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Kapitel 16
Sharon
Ihr war so fürchterlich langweilig. Sie war es schließlich nicht gewohnt, den ganzen Tag nichts zu tun. Und jetzt saß sie hier in diesem Krankenbett und konnte nichts anderes machen, als die kahle weiße Wand vor sich anzustarren. Das war immerhin besser als die Gitterstäbe vor den Fenstern oder die schwere Stahltür. Die machten sie depressiv.
Sharon seufzte. Es machte sie wahnsinnig, über nichts Kontrolle zu haben. Das war einfach nicht ihr Ding. Sie wollte nur hier raus.
Die dicke Tür öffnete sich plötzlich und Sharon wandte den Blick in die Richtung.
„Chief."
„Hallo, Captain."
Brendas Stimme klang nicht nach guten Nachrichten, als sie die Tür hinter sich schloss und näher an Sharons Bett herantrat.
„Wie geht es Ihnen?"
Sharon machte sich gar nicht die Mühe, auf diese Frage zu antworten, sondern winkte nur ab. Es gab etwas, das sie brennend interessierte.
„Haben Sie schon etwas herausgefunden?"
Brenda seufzte und schaute auf ihre Füße.
„Nein… Ja. Also, wir haben seinen Partner, Connor, verhört. Aber er redet nicht. Wir haben nichts gegen ihn in der Hand, also mussten wir ihn wieder gehen lassen."
Enttäuscht ließ Sharon die Schultern sinken. Sie hatte eigentlich etwas mehr erwartet.
„Hat er denn ein Alibi?"
„Nein, nichts wasserdichtes. Aber ein Motiv und ein wackeliges Alibi sind leider nichts gegen die Beweise, die gegen Sie sprechen. Solange wir nicht nachweisen können, dass er am Tatort war, sind mir die Hände gebunden. Das wissen Sie selbst."
Wortlos nickte Sharon und spielte mit der dünnen Decke, die man ihr gegeben hatte.
Brenda seufzte und trat noch näher an Sharon heran.
„Es tut mir leid, Captain. Ich fürchte, ich habe noch mehr schlechte Nachrichten. Sie werden morgen Vormittag dem Haftrichter vorgeführt."
Sharon schrak hoch und starrte Sharon mit großen Augen an. Das durfte doch nicht wahr sein.
„Was? Morgen schon? Warum so früh?"
„Aufgrund Ihrer Position wollte man keine Zeit verschwenden, um schlechte Presse zu verhindern. Sie wissen ja, wie die sind. Man hat Angst, man könnte uns vorwerfen, wir würden Sie bevorzugt behandeln. Es tut mir wirklich leid, wir haben versucht, den Termin weiter aufzuschieben, aber da war nichts zu machen."
Das mitfühlende Gesicht von Brenda Leigh Johnson war genug. Sharon wusste, dass es nicht gut aussah für sie. Wenn der Haftrichter sie erstmal für schuldig befunden hatte, würde sie mindestens bis zum Prozess hier drin festsitzen. Und das würde dauern.
Ihr wurde schlecht. Sie würde hier drin kaputt gehen, sie konnte hier nicht bleiben.
Mit den Tränen kämpfend sah sie Brenda an und ihr kam nur ein Gedanke.
„Wo ist Andy?"
Einen Moment lang sah Brenda sie nur an, dann wandte sie den Blick ab, aber sie sagte nichts. Sharon bekam ein ungutes Gefühl. Andy wäre mit Sicherheit mitgekommen, um ihr diese Hiobsbotschaft persönlich zu überbringen. Also stimmte irgendetwas nicht.
„Chief? Brenda? Wo ist er?"
Brenda atmete tief ein und sah schließlich wieder zu Sharon. Die Spur Verzweiflung und die Sorge in ihrem Ausdruck machten Sharon Angst.
„Das ist das nächste Problem, Captain. Er ist gestern suspendiert worden."
Zu sagen, dass Sharon geschockt war, war untertrieben. Sie starrte die jüngere Frau mit großen Augen an und schloss und öffnete ihren Mund ein paar Mal, unfähig etwas zu sagen.
„W-Wie bitte? Was soll das heißen? Ich verstehe nicht, warum-"
„Er ist Pope wohl auf die Füße getreten, nachdem er sich in Connors Verhör daneben benommen hatte. Captain, es tut mir leid, das ist meine Schuld, ich hätte ihn nicht mit zu dem Verhör nehmen dürfen."
Brenda schüttelte den Kopf heftig, sichtlich unzufrieden mit sich selbst.
Sharon war nur sprachlos. Da dachte man, das alles sei ein fürchterlicher Alptraum und das Schlimmste, was passieren konnte, sei einem widerfahren. Aber es war kein Traum, man wachte nicht auf und es wurde stattdessen nur noch schlimmer.
„Und jetzt ist er verschwunden. Seit Provenza ihm gesagt hat, dass Connor nicht redet, haben wir nichts mehr von ihm gehört und an sein Handy geht er auch nicht. Ich mache mir wirklich Sorgen."
Und noch schlimmer.
Andy
Er sammelte sich noch einmal und führte sich das beruhigende Bild von Sharon vor die Augen, bevor er seinen Zeigefinger auf die kleine Klingel neben der Tür presste.
Es dauerte nur ein paar Sekunden, da öffnete sich die Tür. Ein schlecht aussehender Connor stand vor ihm. Sein Shirt war fleckig und er war aschfahl. Es stank nach Alkohol und Zigarettenrauch.
Andy versuchte, die Gerüche und die Wut, die der Anblick bei ihm aufsteigen ließ, zu unterdrücken und sah den Mann streng an.
„Ich glaube, wir sollten uns mal unterhalten."
Er war fast stolz auf seinen ruhigen, tiefen und gefassten Ton. Doch dann musterte Connor ihn abschätzig von oben bis unten, murmelte ein „Ich glaube nicht" und begann, die Tür wieder zu schließen.
Alle Ruhe und Fassung war dahin.
Andy setzte einen Fuß in die Tür und stieß sie auf. Connor war viel zu überrascht um schnell genug zu reagieren und Andy stand schon in seinem Bungalow.
„Es ist mir egal, was Sie glauben. Wir unterhalten uns. Jetzt."
Anscheinend wirkte er leicht furchteinflößend, denn Connors Maske verrutschte für einen Moment und er schluckte, die Angst in seinen Augen deutlich zu sehen. Doch dann nahm sein Blick wieder die übliche Überheblichkeit an und er starrte Andy kühl an.
Andy war sich dem eingeschalteten Diktiergerät in seiner Innentasche deutlich bewusst. Er holte tief Luft. Jetzt kam es drauf an. Für Sharon.
