Sorry, hat etwas gedauert. Aber dafür ist das Kapitel wieder ein etwas längeres... mit DRAMA! Muahaha

Die versprochene Harry/Hermine-Action kommt im nächsten Kapitel. Das hier hat besser an das vorherige Kapitel gepasst :)

Viel Spaß beim Lesen :D


Das Ritual

„Ich glaube, ich habe etwas gefunden."

Ächzend und mit einem bedrohlich schwankenden Stapel an Büchern in den Armen kam Hermine in den Raum gewankt. Ihr Gesicht war rot, ihre Haare zerzaust, doch auf ihrem Gesicht strahlte ein breites Lächeln. „Ahhh!"

Harry sprang auf und hastete zu seiner kleinen Freundin und dem viel zu hohen Stapel Büchern herüber; genau im richtigen Moment. Die Bücher und Pergamente wackelten bedrohlich und mit einem letzten spitzen Aufschrei von Hermine fielen sie eins nach dem anderen aus ihren umherwirbelnden Armen, die verzweifelt versuchten, sie am Sturz zu hindern. Harry hechtete vor und fing die Mehrheit der schweren Bücher auf.

„Danke", murmelte Hermine verlegen als Harry sich schnaubend wieder aufrichtete und ihr mit einem verschmitzten Lächeln die Bücher zurückgab. Sie räusperte sich und drehte sich zu dem Sofa um, in dem Harry noch vor wenigen Sekunden gesessen hatte. Ihre Wangen glühten auf als sie ein leises Kichern hörte. „Lily! Oh, ich wusste nicht, dass du auch… hier… bist." Mit einem kleinen Hüsteln machte sie sich hocherhobenen Hauptes auf den Weg zum Wohnzimmertisch, auf dem eine Tasse Tee und Gebäck stand, kniete sich hin und ließ mit einem lauten Knall, der die Tasse zum Klirren brachte, die Bücher auf den Tisch fallen.

„Wie gesagt", schnaubte sie und strich sich die Haare aus dem Gesicht hinter die Ohren, „ich glaube, ich habe etwas gefunden, was uns helfen könnte."

Harry blickte von seiner aus der Puste gekommenen besten Freundin zu seiner verwirrt dreinblickenden Mutter zurück zu Hermine, die mit den Händen an der Hüfte vor ihnen stand und mit erwartungsvollem Blick vom einen zum anderen schaute. „Inwiefern?" Fragte Harry, zückte seinen Zauberstab und richtete ihn auf den verschütteten Tee und das durchweichte Gebäck, welches darauf beides verschwand.

Hermine verdrehte die Augen. „Ich dachte, wir wollten deinen Eltern helfen. Oder habe ich das etwa falsch verstanden?" Sie hob eine Augenbraue. Ihr Grinsen wurde breiter, als Harry seine Augen aufriss und ein leises Keuchen hervorstieß. „Genau. Ich habe etwas recherchiert", Harry hüstelte, „und denke, ich habe etwas gefunden, was uns helfen könnte. Aber schon einmal vorweg; ich weiß nicht, ob wir dieses Ritual erfolgreich durchführen können. Es ist recht komplex und kompliziert."

Harry schluckte. „Ritual?"

Lilys Augenbrauen zogen sich zusammen. Rituale waren sehr aufwendig und wenn falsch durchgeführt auch gefährlich. Sie hatte schon von Fällen gehört, bei dem diejenigen, die das Ritual durchführen wollten schwer verletzt, entstellt oder bei der Durchführung gestorben waren. Aus diesem Grund hatte das Zaubereiministerium vor hunderten von Jahren die meisten Rituale als Schwarze Magie eingestuft, um Leute daran zu hindern, sie durchzuführen. Verbieten konnten sie sie nicht, doch sie konnten alles in ihrer Macht stehende tun, um zu erreichen, dass die Zauberer und Hexen diese Rituale nicht durchführen wollten. Und das hatten sie auch zum größten Teil erreicht.

„Genauer gesagt ein Blutritual", Hermines Stimme riss Lily aus ihren Gedanken. Harry schluckte. „Ich weiß, dass es als Schwarz gilt, aber ich habe nichts anderes gefunden, was uns bei unserem Problem helfen könnte." Hermine lächelte zittrig und kniete sich vor ihren Stapel Büchern, die nach wenigen Sekunden die Oberfläche des Tischs komplett bedeckten.

Harry setzte sich langsam neben seine Mutter auf die Couch, wo Lily sofort ihre Hand über die seine legte. Er lächelte ihr aufmunternd zu und drehte sich wieder zu Hermine um, die gerade angefangen hatte, in den Büchern zu blättern und Zitat nach Zitat vorlas.

Lily blinzelte. Sie wusste, wie viel diese beiden jungen Menschen auf sich nahmen, nur um ihr und James zu helfen. Die Gefahr, in die sie sich begaben war ihr, und sie vermutete stark auch ihnen, so deutlich wie noch nie zuvor. Wenn dieses Ritual schief ging… Sie schluckte. Nein, da wollte sie jetzt nicht drüber nachdenken. Der Trank, der gebraut werden musste, würde Harrys Blut enthalten, da er als einziger Blutsverwandter mit ihr und James in Verbindung stand. Würde nur die kleinste Sekunde zu lange gewartet werden, die schnell gerührt werden oder eine Zutat zu spät hinzugegeben werden, ganz zu schweigen von der komplexen Beschwörung falsch ausgesprochen, so würde all das auf den Blutspender zurückprallen; und zwar auf Harry. Wenn etwas schief ging, würde Harry die Konsequenzen tragen müssen.

Ihr Blick schweifte von den Büchern zu ihrem Sohn, der angespannt neben ihr saß und jedes Wort, das Hermines Lippen verließ aufzusaugen schien. Er wusste es. Sie war sich sicher, dass er das Risiko kannte, was er nur allzu bereit war einzugehen – für sie und James. Lily atmete tief ein und schloss die Augen. Sie konnte den Bund spüren, wie er ihr befahl wieder nach Godric's Hollow zurückzukehren. Lange konnte sie dem nicht mehr Stand halten. James' Magie und Kraft ließ nach; sie musste sich immer häufiger in unmittelbarer Nähe zu Harry aufhalten, um von seiner Magie Kraft zu schöpfen. Doch wie lange das noch reichen würde wusste sie nicht. Nicht mehr lange. So viel ist klar.

„Ich habe schon nachgeprüft, ob und welche Zutaten wir noch besorgen müssten und habe eine Liste gemacht. Es ist nicht viel, aber einige Sachen sind dabei, die wir nicht in der Apotheke kaufen können." Hermine blickte auf das kleine Stück Papier, welches sie in der Hand hielt.

„Meinst du, wir müssen…" Harry schweifte langsam ab, sein Blick ebenfalls auf das Stück Pergament gerichtet.

„Auf den Schwarzmarkt. Ja."

Lily richtete sich auf und starrte die beiden Freunde an, die sich mit ernster Miene in die Augen sahen. „Auf den Schwarzmarkt? Nein."

Harry blinzelte und drehte sich zu ihr um. Seine Smaragd-grünen Augen blickten in die ihren und seine schwarzen Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen. „Warum nicht? Wenn das die einzige Möglichkeit…"

„Das ist es nicht wert, dass ihr wohlmöglich verhaftet werden!" Aufgebracht sprang sie auf und wirbelte vom Tisch weg, an dem Harry und Hermine sich einen kurzen Blick zuwarfen, ehe Harry langsam aufstand und auf sie zuging. Lily holte tief Luft und schloss ihre Augen, um den plötzlichen Schwindelanfall zu überstehen. Sie hatte nicht mehr viel Zeit. „Ich möchte nicht, dass ihr eure Freiheit nur wegen James und mir aufs Spiel setzt", flüsterte sie leise und schwankte leicht, als das Schwindelgefühl zunahm.

„Lily", Hermine blickte Harry an, der mit verengten Augen seine Mutter beobachtete. „Lily, bitte, wir wollen doch nur helfen. Uns wird schon nichts-"

„Mum?" Unterbrach sie Harry, der einen Schritt vor trat, seine Hand nach seiner vor ihnen schwebenden Mutter ausgestreckt. Hermine verstummte. „Mum? Ist alles okay?"

Lily lachte zittrig auf. Ihre Gestalt flackerte, die Farbe ihres roten Haares, ihres blauen Kleides und ihrer geschlossenen grünen Augen verblasste, wurde in der nächsten Sekunde jedoch wieder stärker, um einen Moment später wieder schwächer zu werden. Ihre einst klaren Umrisse verschwommen vor seinen Augen für kurze Momente.

"Mum?" Harrys Stimme zitterte, als er verunsichert auf seine Mutter zuging und eine zitternde Hand hob.

Lily hob wackelig den Kopf und lächelte schwach. "Mir geht es gut", flüsterte sie ihm zu. Sie holte tief Luft und wurde im nächsten Moment von Dunkelheit umfasst.

*~*HP*~*

"Mum!" Harry hechtete vor, seine Arme ausgestreckt, um seine ohnmächtige Mutter aufzufangen, doch sie glitt ohne jeglichen Widerstand durch seine wartenden Hände und landete lautlos auf dem Boden des Salons. Harry ließ sich sofort neben ihr auf den Boden fallen. Ein unterdrückter Schluchzer entfuhr ihm. Er zitterte.

Hermine wusste nicht wie ihr geschah. Im einen Moment hatten sie noch über das Ritual gesprochen und im nächsten... Sie schluckte und schaute auf die leuchtende Gestalt am Boden, neben der Harry hockte und panisch versuchte, sie aufzuwecken. Sie wusste nicht, was gerade passiert war. Verflucht noch mal, wie wusste noch nicht einmal, dass Geister das Bewusstsein verlieren konnten!

"Harry?" Ihre Stimme war leise und unsicher. Sie wollte Harry beruhigen, doch dieser hörte sie nicht. Seine Stimme wurde panischer mit jeder Minute, die verstrich, in der Lily bewusstlos blieb.

"Mum, bitte! Bitte wach auf! Mum!" Er schluchzte laut auf und begrub sein Gesicht in den Händen. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Er wusste, dass sie nicht für immer bei ihm bleiben würde; er versuchte ihr sogar zu helfen, dass sie so schnell wie möglich gehen konnte, aber diesen Fakt so unerbittlich vor sich zu sehen, es mit eigenen Augen zu sehen, dass sie nicht immer an seiner Seite sein würde… Er wimmerte leise und rutschte näher zu Lilys bewusstloser Gestalt hinüber. Es wirkte so… echt. Es zu sehen machte all das nur noch schmerzhafter und… Harry schüttelte den Kopf und wippte leicht vor und zurück. Das konnte nicht wahr sein. Nein.

Ein ungutes Gefühl verfestigte sich in Hermines Magen, als sie Mutter und Sohn beobachtete. Harry so zu sehen, so zerbrechlich und verzweifelt, brach ihr das Herz. Der junge Mann, der vor ihr auf dem Boden kniete und leise murmelnd seine Schluchzer zu unterdrücken versuchte war das komplette Gegenteil von dem Harry, den sie all die Jahre als besten Freund bezeichnet hatte. Schüchtern, dennoch entschlossen, mutig und selbstlos. Dieser Harry hatte nie offen seine Angst und Sorgen gezeigt, doch der Zauberer, der sich langsam aber sicher zu beruhigen schien, machte sich über den Aspekt keine Gedanken.

Dieser Harry jedoch, der nun behutsam seine Hand auf die des Geistes legte, kannte das Gefühl von seiner Mutter beruhigt und ermutigt zu werden, jemanden zu haben, der sich aufrichtig Sorgen um einen machte. Der elfjährige Junge mit der zerbrochenen Brille und den zu großen Klamotten war dieses Wissen nie vergönnt gewesen.

"Harry?" Fragte sie zaghaft, als sie sich neben dem schwarzhaarigen Zauberer auf dem Boden niederließ. Er zuckte leicht zusammen, als sie ihre Hand auf seine Schulter legte.

"Was ist passiert, Hermine?" Seine Stimme war leise und flehend. "Wieso wacht sie nicht auf?" Er schniefte leise und strich sich mit einem zittrigen Seufzer mit der freien Hand übers Gesicht.

"Ich bin mir sicher, dass es ihr gut geht", sagte sie beruhigend und blickte zu der schimmernden Gestalt hinunter, die vor ihnen lag. Sie bewegte sich nicht. "Wenn sie nicht mehr aufwachen würde", sie versuchte den trockenen Schluchzer zu ignorieren, den Harry von sich gab, "wieso ist sie dann noch hier?"

Harry hielt inne und starrte sie mit großen Augen an. Sie hatte Recht. Da hatte er noch gar nicht drüber nachgedacht. Grübelnd wandte er sich wieder von Hermine ab, deren Hand immer noch beruhigend auf seiner Schulter lag und ihm Halt gab. Lilys Gestalt flackerte immer noch leicht, ihr Licht war immer noch recht schwach, doch er konnte einen wenn auch kleinen Unterschied zu vorher erkennen. Wenn sie noch bei ihnen war - ob bei oder ohne Bewusstsein - hieß das, dass sie nicht nach Godric's Hollow zurückgezogen wurde. Ein Stein fiel ihm vom Herzen, als ein warmes Gefühl ihn durchfloss.

Er blinzelte zu Hermine hinüber, die ihn anlächelte und leicht nickte. Er brauchte ihr nicht zu sagen, wie er sich fühlte, was er hören musste oder - wie in diesem Moment - wie sehr er ihr dankbar war. Hermine war immer für ihn da und einige der wenigen Personen, die stets zu ihm gehalten hatten, auch nur ohne einen Moment des Zweifels.

Harry legte zaghaft seine freie Hand auf Hermines und drückte sie leicht. Die Schmetterlinge in seinem Magen hoben ab und machten Salto nach Salto. Er schluckte und holte tief Luft, um seinen nächsten Gedanken zu formulieren. "Was ist", sagte er langsam und versuchte die Röte, die ihm ins Gesicht stieg zu unterdrücken. Hermine hatte ihre Hand nicht weggezogen. Ihre Finger strichen zärtlich über seine Haut und verschränkten sich mit seinen. "W-Was ist, wenn etwas bei dem Ritual schief läuft?"

Hermine runzelte leicht die Stirn.

"Ich meine", fügte er eilig hinzu, ehe sie ihn unterbrach bevor er ihr erklären konnte, was er eigentlich meinte. "Ich habe keine Angst, was mit mir passieren könnte. Na ja", er hielt inne und lachte nervös, "doch, schon. Ist ja immerhin mein Blut, was in den Trank kommt. Aber was würde Mum passieren? Was, wenn das Ritual aus welchen Gründen auch immer schief geht und ihr etwas Schlimmes zustößt? Was, wenn sie für immer hier festsitzen wird oder in die Hölle kommt oder was weiß ich? Und Dad - was passiert dann mit ihm?"

Hermine blickte Harry in die Augen und überlegte. Ihre Gedanken überschlugen sich mit möglichen Konsequenzen; Harry könnte etwas zustoßen, er könnte verletzt oder getötet werden, seinen Verstand verlieren, sein Gedächtnis verlieren… Lily und James könnten für immer in Godric's Hollow festsitzen, ohne jemanden, mit denen sie in Kontakt standen, denn mit Harry würden ihre Zauberer-Blutlinie und ihre letzte Chance auf Befreiung aussterben. Sie könnten ins Nichts gezogen werden, auf ewig unter Qualen gefangen sein oder an einen anderen, unbestimmten Ort gezogen werden… Sie schluckte. Doch sie wusste es nicht genau. Die Texte, die sie zu diesem Thema konsultiert hatte, hatten keine eindeutigen Informationen geliefert, was passieren würde, würde dieses Ritual… nun ja… schief gehen.

Sie konnte ihm nicht sagen, was mit ihm passieren würde, was seinen Eltern zustoßen würde. Sie durften nicht versagen! Sie hatte wochenlang hunderte von Rituale recherchiert, sich über hunderte von Zauber informiert, die ihnen in irgendeiner Weise eventuell von Nutzen sein könnten. Nach Wochen des erfolglosen Suchens war sie auf ein uraltes Buch über Blutrituale in einem kleinen, hinter zugestaubten alten Möbeln und Teppichen versteckten Regal gestoßen. Sie konnte nicht sagen, ob sie wichtige Informationen übersehen hatte, doch sie wusste, dass sie alles geben würde, um es erfolgreich durchzuführen. Ein Risiko blieb bestehen; sie war nicht so naiv und glaubte, sie hatte die endgültige Lösung zu ihrem Problem gefunden, doch sie hoffte, dass sie auf dem richtigen Weg waren.

„Ich weiß es nicht", flüsterte sie erschöpft und seufzte tief. „Ich weiß es wirklich nicht."

Harry nickte und senkte seinen Blick. Was anderes hatte er auch nicht erwartet.

*~*HP*~*

Leise Stimmen drangen an ihre Ohren, als sie merkte, wie sich die Welt wieder um sie aufbaute. Der Boden unter ihr war kühl, das Holz leicht rau. Im Zimmer war es angenehm warm. Langsam wurden die Stimmen lauter und deutlicher. Sie schienen sich gedämpft miteinander zu unterhalten. Ihr Ton war ernst, wenn auch ein wenig besorgt. Lily runzelte leicht die Stirn. Ihre Augen waren geschlossen und im Moment noch zu schwer, um sie zu öffnen.

„Und Dad - was passiert dann mit ihm?"

Lily spürte, wie ihr warm ums Herz wurde. Harry machte sich Sorgen um sie. Das wusste sie schon von Anfang an, doch es so deutlich zu hören… Ihre Mundwinkel zuckten leicht, als sie versuchten, sich zu heben.

Stille folgte auf diese Frage und Lily wunderte sich, ob die beiden leise den Raum verlassen hatten, dich die geflüsterte Antwort von Hermine sagte ihr etwas anderes. „Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht."

Ächzend und mit großer Mühe öffnete sie langsam die Augen. Das gedämmte Licht im Raum war für ihre Augen zu hell und sie schloss sie sofort wieder, als sie merke, wie ihr Kopf anfing unangenehm zu pochen.

„Mum!"

„Was ist passiert?" Murmelte sie leise und hob ihre Hand, um das Licht der Deckenlampe abzuschirmen. Wenn sie die Augen öffnete, fing der Raum sich an unangenehm schnell zu drehen.

„Du bist zusammengebrochen", die Stimme ihres Sohnes war leise und nervös. Er kniete neben ihr auf dem Boden, sein Gesicht blass und seine Augen groß. „Du fingst plötzlich an zu flimmern und dann bist du…" Er schweifte ab, als er sah, wie Lily sich mühselig versuchte aufzusetzen.

„Schon okay", sagte sie ächzend und schwankte leicht, als sie sich mit ihren Ellbogen auf dem Boden abzustützen versuchte. Harrys Hände zuckten unsicher neben ihr. Er wollte ihr aufhelfen, doch er wusste, dass er sie nicht berühren konnte. Sie lächelte ihm liebevoll zu und richtete sich langsam auf. Als sie saß drehte sie sich zu ihm um. „Mir geht es besser. Du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen, mein Schatz."

Harry errötete leicht unter dem fürsorglichen Blick seiner Mutter. „Aber was ist passiert?" Fragte er und fuhr sich mit einer zitternden Hand erschöpft durch die Haare. „Wieso bist du…?"

„Ich denke, meine Zeit wird so langsam knapp", Lily lächelte entschuldigend und legte ihrem Sohn eine beruhigende Hand auf die Schulter, als dessen Augen größer wurden und er den Mund öffnete, um die mit weiteren besorgten Fragen zu bombardieren. „Ich würde dir wirklich gerne sagen, was genau hier passiert", fuhr sie fort, ehe er sie hatte unterbrechen können, „doch ich kann auch nur vermuten. Ich habe dir ja erzählt, dass vor siebzehn Jahren mir James einen Teil seiner Magie… nun ja… ausgeliehen hat, damit ich bei dir sein konnte, oder?" Sie kniff leicht die Augen zusammen. Das hörte sich falsch an, aber sie wusste nicht, wie sie es ihm besser erklären konnte.

Harry nickte und wartete, dass seine Mutter fortfuhr.

„Ich glaube, ihn verlässt seine Kraft."

Harry runzelte die Stirn. „Meinst du, dass…"

„Ich nicht mehr lange hier bleiben kann?" Lily lächelte und nickte leicht. „Ja, das befürchte ich. Der Bund wird stärker; das kann ich eindeutig fühlen und wenn ich mich nicht in deiner unmittelbaren Nähe aufhalte, merke ich, wie ich ihm nicht mehr wirklich Stand halten kann." Ihre Wangen erröteten leicht, als sie ihrem Sohn in die grünen Augen blickte, die ihren so ähnlich sahen.

„Wir werden dir helfen, Mum." Harrys Stimme war entschlossen als er sich zu Hermine umdrehte und ihr zunickte. „Wir brauchen nur noch einige Zutaten und dann werden wir mit dem Ritual beginnen."

*~*HP*~*

Sie blickte nervös von der jungen Hexe, die ein dickes, uraltes und leicht vermodertes Buch in den Armen hielt zu dem jungen Zauberer vor ihr, der sich gerade aufrichtete und zufrieden das mit Kreide gezeichnete Pentagramm auf dem Boden betrachtete, welches er gerade um sie gezogen hatte. Sie schwebte in der Mitte des Sterns, die Spitzen alle im selben Abstand zu ihren Füßen. Unsicher schaute sie zu den beiden hoch.

„Es darf keine Lücke im Pentagramm sein, Harry", sagte die braunhaarige Hexe, ihre Nase immer noch im Buch vergraben.

Der schwarzhaarige Zauberer verdrehte gutmütig die Augen, ging jedoch noch einmal um den Kreis, der den Stern umgab herum, um abermals sein Werk zu kontrollieren.

An allen fünf Ecken waren Porzellanschalen aufgestellt, die im Schein der Kerzen, die in gleichmäßigen Abständen den Geist in der Mitte der Kreidezeichnung umgaben, zu leuchten schienen. Ein blitzblanker, recht großer Dolch, verziert mit Rubinen und Smaragden, lag auf einem nahegelegenen Tisch, welcher bedeckt war mit Pergamenten voller Runen, Beschwörungsformeln und Zutatenlisten, Gefäßen mit Kräutern, Innereien von magischen Wesen und Hörnern, Schuppen und die Essenz des Feuers des Drachen – allesamt vom Schwarzmarkt.

Der Zauberer nickte zufrieden, legte die Kreide auf den niedrigen Tisch, auf dem der Rest der Zutaten gelagert war, und nahm die Schale mit den geriebenen Kräutern in die Hand. Auf Anweisung der Hexe ging er in gleichmäßigem Tempo um den Kreidekreis herum, seine Hand ausgestreckt und ließ kleine Mengen an gemahlenen Kräutern direkt hinter die Linie des Pentagramms fallen. Sie schluckte, als sie dem jungen Mann zusah, der leise vor sich hin murmelte, in einer Sprache, die sie nicht verstand.

Er pustete sich eine pechschwarze Strähne aus dem Gesicht und ging abermals um den Kreis herum, um zu kontrollieren, dass auch in dem Kräuterkreis keine Lücke zu finden war.

Lächelnd richtete er sich auf und blickte den stummen Geist im geschützten Kreis an. „Die Magie soll bei dir bleiben", sagte er und wies mit einer Hand auf das Pentagramm, das den ganzen Boden des Raums bedeckte. „Dafür der ganze Aufstand. Du kannst jederzeit hinaustreten. Wir werden den Teil, der den Geist im Pentagramm gefangen hält weglassen."

Sie runzelte die Stirn und blickte zu der jungen Hexe hinüber, die das Buch neben sich auf den Boden gelegt hatte und die Drachenelemente von Tisch nahm, einmal tief Luft holte und ebenfalls ihre Runde um das Pentagramm zog. „Seid ihr euch sicher, dass es das Ritual nicht negativ beeinflussen könnte?" Die braunhaarige Hexe schnaubte kurz und hielt inne, nur um mit einem leisen Hüsteln ein paar Sekunden später wieder, ihr Mantra an fremdsprachigen Formeln vor sich her murmelnd, sich wieder in Bewegung zu setzen.

„Hermine hat alles doppelt und dreifach überprüft", sagte Harry, drehte sich um und nahm mit einem Nicken Hermine den Dolch ab, der ihm stumm von ihr gereicht wurde. Sorge blitzte in ihren Augen auf, als er ihn ohne jegliches Zögern an sich nahm. „Es sollte alles nach Plan laufen."

Lilys Blick huschte zu den braunen Augen Hermines, die sie besorgt beobachtete. Sie versuchte zu lächeln, doch so ruhig und gelassen wie ihr bester Freund schien sie trotz allen Recherchen nicht zu sein. Lily ließ langsam die Luft aus ihren Lungen entweichen, als ihr Blick, genauso wie Hermines, Harry folgte, der an jeder Ecke des Sterns inne hielt, sich hinkniete, etwas murmelte und sich mit einem Ruck in den Arm stach, woraufhin ein Tropfen Blut langsam seine blasse Haut entlang rann und in der Porzellanschale landete. Die blutrote Spur auf seiner Haut glitzerte im Kerzenschein.

Als der fünfte Tropfen der roten, dickflüssigen Flüssigkeit das kalte Porzellan traf, loderten alle Fackeln und Kerzen im Raum auf und erhellten für kurze Zeit die drei blassen Gesichter, die nervös warteten, bis das Ritual beginnen konnte.

*~*HP*~*

Ein Hauch heißer Luft drang durch sie durch, wirbelte um sie herum und drohte sie zu ersticken. Ihre Augen würden tränen, wäre sie noch am Leben. Die Flammen im Raum flackerten wild, als die beiden jungen Magier außerhalb des Pentagramms Formel um Formel zitierten, beide in perfekter Einigkeit. Die zermahlenen Kräuter ringsherum stoben in die Lüfte und zeigten die Begrenzung des Kreises. Ihre Haare wirbelten im heißen Sturm, ihre Ohren summten von den Worten, die die Magie in das Pentagramm trugen und sie an sie banden.

Ein Gewicht legte sich auf ihre Brust, ihr Kopf pochte unangenehm, der Schmerz wurde mit jeder Sekunde stärker. Sie öffnete den Mund, doch kein Laut entfuhr ihren Lippen.

Ächzend sackte sie zusammen, eine Hand griff nach ihrer Brust, die andere nach ihrem Sohn, der außerhalb des Pentagramms ebenfalls auf die Knie gesunken war, ein schmerzverzerrter Ausdruck auf seinem Gesicht. Die Luft wurde dicker und heißer – unerträglich. Die Schmerzen nahmen zu, nahmen ihr ihr Gehör, jegliches Gefühl, welches sie in ihrem geisterähnlichen Körper noch besessen hatte. Sie hob zitternd den Kopf. Harry war auf alle Viere gesunken, seine Arme zitterten, Entsetzen überlagerte die Schmerzen auf seinem Gesicht, dicht gefolgt von Angst.

Er öffnete den Mund und schrie etwas. Lily stöhnte auf, als ein stechender Schmerz ihr Wesen durchfuhr und sie mit einem mächtigen Ruck in die Dunkelheit gerissen wurde.


Oh oh... bitte tut mir nicht weh :'D Ich konnte mich einfach nicht zusammen reißen. Außerdem ist es schon ein bisschen her, dass wir mal einen guten CLIFFHANGER hatten :D

Ich hoffe, euch hat es gefallen! Schreibt mir nen Kommentar und sagt mir, was ihr vom Kapitel haltet. Ich liebe es sie zu lesen und zu beantworten. Das zeigt mir, dass ihr noch Interesse an der Geschichte habt und wissen wollt, wie es weiter geht.

Bis denn!