anblick verging ihr der Appetit. Sie wusste, dass sie sich wahrscheinlich nicht so anstellen sollte. Aber es fiel ihr sichtlich schwer.

„Sie sollten was davon essen, wenn sie wieder auf die Beine kommen wollen. Aber ich mein, eigentlich ist es mir auch egal."

Verwundert hob Sharon den Kopf. Sie war in den letzten 24 Stunden selten mit so einem netten Ton angesprochen worden. Auch der letzte Satz klang nicht sehr überzeugend.

Die Schwester war noch sehr jung und man sah ihr an, wie unwohl sie sich fühlte. Sharon fragte sich, wie sie in einem Gefängniskrankenhaus gelandet war. Die Frau sah Sharon nicht an. Im Gegenteil, sie war offenbar bemüht darum, nicht einmal in ihre Richtung zu blicken, während sie sich mit dem Infusionsbeutel abmühte.

„Ich weiß. Ich sollte mich wohl daran gewöhnen."

Als Sharon wieder auf ihr Essen hinunter blickte, spürte sie dennoch den Blick der jungen Frau.

„Sie waren es also?"

Sharons Kopf fuhr hoch. Die Schwester erschrak und zuckte kurz zusammen, bevor sie sich wieder mit dem Beutel beschäftigte, obwohl die Infusion bereits lief.

„Nein, ich habe niemanden umgebracht. Aber…"

Sharon seufzte und schüttelte den Kopf.

„Aber das heißt nicht unbedingt, dass ich hier so schnell wieder raus komme."

Nach einigen Sekunden hob die Frau den Kopf und hielt zum ersten Mal Sharons Blick stand. Es war offensichtlich, wie sie alle Eindrücke vorsichtig gegeneinander abwog. Sharon stellte überrascht fest, dass sich hinter dem unsicheren Auftreten der Frau womöglich große Intelligenz verbarg.

„Hmm, das stimmt."

Die Frau zögerte kurz und musterte Sharon genau. Dann bildete sich plötzlich ein leichtes Lächeln in ihrem Gesicht.

„Warten Sie kurz, vielleicht kann ich Ihnen zumindest eine Scheibe Brot dazu besorgen."

Sharon war für einen Sekundenbruchteil zu überrascht, um eine Reaktion zu zeigen. Doch dann lächelte sie warm zurück.

„Vielen Dank."

Mit einem kurzen Nicken verschwand die junge Frau.

Sharons Lächeln verblasste nur etwas.

Vielleicht würden ihr ja doch mehr Menschen glauben, als sie dachte.


Andy

Immer noch von Zorn zerrissen, bog Andy in die Straße ab. Hier wohnte der Bastard.

Vor einem kleinen Bungalow mit bewuchertem Vorgarten blieb er stehen. Er hatte den Türgriff schon in der Hand, da leuchtete sein Handy erneut auf. Er warf aus Reflex einen Blick darauf, schon sicher, welchen Namen er da sehen würde.

Doch dann wurde ihm eiskalt, er erstarrte und konnte den Blick nicht von seinem Display wenden.

Sharon Raydor

Dahinter erschien ein Bild von seiner Sharon, auf dem sie ihm das schönste Lächeln der Welt schenkte. Er hatte es ohne ihr Wissen aufgenommen, und sie hatte danach verlangt, er solle es sofort löschen. Dabei war sie darauf so schön wie noch nie. Seine Sharon.

Er schluckte schwer und bewegte dann seine Hand in Richtung des Handys, seine Augen immer noch auf Sharons Gesicht gerichtet.

Dann hörte es auf.

Er griff dennoch nach seinem Handy. Es war kalt in seiner Hand. Die Kälte brachte ihn zurück in die Realität.

Das war nicht Sharon. Sie war im Knast und ihr Handy war zusammen mit ihrer Waffe noch im Murderroom. Also Brenda oder Provenza.

Normalerweise hätte ihn das vermutlich nur noch wütender gemacht. Aber immer noch Sharons Lächeln vor Augen wurde ihm klar, warum sie das gemacht hatten. Sie wussten, er würde inne halten. Und das tat er.

Die Suspendierung würde Sharon schon genug enttäuschen. Wenn er jetzt kopflos in diesen Bungalow rennen und dem Mistkerl wahrscheinlich die Birne einschlagen würde, wäre das nicht nur eine weitere Enttäuschung für Sharon, es würde alles sogar noch schlimmer machen. Es half ihr schließlich nicht, wenn er auch noch im Gefängnis landete.

Aber er konnte nicht tatenlos herumsitzen.

Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Er würde nicht kopflos darein rennen. Er würde darein gehen und mit Beweisen wieder herauskommen.

Tief Luft holend öffnete er das Handschuhfach und griff nach dem Diktiergerät, das er für Notfälle immer darin mitnahm. Notfälle wie diesen.

Beim Aussteigen steckte er das kleine Gerät in die Innentasche seines Jacketts und schlug die Tür hinter sich zu.

Als er den schmalen Weg bis zu der Haustür hoch lief, ging ihm immer derselbe Gedanke durch den Kopf.

Versau's nicht.