Danke für eure Reviews. Freut mich immer wieder! ;-)
Ich denke, hiernach sind es nur noch zwei bis drei Kapitel. Bin also zuversichtlich, dass ich das bis Weihnachten beendet habe.
Viel Spaß (und Entschuldigung im Voraus)!
Kapitel 18
Andy
„Stimmt. So brillant war er nie."
Andy schluckte. Er verstand noch nicht wirklich, was gerade vor sich ging. Aber das Gefühl von kaltem Metall an seiner Kehle kannte er.
„Aber ich bin es. Der Plan war brillant. Und es hätte auch alles funktioniert. Nur du dreckiger Bulle musst hier rum schnüffeln!"
Die Stimme wurde wütender und das Metall presste sich tiefer in seinen Hals.
„Ich kenne so Typen wie dich. Du kommst nicht ohne Backup. Dazu seid ihr viel zu feige! Also. Was ist mit dir? Bist du verkabelt? Eine kleine Kamera? Und wage es ja nicht, mich anzulügen. Ich muss nur mit dem Finger zucken und es wäre deine letzte Lüge. Klar?"
Andy schluckte erneut. Er würde sich am liebsten einfach umdrehen und zuschlagen. Aber dann wäre er vermutlich tot. Stattdessen richtete er seinen Blick auf das Wrack vor sich. Connor kauerte immer noch auf dem Boden und lehnte halb an der Wand, sein Blick abwesend auf das Foto von ihm und Crownfield gerichtet.
„Ich hab gesagt, du sollst reden!"
Der Lauf der Waffe bohrte sich schmerzhaft in seine Kehle und Andy zuckte zusammen. Das lief nicht gut. Das lief ganz und gar nicht gut.
„Ich bin nicht verkabelt. Und ich hab auch keine Kamera."
Erster Fehler.
Das Metall entfernte sich von Andys Hals und er atmete kurz erleichtert auf, nur um dann vor Schmerz aufzuschreien, weil die Waffe hart mit seinem Hinterkopf kollidierte. Seine Knie gaben nach und ihm war schwindelig. Kniend kämpfte er gegen das Gefühl an. Es wäre alles umsonst, wenn er jetzt das Bewusstsein verlor. Dann war sein einziger Beweis nicht mehr sicher.
„Wie war das mit der Lüge?! Verkaufe mich nicht für blöd!"
Er schüttelte leicht den Kopf und drehte ihn vorsichtig. Er konnte einen kurzen Blick auf die Person hinter ihm werfen. An der Stimme hatte er erkannt, dass es eine Frau war, trotzdem war er überrascht. Sie war blond und zierlich. Er könnte sie leicht überwältigen.
Aber sie hatte die Waffe. Und sie war wütend.
„Das war die Wahrheit."
Zweiter Fehler.
Der nächste Schlag war heftiger und Andy konnte sich nicht auf den Knien halten. Er fiel bäuchlings au den Boden und schloss die Augen gegen den Schmerz und den Schwindel.
„Du bist genauso feige wie diese Hexe. Du hast nichts Besseres verdient. VERDAMMT! Er war mein VATER! MEIN VATER!"
Aha, daher wehte der Wind. Crownfields Tochter. Daran hätten sie auch früher denken können. Dann wäre er jetzt nicht in diesem Dilemma. Naja, wäre er nicht so ausgerastet, wäre er auch nicht hier. Aber er war hier. Und er musste sich jetzt verdammt nochmal etwas einfallen lassen.
„Diese dreckige Hure hat sich doch nicht im Geringsten darum gekümmert, was mit meinem Dad passiert ist, nachdem sie ihn einfach weggeschlossen hat. Es hat sie nicht interessiert, er war ihr egal."
Andy konnte die Tränen aus ihrer Stimme heraus hören. Sie war verzweifelt und das war wahrscheinlich nicht gut für ihn.
„Sie hat es verdient, dass ihr genau das passiert, was sie ihm angetan hat! Und es war so einfach!"
Ein hysterisches, trockenes Lachen.
„Ha, sie war so naiv. Hat ihr Glas aus den Augen gelassen. Es hat nicht einmal zehn Sekunden gedauert, bis ich die Tropfen drin hatte. Und sie hat es brav getrunken."
Andy biss die Zähne zusammen. Er hätte Sharon an dem Tag zuhören sollen. Dann wäre das alles nicht passiert. Und anstatt ihr zu helfen und dieses Geständnis hier raus zu bringen, würde er wahrscheinlich sterben und ihr das Herz brechen. Toll, ein richtiger Held.
„Sie ist auch noch mitgekommen, als ich ihr gesagt habe, ich sei mit meinem Wagen an ihren gestoßen, so benommen war sie. Ich musste ihr nur die Autoschlüssel abnehmen und sie in den Wagen verfrachten. Sie hat schön in den Kofferraum gepasst."
Dieses Miststück. Sie hatte seine Sharon angefasst. Wäre er nicht selbst so benommen und hätte sie nicht die Waffe, wäre er sofort auf sie losgegangen.
„Dumm, dumm. Sie hatte ihre Waffe im Handschuhfach. Es war so einfach, so perfekt. Da war dieser Typ. Es passte alles. Ich musste nur noch abdrücken und abhauen. Bis zum Motel war es nicht mehr weit. Und es war klar, diese Schlange würde sich an nichts mehr erinnern."
Andy versuchte, seinen Verstand klar zu machen. Er hatte das Geständnis. Das konnte nicht umsonst gewesen sein. Jetzt musste er irgendetwas tun. Er öffnete die Augen und drehte den Kopf vorsichtig. Sein Blick fiel auf die Frau hinter ihm. Sie stand dort mit einem Lächeln, das den Wahnsinn wiederspiegelte und strich langsam über ihre Waffe.
„Und Connor hier ist seit Dads Verhaftung sowieso nur noch ein saufendes Wrack. Mir war klar, dass er alles tun würde, um ihn zu rächen. Er ist gern ins County gegangen und hat den Rest erledigt."
Andys Blick fiel auf das zersplitterte Glas des Bilderrahmens. Es war nicht viel, aber es war die einzige Art von Waffe in seiner Nähe und angesichts seiner momentanen Situation auf jeden Fall einen Versuch wert. Langsam und vorsichtig bewegte Andy seinen Arm in Richtung des Scherbenhaufens.
„Du musst zugeben, es war ein perfekter Plan. Es war brillant. Nicht wahr?"
In dem Moment, als sie die Frage stellte, wusste Andy was los war.
Dritter Fehler.
„Hey! Was machst du da? Willst du mich verarschen?!"
Andy hielt inne in seiner Bewegung und schloss die Augen. Mist.
Als er die Augen wieder öffnete, starrte er in den Lauf der Waffe.
„Das reicht. Du kannst mich mal. Für deine Leiche fällt mir auch noch was ein."
Sharon.
Das war das Bild, das er vor Augen hatte, als er den Schuss hörte.
Sharon.
