Once And For All

Kapitel 2

Die Große Halle ist voller Menschen, die sich unterhalten, lachen oder über irgendetwas miteinander diskutieren. Dennoch, zwei von ihnen gehören scheinbar nicht dazu: Snape und ich.

Ich habe mich bemüht, ihm keine Beachtung zu schenken, obwohl ich die stechenden schwarzen Augen, die sich in mein Gesichtsfeld bohren, deutlich spüren kann. Irgendwann lässt es sich nicht mehr verhindern, mich ihm zu stellen. Ich sehe auf und begegne seinem Blick. Sofort muss ich erkennen, dass ich mich nicht getäuscht habe, denn er sitzt auf seinem Platz am Lehrertisch und sieht mich ungeniert zwischen seinen Strähnen hindurch an. Auf seinem Gesicht regt sich keine Miene, die Intensität seines Blicks aber macht mich fertig. Er hat etwas an sich, das mich bis in mein tiefstes Inneres hinein frösteln lässt. Mir ist, als würde ich wieder seine Finger spüren, die sich um meinen Arm legen. Oder um meine Kehle, ehe er langsam zudrückt.

Einer seiner Mundwinkel hebt sich sanft und mit einem Mal hat er wieder diesen eigenartig süffisanten Ausdruck auf den Lippen, der mir zu verstehen gibt, dass das zwischen uns noch nicht vorbei ist. Aber warum tut er das? Wieso hat er mir überhaupt erst so viel Angst eingejagt, dass ich mich gegen ihn behaupten musste?

Als er sich von seinem Platz erhebt, hört es auf. Das beengende Gefühl in meinem Hals lässt nach.

Snape schwebt mit wallendem Umhang auf den Seiteneingang der Großen Halle zu, der den Lehrern vorbehalten ist und ich bleibe zurück. Wieder habe ich kaum einen Bissen meines Essens angerührt, genau wie er es erraten hat, doch es ist mir gleich. Ich verspüre keinen großen Appetit, nur Leere und Hilflosigkeit.

Nicht lange darauf verlasse auch ich die Halle und begebe mich mit den anderen Schülern von Gryffindor in meinen Turm. Es ist Abend und für gewöhnlich treffe ich mich hier mit Harry, Ron, Ginny und hin und wieder auch einigen anderen. Nicht so heute. Mir ist nicht nach Gesellschaft zumute, vielmehr möchte ich für mich sein. Ich gehe in meinen Schlafsaal und treffe dort unvorbereitet auf Lavender. Super. Genau die Richtige, wenn man allein sein möchte. Ich lege keinen Wert darauf, mir eine heitere Anekdote aus ihrem Liebesleben anzuhören, noch dazu nicht, wenn es dabei um Ron geht. Schnell mache ich kehrt, eile durch den Gemeinschaftsraum und klettere aus dem Portrait der Fetten Dame.

Erst auf dem verlassenen Flur fühle ich mich einigermaßen wohl. Niemand ist in der Nähe, niemand sieht mich. Ich atme durch und schlendere gedankenverloren in die Bibliothek. Da um diese Uhrzeit niemand mehr hier ist, bilde ich mir ein, genau hierher zu gehören. Erleichterung durchströmt mich und so suche ich mir ein lauschiges Plätzchen in einer Ecke bei einem der hohen Fenster, lehne mich gegen die Mauer und sehe verträumt hinaus in die Dunkelheit, die sich über die Schlossgründe ausgebreitet hat.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort gestanden habe, doch es muss eine ganze Weile gewesen sein, denn Madam Pinces Stimme dringt plötzlich durch die Regale und verkündet, dass sie die Bibliothek für heute endlich schließen möchte.

Niedergeschmettert stoße ich einen Seufzer aus, als sich auch schon einige der Lampen löschen. Sofort wird es schaurig in meiner Ecke. Ich möchte trotzdem nicht gehen, die Bücher sind mir vertraut wie gute Freunde. Und eigentlich müsste ich das auch gar nicht, denn es wäre nicht das erste Mal, dass ich unerlaubt in der Nacht hier bin. Schon oft habe ich mir heimlich Zugang zu den verschiedenen Abteilungen verschafft oder mich hier herumgetrieben, wenn ich Ärger mit Ron hatte, was in letzter Zeit häufig der Fall gewesen ist.

Noch während ich mit mir ringe, ob ich gehen oder bleiben soll, höre ich eine zweite Stimme, die sagt: „Sie können gehen. Ich schließe für Sie ab und bringe den Schlüssel ins Lehrerzimmer."

Mir stockt der Atem, das war unverkennbar Snape.

Shit! Was soll ich jetzt nur machen?

Ich spitze die Ohren, was gar nicht so einfach ist, da mein Herz mit einem Mal auf unerklärliche Weise unheimlich laut gegen meine Brust hämmert. Ein paar Bruchstücke der Unterhaltung erhasche ich dennoch. Wie es den Anschein hat, zeigt sich Madam Pince einverstanden, sie verabschiedet sich kurz angebunden und eine Gittertür fällt ins Schloss. Ich muss nicht lange raten, um zu wissen, dass ich wie ein Insekt in der Falle sitze. Mein Professor wird mich ganz bestimmt orten.

Es ist merkwürdig still und Snapes leise Schritte und der über den Boden schleifende Umhang sind gut zu hören, während er sich mir beständig nähert. So fest ich kann, drücke ich mich in meiner abgeschiedenen Ecke an die Wand, obwohl ich weiß, dass es zwecklos ist. Das Mondlicht wird mich in jedem Fall verraten.

Snape muss nicht lange nach mir suchen, um mich zu finden. Als er mich erblickt, scheint er nicht im Mindesten überrascht, mich hier anzutreffen.

„Guten Abend, Miss Granger", sagt er wie beiläufig und das schmale blasse Gesicht triumphiert förmlich hinter den ungepflegten schwarzen Strähnen.

Ich kann nicht behaupten, dass ich seine Euphorie, ihn zu sehen, teile. Ich verabscheue es, wenn er sich so verhält. Mein ganzer Körper zittert wie Espenlaub und so sehe ich ihn unbeholfen an und bringe keinen Ton hervor.

Ein Lächeln kräuselt seine Lippen. Langsam kommt er näher und bleibt nur etwa eine halbe Armlänge entfernt vor mir stehen. Warm und groß ragt er vor mir auf, so dass es mir unmöglich ist, den Blick von ihm zu nehmen.

„Kommen Sie, Granger", sagt er ruhig. „Die Bibliothek ist geschlossen und Sie haben hier nichts verloren."

„Gehen Sie weg, bevor noch ein Unglück geschieht", entgegne ich verschüchtert. Ich kann nichts dafür, er hat nun einmal diesen Effekt auf mich.

Snape verschränkte die Arme vor der Brust und legt den Kopf schief.

„Sollte das eben eine Drohung sein?", sagt er belustigt. „Wenn ja, war sie nicht besonders gelungen."

Als ich nicht darauf reagiere, verhärtet sich seine Kiefermuskulatur. Er schließt die letzte Distanz zwischen uns, ohne mich aus den Augen zu lassen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage sind wir uns so nahe, dass es ein erträgliches Maß übersteigt. Es gehört sich nicht für zwei Menschen wie wir es sind, sich derart freizügig aufeinander zuzubewegen.

„Vielleicht sollte ich Ihnen einen Grund geben, sie wahr zu machen", zieht er mich heiter auf.

Ich habe genug. Es ist nicht das erste Mal, dass er mich so behandelt. Instinktiv ziehe ich den Zauberstab und halte ihn direkt an die Stelle, unter der seine Halsschlagader verläuft. Meine Reaktion ist so schnell, dass ich erst merke, was ich da eigentlich tue, als es schon zu spät ist. Ich bilde mir sogar ein, eine leichte, von seinem Puls stammende Vibration in meiner Hand zu spüren, was genau genommen unmöglich ist, denn Snape bleibt nach außen hin vollkommen ruhig.

Sekunden vergehen und nichts geschieht. Auf einmal, ich hätte es wissen müssen, rollt er wie ein bissiger Köter die Lefzen zurück und entblößt seine unregelmäßigen Zähne, deren Farbe auch im Mondlicht eher gelblich wirkt denn weiß.

„Na los doch, Granger. Sprechen Sie aus, was Ihnen auf der Zunge liegt. Sie würden mir damit sogar einen Gefallen tun."

Ich kann nicht verhindern, dass meine Hand zu zittern anfängt, also ziehe ich die Finger fester zusammen, um ja nicht versehentlich den Zauberstab fallen zu lassen.

Er öffnet den Mund und spricht ganz leise: „Crucio."

Verstört zucke ich zusammen. Mein Puls rast, als wäre er auf alles gefasst, aber nichts passiert.

„Impedimenta."

Und wieder geschieht nichts. Es rollt von seiner Zunge und über seine schmalen Lippen, er sagt es ganz sanft und doch dauert es, ehe ich begreife, dass nicht die Absicht dahinter steckt, mich damit zu verletzen.

„Incendio ..."

Das geht eine ganze Weile so weiter: Snape zählt locker allerhand Flüche auf, die mein Unbehagen nur noch steigern. Warum will er das? Um mich herauszufordern, damit ich hinterher in noch größeren Schwierigkeiten stecke? Oder ist er wirklich so gleichgültig wie er tut?

Schlussendlich habe ich genug.

„Hören Sie auf!", brülle ich ihn an. „Hören Sie endlich damit auf!"

Eine seiner Brauen rutscht wie zufällig in die Höhe.

„Und was wird dann geschehen?", fragt er leise.

Ich kann ihm keine Antwort darauf geben. Ich weiß lediglich, dass ich keine Ahnung habe, was ich hier tue. In meinem Kopf herrscht ein heilloses Durcheinander und wieder einmal verspüre ich in seiner Gegenwart den Drang, hemmungslos in Tränen auszubrechen.

Snape gibt einen abfälligen Grunzlaut von sich, als wäre er enttäuscht oder hätte genau das von mir erwartet.

Er hebt die Hand und legt sie auf meine, die noch immer den Zauberstab umklammert hält. Beinahe zärtlich schließen sich seine langen und immerwährend kühlen Finger um meine Faust und drücken sie ein Stück weit nach unten weg.

Als Nächstes nimmt er seine andere Hand zu Hilfe und fängt an, meine verkrampften Finger loszumachen. Er beugt sachte den Kopf hinab und hebt jeden einzelnen von ihnen an. Sein warmer Atem trifft stoßweise auf meine Hand und es ist die sanfteste Berührung, die man sich nur vorstellen kann, wie ein warmer Sommerwind, der flüchtig meine Haut liebkost.

Mechanisch gehorche ich und lasse es geschehen. Ich kann nicht glauben, was er da tut. Er ist einfach nur da und berührt mich, jedoch nicht so, wie man es von ihm erwarten würde, sondern voller Gefühl.

Irgendwann schafft er es, mir den Zauberstab abzunehmen und ihn in der Innenseite seines Umhangs verschwinden zu lassen. Noch immer bin ich so paralysiert, dass ich keinen Einwand dagegen erhebe. Hilflos ergebe ich mich ihm, dann nimmt er mein Kinn zwischen seine Finger und bringt mich dazu, ihn anzusehen. Es ist ein langer, unergründlich tiefer Blick, den wir miteinander tauschen. Ich spüre, wie sich seine Hände auf meine Schultern legen und er mich fest zu sich an seine Brust zieht. Zweifelsohne geht irgendetwas Unerklärliches in ihm vor. Ich kann es spüren, ich kann ihn riechen und fühlen, wie er mir auflauert. Doch was will er eigentlich von mir? Worauf wartet er?

Was dann passiert, übersteigt alles, was ich für möglich gehalten hätte, denn er macht hemmungslos weiter, womit er begonnen hat.

Sein Kopf nähert sich mir, zielstrebig drückt er seine Lippen auf meine. Sie sind warm und erstaunlich weich, der Kuss hingegen unbändig rau und fordernd. Er raubt mir die Sinne. Keine paar Sekunden später spüre ich seine Zunge, die sich Zugang zu meinem Mund verschaffen will.

Während ich mit meinem Verstand ringe, schiebt er mich energisch auf einen Tisch zu und drückt mich mit dem Rücken voran darauf nieder, so dass ich flach unter ihm liege. Nicht einen Moment lässt er dabei von mir oder meinem Mund ab und ehe ich mich versehe, kauert er innig mit seinem Oberkörper über mir und presst sich an mich.

Er stöhnt leise auf und sein Atem vermischt sich heiß und wallend mit meinem, ja selbst seine Hände sind überall und nirgends auf mir zu finden. Sie umschließen mein Gesicht und zerwühlen ungestüm meine Haare, nur um im nächsten Moment mit den langen Fingern meinen Hals zu erkunden.

Zugegeben, es ist ein befremdliches Gefühl, ihn so auf mir zu haben. Doch wie zuvor auch kann ich nicht die geringste Absicht erkennen, dass er mir etwas antun möchte.

Ich bin durcheinander und fange wie von meinen Instinkten getrieben an, seinen Rücken mit meinen Händen abzutasten. Was ist nur los mit mir? Vielleicht bin ich so zerrissen, dass ich nicht weiß, was ich tun soll, weil ich ihn noch nie so zügellos erlebt habe, denn genau das ist es, was hier geschieht: Snape gibt sich mir auf eine kuriose Art und Weise hin, die ich nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Snape, der sonst so harsch und kontrolliert war, dass es oft schon prüde wirkte, wie er mit seinen schwarzen Klamotten vor mir stand, steif und zugeknöpft bis oben hin.

Durch seine Kleidung und den schwarzen Umhang hindurch kann ich jeden einzelnen seiner Muskeln arbeiten spüren. Entgegen meiner Erwartungen sind seine Bewegungen und Küsse unbeschreiblich inspirierend. Sie haben etwas zutiefst Anziehendes an sich und sorgen dafür, dass ich willenlos ihn ihnen ertrinke, bis ich nicht mehr weiß, was ich eigentlich will ... Sollte nicht auch er längst wieder zu sich kommen und sich darauf besinnen, wer wir sind? Aber was, wenn er wirklich einfach wieder damit aufhört? Und wie weit wird er noch gehen, wenn nicht?

Die Vorstellung, er könnte mit mir schlafen wollen, ist einfach nur absurd. Er ist mein Professor und hat verdammt nochmal nicht so etwas zu wollen. Dann ist da noch sein Alter und die Gefahr, erwischt zu werden. Will ich mein Erstes Mal so erleben, hier in der Schulbibliothek? Mit ihm?

Der Vorhang seiner Haare hängt mir wirr ins Gesicht und so fahre ich mit der Hand zwischen die langen Strähnen und halte sie beiseite. Ich will seinen Ausdruck sehen, denn die blitzenden Augen unter den herabgesenkten Lidern sind mir seltsam vertraut.

Sein Körper, der mich so begierig einnimmt, schiebt mich wie zufällig ein Stück die Tischplatte hinauf. Er rutscht selbstverständlich nach. Alles an ihm ist unheimlich hager und zäh. Sogar sein Brustkorb kommt mir hart vor, mit den hervorstechenden Rippenbögen, die sich im Eifer des Gefechts immer wieder gegen meine empfindlichen Brüste drücken. Nach wie vor steckt seine Zunge unnachgiebig in meinem Mund und erkundet jeden einzelnen Zentimeter darin. Mir wird ganz schummrig: Noch nie hat mich jemand so voller Leidenschaft und Hingabe geküsst.

Und dann passiert es. Bis gerade eben war ich noch überzeugt davon, dass er zumindest so viel Selbstbeherrschung haben könnte, das Ganze nicht noch mehr ausarten zu lassen, doch langsam wird es mir zu viel. Ich spüre etwas Hartes auf meinem Bauch und begreife schwer, dass das dort nicht sein sollte. Es ist genau genommen auch das erste Mal, dass mir so etwas passiert; ausgerechnet mit Snape. Bisher hatte niemand, der mich geküsst hat, eine so deutliche Erregung in der Hose. Aber auch ich spüre eine gewaltige Hitze zwischen meinen Beinen. Mein Höschen ist schon ganz feucht.

Endlich lässt sein Mund von mir ab und ich komme wieder zu Atem. Snape nimmt seinen Oberkörper von mir und im Nu gleiten seine Hände über meine Brüste und reißen mich aus meinen Gedanken. Seine langen Finger auf mir fühlen sich gut an. Sie bewegen sich in perfekter Harmonie über meinen Körper, bis eine Hand mir zwischen die Beine fährt und meinen Rock nach oben schiebt.

Ich bin mir sicher, dass das kein Zufall ist, doch Snape scheint sich darüber keine Gedanken zu machen. Er steht so in Flammen, dass er einfach weitermacht.

Mit einem Ruck ist mein Höschen aus dem Weg geschafft, dann schiebt er meine Beine auseinander und positioniert meinen Unterleib so, dass er mühelos mit seinem Finger in mich eindringen kann. Alles geht unglaublich schnell. Ich komme nicht einmal dazu, mich zu fragen, wieso er das tut.

Schmerzhaft beiße ich mir auf die Zunge, um meinen überraschten Aufschrei zu dämpfen. Zugleich kann ich nicht sagen, dass es unangenehm ist, wie er mich berührt. Er ist sanft. Er weiß genau, was er tut.

Während er damit fortfährt, den intimsten Bereich meines Körpers zu streicheln, lege ich den Kopf zurück, um ihn nicht ansehen zu müssen. Das, was mit mir geschieht, ist unbeschreiblich. Snape wirkt auf mich wie verwandelt. Vielleicht verliere ich aber auch einfach meinen Verstand.

Er streichelt mich weiterhin und ich zwinge mich dazu, mich zu entspannen, um jede seiner Bewegungen auf mich einwirken zu lassen.

Auf einmal ist es vorbei. Er zieht sich zurück und ich kann das Rascheln seiner Kleidung hören. Sofort weiß ich, was er im Sinn hat.

Panisch recke ich den Oberkörper empor und kann sehen, wie er seinen harten Schaft aus der Hose hervorholt.

Alles in mir überschlägt sich. Ich sehe seinen Penis vor mir und habe das Gefühl, dass wir längst zu weit gegangen sind. Es ist nicht richtig und ich darf nicht zulassen, dass er sich meiner so einfach bemächtigt, als wäre es die natürlichste Sache auf der Welt, gleich aufs Ganze zu gehen. Außerdem brauche ich dringend Abstand, um mir darüber klar zu werden, ob ich das wirklich will.

Ich schüttle den Kopf.

"Nein. Nein, das ist nicht richtig."

Snape stößt ein leises Grollen aus und richtet sich zu voller Größe vor mir auf. Es ist nicht weiter schwer, zu erkennen, dass sein Atem ganz aufgewühlt ist. Langsam, wie von Sinnen, fährt er sich mit den Fingern durch die Strähnen.

"Was - was fällt Ihnen eigentlich ein?", frage ich indes und obwohl ich kaum sprechen kann, klingt es ziemlich forsch. "Sind Sie jetzt komplett übergeschnappt?"

Seine schwarzen Augen glühen mich wild an. Sie offenbaren, dass auch er in einer Zwickmühle steckt. Einerseits scheint er nicht aufhören zu wollen, andererseits hadert er mit sich, weil er genau weiß, wie fatal seine Handlungen sein könnten, wenn wir jetzt nicht endlich die Notbremse ziehen.

"Nun haben Sie wenigstens einen Grund, mich zu verachten, Granger", knurrt er zynisch hervor.

Ich rapple mich hoch und rücke meine zerknitterte Bluse, das Höschen und den zerknautschten Rock zurecht.

"Was für Gründe brauchen Sie denn noch, damit die Menschen Sie hassen?", will ich von ihm wissen.

Er antwortet nicht. Stattdessen verstaut er wortlos seine Männlichkeit in seiner Hose.

Ich ertrage es nicht länger, ihn anzusehen. Er hätte das niemals tun dürfen. Und ich hätte es nicht zulassen dürfen.

Auf einmal will ich nur noch weg und schiebe mich unsanft an ihm vorbei. Blindlings stolpere ich den Gang entlang, da greift er plötzlich nach meinem Arm und hält mich zurück.

Ich wirble herum und kollidiere hart mit seiner Brust, als er mich zu sich heranzieht. Zornig sehe ich ihn an.

Was soll ich sagen? Es überrascht mich kaum noch, dass er das tut. Doch meine verworrenen Gefühle und die Scham überwältigen mich. Ich werde mir nie verzeihen, dass das wirklich vorgefallen ist.

"Es ist mir egal, ob Sie mich hassen oder nicht", flüstert er mir ins Ohr; seine Stimme hört sich für mich seltsam belegt an.

Ungläubig schüttle ich den Kopf.

"Das ist nicht wahr. Sie wollten mich!"

"Ich wollte Ihren Körper", entgegnet er süßlich.

Das verunsichert mich. Perplex muss ich blinzeln. Soll das bedeuten, dass er mich nur benutzen und hinterher wegwerfen würde? Ich denke nicht, dass er die Wahrheit sagt, denn sonst hätte er nicht aufgehört, als ich ihn zurückgewiesen habe.

Die Vorstellung, einfach nur Sex mit jemandem zu haben, ohne auch nur die geringsten Gefühle ins Spiel kommen zu lassen, erschreckt mich. War das wirklich so? Bin ich für ihn nur ein Stück Fleisch? Ich kann nicht gerade behaupten, dass ich ihn gut leiden kann, trotzdem habe ich aufgehört, ihn zu hassen, als er angefangen hat, mich zu küssen. Vielleicht machen wir beide uns aber auch nur etwas vor.

"Sie lügen", gebe ich aufgebracht zur Antwort. "Das ist noch viel schäbiger, als alles, was Sie bisher getan haben. Es ist feige und -"

Ruckartig lässt er von mir ab und ich stoße mit dem Rücken gegen eine Bücherwand.

"Feige?", wiederholt er krächzend und sein ganzer Ausdruck ist wie verändert. "Feige? Sie wissen nicht genug über mich, um das Recht zu haben, so über mich zu urteilen, Granger."

Mir ist das alles nicht geheuer. Ich richte mich auf und verschränke abwehrend die Arme vor der Brust. Snape ist unberechenbar und ich habe keine Lust darauf, zum Spielball seiner Machenschaften oder Launen zu werden.

"Wo ist mein Zauberstab? Geben Sie ihn mir, damit ich endlich verschwinden kann!"

Er grinst mich an, gehässig wie eh und je.

"Ich möchte Ihnen nicht raten, mich je wieder als Feigling hinzustellen. Wer von uns war denn feige? Wer hatte den Zauberstab in der Hand und hat einen Rückzieher gemacht?"

Fassungslos starre ich ihn an. Hat er tatsächlich von mir erwartet, dass ich ihn angreife?

"Doch damit nicht genug", setzt er ungehalten nach. "Lassen Sie mich raten! Es hat Ihnen gefallen, aber Sie hatten Angst, was danach sein würde, nicht wahr? Miss Granger will vorbereitet sein. Sie will keine Überraschungen erleben."

Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll, also sage ich nichts. Es ist unverschämt von ihm, so eine Behauptung aufzustellen.

Snape lächelt.

"Das nächste Mal, wenn Sie jemanden herausfordern, sollten Sie sich fragen, wie viel Ihnen Ihre Jungfräulichkeit wert ist, bevor Sie noch einmal denselben Fehler begehen."

"W-was?"

Er rollt mit den Augen.

"Sie können mir nichts vormachen, Granger."

Redet er tatsächlich immer noch von meiner Jungfräulichkeit?

"Sie haben nicht meinetwegen aufgehört", sage ich empört, wobei ich mich bemühe, die Tatsache zu ignorieren, dass er mit seinem sanften Getue meinen Verstand benebelt hat, um mich zu verführen. "Sie hatten Schiss, das ist alles. Schiss vor Dumbledore, andernfalls hätten Sie hemmungslos weitergemacht."

"Nein", stößt er verächtlich aus. "Denn dass ich das tue, würden Sie nicht wollen."

Seine Worte haben einen fiesen Nachgeschmack. Sie kommen mir bedrohlich vor.

Mit einer schwungvollen Handbewegung fährt er in seinen Umhang hinein und zieht meinen Zauberstab daraus hervor. Überraschenderweise hält er mir den Griff und nicht die Spitze entgegen.

"Worauf warten Sie noch?", fordert er mich auf, als ich mich nicht rühre. "Nehmen Sie ihn schon. Ich werde nicht beißen."

Ungestüm reiße ich ihm den Stab aus der Hand und stecke ihn weg.

"Das war nun schon die zweite Gelegenheit, die Sie sich entgehen ließen, sich an mir zu rächen", sagt er. "Bedauerlich, Granger."

Ich muss mich schütteln. Auf mich klingt er so überheblich, dass ich es fast bereue, ihm nicht endlich eine Lektion erteilt zu haben. Bebend vor Wut fahre ich ihn an.

"Sie können von Glück reden, dass Dumbledore Ihnen den Rücken stärkt, denn wenn das nicht wäre, wäre mir egal, was aus Ihnen wird."

Kaum habe ich geendet, schnaubt er leise und es wird still zwischen uns. Snape sieht mich nicht mehr an. Er hat den Kopf gesenkt und streift mit langen, fahrigen Bewegungen seiner Hände seine Robe glatt. Fast kommt es mir vor, als würde er zum ersten Mal bereuen, was geschehen ist. Ob das daran liegt, dass ich Dumbledores Vertrauensverhältnis zu ihm zur Sprache gebracht habe?

Egal. Ich sollte wirklich langsam gehen, anstatt ihm dabei zuzusehen, wie er die letzten Beweise unseres eigentümlichen Abenteuers beseitigt, ehe wir beide uns endgültig und unvermeidlich trennen werden.

"Lassen Sie mich nun endlich hier raus?", frage ich unbeholfen, während ich mir mit dem Ärmel die Tränen aus den Augenwinkeln wische, die sich nun nicht mehr zurückhalten lassen. Was wir getan haben, ist so ungeheuerlich, dass ich mir nicht sicher bin, wie ich das je vergessen soll. Es ist traurig und schmutzig. "Oder muss ich mir selbst helfen?"

Er nickt kaum merklich und setzt sich in Bewegung. Ich trotte hinter ihm her, bis er das Gitter aufgesperrt hat. Wir lassen meine geliebten Bücher und hoffentlich auch all die ungeliebten Erinnerungen unseres Aufeinandertreffens hinter uns und treten hinaus auf den Gang.

Verstohlen sehen wir uns an und Snape öffnet den Mund. Eine Weile warte ich darauf, dass er etwas von sich gibt, doch nichts geschieht. Zornig zieht er seinen Zauberstab und richtet ihn auf das Gitter, das sogleich laut ratternd ins Schloss fällt. Als er den Schlüssel hervorholt, um abzusperren, bin ich bereits hinter der nächsten Biegung verschwunden und renne, ohne mich noch einmal umzusehen, in meinen Turm.