A/N: Es hat ein wenig gedauert, bis ich das Kapitel fertig hatte. Ich mag eigentlich Kapitel nicht wirklich, wo die Charaktere nur miteinander reden, doch es ist manchmal leider nötig; genau wie in diesem Fall.

Ab dem nächsten Kapitel gibt es mehr Action.

Trotzdem, viel Spaß beim Lesen!


Wir brauchen deine Hilfe, Liebling

„Mum?"

„Hallo, mein Schatz."

Harry konnte es nicht fassen. Vor ihm stand seine Mutter – seine tote Mutter. Sie schwebte vor ihm und lächelte ihn durch Tränen hindurch an. Ihre Kleidung war aus den Siebzigern – die Kleidung, in der sie gestorben war, vermutete er. Ihre roten Haare wehten leicht in einer Brise, die für Harry und Hermine nicht spürbar war.

Er blinzelte als er merkte, wie seine Knie nachgaben, seine Sicht verschwamm und schließlich ganz erlosch.

*~*HP*~*

„Harry? Harry, kannst du mich hören?"

Das Erste, was er spürte waren unerträgliche Kopfschmerzen. Er stöhnte auf und tastete mit seiner Hand deine Stirn ab. Vielleicht hatte er ja ein Loch darin?

„Er wacht auf!"

„Harry, Schatz, kannst du mich hören? Öffne deine Augen, Liebling."

Er blinzelte und bereute es sofort. Grelles Licht stach ihm in die Augen und versetzte seinem Kopf einen unangenehmen Stich. Er stöhnte erneut. Oh Merlin, mein Kopf.

Ächzend versuchte er sich langsam aufzusetzen, nur, um sich schnell wieder hinzulegen, als das ganze Zimmer um ihn herum sich anfing zu drehen. Ernüchtert schloss er wieder seine Augen und atmete tief durch, um die Übelkeit zu reduzieren, die seinen Magen in Beschlag genommen hatte.

„Was ist passiert?" Murmelte er schwach und blinzelte zaghaft. Die Decke blieb über ihm. Ein gutes Zeichen.

„Du bist plötzlich ganz blass geworden und in Ohnmacht gefallen", flüsterte Hermine, deren Hand beruhigend auf seiner Schulter lag. „Wir haben dich ins Schlafzimmer geschafft."

Wir?

Verwirrt und etwas wackelig richtete er sich auf und stützte sich mit einer Hand auf dem weichen Bett hinter sich ab, mit der anderen fühlte er auf dem Beistelltischchen nach seiner Brille.

„Hier", sagte seine Mutter und reichte ihm zaghaft seine Brille an.

Harry blinzelte. Seine Mutter? Verdutzt starrte er die leicht durchsichtige Form der rothaarigen Frau vor sich an, als seine Augen sich fokussierten. Er schluckte. Natürlich! Jetzt erinnerte er sich wieder. Er hatte mit Hermine über die Seele geredet, die ihn verfolgte und plötzlich seine Mutter vor sich gesehen. Dann muss er in Ohnmacht gefallen sein…

Er errötete. Er war vor Hermine und Lily Potter in Ohnmacht gefallen? Oh Merlin, hilf mir.

„Wie geht es dir, Harry?" Lilys Stimme war leise, als ob sie fürchtete, dass Harry sofort wieder das Bewusstsein verlieren würde. Wie peinlich! Ihre Hand zuckte in seine Richtung um seine Stirn zu fühlen, fiel jedoch schnell wieder an ihre Seite, als sie bemerkte, dass Harry dies vielleicht nicht gutheißen würde.

Er räusperte sich verlegen und zog seine Knie an seine Brust, wo er sie mit seinen Armen umschlang. „Mir geht's gut", murmelte er und wandte seinen Blick der Bettdecke vor sich zu. Das Wellenmuster schimmerte, als eine leicht durchsichtige Hand sich auf ihr abstützte. Er schluckte.

„Du bist so rot, Liebes… Bist du sicher, dass es dir gut geht? Hast du vielleicht Fieber?" Lily beobachtete ihren Sohn besorgt, der daraufhin nur noch röter wurde.

„Nein, mir geht's gut. Wirklich", fügte er hinzu, als Lily ihm einen skeptischen Blick zuwarf. „Wirklich, Mum. Ich hab nichts."

Das Lächeln, was sie ihm schenkte raubte ihm den Atem.

Er hatte sie Mum genannt! Ihr Sohn hatte sie Mum genannt! Lilys Wangen erröteten sich vor Freude und ihr Grinsen wurde so breit, dass sie fürchtete, einen Krampf in den Gesichtsmuskeln zu bekommen. Doch es war ihr egal. Harry hatte sie Mum genannt. Er wusste wer sie war und das Wichtigste – er akzeptierte es. Er freute sich sogar darüber, wenn das Grinsen, welches seine Mundwinkel in die Höhe zogen ein Anzeichen dafür war.

Die Wärme, die Lily in diesem Moment erfüllte war atemberaubend. Ihr Herz, obwohl es seit vielen Jahren nicht mehr schlug, fühlte sich ganz an, die Adern in ihrem Körper glühten, ihre Haut prickelte. Die Luft, die in ihren Lungen war fühlte sich frischer an, sauberer als je zuvor. Tränen des Glücks sammelten sich in ihren Augen, ohne wirklich dort zu sein. Das erste Mal seit ihrem Tod war sie glücklich.

„Ich glaube, ich lasse euch beide mal allein", meldete sich Hermine schüchtern, drückte Harrys Hand und ging mich einem leisen Lächeln auf den Lippen aus dem Raum.

Harry holte tief Luft und versuchte, seine ruckartige Atmung unter Kontrolle zu kriegen. Jetzt war nicht die Zeit für Nervenzusammenbrüche. Er hatte die Möglichkeit, seine Mutter kennen zu lernen. Eine Möglichkeit, die er nie für möglich gehalten hätte, egal wie sehr er sie auch erträumt hatte.

Beschämt senkte er seinen Blick. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Was sollte er auch sagen, wenn die tote Mutter neben einem saß? Eine Frau, die man nicht kannte?

„Es tut mir Leid, dass ich dir so einen Schrecken versetzt habe."

Harrys Kopf fuhr erschrocken hoch. Er starrte die leicht durchsichtige Person vor ihm an.

Lily lächelte traurig und zuckte mit den Achseln. „Naja, du weißt schon. All diese Erscheinungen und Träume…" Gedankenverloren schweifte sie ab.

„Das muss dir nicht Leid tun", flüsterte er und streckte zögernd seine Hand nach ihrer aus, ehe er sie zurückzog. Was dachte er sich eigentlich? Sie war tot, ein Geist! Geister waren nicht wirklich physisch da, man konnte sie nicht berühren!

Lily kicherte. „Schon in Ordnung", flüsterte sie und neigte sich leicht zu ihm. „Du brauchst keine Angst vor mir zu haben."

„Ich habe kein Angst vor dir", sagte Harry hastig und starrte sie mit großen Augen an.

„Natürlich nicht", sie zwinkerte ihm zu und deutete auf das Bett. „Darf ich?"

Harry nickte zaghaft und rückte einige Zentimeter weg, sodass seine Mutter etwas mehr Platz auf der Matratze hatte.

„Ich muss dir einiges erklären, und das werde ich auch tun", sagte sie, als sie sich neben ihn niederließ und langsam, so, dass Harry genügend Zeit hatte, zurückzuzucken, ihre Hand auf die seine legte. Sie fühlte sich warm an. „Doch ich denke, dass es sinnvoller wäre, wenn ich dir zunächst nur eine Kurzfassung gebe. Da ist schließlich noch jemand, der dir einiges zu erzählen hat."

Sie lächelte, als Harrys Atem stockte. „Genau. Du musst wissen, das alles hier ist nicht auf meinen Mist gewachsen. James wird schon fast wahnsinnig vor Sorge sein."

Ihr Blick streifte durch das Zimmer, doch ihre Augen sahen etwas ganz anderes als den Kleiderschrank neben der Badezimmertür.

„Was meinst du damit?" Harrys Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen.

„Um unsere Situation verstehen zu können musst du wissen, was wir in jeder Nacht vor so vielen Jahren beschlossen haben." Sie wandte sich wieder ihrem Sohn zu, der im Schneidersitz vor ihr saß und ihr gebannt an den Lippen hing.

„Unser größter Wille und unser größtes Ziel im Leben waren deine Sicherheit und dein Glück. Du warst alles für uns. Wir haben unser Leben für dich komplett umgestellt, nur, damit du sicher warst. Und wir haben es gerne gemacht", fügte sie lächelnd hinzu, als Harrys Gesicht sich verzog.

„Du musst wissen, Liebling, dass all das, was wir auf uns genommen haben, aus unserer eigenen Entscheidung heraus dich zu schützen entstanden ist. Wir waren stolz auf dich. Wir haben dich so sehr geliebt, dass es für uns selbstverständlich war, all das zu tun und wir haben nichts bereut. Würde jemand uns jetzt fragen, ob wir etwas in unseren doch recht kurzen Leben ändern wollten, würden wir beide dasselbe antworten – Nein. Wir haben unser Leben gelebt und du warst ein Teil unseres Lebens. Wir hätten nicht glücklicher sein können, Harry. Bitte vergiss das nicht.

Nichts von all dem, was uns passiert ist, ist deine Schuld. Wir sind den Weg aus eigener Verantwortung gegangen. Wir wollten das, was uns am wichtigsten war beschützen und, wenn es nötig sein sollte, dafür unser Leben lassen.

James und ich wussten, worauf wir uns einlassen. Der Moment, in dem Dumbledore uns die Prophezeiung gezeigt hatte…" Sie atmete zitternd ein und umklammerte Harrys Hand nur noch fester. „Es war wie ein Albtraum. Wir wussten, dass ein gewisses Risiko bestünde, ein Kind inmitten eines Krieges großzuziehen, doch wir wollten es versuchen. Weder der Krieg, noch diese Prophezeiung sollte uns im Wege stehen, unser Ziel zu verwirklichen. Das haben wir uns geschworen.

Wir wollten, dass du eine normale, glückliche Kindheit lebst. Eine Kindheit in einem liebenden Umfeld, mit Paten und Eltern, die dich wortwörtlich vergötterten", lachend wischte sie sich mit der freien Hand eine einzelne Träne von ihrer blassen Wange. „Wir wollten dir ein glückliches Leben geben, Harry. Und auch nach unserem Tod hatten wir unseren Wunsch nicht vergessen, glaub mir.

Als wir dich in den Trümmern haben liegen sehen, ohne etwas tun zu können…" Sie schniefte und holte einmal tief Luft, um sich zu beruhigen. „Sirius ist gekommen, kurz nachdem Voldemort verschwunden ist. Wir haben ihn ins Haus kommen gehört. Als er in dein Zimmer kam war ich so erleichtert, dass er dich gefunden hatte. Ich wusste, dass ich nicht für dich sorgen konnte, dir keine glückliche Zukunft mehr bieten konnte, doch ich wusste auch, dass Sirius genau das bewerkstelligen konnte und würde.

Ich weiß noch, als James, kurz bevor du geboren wurdest, mit den Vorschlag unterbreitete, Sirius als deinen Patenonkel eintragen zu lassen. Meine erste Reaktion war Lachen, muss ich ehrlich gesagt zugeben."

Harry lächelte ihr zu. Er konnte nur allzu gut verstehen, wie diese Szene sich abgespielt hatte. James Potter, verspielter und verantwortungsbewusster, werdender Vater schlägt seinen naiven, kindlichen besten Freund als Pate für seinen Sohn vor. Harry kicherte. Ja, er konnte es sich nur allzu gut vorstellen.

„Aber als ich etwas darüber nachgedacht hatte, musste ich mir eingestehen, dass ich keine bessere Wahl hätte treffen können. Und das bestätigte sich nach deiner Geburt. Sirius war so hinreißend und liebevoll zu dir, es zerbrach mir das Herz. Er war der perfekte Pate und derjenige, den wir ausgewählt hatten, um dich, falls wir nicht dazu im Stande wären, aufzuziehen.

Er trug dich aus dem Haus und wollte dich in dein neues zu Hause bringen, als Hagrid sich ihm in den Weg stellte. Ich bin mir sicher, dass du die Geschichte kennst, oder?"

Er nickte.

„Gut. Das erspart es mir, alles doppelt und dreifach erzählen zu müssen", fügte sie lachend hinzu und lehnte sich zurück in die Kissen. Harry tat es ihr gleich.

„Nun ja, James und mir war klar, dass nach Sirius' Verhaftung nicht mehr alles nach Plan laufen würde. Dumbledore wusste von Sirius' Unschuld, hat jedoch nichts deswegen unternommen, ganz im Gegenteil. Wir haben sichergestellt, dass unser Testament jedem ganz eindeutig zu verstehen gab, dass du unter keinen Umständen an jemand anderen als denen von uns ausgewählten Personen übergeben werden durftest. Und glaub mir, meine liebe Schwester stand nicht auf der Liste", fügte sie verbittert hinzu, als Harry Anstalten machte, sich aufzurichten.

Beruhigend und zaghaft fuhr sie ihm durch das unordentliche Haar. Sie schmunzelte. „Dass die Potter-Gene so stark sind hätte niemand vermutet." Liebevoll versuchte sie, seine Haare zu bändigen. „Hoffnungslos."

„Ich hab es bis heute auch noch nicht geschafft", murmelte Harry. Er schloss langsam die Augen und versuchte, das ungewohnte Gefühl zu genießen.

„Das wird niemandem gelingen", flüsterte sie und strich eine eigensinnige Strähne von seiner Stirn, um seiner Narbe nachzuzeichnen. Wärme fuhr in seine Adern und erfüllte ihn mit einem so behaglichen Gefühl, dass er sich alle Mühe geben musste, nicht aufzustöhnen.

„Wir haben versucht, dir zu folgen", fuhr Lily fort, jedoch ohne ihre Streicheleinheiten zu unterbrechen. Harry war ihr dankbar. „Doch es ging nicht."

Verwirrt schlug Harry seine Augen auf. „Was meinst du mit ‚es ging nicht'? Du bist doch hier, oder?"

Lily lächelte traurig und nickte. „Ja, das stimmt. Lass mich ausreden." Sie zwinkerte ihm zu, als er rot anlief.

„'Tschuldigung", murmelte er und schloss erneut seine Augen. „Erzähl weiter."

„Nun gut. James hatte die wahnwitzige Vermutung, dass es wohl daran läge, dass wir durch unseren Tod an unseren Sterbensort gebunden waren."

„Godric's Hollow." Harrys Stimme war heiser. Er räusperte sich.

„Genau", flüsterte Lily und küsste ihn leicht auf die Stirn. „Godric's Hollow. Wir hatten unsere Magie noch, also konnte es nicht daran liegen. Deshalb blieb nur diese eine Möglichkeit. Ich hatte zu meiner Schulzeit James mal ein Buch geliehen für einen Aufsatz glaube ich. Darin waren auch einige Kapitel über die Geister von Hogwarts und deren Errungenschaft, sich von ihrem Sterbeort loszusagen.

Es hieß, dass ein Geist sich nur dann frei bewegen könnte, wenn er oder sie Magie aus einem anderen Wesen sog. Das hatte teilweise den Tod von dem jeweiligen…Magiedonor nenne ich ihn jetzt mal zur Folge. Wir wollten natürlich niemanden töten. Um Gottes Willen, nein. Aber wie James zutreffender Weise erkannt hatte, hatten wir beide unsere Magie nicht mit unserem Tod verloren, daher schlug er vor, seine Magie zu spenden, damit ich an deiner Seite sein konnte."

Harry blinzelte. „Heißt das, dass Dad all die Jahre in Godric's Hollow war?" Verdutzt richtete er sich auf und schaut seine Mutter an.

Lily fuhr sich mit einer Hand durch ihr Haar – eine nervöse Angewohnheit, die sie sich von James abgeguckt hatte. „Die ersten Jahre hatten wir immer noch Kontakt", sagte sie und hielt de, Blick ihres Sohnes Stand. „Wir konnten miteinander reden. Es war so, als ob er in meinem Kopf war und ich in seinem. Als ob wir zwei paar Gedanken hätten, ein Paar mit meiner und eins mit seiner Stimme. Doch nach einigen Jahren wurde es immer seltener, dass wir miteinander sprechen konnten.

James musste die Verbindung immer öfter abbrechen, da seine Magie nicht stark genug war, sie so lange wie früher aufrecht zu erhalten… bis sie irgendwann ganz abbrach." Langsam setzte Lily sich auf und strich sich eine rote Strähne hinter ihr Ohr. „Die einzige Möglichkeit, mit einander zu sprechen waren deine Träume.

James' Magie wird immer schwächer und ich spüre, dass ich bald nicht mehr hier sein kann. Der Drang, wieder nach Godric's Hollow zurückzukehren wird zu groß. Unsere Verbindung hat die Bundmagie unterdrückt, doch sie wird stärker.

Deshalb brauchen wir deine Hilfe, Harry. James wird immer schwächer und ich weiß nicht, wie lange meine Magie ihn stark halten kann."

Lily wirkte verzweifelt. Ihre Augen huschten verzweifelt über das Gesicht ihres Sohnes, auf der Suche nach einer Antwort. Wenn er ihnen nicht helfen wollte oder konnte, wusste sie nicht, wie James' und ihre Zukunft aussah; wenn es überhaupt noch eine gab…

„Sag mir, was ich tun soll!"


James sitzt in Godric's Hollow und seine Magie geht ihm aus... ah... nicht gut...

Ich hoffe, euch hat es gefallen! Schreibt 'nen Kommentar! Ich liebe es, sie zu lesen und zu beantworten. Ich schreibe jetzt sofort weiter am achten Kapitel.

Bis denn!