Hey Leute :) Wie ich auf meiner Seite angekündigt habe... hier ist das nächste Kapitel. Tut mir Leid, dass es so lang gedauert hat, aber dafür ist es eins der längeren ;)
Und es gibt ein wenig Hermine/Harry-Action :D Yay!
Viel Spaß beim Lesen :D
Traumdeutung
Lachend stieß Hermine die Haustür auf und schob Harry in den Flur.
„Sieh's positiv – sie haben dich nicht erwischt."
„Du meinst wohl, sie haben uns nicht erwischt", Harry grinste und schlang ihr einen Arm um die Taille. „Ich mein ja nur – ich bin nicht der einzige, der den Krieg gewonnen hat."
Kichernd versuchte Hermine, sich aus seinen Armen zu befreien. „Nein, da hast du wohl Recht, aber du bist der einzige, für den sie sich interessieren."
„Willst du etwa sagen, dass du uninteressant bist?"
„Nein, ich will nur sagen, dass sie uns wahrscheinlich nicht wegen mir mehrere Straßen im Vollsprint verfolgt haben. Lass das", Hermine zuckte lachend zusammen und schlug auf Harrys Hand ein.
„Bist du etwa kitzelig?" Harry grinste heimtückisch, ließ jedoch ihre Taille los, um sich ihr mit einem Funkeln in den Augen langsam zu nähern. „Hermine und kitzelig? Wieso weiß ich davon nichts?"
Sie schluckte. „Kitzelig? Ich? Nein, wie kommst du denn da drauf?"
Das Grün seiner Augen leuchtete auf. Dieses Funkeln bedeutete nichts Gutes – jedenfalls für sie nicht. Langsam kam er auf sie zu, Schritt für Schritt kam er ihr näher und es fiel ihr mit jedem Zentimeter schwerer, ihre Atmung unter Kontrolle zu halten und ihm nicht wie unter Hypnose in die Augen zu starren.
„Och, ich weiß auch nicht", Harry hob seine Arme und stützte sich rechts und links von ihrem Kopf an der Wand hinter ihr ab. Er hatte sie in die Enge gedrängt. „Eigene Erfahrung?"
Schmunzelnd blinzelte Hermine ihrem besten Freund entgegen, einen schlauen Spruch auf den Lippen. Doch, als sie in seine hellgrünen Augen sah, stockte ihr der Atem. Er war so nah. Sie konnte jede noch so kleine Farbnuance sehen, sie konnte beinahe jede Pore seiner makellosen, hellen Haut sehen. Sie konnte seinen Atem spüren, der ihr warm über die Wange strich und ihr Gänsehaut bereitete.
Er war noch nie so nah gewesen. Noch nie. Sie schluckte. Nur wenige Zentimeter trennten sie von diesen wohlgeformten, rosa Lippen, die vom Nahen noch vielversprechender und verlockender wirkten, als sie es für möglich gehalten hatte. Wie es sich wohl anfühlen würde, sie auf ihren zu spüren? Ob sie wirklich so sanft und weich waren, wie sie es sich vorstellte? Nur wenige Zentimeter und sie wüsste die Antwort.
Sie blinzelte. Harry Atemzüge kamen stockend und unregelmäßig. Seine Pupillen waren geweitet, wie sicher ihre auch. Ob sie es wagen sollte? Erneut huschte ihr Blicke auf seine Lippen. Nur ein paar Zentimeter und—
„Stör' ich?"
Hermine kreischte auf und zuckte heftig zusammen. Harry sprang von ihr weg, sein Gesicht knall rot, seine Augen vor Entsetzen geweitet.
Ginny stand keine vier Meter von ihnen entfernt, die Arme vor der Brust verschränkt und ein böses Funkeln in den Augen. Wenn Blicke töten könnten…
„Ginny!" Harry fuhr sich hastig mit der Hand durch die Haare und räusperte sich verlegen. „Was…Was machst du hier?"
Als er keine Antwort bekam, wurde er noch röter. „S-Seit wann bist du hier? Ich hab dich nicht—„
„Gesehen?" Ginnys Stimme war eiskalt. „Ja, das hab ich mir schon gedacht."
Hermine schluckte. Ihr Blick huschte hastig zwischen Harry und seiner Ex-Freundin hin und her, nicht wissend, was sie sagen sollte.
Das war nicht gut. Diese Situation war alles andere als gut! War sie gerade im Begriff gewesen, Harry zu küssen? Harry? Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Er war ihr bester Freund, verdammt noch mal! Und sie wusste ganz genau, dass Ginny noch nicht über ihn hinweg war und trotzdem schmiss sie sich an seinen Hals? Sie kannte ihn schon ihre ganze Kindheit lang und er war nie mehr als ein guter Freund gewesen – offiziell zumindest. Sie wusste nur zu gut, wie sie sich heimlich vorstellte, wie es sich wohl anfühlte, von ihm gehalten -
Oh mein Gott, Hermine! Was ist mit dir los?
„Ja, das war mir klar, dass du mich nicht gesehen hast", fauchte Ginny. „Du warst ja offensichtlich beschäftigt!"
Harry blinzelte und blickte zu Hermine hinüber, nur, um, kaum hatten sich ihre Blicke getroffen, schnell wieder zu Boden zu sehen. Er glaubte nicht, dass es je einen Moment in seinem Leben gegeben hatte, in dem er solch eine imposant rote Gesichtsfarbe gehabt hatte, die allen Weasleys zusammen ernsthafte Konkurrenz darbot.
Erneut zuckte seine Hand nervös in Richtung Haare, die eh schon aussahen, als wäre er gerade von drei Blitzen parallel getroffen worden.
Ginny schniefte und funkelte ihn mit leuchtenden Augen an. „Wie kannst du nur?" Flüsterte sie. Eine rote Strähne entwich gerade ihrem Zopf und kitzelte sie an der Wange. Ungeduldig strich sie sie hinter ihr Ohr.
„Wie kannst du mir das nur antun?"
Ihre Konturen verschwammen ein wenig und verdutzt fuhr Harry eine Hand über seine Augen. Sie waren trocken.
„Ich hab die ganze Zeit auf dich gewartet, weißt du das? Klar, weißt du das. Ich hab es dir letztens erst erzählt. Aber du hast es nicht verstanden, oder? Nein, hast du nicht", sie schüttelte verächtlich den Kopf und schniefte erneut.
„Dieses ganze Gelaber von wegen ‚Die Zeit mir dir war schön' oder ‚Ich bereue nichts' war alles eine Lüge, oder? Ich hab ein ganzes Jahr für dich geopfert, Harry Potter", sie stieß seinen Namen so gehässig aus, dass Harry zusammen zuckte.
„Ein ganzes Jahr in dem Glauben, dass, wenn erst einmal alles vorbei ist, wir wieder von vorne beginnen könnten. Du hast mir falsche Hoffnungen gemacht! Und ich glaubte tatsächlich, dass es mit uns noch klappen könnte! Und dann knutschst du hinter meinem Rücken mit Hermine rum! Wie arm ist das denn?"
„Hinter deinem Rücken? Ernsthaft?" Harry trat einen Schritt auf sie zu und sah ihr direkt in die Augen.
„Ich habe vor über einem Jahr mit dir Schluss gemacht, Ginny, und ich hab dir letztens erst gesagt, dass sich meine Meinung dahingehend nicht ums Geringste geändert hat! Ich hab dir gesagt, dass du nicht auf mich warten sollst, weil es nichts gibt, wofür es sich zu warten lohnt! Ich möchte nicht mit dir zusammen sein, verstehst du das denn nicht? Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich nichts mehr für dich empfinde bis zu es endlich kapierst?"
Hermines Blick zuckte von Harry zu Ginny und wieder zurück. Sie standen sich inzwischen so nahe, dass es beinahe unangenehm war, zuzugucken. Nur ein weiterer Schritt trennte Ginny davon, sich in Harrys Arme zu schmeißen, nur Harrys Gesichtsausdruck schien sie im Moment davon abzuhalten.
Langsam trat Hermine einen Schritt in Richtung Treppen. Sie wollte die beiden in Ruhe lassen und sich nicht in ihre Probleme einmischen.
„Ich hab dir vor 'nem Jahr gesagt, dass ich auf dich warten würde, Harry! Ich hab mein Wort gehalten! Und du!" Hermine zuckte zusammen. „Du bleibst schön hier, Fräulein!"
Langsam drehte sie sich um, um eine vor Wut kochende Ginevra Weasley vor sich stehen zu sehen.
Harry schnaubte wütend auf. „Sie hat nichts damit zu tun, klar? Das hier ist eine Sache zwischen uns beiden, also lass Hermine da raus!"
„Jetzt verteidigst du diese Schlampe auch noch? Ernsthaft?"
„GINEVRA WEASLEY!" Hermine hatte Harry noch nie zuvor brüllen gehört.
„Was fällt dir eigentlich ein? Du kommst hier her, brichst in mein Haus ein und hast dann auch noch die Nerven hier eine Szene zu machen und meine beste Freundin zu beleidigen?"
„Sie ist ja wohl mehr als nur eine beste Freundin."
„Das geht dich sowas von überhaupt nichts an! Das ist alles meine Sache und mein Privatleben und ich kann mit den Leuten meine Zeit verbringen, mit denen ich zusammen sein will! Und du gehörst im Moment eindeutig nicht dazu! Ich will dich nicht mehr hier haben, Ginny! Ich weiß nicht, wie deutlich ich werden muss, damit du es endlich kapierst!"
„So ist das also?" Ginny richtete sich auf und funkelte sowohl Harry, als auch Hermine böse an. Ihr Gesicht hatte etwas an Röte verloren. Grau mischte sich jetzt hinein und ließ sie ungesund wirken.
„Du servierst mich für den Bücherwurm ab? Du machst mit mir Schluss, weil du mit einer anderen zusammen sein willst?"
„Wie oft soll ich das noch sagen? Wir. Sind. Kein. Paar! Wir sind keins mehr seit über einem Jahr. Ich hab nach Dumbledores Beerdigung mit dir Schluss gemacht! Ich kann nicht mit jemandem Schluss machen oder jemanden hintergehen, mit dem ich nicht mehr zusammen bin! Verschwinde einfach, Ginny. Bitte, verlasse mein Haus."
Ginny richtete sich auf und stieß ihre Fäuste in ihre Taille. „Schön. Wie du willst. Ihr werdet mich nie wieder zu Gesicht bekommen, das schwör ich dir! Genieß deine Zeit mit dieser… Person! Ihr seid beide gleich schlimm. Erst du mit Ron", sie stieß Hermine aus dem Weg, „und jetzt du auch noch."
Verächtlich schüttelte sie den Kopf und sah Harry mitleidig an. „Du kannst einem nur Leid tun."
*~*HP*~*
‚Wie alle Zauberer und Hexen Großbritanniens und der ganzen Welt wissen, beginnt in fünf Monaten die Weltmeisterschaft im Quidditch, bei der Teams aus aller Welt sich gegenseitig messen und letztendlich nur einer gewinnen kann.
Kingsley Shacklebolt, Zaubereiminister, hat gestern in der offiziellen Quidditch-Weltmeisterschaft-Pressekonferenz angekündigt, dass er sich bereits mit dem Mannschaftskapitän der Nationalsieben zusammengesetzt hat, um Taktik und Spielstrategien der Mannschaft zu erarbeiten.
Wie sich herausgestellt hat, so Shacklebolt, habe die Nationalsieben noch zwei freie Plätze im Team, die bis in spätestens zwei Wochen besetzt sein müssten, da England sonst erst wieder nächsten Jahr bei dem Turnier teilnehmen könne.
Im Gegensatz zu den anderen Mannschaften, habe England aus diesem Grund noch nicht mit den Vorbereitungen begonnen.
„Wir müssen zusehen, dass wir so schnell wie möglich unsere Mannschaft voll kriegen", sagte der neue Kapitän Roger Stinicle. „Solange ich Kapitän bin, wird England mindestens bis ins Finale kommen und es ist nicht akzeptabel, dass wir wegen so einem Schlamassel vorzeitig aus dem Turnier ausscheiden."
Ganz England hält den Atem an und hofft, dass die Mannschaft es schafft, bis zum 23. diesen Monats Ersatz für Davids und Hammilson zu finden, die sich bedauerlicher Weise in diesem Moment in St. Mungos aufgrund eines Zwischenfalls im Drachenreservat aufhalten.
Sowohl Stinicle, als auch Minister Shacklebolt haben mich gebeten, einen offiziellen Aufruf bezüglich der Auswahlspiele zu starten.
Die britische Nationalsieben ist verzweifelt auf der Suche nach einem fähigen Sucher und Jäger.
Ich bitte Sie daher, falls sie Erfahrung mit Quidditch haben und schon einmal erfolgreich an mindestens vier Wettbewerben teilgenommen haben, sich am 23. diesen Monats an dem Eingang des britischen Stadions einzufinden.
Sie werden dort von Auroren in Empfang genommen, die ihre Erinnerungen untersuchen werden, um sicherzugehen, dass sie für den Platz im Team qualifiziert sind. Daraufhin finden die Auswahlspiele statt.
„Wir haben eine tatsächliche Chance zu gewinnen, doch das schaffen wir nur mit einem kompletten Team", sagte Stinicle im Interview mit dem Tagespropheten. „Und daher hoffe ich, dass sich viele talentierte Zauberer und Hexen am 23. bei uns vorstellen werden, damit wir zum ersten Mal in zehn Jahren wieder den Pokal in den Händen halten dürfen!"'
Harry legte den Tagespropheten auf den Tisch vor sich und strich sich mit seiner Hand durch die pechschwarzen Haare. Stirnrunzelnd blickte er auf die Zeitung. Das leicht nervöse Gesicht des neuen Kapitäns der Quidditch-Nationalmannschaft lächelte ihm entgegen.
"Verzweifelt auf der Suche nach einem fähigen Sucher", murmelte Harry und nahm die Zeitung wieder in die Hand.
Sollte er es wagen? Er hatte ja sonst nichts zu tun. Er hatte die nötige Erfahrung, die nötigen Nerven und den nötigen Ehrgeiz. Rein auf dem Papier war er perfekt für den Platz im Team, wenn es da nicht ein Problem gäbe.
"Hör sofort auf damit!"
Blinzelnd blickte Harry auf und sah Hermine mit verschränkten Armen vor sich stehen.
"Ich hab doch gar nichts gemacht."
"Und ob du was gemacht hast! Du hast wieder angefangen, nachzudenken."
Verdutzt blickte Harry sie an. "Und was genau ist schlimm daran, wenn ich nachdenke?" Fragte er sich langsam, als ob er an ihrem Verstand zweifelte.
Hermine rollte mit den Augen, schob den Stuhl vom Tisch weg und setzte sich neben Harry.
"Ich weiß doch, wie das immer endet und du weißt es auch. Je länger du über etwas nachdenkst, was positiv für dich wäre, wie zum Beispiel etwas, was dir Spaß macht, desto schneller kommst du auf den irrsinnigen Gedanken, dass du es nicht machen solltest."
Harry hob die Brauen.
"Du weißt schon, was ich meine. Du fängst an zu überlegen, dass du durch deinen Ruhm eh deinen Willen bekommen würdest und nicht durch dein Können. Dann redest du dir ein, dass alles, was du bisher erreicht hast nicht dir zuzuschreiben ist, sondern dass es entweder deinen Kontakten oder deinen Freunden zu verdanken sei und letztendlich endet die ganze Sache damit, dass du dich wertlos und überflüssig fühlst."
Entschlossen blickte sie ihm ins Gesicht. "Hab ich nicht Recht?"
Harry blinzelte und wandte seinen Blick ab. Er hatte jetzt wirklich keine Lust über sein fehlendes Selbstwertgefühl zu diskutieren. Er wusste, dass er damit ein Problem hatte. Wie sollte es denn auch sonst sein, wenn man über eineinhalb Jahrzehnte damit verbrachte gesagt zu bekommen, man sei die reinste Platzverschwendung und nicht die Luft wert, die man atmete. Dafür brauchte er keine Hermine, um das herauszufinden.
Es tat ihr weh, ihn so zu sehen. Sie wusste, dass die Dursleys nicht spurlos an ihm vorüber gegangen sind. Er versuchte zwar, so zu tun, als wäre er ganz normal und würde nicht an das glauben, was ihm seine ganze Kindheit lang, seitdem er denken konnte, eingeflößt wurde. Doch sie wusste es besser. Wenn man Harry kannte, konnte man sehen, wie sehr er unter ihrem Einfluss litt und wie sehr er versuchte, sich davon loszusagen, es aber nur, wenn überhaupt, bedingt schaffte.
Ihr Blick fiel auf die Zeitung, die Harry immer noch in den Händen hielt.
„Großbritannien nur mit halber Mannschaft. Fällt die Weltmeisterschaft aus?" Hermine blickte zu ihrem verlegen wirkenden besten Freund neben sich. "Quidditch?"
Sie lächelte als er nickte. "Was steht denn da drin?"
Harry fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und räusperte sich.
"Sie suchen Spieler. Einen Jäger und einen Sucher. Am 23. sind die Auswahlspiele", murmelte er in den Tisch hinein.
"Und? Hast du vor hinzugehen?"
Entsetzt starrte er Hermine an. "Bist du von allen guten Geistern verlassen? Ich und in der Nationalmannschaft? Nein, das ist nichts für mich." Er schüttelte hastig den Kopf und stand auf, um die Zeitung in den Kamin zu werfen.
"Ich hab mir nur den Artikel durchgelesen und ein bisschen an alte Zeiten gedacht, das ist alles."
Schmunzelnd sah sie ihm zu, wie er missmutig in die züngelnden Flammen starrte.
"Ich finde, du solltest hingehen."
Harry lachte humorlos auf und wandte sich zu ihr.
"Und was soll ich tun? Alle Leute ignorieren, die mich anstarren werden? Alle Leute wegstoßen, die mich nach einem Foto oder Autogramm fragen werden? Das ist nichts für mich, Hermine. Mir geht es hier gut, wirklich."
"Harry", sagte sie behutsam und stand auf, um ihm am Feuer Gesellschaft zu leisten als er sich mit niedergeschlagener Mine wieder den Flammen zuwandte.
"Bitte, Harry. Bitte tu dir das nicht an. Ich sehe doch, wie sehr du Quidditch vermisst. Na, komm schon. Es wird schon nicht so schlimm werden. Geh einfach hin und warte ab, was dich erwartet. Wer weiß, vielleicht grüßen sie dich ja auch nur, schütteln dir die Hand und wenden sich dann deren eigentlichen Plan zu? Du kannst nicht wissen, wie sie wirklich reagieren werden. Tu dir selbst einen Gefallen und geh zu dem Auswahlspiel. Ich möchte schließlich mit einem berühmten Quidditchspieler zusammen wohnen", fügte sie grinsend hinzu und kicherte, als Harry anfing, vor sich hin zu stammeln.
"Trau dich."
Harry blickte auf und das erste, was er sah waren ihre schokoladenbraunen Augen. Die goldenen Fäden, die sich durch die hindurch wanden schienen zu leuchten, als sie ihm zulächelte. Ihr Lächeln wurde breiter und er sah, wie sich kleine Fältchen auf ihrer Nase bildeten.
Er schluckte.
"Du hast Recht", krächzte er und räusperte sich. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. "Ich werd's versuchen."
"Gut", Hermine schlang ihre Arme um seinen Hals und zog ihn fest an sich. Er roch nach Aftershave, Apfel und Harry.
"Freut mich", flüsterte sie ihm ins Ohr. Er zitterte.
Verlegen und viel zu früh Harrys Meinung nach ließ sie wieder von ihm ab.
"Ich wollte eigentlich mit dir über etwas anderes reden", sagte sie, ihre Wangen erröteten leicht.
Harry blinzelte.
"W-Wirklich?" Nervös fuhr er sich erneut mit einer Hand durch seine malträtierten Haare, die schon vom Anfang dieser Unterhaltung an in alle Himmelsrichtungen abstanden.
"Ja, wirklich. Du weißt ja, dass ich die letzte Zeit ein wenig recherchiert habe."
Sofort hatte sie seine Aufmerksamkeit.
"Hast du etwas herausgefunden?" Fragte er begierig und ging eilig auf den Küchentisch zu, deutete ihr an sich zu setzen und nahm ebenfalls Platz.
"Ja, ich denke schon."
Harry grinste. "Aber?"
Lächelnd setzte sie sich auf den ihr angebotenen Stuhl und schlug ein Bein über das andere.
"Also, wie zu erwarten war stand natürlich nichts Direktes in den Büchern. Das meiste war nur Gelaber über verwirrte Hexen und Zauberer, die davon überzeugt waren, selbst Geister zu sein. Die Tatsache, dass jeder sie berühren konnte und sie nicht durch Wände gehen konnten, schien sie nicht davon abzuhalten, fest daran zu glauben. Eine Hexe hat es doch tatsächlich versucht, im Sturzflug mit ihrem Besen durch die Erdoberfläche auf die andere Seite der Erde zu gelangen. Sie landete in St. Mungo's und war deren erste Patientin in der Psychiatrie-Abteilung.
Wie dem auch sei", sagte sie und strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr, "es war nicht alles Schwachsinn und unnötige Papierverschwendung. Zum Beispiel habe ich über einen Zauberer gelesen, der angeblich gesehen hat, wie seine tote Geliebte an ihm vorbei schwebte, obwohl sie seit etwa fünf Jahrzehnten tot war. Das war in 1109. Daraufhin wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt."
Verdutzt blinzelte Harry sie an. "Das ist alles sehr traurig, aber was hat das mit meiner Situation zu tun?"
"Ich war ja noch nicht fertig", Hermine schmunzelte.
"Also, was ich sagen wollte war, dass, wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, was ich denke der Fall ist, wirst du heimgesucht. Es gab viele Fälle von Geistererscheinungen in den letzten tausend Jahren und das sind nur die, die öffentlich gemacht wurden. Die meisten blieben im Geheimen, da den Betroffenen, wenn es schlecht lief, entweder der Scheiterhaufen oder das Gewicht am Bein ein Ende bereitete.
Ich bin ziemlich schnell zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es sich um einen Geist handeln muss. Die Dinge die du siehst und teilweise hörst und die Dinge von denen du träumst ließen ehrlich gesagt keine andere Schlussfolgerung übrig."
"Du meinst also, dass ich von einem Geist verfolgt werde? Die ganze Zeit?"
Harry schluckte. Er hatte so etwas schon vermutet, doch es bestätigt zu bekommen war eine ganz andere Sache.
Hermine nickte. "Das ist jedenfalls meine Vermutung. Du siehst Flimmer, hörst Stimmen, siehst Schatten... Welche andere Erklärung gibt es da?"
Eigentlich keine andere, dachte er griesgrämig und funkelte betrübt den Schatten in der Ecke an. Er schien zu zittern. War der Geist, die Erscheinung oder was es auch war nervös? Wollte es nicht entdeckt werden? Ein Murmeln drang an sein Ohr und er konzentrierte sich auf die unförmige, farblose Gestalt neben der Küchentür. Sie kam langsam näher. Das Murmeln wurde lauter, doch Wörter konnte er nicht verstehen. Er konnte erahnen, wo der Kopf und die Arme und Beine waren. Es war also wirklich ein Geist, ein toter Mensch, der ihn beobachtete.
Harry fühlte eine, wie ihm ein Schauer über den Rücken fuhr. Nur nicht allzu genau drüber nachdenken, sagte er sich in Gedanken und wand mit Mühe seinen forschenden Blick von der Gestalt ab, die nun etwa zwei Meter von ihm entfernt stand, schwebte, was auch immer sie tat.
Hermine beobachtete Harry genau. Sein Blickte wandte sich von ihr ab und fokussierte etwas hinter ihr. Sie drehte sich um, sah jedoch nichts. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen sah sie zu, wie Harrys Augen etwas ihr nicht Sichtbarem folgte. Die Falten auf seiner Stirn wurden mit jeder Sekunde tiefer. Sie hatte Recht und Harry wusste es.
"Laut den Autoren", sagte sie und riss Harry aus den Gedanken, "könne eine Seele nur dann ins Licht gehen, wenn sie mit allem abgeschlossen und ihren Tod akzeptiert hat. Das sei besonders schwierig bei Menschen, die ermordet wurden oder verunglückt sind, da sie sich ja nicht mit dem Thema Tod und Sterben im Vornherein hatten auseinander setzen können. Haben diese Menschen also noch etwas zu erledigen oder etwas, was ihnen am Herzen liegt, zum Beispiel, wenn sie sich Sorgen um jemanden machen, ist es wahrscheinlicher, dass sie auf der Erde bleiben."
Hermine lächelte Harry an, der sie verständnislos anstarrte.
"Laut Lynhartt Thomen gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder entscheiden sie sich für immer auf der Erde zu bleiben, wie die Geister von Hogwarts, und kriegen dann eine nahezu menschliche Gestalt, oder sie sich grundsätzlich bereit, ins Licht zu gehen, möchten vorher jedoch noch mit etwas oder jemandem ins Reine kommen. Wählen sie die zweite Möglichkeit, bekommen sie keine Form, die Menschen sehen können, wandeln jedoch trotzdem auf der Erde und werden meistens von den noch lebenden Menschen nicht gespürt oder gesehen. Es gibt jedoch Ausnahmen."
Entnervt stöhnte Harry auf. "Lass mich raten - ich bin so eine Ausnahme, oder?"
Hermine nickte grinsend. "Du kannst dieses Wesen sehen, oder?"
"Ja, das kann ich", murmelte er und funkelte die verschwommene Gestalt neben sich an, die, wie es aussah, einen Arm nach ihm ausstreckte. Er zuckte zurück.
"Wieso immer ich?" Harry fuhr mit beiden Händen über sein Gesicht und vergrub es in seinen Armen. Ein warmer Lufthauch wehte über seine Schulter. Es hatte etwas merkwürdig Beruhigendes.
"Auch dafür hab ich eine Theorie", sagte Hermine und beugte sich weiter in Harrys Richtung.
"Du meintest vor einiger Zeit mal, dass du diese Dinge erst seit deinem St. Mungo's Aufenthalt siehst, hab ich Recht?"
Harry hob seinen Kopf und blickte sie verdutzt an. So langsam dämmerte es ihm. "Ja, das stimmt..."
Hermine nickte, als sie regelrecht sah, wie die Schlussfolgerung in Harrys Kopf einrastete.
"Der Grund, warum du im Krankenhaus warst, war, dass du fast gestorben wärst, zwei Mal. Ich habe dich in einem komplett zerstörten Korridor gefunden. Deine Seite war blutüberströmt und du hast kaum geatmet. Die Heiler meinten, es hätte nicht mehr lange gedauert und du wärst verblutet", flüsterte sie und wischte eine Träne weg, die ihr über die Wange lief.
Harry senkte betreten den Blick.
"Und in St. Mungo's... Ich hab die Heiler gehört, als sie versucht haben, dich zu retten, wusstest du das? Ich saß auf dem Boden in der Eingangshalle und musste mit ansehen, wie mit der Zeit immer häufiger die Heiler aus deinem Zimmer gelaufen kamen und mit mehr Kollegen zurückkamen."
Sie schniefte und schaute Harry so lange an, bis er seinen Blick wieder hob und sie ansah.
"Du wärst fast gestorben, Harry. Du warst für kurze Zeit tot, aber sie haben es geschafft, dich wiederzubeleben. Deine Verletzungen und der Blutverlust..."
Sie holte tief Luft, um sich zu beruhigen.
"Du warst für kurze Zeit tot, warst also im 'Reich des Todes', wie Lynhartt Thomen es nennt. Ich glaube, das ist der Grund, warum du diesen Geist oder diese Seele sehen kannst, obwohl niemand anderes sie oder ihn sieht. Du hattest Kontakt mit dem Tod und bist ihm um Haaresbreite entkommen. Es macht alles Sinn!"
Harry nickte langsam.
Er sah ihre Logik in all dem. Er verstand, warum sie dachte, dass er plötzlich in der Lage war, anscheinend unerfüllte Seelen zu sehen - oder eine Seele, die ihn ständig verfolgte. Nur ihm Bad ist sie nicht da, dachte er amüsiert und dankte Merlin, dass er wenigstens im Bad seine Privatsphäre hatte.
Doch wer sollte ihn verfolgen? Klar, er hatte schon viele Menschen sterben sehen, die meisten davon seinetwegen, doch ihm fiel spontan keiner ein, der noch etwas mit ihm klarstellen musste oder wollte.
Als er diesen Gedanken laut äußerte, strahlte Hermine ihn an.
"Was weißt du über diese Seele?"
Harry blinzelte.
"Öhm... Naja, also, egal, wo ich hingehe, sehe ich diesen Schatten oder Seele", fügte er hinzu, als Hermine schmunzelnd ihre Augenbrauen hob.
"Wenn ich aufwache ist sie da, wenn ich hier alleine sitze ist sie da, wenn es mir schlecht geht spür ich Wärme tief in mir, als ob mich jemand umarmt oder mir gut zuredet."
Er runzelte die Stirn.
"Ich glaub, es ist eine Frau", sagte er langsam und starrte auf seine Hände.
"Warum glaubst du das?" Hermines Lächeln konnte man eindeutig hören.
Harry blickte auf.
"Als wir der Bibliothek waren und ich dir bei der Recherche helfen wollte -"
"Meinst du den Versuch, als du ein Buch quer durch den Raum geschleudert hast?" Missbilligend kniff Hermine die Augen zu.
Harry zuckte.
"Ja, genau das", murmelte er verlegen und lächelte sie schüchtern an. "Tut mir Leid."
"Schon okay", Hermines Mundwinkel zuckten.
"Also, als ich das Buch hab fallen lassen... Hab ich ein Kichern gehört. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Frau war."
Hermine richtete sich interessiert auf und legte ihren Kopf schief.
"Das hast du mir ja gar nicht gesagt", sagte sie, als sie Harry beobachtete, wie er wieder auf seine Hände blickte.
"Ich dachte nicht, dass dich das interessiert hätte", murmelte er. "Und ich dachte, das wären meine Nerven, die so langsam mit mir durchgehen..."
"Harry!" Entrüstet beäugte sie den schwarzhaarigen Jungen vor sich. "Natürlich interessiert mich sowas! Das könnte alles für meine Recherche von Bedeutung sein."
"Jetzt weißt du's ja."
"Und jetzt bin ich in meiner Vermutung bestärkt", fügte sie munter hinzu. "Hast du noch irgendetwas gesehen? Vielleicht Kleidung oder eine Farbe? Bestimmte Bewegungen?"
Erstaunt blickte Harry auf.
"Ja, jetzt wo du's sagst... Rot. Ich hab ab und zu ein dunkles Rot gesehen, etwas heller als Blut, aber nicht so hell wie beim Sonnenuntergang. Was meinst du...?" Er hielt inne.
Hermine grinste. "Ich glaube, du weißt, wer sie ist, oder?"
"Nein. Nein, das kann nicht sein!"
Vorsicht stand Hermine auf, ging zu Harry hinüber und kniete sich neben ihn. Seine Augen waren weit aufgerissen, sein Gesichtsausdruck wechselte von panisch zu verständnislos, verwirrt, hoffnungsvoll und wieder zu panisch. Sie legte ihm ihre Hand sachte auf die Schulter und kniff kurz die Augen zu, als Harry zurück wich.
"Es ist möglich, Harry. Sie begleitet dich bei jedem Schritt, gibt dir Privatsphäre in persönlichen Sachen, versucht dir Trost zu spenden, wenn du von einem Albtraum aufwachst oder nicht mehr weiter weißt... Harry?"
Langsam hob er seinen Blick. Seine Augen waren blutunterlaufen und Tränen glänzten in ihnen.
"Siehst du sie?"
Eine Träne lief ihm über die Wange und hinterließ eine feuchte Spur auf seiner geröteten Haut. Hastig blinzelte er, um die Tränen zu stoppen, und fuhr sich mit seiner Hand über die Augen.
Er fasste seinen ganzen Mut zusammen und hob langsam seinen Blick. Eben stand die Gestalt - seine Mutter - noch neben ihm und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt. Und er war zurück gezuckt. Beschämt fuhr sein Blick über die Möbel der spärlich eingerichteten Küche. Die alten Holzstühle, die sauber in Reih und Glied am massiven Tisch standen, das antike Holzkabinett mit dem Porzellan und Geschirr, die Spüle in der Ecke, in der noch immer die Tassen vom Morgen standen. Sein Blick streifte zur Tür hin, die nach oben in den Eingangsflur führte - und da stand sie.
Ihre roten Haare wehten in einem Wind, der nur für sie existierte, ihre Kleidung Jahrzehnte alt. Sie schwebte einige Zentimeter über dem Boden und hatte, genauso wie er, von Tränen genässte Wangen, doch das Lächeln, das ihr Gesicht erhellte war voller Liebe und Zuneigung.
Vor ihm stand seine tote Mutter.
Sein Atem stockte, als er versuchte, vom Stuhl aufzustehen. Ein ungläubiger Ausdruck drang in seine smaragdgrünen Augen, gleich derer der Frau, die vor ihm schwebte, nur wenige Meter von ihm entfernt.
"Mum?"
Ahhhhh! Harry hat seine Mutter wieder *-* Na endlich!
Ich hoffe, euch hat's gefallen :D Ich freu mich auf Kommentare!
Ich hab vorher noch nie irgendetwas 'Romantisches' geschrieben, also hab ich darin nicht wirklich Übung. War das trotzdem okay? Ich hoffe es^^
Bis zum nächsten Kapitel!
