Once And For All

Kapitel 5

Das Nachsitzen bei Snape hat einen bitteren Beigeschmack. Zwar ist es mit ihm nicht so schlimm wie damals mit Umbridge, doch immerhin fies genug, um nicht den Wunsch zu verspüren, öfter in seinem Büro antanzen zu müssen.

Dies ist bereits mein zweiter Abend mit ihm. Stundenlang lässt er mich nutzlose alte Karteikarten erneuern, auf denen die Schandtaten längst von der Schule abgegangener Schüler stehen. Was das bringen soll, weiß vermutlich kein Mensch und mich würde es nicht wundern, wenn Snape ebenfalls keinen Sinn darin sehen würde, außer vielleicht (und das klingt absurd), um Gesellschaft zu haben.

Als ich ihm nach getaner Arbeit die staubige Kiste mit den Karten überreiche, berühren sich zufällig unsere Hände. Wie vom Blitz getroffen weicht Snape auf seinem Stuhl ein Stück vor mir zurück und stellt die Kiste mit spitzen Fingern neben sich auf dem Schreibtisch ab.

„Gut. Sie können gehen, Granger", sagt er kurz angebunden. Er wirft nicht einmal einen Blick darauf, dann wendet er sich wieder einem Stapel Aufsätze zu, die er korrigieren muss.

Sein Verhalten ruft jede Menge Fragen in mir hervor. Was habe ich denn getan, dass er sich so benimmt, als hätte ich ihn gebissen? Es kommt mir eigenartig vor und ich rühre mich nicht vom Fleck.

Gebannt stehe ich für zahlreiche Sekunden vor seinem Tisch und blicke auf ihn hinunter. Die schwarzen Strähnen, die seine fahlen Wangen umhüllen, wippen beim Schreiben sanft auf und ab. Seine markante Nase ist dicht über das Pergament gebeugt, dem er sich mit vollem Arbeitseifer widmet.

Irgendwann hebt er den Kopf und sieht mich an.

„Habe ich nicht gesagt, Sie können gehen?"

Ich werde rot. Ich bin noch nicht fertig mit ihm.

„Sir, als Sie mich neulich in der Großen Halle angesehen haben, da war so ein Moment, in dem ich dachte ..."

Ihm scheint zu dämmern, worauf ich hinaus will, denn er räuspert sich und fährt mir dazwischen.

„Bestimmt hatte es seine Gründe, Granger. Machen Sie sich also keine Gedanken darüber."

Ich beuge mich über den Tisch zu ihm vor und sehe ihm direkt ins Gesicht.

„Dann erklären Sie es mir."

Die Feder in seiner Hand erzittert und er schüttelt wie wild den Kopf.

„Es gibt nichts zu erklären."

Sofort weiß ich, dass das nicht stimmt. Snape ist schon länger mein Professor, aber so neben der Spur wie zuletzt habe ich ihn noch nie erlebt. Er ist nicht der Einzige, der beobachtet, da kann er Gift drauf nehmen.

„Sie lügen."

Er kneift die Brauen zusammen und wirft an mir vorbei einen verstohlenen Blick zur Tür. Es ist ihm mehr als unangenehm, so direkt von mir damit konfrontiert zu werden, die Unwahrheit zu sagen.

„Das geht Sie nichts an", beharrt er eisig. „Und jetzt gehen Sie endlich."

Protestierend richte ich mich auf und verschränke die Arme vor der Brust. Ich werde nicht gehen, bevor ich weiß, was hier gespielt wird. Er will zweifelsohne etwas verbergen, die Frage ist nur, was das ist.

„Das kann ich nicht. Ich möchte wissen, was hier vor sich geht. Wir alle zählen auf Sie. Aber wenn Sie in Schwierigkeiten stecken, könnte das Auswirkungen auf Harry oder den Orden haben … Weiß Dumbledore denn, was mit Ihnen los ist?"

Snape stöhnt entnervt auf.

„Und was sollte mit mir los sein, Miss Granger?"

Ich habe ehrlich gesagt keine logische Erklärung für sein Verhalten. Alles, was ich weiß, ist, dass er so aussieht, als wäre er ziemlich verloren. Er macht einen müden und gestressten Eindruck auf mich. Vielleicht braucht er ja Hilfe oder moralische Unterstützung oder so was in der Art, schließlich hat auch ein Spion seine Grenzen. Und das sollte sich nicht auf seine Arbeit für den Orden auswirken.

„Haben Sie Probleme mit Voldemort?", rate ich frei heraus.

Er blinzelt mich an.

„Wie kommen Sie nur darauf, Granger?"

„Na ja, es wäre naheliegend, dass er Sie unter Druck setzt. Wie man hört, geht es den Malfoys auch nicht so besonders. Dracos Vater wurde verhaftet und ..."

„Ich weiß, was mit Lucius geschehen ist", unterbricht er mich energisch.

Ich zucke zusammen. Seine Stimme hat etwas zutiefst Gereiztes. Doch nur weil er nicht darüber reden will, muss er nicht gleich so unfreundlich sein.

„Schön", sage ich schlicht und recke dabei mein Kinn in die Höhe, damit er sieht, dass auch ich meinen Stolz habe. „Ich wollte nur sichergehen, dass mit Ihnen alles in Ordnung ist."

Endlich scheint ihm aufzufallen, dass ich es nur gut mit ihm meine, denn er seufzt und schiebt verunsichert mit den Händen seine Strähnen zurück.

„Es war nicht meine Absicht, Sie schwach anzureden", bringt er mühevoll hervor.

Es muss ihn einiges kosten, das zuzugeben, denn schließlich schiebt er den Stuhl zurück und steht auf. Groß und hager vor mir aufgebaut, sieht er von oben auf mich hinab, wobei er durchaus eine eindrucksvolle Erscheinung darstellt.

„Ich weiß Ihre Bemühungen zu schätzen, aber Sie sind völlig grundlos besorgt", erklärt er wie eine programmierte Maschine. „Und jetzt gehen Sie bitte in Ihren Turm."

Das war alles? Ich glaube ihm kein Wort. Wie kann er nur davon ausgehen, dass ich mich so leicht zufriedenstellen lasse?

Anstatt zu gehen, wie er es mir aufgetragen hat, greife ich nach seinem Arm. Wenn er mich abwimmeln will, muss er sich schon etwas mehr ins Zeug legen.

„Sir -"

Snape reißt die Hände nach oben und weicht abermals vor mir zurück, die Augen vor Schreck geweitet.

„Miss Granger!", warnt er drohend. „Was, denken Sie, soll das hier werden?"

Ich beiße mir auf die Lippe, damit er nicht merkt, dass ich darüber lächeln muss. Es hat schon fast etwas Komisches an sich, ihn so panisch zu beobachten. Alles an ihm wirkt deutlich angespannt, sogar seine sonst so eindrucksvolle Stimme.

„Nichts", sage ich ausweichend. „Es ist nur …"

Er nimmt die Hände wieder runter und presst sie eng an seine Seiten. Es ist eine Abwehrhaltung, die ich bei ihm schon des Öfteren gesehen habe, zumeist, wenn er eine Auseinandersetzung mit Dumbledore hatte.

„Sie sollten nun wirklich gehen."

Aber ich kann und will nicht gehen.

Als mir das bewusst wird, kommt mir ein flüchtiger Gedanke. Warum will er so vehement, dass ich gehe? Die ganze Zeit, seit ich angefangen habe, ihm und seinem Verhalten etwas mehr Beachtung als gewöhnlich zu schenken, reagiert er schon eigenartig auf mich und meine Person. Ist es wirklich nur meine Gegenwart, die ihn dazu bringt, mich einerseits in seiner Nähe haben zu wollen, obwohl er mich andererseits doch viel lieber los hätte? Es war nicht zwingend nötig, mich nachsitzen zu lassen, nur weil ich anderer Meinung war als er. Viele meiner Lehrer haben Nachsicht, wenn es um Neville geht, sogar McGonagall. Doch das hier ist Snape...

Ich verliere mich in seinen schwarzen Augen, die mich unverwandt und fragend ansehen. Sie könnten nicht wundersamer sein. Was auch immer es ist, das er vor mir verbirgt, ich bin sicher, es hat mit mir zu tun.

Mit all meinem Mut bewege ich mich auf ihn zu. Ganz langsam.

Snape versteift sich wie ein Brett.

„Tun Sie das nicht, Granger."

„Was soll ich nicht tun?"

Als ich langsam einen Fuß vor den anderen setze, kann ich hören, wie er scharf die Luft einzieht und den Atem anhält. Ich dachte mir längst, dass er nur sehr wenig Kontakt zu anderen Menschen hat. Das, was ich hier erlebe, übersteigt aber all meine Vorstellungen. Er ist so darauf bedacht, mich von sich zu weisen, mich auf Abstand zu halten, dass ich nicht anders kann. Er hat mich neugierig gemacht und ich muss wissen, was sich hinter seinem Gehabe verbirgt.

Schließlich stehe ich unmittelbar vor ihm, nur eine Handbreit davon entfernt, ihn mit meinem Körper zu berühren. Ich kann die Wärme spüren, die von ihm ausgeht. Noch immer scheint er die Luft anzuhalten.

Ich hebe die Hand, lege meinen Zeigefinger auf seine Lippen und spüre, wie er von einem Schauder erfasst wird.

Auf einmal greift er nach meinem Arm und hält mich fest. Es ist ein harter Griff, aus dem ich mich unmöglich entwinden könnte, wenn ich es wollte.

Er atmet aus. Dann senkt er den Kopf und nähert sich mit einem bedrohlichen Knurren meinem Gesicht.

„Es war unglaublich dumm von Ihnen, sich mir zu widersetzen", sagt er und seine Stimme ist rauer als gewöhnlich.

Ich kann mir in etwa vorstellen, was er damit ausdrücken will, denn die Anspannung, die von ihm ausgeht, hat sich in eine nahezu schon ungeduldige Erregung gewandelt. Es lässt sich nicht länger leugnen. Vielleicht sind es aber auch einfach meine Instinkte, die mir unterschwellig mitteilen wollen, was hier gerade geschieht.

Wir sehen uns an und die Perspektive, die sich mir darbietet, ist befremdlich. Er ist kein schöner Mensch, aber dadurch, dass er so ernst dreinblickt, wirken seine ohnehin schon markanten Gesichtszüge noch dunkler und bedrohlicher als üblich. Dennoch hat er etwas an sich, dem ich mir nicht entziehen kann.

Ich habe langsam das Gefühl, dass meine Hand ganz taub wird und ziehe an meinem Arm. Snape aber denkt gar nicht daran, mich loszulassen.

Ohne länger zu zögern, drückt er seine Lippen auf meine. Unsere Nasen prallen ungestüm aufeinander und ehe ich einen klaren Gedanken fassen kann, küsst er mich.

Zuerst wehre ich mich dagegen und will ihn wegdrücken, doch ich schaffe es nicht, er ist zu stark. Außerdem ist er viel zu energisch, um jetzt von mir abzulassen. Mittlerweile muss ich erkennen, dass es meine eigene Schuld war, dass das passiert. Ich habe mich ihm genähert. Ich wollte es so...

Und dann, zu meiner noch größeren Überraschung, stelle ich fest, dass ich es noch immer will. Ich möchte nicht, dass er jetzt aufhört; stattdessen küsse ich auch ihn und es wird ein langer, leidenschaftlicher Kuss, der erst endet, als uns beiden die Luft wegbleibt.

Snape bringt mich auf Abstand und lehnt seinen Kopf an meine Stirn.

„Es – es tut mir leid, Miss Granger. Das war ..."

Ich schüttle den Kopf.

„Es muss Ihnen nicht leidtun."

Seine Hände umfassen meine und halten sie vor seiner Brust zusammen. Endlich bekomme ich die Gelegenheit, meine sich überschlagenden Gedanken zu ordnen. Zuerst muss ich mir eingestehen, dass ich es mochte, ihn zu küssen. Ich mag seinen Geruch und seinen Geschmack. Fast glaube ich, Snape ist mir vertraut, denn mein ganzer Körper reagiert auf ihn, selbst mein Unterleib. Und offenbar war ich damit nicht alleine, denn auch er hat deutliche Regungen gezeigt. Sein Verhalten insgesamt gesehen aber macht mich stutzig.

Beschämt von der Vorstellung, ich könnte mit meinem Professor noch weitaus intimer werden, senke ich den Blick auf seine vor mir aufragende und sich unruhig hebende und senkende Brust. Die Knöpfe darauf sind so stark in Bewegung, dass ich Grund zur Annahme habe, er führt innerlich einen harten Kampf; ich kann mir schon denken, worum es geht. Selbst ich hadere mit mir, obwohl es sich unglaublich gut angefühlt hat, ihn zu küssen.

Während ich mir all das bewusst mache, recke ich mich auch schon zu ihm empor und küsse ihn erneut. Meine Hände vergraben sich in seinen Haaren. Snape selbst zieht mich fest zu sich heran.

Nicht lange darauf schiebt er mich auf seinen Schreibtisch zu. Mit ausgestrecktem Arm fegt er alles darauf Befindliche beiseite. Ich kann nur noch hören, wie die Kiste mit den Karteikarten, unzählige Blatt Pergament und einige Federkiele durch die Luft segeln und mindestens ein Tintenfass zu Boden fällt.

Snape drückt mich auf die Tischplatte nieder, dann ist er auch schon auf mir und macht sich mit seinen langen Fingern an meinem Rock zu schaffen. Im Nu hat er meinen Unterleib befreit. Sein eigener, der sich wie zufällig immer wieder an mir reibt, folgt bereits. Seine Finger sind flink und ungeduldig. Bald kann ich deutlich spüren, wie sein Penis hart und pulsierend vor mir aufragt. Unser Kuss, der bis jetzt gedauert hat, endet plötzlich und Snape, tief über mich gebeugt, sieht mich schwer atmend zwischen seinen Strähnen hindurch an. Ein unbändiges Feuer lodert in seinen Augen.

Ich strecke die Hand aus und streiche ihm die zerwühlten Haare hinters Ohr. Es fällt mir nicht schwer, zu erkennen, wie sehr er immer noch mit sich ringt, doch irgendwie kann ich mich ihm nicht länger verwehren.

Neugierig greife ich mit meiner Hand zwischen unsere Körper und umfasse seinen harten Schaft. Ich will es wissen. Ich will wissen, wie es ist, ihn dort zu berühren. Ich will ihn ganz nah bei mir haben und sehen, was danach geschieht.

Er schluckt schwer.

Im nächsten Moment ist es um ihn geschehen. Ich spüre, wie er seine Finger ungeduldig um meine Hand schließt und seinen Penis nach unten drückt. Gezielt führt er seine Spitze in mich ein. Beide stöhnen wir auf.

Es geht alles so schnell, dass ich kaum Zeit habe, mich mit dem Schmerz auseinanderzusetzen, der mich überkommt. Snape ist plötzlich in mir und fängt an, sich zu bewegen. Mein Körper jedoch scheint sich weit mehr dagegen zu wehren, als ich angenommen hatte. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass mein Verstand messerscharf arbeitet, um mir begreiflich zu machen, dass wir das streng genommen gar nicht tun dürften. Es ist nicht richtig. Dennoch widersetze ich mich allen Warnungen und tue es einfach. Ich kann sehen, wie sehr er es braucht und obwohl sich alles so seltsam anfühlt, bin ich bereit, es zuzulassen. Ich weiß nicht einmal, wie ich es ausdrücken soll, das Gefühl, ihn in mir zu haben. Fest steht nur, dass es alles übersteigt, was ich bisher kannte. Es schmerzt und auch wieder nicht. Es ist reizvoll und zugleich erschreckend. Es fesselt mich und stößt mich gleichermaßen ab.

Ich lasse ihn gewähren und klammere mich dabei an den Gedanken, dass er mich niemals absichtlich verletzen würde. Abgesehen davon möchte ich nur zu gern wissen, was in ihm vorgeht. Er ist konzentriert, Schweiß steht auf seinen Schläfen...

Ich muss mir eingestehen, dass ich fasziniert von ihm bin, andernfalls würde ich alles versuchen, um das hier zu verhindern. Es wäre ja auch noch viel verrückter, es mit ihm zu tun, wenn dem nicht so wäre.

Er wird schneller, sein Atem scheint sich zu überschlagen. Nicht lange darauf erreicht er den Höhepunkt und löst sich tief in mir verborgen los.

Erschöpft bricht er auf mir zusammen.

Für eine ganze Weile bleibt er auf mir liegen, wie um zu vermeiden, mich versehentlich anzusehen. Früher oder später jedoch müssen wir uns wieder ansehen. Er ist immerhin mein Professor.

Aber ist das wirklich alles? Er hat so gut geschmeckt und so vertraut gerochen, dass ich bezweifle, ihn jemals wieder als das betrachten zu können, was er bisher für mich verkörpert hat.

Ich rümpfe die Nase, um mich daran zu erinnern. Jetzt riecht er nach Sex.

Plötzlich fällt mir ein, dass das mein Erstes Mal war. Ich schluchze leise auf. War es das wirklich wert? Wieso habe ich nicht damit gewartet, bis es mit jemandem passiert, der mir wirklich wichtig ist? Jemanden, den ich aus tiefstem Herzen liebe? Wieso musste Snape es sein, der mich dazu gebracht hat, das zu tun?

Oh Gott. Ich hatte tatsächlich Sex mit Snape! Was habe ich getan? Was haben wir getan?

Erst jetzt scheint die Realisation so richtig über mich hereinzubrechen und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.

Er hebt den Kopf und ich sehe in sein Gesicht. Der Ausdruck darauf ist ernst. Er weiß genauso gut wie ich, dass das, was hier gerade stattgefunden hat, eine Katastrophe zur Folge haben könnte. Niemand darf jemals davon erfahren...

„Wir – wir hätten das nicht tun dürfen", stammle ich ungläubig vor mich hin.

Er nickt. Beinahe glaube ich, dass er zittert. Aber ich will nicht, dass er jetzt schwach ist. Der Moment dafür könnte nicht ungünstiger sein, denn ich fürchte, ich stehe am Rande eines Zusammenbruchs.

„Warum haben Sie das gemacht?", klage ich ihn an. „Warum haben Sie das zugelassen?"

„Ich habe Sie gewarnt, Granger. Aber Sie wollten nicht auf mich hören."

„Gewarnt? Soll das heißen, Sie wussten, dass das passieren könnte? Sind Sie … stehen Sie vielleicht auf mich?"

Entsetzt ringt er nach Luft, doch ich komme ihm zuvor.

„Sie sind doch nicht etwa in mich verknallt, oder?"

Er schluckt.

„Nun machen Sie aber mal halblang, Granger. Ich habe nicht gesagt, dass Sie hierbleiben sollen. Ich habe Sie aufgefordert, zu gehen ..."

„Und wenn schon! Dass ich geblieben bin, war doch nicht gleich eine Einladung, mit mir zu schlafen! Ich habe noch nie zuvor ..."

Er hebt eine seiner Brauen an und wartet darauf, dass ich den Satz vollende, doch ich bringe es nicht über mich. Hat er das die ganze Zeit über gewusst? Wusste er, dass das mein erstes Mal sein würde?

Peinlich berührt und mit entsprechendem Eifer schiebe ich ihn weg. Snape gleitet von mir und richtet sich auf. Er vergeudet keine Zeit, seine Männlichkeit in der Hose zu verstauen und seine Sachen zu richten. Ich komme ebenfalls auf die Beine und tue es ihm gleich. Der ganze Raum ist erfüllt von eisiger Stille, lediglich seine Gewänder rascheln hektisch, dann ist es vollbracht.

Wir stehen voreinander und wissen offenbar beide nicht so recht, wo wir hinsehen sollen.

Mein ganzer Körper bebt.

"Wir haben nicht mal verhütet", kommt es panisch über meine vibrierenden Lippen.

Sofort hat er den Zauberstab in der Hand, geht vor mir auf die Knie und richtet ihn auf meinen Bauch. Ich spüre eine seltsame Wärme in meinem Unterleib. Was genau er dort macht, kann ich natürlich nicht sagen, nur erahnen. Hauptsache ist jetzt, dass er die Nerven behält, denn für mich ist alles ein ungemein großes Rätsel.

Nach getaner Arbeit richtet er sich wieder auf und fährt sich mit den Fingern durch seine Strähnen.

"Ich kann dafür sorgen, dass Sie nie mehr daran denken müssen, wenn Sie das wollen", sagt er starr.

Blankes Entsetzen legt sich über mein Gesicht.

"Wie meinen Sie das?"

Kaum habe ich es ausgesprochen, wird mir klar, was er damit sagen wollte. Ich muss mich unbewusst schütteln. Er hat mich nicht dazu gezwungen, das zu tun, soviel steht fest. Ich wollte es, weil die Vorstellung, ihn näher kennenzulernen, mich nicht losgelassen hat. Ursprünglich hatte ich ja sogar vor, etwas auf die Schliche zu kommen oder ihn bei irgendeiner geheimnisvollen Tat zu enttarnen. Nun ist alles anders gekommen. Ich glaube dennoch nicht, dass ich bereit bin, es einfach so abzuhaken. Immerhin waren da ja noch unsere Küsse und das Gefühl, ihn ganz nah bei mir spüren zu wollen.

"Nein", sage ich schließlich. "Das kommt gar nicht infrage."

"Warum nicht? Es wäre bedeutend einfacher so."

"Nicht für mich", beharre ich entschieden. "Ich bin nicht so feige, dass ich meine Fehler auf diese Art auslöschen möchte, denn genau das war es, Professor. Es war ein schrecklicher, nicht wiedergutzumachender Fehler. Aber damit muss ich leben. Es soll mich daran erinnern, dass ..."

Dass ich alles kaputt gemacht habe? Dass ich es mir eigentlich ganz anders vorgestellt habe?

Ich kann nicht weitersprechen. Unzählige Tränen in meinen Augen nehmen mir die Sicht. Ich stürze nach vorn und werfe mich an seine Brust.

Snape legt behutsam seine Hände auf meine Schultern und hält mich fest.

"Wie gesagt, es wäre einfacher", murmelt er leise.

Während ich seine Worte auf mich einwirken lasse, schließe ich die Augen und schlinge nach Halt suchend meine Finger um seine Knöpfe.

"Aber Sie wüssten es", sage ich in die Stille hinein, die mich schier zu erdrücken droht.

Er nickt kaum merklich mit dem Kopf.

"Es war mein Fehler, Granger. Nicht Ihrer."

Es ist anständig von ihm, dass er das sagt. Aber ist das wirklich so? Ich weiß es nicht. Er ist zwar für mich verantwortlich, nicht umgekehrt, trotzdem hätte ich wissen müssen, dass es Nachwirkungen zeigen würde, mich auf so etwas einzulassen. Es ist schließlich etwas anderes, mit jemandem zu schlafen, den man liebt, als es einfach nur so geschehen zu lassen, weil man neugierig auf diese Person ist. Und selbst jetzt, wo ich mich so hilflos an ihn hänge, bezweifle ich, dass meine Kuriosität in Bezug auf ihn gänzlich gestillt ist. Es tut gut, bei ihm zu sein. Er ist einfach nur da und gibt mir Zeit, alles zu überdenken und die verschiedenen Blickwinkel mit einzubeziehen, die in unserem Fall eine Rolle spielen.

Sein Atem hat sich beruhigt. Er geht gleichmäßig und tief. Ganz nebenbei höre ich das Schlagen seines Herzens an meinem Ohr und bilde mir ein, dass es mir Trost spendet.

„Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll", entfährt es mir in Gedanken.

Er schweigt. Habe ich wirklich geglaubt, er würde eine Antwort darauf wissen? Die einzige Lösung, die wirklich Sinn machen würde, habe ich abgelehnt. Und das aus gutem Grund. Ich will nicht, dass er alleine sich schuldig fühlen muss, während ich ahnungslos von vorne beginnen kann. Noch dazu kommt es mir eigenartig vor, dieses Ereignis schlechter zu machen, als es war. Etwas anderes wäre es vermutlich, wenn er sich meiner einfach so bemächtigt hätte. Aber das hat er nicht getan.

Tief in mir überlege ich, was wäre, wenn er nicht mein Professor wäre. Und noch ein Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf: Würde ich es genauso absurd empfinden, wenn ich mit einem Jungen meines Alters geschlafen hätte? Wie muss es sein, es zu tun, wenn man bis über beide Ohren in jemanden verknallt ist? Oder gar, wenn man jemanden aufrichtig liebt? Das ist, nehme ich an, ein gewaltiger Unterschied, denn Snape ist für mich weder dieser Junge, noch der Mann meiner Träume. Aber er ist gut zu mir gewesen, obwohl er so ungezügelt war. Vielleicht ist daher ja doch noch nicht alles verloren.