Uuuund Kapitel 10! Ich hab die nächsten zwei Kapitel vom groben Ablauf fertig. Jetzt muss ich nur noch die Zeit finden, sie zu schreiben. Hach, lieben wir nicht alle die Uni?

Viel Spaß beim Lesen! :D


Alte und neue Rivalen

Harry holte tief Luft als er die Massen an Zauberern und Hexen sah, die vor dem Eingang des Stadions standen. Er bezweifelte, dass alle wegen den freien Plätzen in der Mannschaft hier waren. Er rollte mit den Augen, als eine Schar Reporter an seiner Ecke vorbei wuselten, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen.

Er beglückwünschte sich selber auf die Idee gekommen zu sein, erst einmal die Lage auszukundschaften. Sicher versteckt im Schatten zwischen ein Paar Bäumen, die am Wegesrand standen, der zum Stadion führte, beobachtete er, wie die Auroren, wie im Tagespropheten beschrieben, jeden, der zum Auswahlspiel wollte, unter die Lupe nahmen. Zauberstäbe wurden kontrolliert, Erinnerungen überprüft und geguckt, ob sonstige magische Gegenstände konfisziert werden mussten.

Die Menge, die vor den Auroren in mehreren langen Schlangen stand, schnatterte ausgeregt. Manche hatten Besen dabei und waren in Trainingsklamotten angereist – sowohl Muggel als auch magisch. Doch es waren die wenigsten, die aussahen, als ob sie gleich am Auswahlspiel teilnehmen würden. Die meisten waren mit Kameras bewaffnet; eine Hexe hatte einen Schwebezauber auf ihre Kamera gelegt, damit das Objektiv nicht auf dem Boden schleifte wenn sie ging.

Harry seufzte und versuchte Mut zu fassen. Er wusste, was ihn erwarten würde. Er hatte es schon gewusst, als er den Artikel in der Zeitung gelesen hatte und er hatte auch gewusst, dass das alles eine ganz schlechte Idee war. Klar, er vermisste Quidditch, doch waren all diese Kameras, Flotte Schreibefedern und aufgeregten Menschen das alles wirklich wert?

Ja, sagte eine Stimme in seinem Kopf, die verdächtig nach Hermine klang. Er runzelte genervt die Stirn. Und jetzt reiß' dich zusammen und marschier' da raus! Harry rollte mit den Augen und gab sich selbst einen Ruck. Egal ob außerhalb oder in seinem Kopf, Hermine hatte Recht. Die Zeit war gekommen, dass er auch mal etwas für sich tun konnte und musste.

Er nahm einen letzten tiefen Atemzug der angenehm frischen Luft, schloss kurz die Augen und trat aus den Schatten. Die Wirkung war unmittelbar. Die Frau mit dem Schwebezauber drehte sich um und erhaschte einen Blick auf ihn, wie er zögerlich auf die Mengen an Zauberer und Hexen zusteuerte, einen Besen über der Schulter und in Trainingsklamotten. Sie starrte ihn an, als sie ihrer Freundin, die neben ihr stand schmerzhaft gegen den Kopf schlug. Diese wirbelte daraufhin empört herum, um ihr gehörig die Meinung zu sagen, erstarrte jedoch, als sie Harry zu Gesicht bekam und tat das einzig Richtige, was ihr in den Sinn kam; sie stieß einen spitzen Schrei aus und fiel in Ohnmacht.

Harry blieb wie angewurzelt stehen und beäugte besorgt die bewusstlose Hexe, die zu Füßen ihrer Freundinnen lag, die sich jedoch nicht im Geringsten um sie scherten. „Harry Potter! Da ist Harry Potter!" Kreischte eine Frau mit braunen Locken und deutete auf den verdatterten Harry, der alle möglichen Fluchtmöglichkeiten in seinem Kopf in Lichtgeschwindigkeit durchging.

Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen sich nicht in der Öffentlichkeit blicken zu lassen, dachte nüchtern, als er wie in Zeitlupe sah, wie sich die Massen lösten und auf ihn zugestürmt kamen. Oh Merlin.

*~*HP*~*

Harry fuhr sich ächzend mit einer Hand durch die Haare und beäugte skeptisch die kreischenden Masse an Frauen hinter der Absperrung.

Die Auroren hatten sich in letzter Minute vor ihn geschmissen, als die Frauen auf ihn zugestürzt waren. Einige hatten blaue Flecke bekommen und anderen wurde in dem Getümmel in den Magen getreten, doch schlimmeres war nicht passiert. Die Hexen hatten wie verrückt seinen Namen geschrien, ihm Pergament, T-Shirts und…Unterwäsche – Harry wurde selbst bei dem Gedanken knall rot im Gesicht – hingehalten und ihn angefleht ihnen ein Autogramm zu geben. Er hatte sich zwar geschworen nie Autogramme zu verteilen wie Gilderoy Lockhart, doch eine andere Möglichkeit des Entkommens hatte es nicht gegeben. Mit einem Krampf in der Hand und leicht zerzausten Harren von den verzweifelten Versuchen einiger, ihn zu umarmen oder gar zu küssen, war er etwa eine dreiviertel Stunde später auf das Feld gestolpert.

Wenn die ganze Situation nicht so verstörend gewesen wäre, hätte er gelacht.

„Na, wen haben wir denn hier?" Fragte eine gehässige Stimme hinter Harry.

Als er sich umdrehte, sah er niemand anderes als Draco Malfoy auf sich zukommen, ein fieses Grinsen auf seinem Gesicht. Harry seufzte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. „Malfoy", höflich nickte er seinen früheren Schulfeind zu und drehte sich um, um sich zu den anderen Wartenden zu gesellen.

„Der einzige Wahre."

Harry verdrehte die Augen. „Was willst du, Malfoy?" Fragte er genervt. Er hatte weder Zeit, noch die Nerven für ein Gespräch mit dem blonden Zauberer, der, wie Harry merkte, ebenfalls Trainingsklamotten anhatte; seinen Besen hatte er sicher in der Hand.

„Wahrscheinlich dasselbe wie du, nehme ich an."

Harry beäugte ihn neugierig. Er sah gut aus - besser als beim letzten Mal, als er ihn gesehen hatte; inmitten der verurteilenden Blicke des Zauberergamots. Seine Haare waren kürzer als zuvor und fielen ihm leicht ins Gesicht. Seine grauen Augen trugen nicht denselben verachtungsvollen Blick wie sonst; sie waren sanfter, wenn auch kaum wahrnehmbar. Sein hochnäsiger Gesichtsausdruck hatte sich jedoch nicht im Geringsten geändert.

Er holte tief Luft, um ruhig zu bleiben. Malfoy hatte ihn schon immer genervt. In Situationen wie diese, wenn er sich konzentrieren musste nervte er jedoch noch mehr.

Das höhnende Grinsen, welches er aus dem Augenwinkel sah lenkte ihn ab. Er musste bei der Sache bleiben! Wenn Malfoy den Platz im Team bekommt, nimmt dieses Generve nie ein Ende.

*~*HP*~*

Grinsend stieg Harry von seinem Besen und ging zum Mannschaftskapitän hinüber, die ihm munter zuwinkte.

Stinicle klopfte ihm strahlend auf den Rücken. „Gut gemacht, Potter. Wirklich gut! Ich darf zwar noch nichts Genaueres über die Auswahl sagen", murmelte er, als er sich unauffällig umsah, „aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine der besten Flüge war heute."

Harry lachte. „Ich warte einfach auf die offizielle Aufstellung. Dann werd' ich's ja wissen."

Stinicle grinste breit und nickte. „Klingt nach 'nem guten Plan! Ich werde die endgültige Entscheidung so bald wie möglich rausgeben", sagte er als ein Tumult hinter ihm ausbrach. Seufzend drehte er sich um und marschierte rüber zu den Jägern, die gerade mitten in einer hitzigen Diskussion darüber waren, wer in die Mannschaft kommen würde. „Wir hören von einander, Potter", rief er über seine Schulter und winkte ihm munter zu.

*~*HP*~*

Mit einem Schlenker seines Zauberstabs öffnete er die Tür von Grimmault Platz Nummer zwölf. Er wollte nichts weiter als sich in einen Sessel vor dem Kamin fallen zu lassen und einfach zu entspannen, vielleicht sich von Kreacher einen Tee und Gebäck bringen zu lassen und den Stress vom Morgen zu vergessen.

Als die Tür aufschwang und er ächzend in den Flur trat und seinen Besen neben der Garderobe abstellte, sah er aus dem Augenwinkel die Gestalt seiner Mutter aus der Tür, die in die Küchen führte schweben. Er blickte auf und in ihr besorgtes und leicht wütendes Gesicht. Er runzelte die Stirn. "Was ist los?" Fragte er verwirrt und trat einige Schritte auf ihn zu, bis er schließlich direkt vor ihr stand. Er konnte die leichten Falten auf ihrer Stirn und um ihren Augen und Mund stehen. Ihre Lippen waren missbilligt zusammengepresst. Harry hob fragend eine Braue.

"Ron ist hier", sagte sie und strich sich ungeduldig eine feuerrote Haarsträhne aus ihrem Gesicht.

Harry blinzelte. "Wie bitte?"

Lily seufzte, warf einen Blick hinter sich, um zu kontrollieren, ob die Tür geschlossen war und lächelte ihrem Sohn entschuldigend zu. "Er stand plötzlich vor der Tür. Hermine hat vor einiger Zeit erwähnt, dass du die Schutzzauber auf ihn und Ginny erweitert hast, jedenfalls hat sie das so von Molly erfahren. Aber ich nehme mal an, dass das nicht der Wahrheit entspricht, oder?" Sie sah das amüsierte Funkeln in Harrys Augen und schmunzelte. "Hab ich es mir doch gedacht. Wie der Vater, so der Sohn." Sie lachte auf, als Harry errötete. "Naja, wie dem auch sein... Er wollte wohl sicher gehen, dass er den Überraschungsmoment hatte, denn, als Hermine die Tür geöffnet hat, um nachzuschauen, wer etwas von euch wollte, trat er dagegen und kam herein." Sie schnaubte verärgert auf. "Er hat noch nicht einmal darauf gewartet, hereingebeten zu werden."

Harry schüttelte verächtlich den Kopf. "Er weiß, dass Hermine ihn nicht reingelassen hätte; nicht nach dem, was er... Oh, mein Gott!" Stieß er hervor und wirbelte zu seiner Mutter, die ihn mit großen Augen ansah.

"Was ist los?" Fragte sie und legte ihm behutsam eine Hand auf seinen Arm.

Wärme strömte in Harrys Körper und vermischte sich mit dem Adrenalin, welches durch seine Adern pumpte. "Hermine darf nicht alleine mit Ron in einem Raum sein! Ich erkläre alles später, aber wir müssen uns beeilen", rief er, rannte durch seine Mutter durch, ignorierte den empörten Aufschrei und raste die Treppe hinunter in die Küche, den aufgeregten Stimmen entgegen.

"Bitte, Hermine! Bitte, es tut mir leid! Ich weiß, ich habe mich schrecklich benommen, aber ich verspreche, es wieder gut zu machen! Es wird nicht wieder vorkommen. Das verspreche ich. Bitte gib mir noch eine Chance!"

Ron hatte Hermine in die Enge gedrängt und stand nun direkt vor ihr. Ihr Rücken war gegen die Wand neben dem Kamin gepresst, ihre Augen waren vor Angst geweitet und sie zitterte am ganzen Leib. Ron fuchtelte wild um sich und flehte Hermine an, ihm zu verzeihen, die jedoch nur seine Hände im Blick hatte und jedes Mal zusammenzuckte, als sie in ihre Nähe kamen. Doch Ron bemerkte ihr Verhalten nicht.

"Bitte, Hermine. Komm zu mir zurück. Ich bin nichts ohne dich. Ich verspreche auch, mich zu ändern. Wirklich! Du brauchst dich nicht mehr bei Potter verstecken. Er ist eh nicht gut für uns. Merkst du es nicht? Er will uns auseinander bringen! Das hat er schon während der Schulzeit versucht. Mir ist es bloß erst richtig klar geworden, als er von dir verlangt hat mich im Wald alleine zu lassen. Verstehst du es denn nicht? Er will dich nur damit ich dich nicht kriege! Er empfindet nichts für dich. Er kann nicht fühlen! Nicht nach dieser Kindheit, die er hatte. Ihm ist es egal, wie es dir geht, doch mir ist es nicht egal. Ich liebe dich, Hermine. Ich brauche dich und ich weiß, du brauchst mich auch!"

Hermine zuckte zusammen und wimmerte leise, als Ron sie am Oberarm packte und sie leicht schüttelte. "Du gehörst zu mir, Hermine. Das weißt du."

Beide zuckten heftig zusammen, als hinter ihnen die Küchentür aufgeschlagen wurde und mit voller Wucht gegen die Wand knallte. Ron wirbelte herum und starrte ins wutverzerrte Gesicht von seinen ehemaligen besten Freund. "Du!" Fauchte der rothaarige Zauberer mit hasserfüllter Stimme und zog die verängstigte Hermine hinter sich. Sie wehrte sich, doch sein Griff war zu fest. "Was willst du?"

"Lass Hermine los", sagte Harry mit kontrollierter Stimme. Seine Hände, die er zu Fäusten geballt hatte, zitterten.

"Sie gehört nicht dir!" Schrie Ron und verstärkte seinen Klammergriff um Hermines Arm, die daraufhin erneut wimmerte. Rons Griff tat weh und schnürte ihr den Arm ab.

"Sie gehört niemanden und jetzt lass sie los", knurrte Harry und sah aus dem Augenwinkel, wie seine Mutter durch die Tür glitt und sich entsetzt die Hände vor den Mund schlug.

"Um Gottes Willen", flüsterte sie und glitt auf die beiden zu, sicher in dem Wissen, dass Ron sie nicht sehen würde. Hermines Augen huschten von Harry, der langsam nach seinem Zauberstab griff, zu dem Schimmer, der ebenso langsam auf sie zukam. Lily, dachte sie erleichtert und sah zu, wie die Mutter ihres Schwarms auf sie zu schwebte und neben ihr zum stehen kam. Sie lächelte zittrig und unterdrückte einen Schluchzer, als Ron ebenfalls seinen Zauberstab zückte, ohne den Griff an ihrem Arm zu lockern.

Doch Harry war schneller. Mit geübter Schnelligkeit und Präzision richtete er seinen Zauberstab auf seinen ersten und ehemals besten Freund und traf ihn mit solch einem starken Stupor , dass Ron mitsamt Hermine durch die Luft flog, gegen den Kamin prallte und am Boden zusammen sackte.

"Hermine!" Harry lief zum Kamin und zerrte den bewusstlosen Ron von der Hexe herunter. "Hermine", flüsterte er und legte seine Hand gegen ihre nasse, blasse Wange. "Oh Gott, nein!" Ihre Augen waren geschlossen und an ihrem Oberarm bildete sich langsam ein Bluterguss in Form von Rons Fingern. "Bitte!" Zitternd atmete er ein und fühlte nach einem Puls. Er schrie erleichtert auf, als er einen fand.

Lily atmete zitternd ein und starrte auf ihren Sohn, die verzweifelt versuchte, seine Tränen zu stoppen und Hermine aufzuwecken. Er strich ihr liebevoll über die Wangen, trocknete sie mit seinem Ärmel und strich vorsichtig ihre buschigen braunen Haare aus ihrer Stirn und von ihren Schultern. Immer wieder kontrollierte er ihren Puls und schniefte laut, wenn er einen fand. "Komm schon, wach auf. Bitte, Hermine, wach auf. Tu mir das nicht an. Wach auf, Schatz, wach auf." Lily lächelte traurig, als Harry Hermine sanft auf die Wange küsste. "Wach auf", flüsterte er immer und immer wieder. Es war eindeutig, was die beiden für einander empfanden. Wie sie ihn ansah, wenn er im Raum war, wie er lächelte, kaum betrat sie den Raum... Wie er sie anflehte, ihn nicht zu verlassen...

Lily lächelte traurig. Das alles kam ihr schmerzlich bekannt vor. Sie konnte sich noch viel zu gut an Halloween erinnern – an das Gefühl, als sie James und Voldemort im Erdgeschoss hatte kämpfen hören, die ständige Angst, ihren Ehemann nicht mehr wiederzusehen und ihren Sohn nicht beschützen zu können, die massive, unbeschreiblich starke Trauer als sie das grüne Licht durch den Türspalt sah und den dumpfen Aufprall von James' leblosen Körper hörte und schließlich die panische Entschlossenheit alles dafür zu tun, dass ihr Sohn überlebte.

Solche Gefühle fühlen zu können war schmerzhaft und Lily hatte schon öfter darüber nachgedacht, dass die negativen Aspekte häufiger auftraten als die guten… Doch, als sie Harry im Laufe seiner Jahre in Hogwarts sah, wie er sich versucht hatte, von allem Abstand zu halten, was ihm auch nur im Entferntesten weiteren Schmerz zufügen konnte… Nein. Solche Gefühle, die man für Freunde und Familie empfand waren stärker als der Schmerz, der kam, wenn man sie verlor. All die Erinnerungen blieben bei einem und gaben einem Stärke und Zuversicht.

Doch als sie ihren Sohn so verzweifelt vor sich sah, wie er immer und immer wieder Hermines Namen flüsterte, ihre Stirn, ihre Wange, ihren Hals küsste, zerriss ihr das Herz. Ihr Sohn hatte sein Glück gefunden, wollte es jedoch entweder – aus welchem Grund auch immer – nicht eingestehen oder wusste nicht, was diese Gefühle bedeuteten. Lily knurrte, als sie an den Grund dieses Unwissens dachte – die Dursleys. Irgendwann, so schwor sie sich wie schon all die Jahre zuvor, würde sie mit James zu ihrer lieben Schwester marschieren und sie büßen lassen!

Ein leises Stöhnen brachte Harry zum aufschluchzen, als er wieder und wieder über Hermines Wange strich. Lily drehte sich um und sah, wie sich das braunhaarige Mädchen langsam regte. „Hermine!" Rief Harry und drückte sie sanft wieder zu Boden, als sie versuchte sich aufzurichten.

„Was ist passiert?" Murmelte sie groggy und tastete behutsam mit ihren Fingern ihren Hinterkopf ab. Sie zuckte zusammen, als ein stechender Schmerz durch ihren Schädel fuhr.

„Ron ist passiert", murmelte Harry verlegen und blickte aus seinem Augenwinkel zu der immer noch bewusstlosen rothaarigen Gestalt ein paar Meter neben ihnen. „Ich hab es wohl mit dem Fluch etwas übertrieben." Verlegen fuhr er sich mit der Hand durch seine Haare und drückte Hermine eilig wieder zu Boden, als diese sich panisch versuchte aus dem Raum zu retten. „Beruhige dich, 'Mine. Alles ist okay. Du musst dich schonen. Du hast einen ziemlichen Schlag gegen den Kopf bekommen."

„Was ist mit Ron? Wo ist er?" Zischte sie verängstigt, ihre Augen huschten von Harrys Gesicht durch den Raum und blieben bei ihrem ehemaligen Freund hängen. „Oh mein Gott!" Entsetzt schlug sie die Hände vor ihren Mund und starrte den rothaarigen Zauberer an.

„Keine Sorge, der wird sich so schnell nicht bewegen", grummelte Harry, hob seinen Zauberstab vom Boden auf, wo er ihn vor wenigen Minuten hingeworfen hatte, und schwenkte ihn einmal über Hermine, die mit einem leisen Quieken sich in die Luft erhob.

„Ich kann selber gehen, Harry", sagte sie zittrig und versuchte, sich immer noch in der Luft hängend aufzurichten, jedoch ohne jeglichen Erfolg. Ihr Blick huschte immer wieder nervös zu dem bewusstlosen Zauberer am Boden.

„Nichts da. Du schonst dich jetzt! Ich habe dir das eingeborgt, das heißt ich biege das auch alles wieder gerade", sagte er entschlossen und ging mit erhobenem Zauberstab auf die Tür zu, Hermine immer noch schwach protestierend hinter sich schwebend. „Rufst du mich, wenn er wider Erwarten aufwachen sollte?" Harry warf seiner Mutter einen flehenden Blick zu. Diese lächelte ihm beruhigend zu und nickte leicht.

In Hermines Schlafzimmer angekommen legte Harry sie behutsam auf ihr weiches Doppelbett und deckte sie zu. Mit einem weiteren Schlenker seines Zauberstabes waren ihre Klamotten im Handumdrehen in ihren Schlafanzug verwandelt. Hermine verdrehte schmunzelnd die Augen, als sie ohne sich zu beschweren Harrys Benehmen über sich ergehen ließ.

„Du hast mir eben einen ordentlichen Schrecken verpasst, weißt du das?" Harry setzte sich auf den Rand der Matratze und schaute ihr ernst ins Gesicht. „Und bevor du irgendetwas sagst", fügte er eilig hinzu, als Hermine den Mund öffnete, „es ist nicht deine Schuld, sondern meine. Nein, bitte, lass mich ausreden."

Das Blut stieg ihr in die Wangen als sie den Blick von Harrys strahlend grünen Augen abwand und das Munster auf ihrer Bettdecke begutachtete. Harrys Stimme war sanft und ruhig, doch sie konnte die Wut heraushören und wie sie Harry kannte; die Wut auf sich selbst.

„Ich hätte dich nicht alleine lassen dürfen. Ich dachte bloß, weil es schon so lange her ist mit Ron, dass er es nicht noch einmal versuchen würde hierher zu kommen. Er ist nicht blöd – jedenfalls dachte ich das. Er sollte es besser wissen, als hier hereinspaziert zu kommen und zu glauben ich würde ihn mit einem Lächeln empfangen."

„Er hat vermutlich gedacht, dass du bei dem Auswahlspiel bist, was ja auch stimmte", sagte Hermine und nahm schüchtern seine Hand in die ihre. Sie drückte sie leicht und Harry lächelte. „Außerdem trägst du von allen die wenigste Schuld, Harry. Du warst nicht derjenige, der Ron gesagt hat er solle mich behandeln wie er mich behandelt hat. Du warst nicht derjenige, der ihn eingeladen hat, vorbeizukommen. Also mach dich bitte nicht fertig deswegen."

Harry senkte betrübt den Blick und spielte stumm mit Hermines Hand. Ein Kribbeln so stark wie elektrische Stromstöße schoss durch ihre Fingerspitzen, in ihren Arm, bis hin zu ihren Zehen. Ein angenehmer Schauer lief ihr über den Rücken und ein leises Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.

Nach einiger Zeit holte Harry tief Luft, seinen Blick immer noch auf ihre beiden ineinander verschlungenen Hände gerichtet. „Ich habe wirklich nicht gewollt, dass dir was zustößt", flüsterte er verlegen. Hermine lächelte. Er konnte so süß sein, besonders, wenn er es nicht wusste. Seine leicht rosa Wangen waren noch gerade eben so unter seinen schwarzen Haaren zu sehen, die ihm ins Gesicht hingen und seine Augen vor ihr verborgen. Hermine holte langsam Luft und schloss die Augen, ganz auf das Gefühl von Harrys Händen um die ihren fokussiert. „Als ich ihn in der Küche gesehen hab… Ich hab einfach die Kontrolle verloren. Du sahst so verängstigt aus und Ron…" Er holte tief Luft, um seine Gedanken zu sortieren. „Ich wollte nicht, dass du mit unter meinem Zorn leidest. Ich wollte Ron so schnell wie möglich von dir wegzerren, doch der Zauber ist etwas zu stark geraten und dann…" Sein Atem stockte und wurde unregelmäßig.

Hermine öffnete verwirrt die Augen und sah, wie eine einzige Träne unter den schwarzen, seidenweichen Haaren an seiner Wange hinunterglitt und auf ihre verschlungenen Hände fiel. Langsam richtete sie sich auf. Ihr Kopf protestierte, doch sie ignorierte ihn. Sie stützte sich auf ihrem rechten Ellenbogen ab, sodass sie die linke Hand frei hatte und fuhr ihm damit sanft über die feuchte Wange. Harry zuckte zusammen und sein Kopf fuhr abrupt hoch. Seine hellgrünen Augen waren geweitet als er sie anstarrte, doch sie lächelte ihn nur liebevoll an und strich die Tränen von seiner Haut.

„Alles wird gut", murmelte sie leise, richtete sich weiter auf und ignorierte sie schwachen Proteste ihres Gegenüber, als sie ihre Arme um seinen Nacken schlang und ihn fest an sich zog. Harry erstarrte, doch nach wenigen Sekunden hob er langsam die Arme und zog sie noch dichter an sich. Der Duft ihrer Haare stieg ihm in die Nase und er musste alles dran geben, nicht laut aufzustöhnen. Sie roch so gut! Hermine summte leise, als Harrys Hand den Weg in ihr Haar fand. „Es ist nicht deine Schuld", flüsterte sie als Harrys andere Hand mit dem Rand ihres Shirts spielte. „Ganz und gar nicht deine Schuld."

Harry schniefte und vergrub sein Gesicht in Hermines warme Schulter. Langsam spürte er, wie die Anspannung, die seit den Geschehnissen in der Küche in seinen Knochen saß, von ihm abließ. Hermine war sein Ruhepol, sein Fels in der Brandung und er wusste, dass er sich immer auf sie verlassen konnte. Ihr Puls pochte sanft unter seiner Wange. Sie musste sicher sein! Sie bedeutete ihm viel zu viel, als dass ihr etwas geschehen konnte! Er würde sie beschützen, selbst, wenn das hieße, dass er erneut gegen Ron den Zauberstab richten musste – und dieses Mal im Duell.

Behutsam drehte er sein Gesicht, sodass seine Nase mit der weichen Haut über ihrem Schlüsselbein in Kontakt kam, und atmete tief ein. Er spürte, wie ein Schauer Hermine über den Rücken lief. Er schmunzelte. Die Hand in ihren Haaren wanderte langsam nach unten und stoppte zwischen ihren Schulterblättern. Hermine seufzte leise. Harry packte seinen ganzen Mut und fuhr mit seiner Nase behutsam und etwas schüchtern über ihr Schlüsselbein, zu ihrem Hals, wo er erneut innerhielt und tief einatmete. Ihr Duft benebelte all seine Sinne, als er langsam den Kopf neigte und ganz leicht – so, als ob sie sie gar nicht spüren sollte – seine Lippen gegen die seidenweiche blasse Haut drückte. Hermine seufzte, als ein weiterer Schauer über ihren Rücken fuhr und sie ihn noch enger an sich heran zog.

Seine Mundwinkel zuckten leicht, als er anfing zu lächeln. Das alles fühlte sich gut an. Nein, dachte er und schüttelte innerlich den Kopf. Nein, es fühlt sich nicht gut an. Es fühlt sich richtig an! Lächelnd und mit wild pochendem Herzen küsste er erneut ihren Hals, dieses Mal etwas weiter höher. Hermine erschauderte, als sie sich vorstellte, wie diese wundervollen Lippen sich auf den ihren anfühlen mochten…

Gerade, als sie überlegte, ob sie es wagen sollte, ihren Kopf zu Harry zu drehen, um ihm den Umweg über ihren Hals und Kiefer zu ersparen, drang eine unruhige Stimme aus einem der unteren Stockwerke zu ihnen hoch. Es war Lily.

„Harry? Er wacht auf!"


So, das war wieder eins der längeren Kapitel. Mir graut es schon davor, es zu übersetzen.. Aber naja, ich mach das ja alles freiwillig hier xD

Ich hoffe, es hat euch gefallen! Bitte schreibt einen Kommentar! Ich liebe es sie zu lesen und zu beantworten!

Bis dann!