© Sunrisepainter: Good at Heart


IV. A Promise of a Lifetime

Der nächste Tag verstrich dahin ohne weitere Zwischenfälle und drei von ihnen freuten sich gar nicht darüber. Seit sie die Grenze zur Wüste passiert hatten, war es nicht nur unendlich heiß, sondern sie bekamen endgültig das Gefühl so weit von zu Hause entfernt zu sein, dass es unmöglich war wieder umzudrehen. Während also Sakura sie immer munter voran trieb und gar nicht daran dachte mehr als eine Pause einzulegen, benahmen sich die anderen drei immer seltsamer je näher sie ihrem Ziel kamen.

Hinata sprach ja nie viel, aber so still und zurückhaltend wäre sie nicht mal in Narutos Gegenwart gewesen. Sie sprach nur, wenn sie gefragt wurde und ihre Augen wirkten matt und trübe. Sie hatten jegliche Freude verloren und die anderen beiden litten darunter. Jeder auf seine Art. Kiba und selbstverständlich auch Akamaru wollten gar nicht mehr von ihrer Seite weichen. Hinzu kam, dass die Laune des Jungen auf den Nullpunkt gesunken war. Anstatt witzige Kommentare zu machen, waren sie nur noch beleidigend und bissig. Besonders auf Tenten schien er es aus einem Grund abgesehen zu haben. Hinata hätte er seine Wut über die Situation nie spüren lassen und vor Sakura hatte er aus irgendeinem Grund einen viel zu großen Respekt.

Tenten störte das gewaltig. Um seinem Frotzeln und vor allem auch Hinata, mit der sie unheimlich Mitleid hatte, aus dem Weg zu gehen, lief sie etwas abseits von ihrer Gruppe und beschäftigte sich mit einem Kunai, welches sie immer wieder in die Luft warf und dann wieder auffing.

Nebenbei rätselte sie immer noch, warum sich ausgerechnet Amegakure und Kumogakure verbündet hatten. Natürlich taten sie Shinobi aus Ame alles für Geld, doch Kumo hatte doch genug Spezialisten, um selbst zu kämpfen, oder?

Sie warf Hinata einen nachdenklichen Blick zu. Nicht nur, dass sie mit der Aufgabe, die ihr bevorstand nicht schon genug Probleme hatte, jetzt war sie auf noch ernsthaft in Gefahr, weil man es auf ihr Byakugan abgesehen hatte.

Es ergab trotzdem alles keinen Sinn. Woher sollen denn die Ame – Ninja gewusst haben, dass Hinata auf dem Weg nach Suna war? Das hieße ja, dass sie einen Informanten in Konoha hatten. Tenten fletschte die Zähne. Wenn sie denjenigen in die Finger kriegen würde...

„Was denn, Prinzesschen? Bist du heute mal wieder mit dem falschen Fuß aufgestanden? Oder warum machst du Akamaru Konkurrenz?", Kibas Visage tauchte neben ihr auf. In ihrer Wut warf sie das Kunai in seine Richtung, doch er wich nur lachend aus.

„Ha, da musst du schon mehr bringen, als deine veralteten Waffen.

„Du-", knurrte Tenten und griff nach ihrem Schwert, jedoch sprang Sakura mit grimmigen Gesichtsausdruck zwischen die beiden Streithähne.

„Hört auf mit dem Blödsinn, Leute. Wir sind fast in Sunagakure, also spart euch eure Energie für den Rest des Weges."

Mit einem Ruck blieb der Junge stehen und stemmte die Hände an die Hüften.

„Das ist doch alles ein großer Mist!", fluchte er. Die drei Kunoichi blieben ebenfalls stehen und blickten ihn fragend an. Kiba fuhr sich ein paar Mal durch die wilde Mähne und ließ sich dann frustriert in den Sand fallen.

„Hey, wir haben keine Zeit für eine Pause", erklärte Sakura.

„Aber wir können das Hinata doch nicht antun, verflucht nochmal!", stöhnte er und raufte sich erneut die Haare.

„Sei nicht albern, Hundejunge. Wir können doch dagegen nichts unternehmen, als schwing dein Hinterteil wieder hierher und tu, was deine Pflicht ist", schimpfte Tenten und stützte sich auf ihre große Schriftrolle.

„Pah, den Teufel werde ich tun!", starrköpfig verschränkte er seine Arme und blieb an Ort und Stelle sitzen. Sein Hund legte sich aus Solidarität neben ihm nieder und schaute die Mädchen aus seinen großen, schwarzen Augen entschuldigend an.

„Kiba", drohend hob Sakura die Faust und machte ein paar Schritte auf ihn zu. Hinata, die wusste, was als nächstes passieren würde, schlängelte sich blitzschnell an ihr vorbei und legte ihrem ehemaligen Teamkameraden ihre schmale Hand auf die Schulter.

„Kiba – kun...", sagte sie sanft und er schaute fragend zu ihr auf. Die anderen beiden sahen still dabei zu, wie sie nur durch Blicke und Gestiken miteinander kommunizierten. Kibas Blick war schmerzerfüllt und traurig.

„Hinata – hime", murmelte und stand auf, um sie zu umarmen. Sakura, die wusste was für ein intimer Augenblick das für beide war, drehte sich schnell weg, um ihnen etwas Privatsphäre zu gönnen. Doch Tenten war bei weitem nicht so feinfühlig.

„Was soll das Theater denn jetzt?", genervt wedelte sie mit der Hand. Kiba blitzte sie wütend an und legte Hinata schützend einen Arm um die Schulter.

„War klar, dass du davon nichts verstehst. Ich glaube, dass du das einzige Mädchen in Konohagakure bist, die nichts von Gefühlen versteht."

Diese Bemerkung traf Tenten so tief, dass für einen Moment der Schmerz sichtbar für alle über ihr Gesicht zuckte. Hinata kniff ihm vorwurfsvoll in die Seite.
„Das war nicht nett, Kiba – kun", flüsterte sie.

„Okay, okay, es tut mir ja Leid", erklärte er. Tenten schnaubte bloß, weil sie wusste, dass er das nur sagte, um Hinata nicht weiter aufzuregen.

„Aber bist du dir sicher, dass du das durchziehen willst, Hinata?", sein Blick wurde wieder sanft, als er ihre blassen Hände in seine großen nahm. Die kleine Kunoichi schüttelte den Kopf.

„Ich bin mir überhaupt nicht sicher, aber ich will das tun, was von mir verlangt wird", sie lächelte ihn sanft an und Tenten zersprang wieder mal das Herz. An seinem Gesichtsausdruck konnte sie sehen, dass es Kiba ähnlich ging.

„Und was ist, wenn ich dir etwas verspreche?", seine Augen begannen zu glühen und er umklammerte ihre Hände noch feste, „was wenn ich verspreche, das sich diese Hochzeit verhindern werde, koste es, was es wolle?"

Hinata schüttelte den Kopf und zog ihre Hände aus seinen.
„Nein, das wäre nicht richtig", murmelte sie traurig.

„Und ob es das wäre. Du bist meine Freundin, Hinata – hime. Fast schon meine Schwester. Ich habe mich mit Shino unterhalten, weißt du, und auch er hält von dem ganzen überhaupt nichts. Was sollen wie denn ohne dich machen? Wir brauchen dich und wenn du von nun an in Sunagakure lebst-", er brach mitten im Satz ab und schüttelte den Kopf, „das ist unvorstellbar."

Hinata senkte den Kopf, um seinen Blick auszuweichen. Eine Träne schimmerte in ihren Augenwinkeln. Kiba sah sie und wischte sie mit seinen Fingern weg.

„Ich werde nicht zu lassen, dass du dieses Monster heiraten musst. Nein, Hinata – chan, ich werde das verhindern. Das verspreche ich dir. Das verspreche ich dir hoch und heilig", er sagte das mit solcher Überzeugung, dass sich selbst Sakura wieder zu ihnen um wandte.

Tenten erkannte die Zweifel auf Sakuras Stirn und die große Sorgenfalte, die sie sonst immer nur im Zusammenhang mit Naruto bekam. Sie war absolut der Meinung, dass Kiba dieses Versprechen nie erfüllen konnte.

Tentens Hand ballte sich zu einer Faust. Ein innerer Kampf begann, als sie sich an ihr eigenes Versprechen Neji gegenüber erinnerte. Und daran, dass sie ihr versprochen hatte, dass sie und Naruto eines Tages ungestört zusammen sein konnten. Und das ging nur, wenn sie nicht heiraten musste. Sie würde auf Hinata aufpassen. Das würde sie tun. Doch warum nur das, wenn sie mehr tun konnte?

„Ich verspreche es auch", erklärte sie bevor sie großartig darüber nachgedacht hatte. Drei Paar Augen richteten sich auf sie. Zwei Blicke waren überrascht, ein anderer absolut misstrauisch.

„Was soll das heißen, Pandamädchen?", zischte Kiba und zog die Augenbrauen zusammen.

„Genau, das, was ich meine", erklärte sie lässig, „Hinata, wir werden verhindern, dass du dieses Scheusal heiraten musst. Ich tue es im Namen deines Cousins und es ist mir egal, was es kostet. Ich kann es nicht zu lassen, dass andere dir deine Gefühle vorschreiben wollen. Ich bin dabei! Und das ist verdammt noch mal ein Versprechen! Ein Versprechen auf Lebzeiten, das ich nie brechen werde! Nie! Eher will ich nie mehr nach Konoha zurückkehren. Das bin ich nicht nur Neji und meinem Dorf schuldig, sondern auch dir, Hinata – sama!"

Hinata lächelte und Tenten erwidert diese Geste. Kibas Misstrauen verschwand und ein Grinsen erschien auf seinem Gesicht:

„Na dann, willkommen im Team."

„Ich halte von dieser Idee nichts", gestand Sakura, „natürlich befürworte ich diese Hochzeit nicht, aber man kann sie auch nicht mehr verhindern. Es tut mir Leid, Hinata."

„Schon gut", die andere Kunoichi lächelte ihr freundlich zu und Sakura drehte ihnen den Rücken zu.

„Also, Kläfferjunge", Tenten verschränkte die Arme, „hast du schon eine Idee wie wir den Kazekagen dazu bringen den Kurs zu ändern?"

Den Rest des Weges diskutierten Kiba und Tenten darüber, was man wohl am besten anstellen konnte, um Gaara davon zu überzeugen, Hinata nicht zu heiraten. Manche Ideen waren so absurd, dass sie gleich wieder verworfen wurden. Die Betroffene hörte ihren Freunden nur zu und antwortete, wenn sie etwas gefragt wurde. Doch man sah ihr an, dass sie nicht so überzeugt von dem Versprechen war, wie die anderen beiden, wenn auch überaus dankbar und gerührt.

Sakura war, um es milde auszudrücken, völlig sauer. Eigentlich hätte sie froh sein müssen, dass di beiden Streithähne aufhört hatten sich gegenseitig zu attackieren, jedoch missfiel es ihr absolut, dass sich Kiba und Tenten in Angelegenheiten einmischten, die sie eigentlich nichts angingen.

Es war die Bestimmung des Dorfältesten gewesen und deshalb durften sie ihm nicht widersprechen. Nicht mal Tsunade hatte das getan und Sakura vertraute ihrer Lehrerin. Wenn Tsunade meinte, dass Hinata das tun musste, was man von ihr verlangte, dann vertraute ihre Schülerin ihr.

Es wurde immer heißer und sie waren froh ihre Wasservorräte am letzten Fluss noch einmal aufgefüllt zu haben. Besonders dem großen Hund machte die Hitze zu schaffen und deshalb mussten sie nun öfters anhalten, ob es Sakura wollte oder nicht.

Zum Glück wurde es in den Abendstunden kühler und als Hinata verkündete, dass sie mit ihrem Byakugan schon die Stadtmauer sehen konnte, waren diesmal auch Tenten und Kiba erleichtert. Der Marsch durch die Wüste war wirklich der anstrenge Teil der Reise gewesen.

Sie erklommen gerade eine Düne, als Akamaru auf der Spitze wie angewurzelt stehen blieb.

„Was ist denn los, Junge?", fragte Kiba und tätschelte ihm den Kopf. Der Körper des Hundes spannte sich an und er streckte seine Nase in die Luft, um zu schnüffeln.

„Mist!", fluchte Kiba, „Hinata aktiviere sofort dein Byakugan. Ich rieche es jetzt auch. Fremde Shinobi und es sind mindestens ein halbes dutzend und unter ihnen sind unsere beiden Freunde, Ronin und Mareo."
Hinata nickte und tat wie ihr geheißen. Tenten griff sofort nach ihren Waffen und Sakura fluchte leise vor sich hin. Sie waren so kurz vor ihrem Ziel und dann passierte so etwas.

„Sie sind vielleicht einen Kilometer noch von uns entfernt und kommen direkt hinter uns her. Auch wenn wir uns beeilen, können wir ihnen nicht mehr entkommen", informierte die Hyuga sie mit zittriger Stimme, „soweit ich erkennen kann sind es wirklich sechs. Die beiden Ame – Ninja und drei aus Kumogakure."

„Dann müssen wir wohl kämpfen", etwas wie Vorfreude lag in Tentens Stimme.

„Nicht so überstürzt. Wir sollten warten bis wir wissen, was sie wollen", Sakura blieb sehr ruhig.

Kiba verdrehte jedoch die Augen:
„Klar, sie wollen auch nur mit uns verhandeln." Darauf bekam er keine Antwort, denn alle waren zu sehr damit beschäftigt die kommende Gefahr im Auge zu behalten.

„Hinata", knurrte Kiba und stellte sich vor sie, „du bleibst immer schön im Hintergrund und wenn du angegriffen wirst, dann versuch lieber ausweichen, anstatt zu kämpfen."

„Aber-", Hinata wollte widersprechen. Man konnte ihr ansehen, dass ihr diese Idee gar nicht gefiel.

„Es ist besser so, Hinata", sprang nun auch Sakura ein, „Gaara würde uns den Kopf abreisen, wenn du verletzt wirst."

Die Hyuga sah nicht so aus als ob sie das glauben konnte und doch nickte sie mit zusammen gepressten Lippen.

„Vielleicht brauchen wir später dein Byakugan", flüsterte Tenten, als sie sich vor ihr positionierte und diverse Waffen zückte.

Und dann warteten sie auf ihre Angreifer. Es verstrichen Minuten und aus den Augenwinkeln beobachteten sie wie sie schwarze Wolken am Himmel türmten. Das war ungewöhnlich und sie wussten, dass es mit den beiden Shinobi aus Amegakure zusammenhing.

Als der Regen einsetzte, konnten sie die Gestalten sehen. Sie kamen direkt auf sie zu und hielten nicht geheim, dass sie dabei waren anzugreifen.

„Achtung!", rief Hinata und im selben Moment flog etwas in ihre Richtung. Sie konnten gerade noch zur Seite springen und so der Explosion der Briefbombe entgehen.

„Die haben Nerven", lachte Kiba, „greifen direkt an. Das gefällt mir mehr als dieses Anschleichen und heimlich Getue."

„Wir haben doch gesagt, dass ihr uns noch nicht besiegt habt", lachte eine Stimme und die vier Shinobi identifizierten sie als Ronins.

„Tja, dann werden wir es eben jetzt tun. Eure Verstärkung wir euch dabei auch nicht helfen", prahlte Kiba und aktivierte sein Familienjutso.

„Pandamädchen!", meinte er ohne dich umzudrehen, „du kümmerst dich um die rechte Flanke. Ich und Akamaru übernehmen den Quatschkopf."

„Alles klar, Hundejunge!", Tenten nahm ich Schriftrolle vom Rücken.

„Versucht schnell mit ihnen fertig zu werden", erklärte Sakura und stellte sich schützend vor Hinata. Diese gab einen erschrockenen laut von sich, als aus dem Nichts plötzlich einer der Kumo – Ninja hinter ihr auftauchte und nach ihrem Arm griff. Tenten reagierte sofort und warf ein Kunai nach seinem Arm, sodass er diesen zurück ziehen musste.

„So nicht, Freundchen!", meinte sie und warf gleich noch ein Shuriken hinterher, dass ihn an der Schulter verletzte.

„Pass auf die beiden auf! Ich greife jetzt an", erklärte Kiba und schoss mit Akamaru zusammen auf die anderen Angreifer zu.

Von da an, wusste Tenten nicht mehr, was hinter ihr passierte. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt Hinatas Angreifer und gleichzeitig Mareo zu bekämpfen.

Der Ame – Ninja wies immer noch deutliche Blessuren von ihrem letzten Kampf auf, deshalb schien er auch viel langsamer zu sein. Doch der andere war stärker. Das realisierte sie gleich nach seiner ersten Attacke.

Donnerphantom Blitzpfeiler."

Tenten musste die Hände vors Gesicht reisen, um ihre Augen vor dem grellen Licht des Blitzes zu schützen, dabei ließ sie blöderweise ihre Waffen und ihre Schriftrolle fallen. Für einen Moment war sie so geblendet, dass sie das Gefühl hatte nie wieder sehen zu können.

„Donnerzahn Bombe."

Tenten brüllte vor Schmerz auf als sie mit voller Wucht in den Boden gerammt wurde. Der Schmerz schoss durch alle ihre Glieder und es fühlte sich nicht an als wäre sie auf Sand gelandet, sondern auf einem harten Felsen geschlagen wurden. Genau wie sie beherrschte er also vor allem das Taijutso, das merkte sie jedoch zu spät. Sie schmeckte sofort das Blut im Mund. Keuchend hielt sie sich den Magen und hatte sichtliche Schwierigkeiten sich auf zu richten. Schnaufend musste sie sich jedoch wieder zurück fallen lassen. In ihrem Kopf drehte sich alles mit enormer Geschwindigkeit. Es fehlte nicht mehr viel bis zur Ohnmacht.

„So schnell kommt's du mir nicht davon, Mädchen", meinte der feindliche Shinobi mit rauer Stimme.

„Pass auf, Tenten!", hörte sie noch Sakura rufen, doch da war es schon zu spät.

Guillotineneinsturz" Sie sah wie der Fuß ihres Gegners aus sie niedersauste und stellte sich darauf ein letztendlich zu sterben. Mission gescheitert. Versprechen gebrochen.

Fast schwarz vor Augen sah sie noch wie sich der Sand neben ihr bewegte. Ein Sandturm. Auch das noch. Sie schloss die Augen und erwartete geschlagen den finalen Schlag des Kumo – Ninja.

Als sie nichts spürte, wunderte sie sich. Starb man etwa so schnell und schmerzlos?

Langsam öffnete sie die Augen und hätte fast damit gerechnet nun einem Engel oder Kami gegenüber zu stehen. Stattdessen lag sie immer noch in der Wüste. Sie spürte die Hitze und den Schmerz in ihrem Rücken und schmeckte immer noch das Blut, das ihre Mundwinkel hinunter tropfte.

Doch das seltsame war, dass sie den Himmel nicht sehen konnte. Ein Schatten lag über ihr. Eine Wand. Eine Wand nur aus Sand. Sie zwinkerte ein paar Mal, um sich zu versichern, dass sie sich nicht versehen hatte, doch die Wand aus Sand blieb. Sie öffnete den Mund, aus dem doch nur ein leises Krächzen kam. Ihre Sicht wurde klarer und sie sah zu wie sich die Wand wieder in einzelne Partikel zerlegte und sich lautlos mit dem restlichen Wüstensand vermischte. Ihr Angreifer landete vor ihr leblos aus dem Boden. Er war von der Sandwand gestoppt worden und jetzt anscheinend bewusstlos. Bevor Tenten sich einen Überblick verschaffen konnte. Hörte sie schon Sakuras Stimme, ganz dicht neben ihr.

„Tenten! Hörst du mich?" Sie rüttelte an ihre Schultern und der Brünetten kam es vor als würden sogar ihre Knochen klappern.

„Au, Sakura nicht so grob...", flüsterte sie.

„Ah, du bist bei Bewusstsein. Gut", meinte die pinkhaarige Kunoichi erleichtert und half der Verletzten ihren Oberkörper aufzurichten. Tenten biss vor Schmerz die Zähne zusammen. In ihrem Kopf drehte sich immer noch alles, aber jetzt war sie in der Lage sehen zu können, was sie beschützt hatte.

Keine zehn Schritte von ihr entfernt stand ein Junge in weißer Robe und mit feuerroten Haaren. Auf seinem Rücken trug er eine Kürbisflasche. Tenten kannte ihn. Sie hatte dabei geholfen ihn aus den Händen der Akatsuki zu befreien.

„Gaara – sama", meinte sie überrascht und blickte ihn fragend an. Er nickte ihr kurz zu und wandte seinen grimmigen Blick Richtung Mareo, der ihn misstrauisch musterte.

„Du bist der Kazekage von Suna", stellte der feindliche Ninja fest und ein Grinsen schlich sich auf seine Gesichtszüge, „eine Schande ist das, dass sie jetzt sogar schon Kinder zu Oberhäuptern machen."

Gaara schenkte ihm nur einen gelangweilten Blick, so als hätte ihn diese Beleidigung nicht getroffen. Stattdessen beschwor er den Sand um sich herum, sodass er sich wie eine Hülle um ihn und auch Hinata legte. Im letzten Moment konnte Tenten den ängstlichen und gleichzeitig beeindruckten Blick der Hyuga sehen, die immer noch zitternd an der Stelle stand, an der Sakura sie zurück gelassen hatte.

„Verdammt, was macht er da mit Hinata?", zischte Tenten.

„Keine Angst. Er wird ihr nichts tun. Er will sie nur beschützen", beruhigte Sakura sie, „kannst du aufstehen?"

Tenten zuckte mit den Schultern und hievte sich dann mit Mühe und Not sowie Sakuras Hilfe auf die Beine. Sie war immer noch verwirrt über ihren plötzlichen Retter und auch etwas in ihrem Stolz verletzt, weil sie es nicht geschafft hatte alleine mit den beiden anderen Kämpfern fertig zu werden.

Die beiden Mädchen waren so damit beschäftigt Tenten wieder aufzurichten, dass sie gar nicht merkten wie der Kumo – Ninja ebenfalls wieder aufgestanden war. Sie bemerkten es erst, als ein lautes Zischen zu hören war und zwei Shuriken auf sie zu sausten. Wahrscheinlich wären sie getroffen worden, wäre nicht im letzten Moment jemand auf leisen Füßen vor ihnen gelandet und hätte die Waffen mit ihrem Fächer aufgehalten.

„So sieht man sich wieder", lachte ein Mädchen mit blonden Zöpfen und zwinkerte ihnen grinsend zu. Tenten fand es fast schon ein wenig ironisch ausgerechnet von ihrer Gegnerin bei den Chunin – Examen gerettet worden zu sein.

„Vielen Dank, Temari – san", erklärte Sakura und zückte ein Kunai, um einen weiteren Angriff abzuwehren, doch Temari schüttelte den Kopf.

„Kümmere du dich lieber, um unsere Waffenexpertin hier. Ich und Gaara kümmern uns schon um die beiden Herren."

Sakura nickte:
„Und Kiba?"

„Kankuro steht ihm schon zur Seite, obwohl er besser zurecht kommen scheint als ihr", lachte sie. Tenten verzog das Gesicht. Sie mochte es nicht, wenn man sich über ihre Niederlagen lustig machte, auch wenn das andere Mädchen es nicht wirklich ernst meinte. Jedenfalls verriet ihr das, das Funkeln in ihren blauen Augen. Dann wandte sie sich ihrem Gegner zu:
„Na los, zeig mal, warum es Tenten nicht geschafft hat dich zu besiegen?"

Sakura zog die beleidigte Tenten zum Rand des Kampffeldes, um ihre Wunden zu behandeln.

„Das ist wirklich peinlich", erklärte Tenten und verschränkte die Arme, musste jedoch vor Schmerz wieder die Zähne zusammen beißen.
„Peinlich?", Sakura zog eine Augenbraue hoch, „du bist fast getötet worden."

„Eben. Jemand anderem wäre das nicht passiert. Ich muss einfach mehr trainieren. Im Moment habe ich wirklich nachgelassen. Wie soll ich jemand anderes beschützen, wenn ich mich nicht mal selbst beschützen kann?"

„Jetzt übertreibst du aber", die andere Konuichi lenkte ihr Chakra in ihre Hände und legte diese auf Tentens Bauch, der geradezu eine einzige Prellung zu sein schien, „du weißt doch, dass du eine gute Kämpferin bist. Besser als Hinata und ich zusammen."

Tenten wandte den Blick ab. Sie wollte nicht, dass Sakura auf die Idee kam, dass sie schwach wäre. Das war sie nicht. Bei weitem nicht. Hinata und sie hatten Talente auf anderen Gebieten. Doch sie selbst konnte zwar gut mit Waffen umgehen, konnte sich aber noch lange nicht mit Jungen wie Neji oder Shikamaru messen. Sie war nicht so schnell wie Lee oder Kiba. Weder so intelligent wie Shikamaru, noch so willensstark wie Naruto. Sie passte irgendwie in keine Kategorie. Weder in die der Mädchen, noch in die der Jungen.

Normalerweise war sie selbstbewusst und hatte keinerlei Zweifel an ihrem Können, doch während dieser Mission wurde ihr das erste Mal klar wie anders sie doch war.

Ein lautes Knallen riss sie aus ihren Gedanken. Irgendetwas war explodiert und hatte gleich zwei ihrer Gegner in die Luft gejagt. Ronin und der andere Shinobi aus Kumogakure lagen leblos auf dem Boden, wo sich ihr Blut mit dem Sand vermischte.

Ganz in ihrer Nähe lag eine von Kankuros Puppen. Von ihrem Besitzer fehlte jede Spur. Nur Kiba hockte auf dem Boden und hielt sich den Arm. Akamaru lag kläglich neben ihm. Auch er war verletzt. Sofort sprang Sakura auf und rannte auf sie zu.

Tenten wandte ihrem Blick wieder den anderen beiden Kämpfern zu. Zwischen dem anderen Kumo – Ninja und Temari ging es hoch her. Es sah so aus als würde die Kunoichi die Nase vorne haben. Verbittert biss sich Tenten auf die Unterlippe.

Hinata und Gaara waren immer noch unter dem Schutzschild verschwunden. Erfolglos wurde er von Mareo attackiert, der so aussah, als würde er nicht mehr lange durchhalten. Tenten kam sich fast schon ein wenig nutzlos vor. Sie war verletzt und erschöpft und konnte deshalb nicht mehr viel ausrichten.

Sie richtete sich wieder auf und stolperte einige Schritte vorwärts. Der Sand erschwerte das ganz noch und doch biss sie die Zähne zusammen. Ihr Blick blieb unverwandt auf Mareo gerichtet, als sie nach ihrer Schriftrolle griff, die nach ihrem Knock – out achtlos im Sand liegen geblieben war.

Noch bevor sie ihre Handzeichen machen konnte, legte sich eine starke Hand wie ein Schraubstock um ihr dünnes Handgelenk. Überrascht blickte sie sich um und in ein paar dunkler Augen. Sie erkannte den Mann sofort. Er trug kein Stirnband, doch sein dunkler Anzug und die auffällige Gesichtsbemalung waren unverkennbar.

„Temari würde es dir nie verzeihen, wenn du in ihren Kampf eingreifst", erklärte er mit rauer Stimme. Er hatte nicht einen Kratzer im Gegensatz zu Kiba, obwohl beide bis eben noch gekämpft hatten.

„Temaris Kampf? Bis ihr aufgetaucht seid, war das hier ganz alleine mein Kampf", erwiderte sie mit unterdrückter Wut in der Stimme.

„Komm schon, du solltest wenigstens ehrlich sein: Als wir kamen warst du kurz davor zu verlieren. Wenn Gaara den Kerl nicht aufgehalten hätte, dann...", er beendete seinen Satz nicht, doch sie wusste, wovon er sprach. Tenten warf ihm einen bösen Blick zu und ließ ihre Schriftrolle wieder fallen. Sie hasste es, wenn andere Recht hatten. Sie selbst war immer viel zu stur, um das einzusehen.

Kankuro grinste zufrieden und ließ ihren Arm wieder los. Tenten wandte demonstrativ ihren Kopf zur Seite und sah daher gerade noch, wie der Sand rund um Mareo sich bewegte und in rasender Geschwindigkeit wie ein Wirbelsturm um ihn rotierte, bis von dem Ame – Ninja nichts mehr zu erkennen war. Schließlich krachte der Sand wie eine Lawine auf ihn nieder. Er musste Tonnen wiegen.

Der Sand beruhigte sich wieder und von ihrem Feind war nichts mehr übrig als Staub.

Der Schutzschild des Kazekagen bröckelte bis er vollends zerfiel. Auch Kiba und Sakura hatten mitbekommen, was geschehen war. Sakura stützte den Hundeninja. Beide waren genauso überrascht und verwirrt wie Tenten. Nur Kankuro verzog sein Gesicht zu einem spöttischen Grinsen:

„Hast du sie so sehr erschreckt, dass sie in Ohnmacht gefallen ist?"

Gaara, der die bewusstlose Hinata in seinen Armen wie eine Braut trug, warf ihm einen warnenden Blick zu. Sofort verging seinem Bruder das Grinsen.

„Du...du...du Bastard! Was hast du mit ihr gemacht?", brüllte Kiba außer sich vor Zorn und wollte sich auf Gaara stürzen, wurde jedoch von Sakura zurück gehalten.

„Lass mich los!", brüllte er sie an.

„Kiba sei nicht albern", meinte Sakura mit zitternder Stimme, „du bist viel zu schwach, um dich jetzt mit ihm anzulegen."

„Aber...", knurrte Kiba, musste doch am Ende einsehen, dass sie Recht hatte.

Gaara hatte währenddessen nicht eine Miene verzogen. Seine Gesichtszüge waren kalt und emotionslos wie immer.

„Ist das meine Verlobte?", fragte er unverblümt. Tenten lief ein Schauer über den Rücken angesichts der Gleichgültigkeit in seiner Stimme.

Sakura antwortete ihm mit einem einfachen Nicken und das schien ihm zu reichen.

„Sie ist schwach", kommentierte er.

„Du...", wieder spannte sich Kibas gesamter Körper an, doch der Kazekage sprach weiter ohne auf die Reaktion der anderen zu achten.

„Kurz nachdem ich den Schutzwall um uns errichtet hatte, ist sie bewusstlos geworden."

„Wahrscheinlich war der Kampf einfach zu viel für sie und als sie dann auch dich gesehen hat, Gaara – sama...", versuchte Sakura das Verhalten von Hinata zu begründen. Tenten war überrascht wie persönlich sie den Kazekagen ansprach. Doch dann fiel ihr ein, dass Gaara immerhin ein guter Freund von Naruto war und Narutos Freunde waren auch meist immer Sakuras.

„Hn", machte er nur und schenkte der Bewusstlosen in seinen Armen keinen weiteren Blick mehr.

„Gib sie mir!", verlangte Kiba, „ich bring sie wieder dahin zurück, wo sie hin gehört."

Sakura warf ihm einen drohenden Blick zu, aber Gaara hatte sowieso nicht vorgehabt der Aufforderung Kibas nachzukommen.

„Geht schon mal vor. Kankuro führt euch bis nach Sunagakure. Ich werde hier warten bis Temari ihren Gegner endlich besiegt hat."

Damit übergab er das Mädchen in seinen Armen an seinen Bruder.

„Alles klar", meinte dieser und wies den drei anderen mit einem Kopfnicken an ihm zu folgen.

„Komm schon!", unsanft riss Sakura Kiba mit sich. Dieser knurrte zwar drohend, doch er sträubte sich auch nicht gegen ihren Griff. Akamaru folgte ihnen mit angelegten Ohren, als würde er sich für das kindische Verhalten seines Herrchens schämen.

Tenten richteten noch eine letzten, sehnsüchtigen Blick auf den Kampf zwischen Temari und dem Kumo – Ninja. Wie sehr kribbelte ihr es doch in den Fingern!

Stattdessen schüttelte sie nur streng den Kopf, schnallte ihre Schriftrolle auf ihren Rücken und stiefelte mit etwas Abstand den anderen hinterher. Kankuro hatte Recht: Es war nicht mehr ihr Kampf.


Ende von Kapitel IV.