Once And For All

Kapitel 6

Es ist zu spät, sich etwas einzureden oder es zu beschönigen, zu spät, um es ungeschehen zu machen. Das bedeutet also noch lange nicht, dass ich der Angelegenheit etwas Gutes abgewinnen muss. Oder?

Jetzt, da das passiert ist, bin ich mir fast sicher, dass irgendwas mit Snape nicht stimmen kann. Ich sage nicht, dass ich besser bin, im Gegenteil. Wir wissen beide, wie falsch es war, diesen Schritt zu gehen. Ich brauche ihn nur anzusehen und erkenne einen ganz anderen Menschen in ihm. Er ist mir gegenüber nicht mehr so hart wie früher und wirkt erstaunlich verständnisvoll. Ich bin froh, dass er es offen vor mir zeigt, anstatt es hinter seinem üblichen Gehabe zu verbergen. Wir sollten uns nichts vormachen, um es nicht noch schlimmer werden zu lassen.

Trotz der Veränderungen kann ich nicht aufhören, der Sache mit ihm weiter auf den Grund zu gehen. Ich will ihn sehen, mit ihm reden, ihn verstehen. Immer wieder tauchen schemenhaft seltsame Bruchstücke in meinem Gedächtnis auf, die mich völlig aus dem Konzept bringen. Bilder, die so flüchtig sind, als bestünden sie aus Rauch. Gerüche, die ich irgendwann einmal wahrgenommen habe, als wären es leibhaftige Erinnerungen aus meinem Leben. Sie kommen und gehen und drücken mir die Kehle zu, dass ich kaum noch atmen kann. Sie sind da, greifbar und nah, aber kaum strecke ich die Hand danach aus, um sie aufzufangen, lösen sie sich wieder in ihre einzelnen Bestandteile auf. Es ist, als würden sie mir etwas mitteilen wollen. Aber was? Nur eines bleibt darin immer gleich: Snape. Er ist allgegenwärtig. Er ist einfach immer da.

Als ich ihn an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in seinem Büro aufsuchen will, bleibt die Tür verschlossen. Ich habe keine Ahnung, wo er ist und was er tut. Ich weiß nur, dass ich ihn sehen will, weil er mir auf eine absonderliche Art und Weise fehlt. Kann es vielleicht sein, dass ich mich nach so kurzer Zeit der Zweisamkeit derart an ihn gewöhnt habe? Oder bin ich nur auf der Suche nach jemandem, mit dem ich meinen Kummer und den Schmerz der nagenden Schuld teilen kann? Fast fühle ich mich einsam ohne ihn. Seine Stimme fehlt mir, die Blicke...

Auch am dritten Abend habe ich kein Glück. Wie verloren stehe ich vor seiner Tür und warte, aber er öffnet nicht.

Ich sehe mich um und als ich weiß, dass niemand mich beobachtet, verschaffe ich mir unerlaubterweise mit ein paar weniger geläufigen Zaubern Zugang zu seinem Büro. Er muss ziemlich paranoid sein, denn es sind genau gesagt eine ganze Menge Maßnahmen, die er ergriffen hat, um Leute wie mich davon abzuhalten, gewaltsam in sein Büro einzudringen. Andererseits macht es durchaus Sinn. Ich habe schon einmal etwas aus seinem Besitz entwendet, um heimlich mit Harry und Ron einen Zaubertrank damit zu brauen. Aber auch andere haben schon versucht, sein Büro zu durchsuchen, vermeintliche Kollegen und Gesandte des Ministeriums oder gar von Voldemort selbst.

Endlich schaffe ich es und trete ein. Da es stockfinster ist, entzünde ich einige Kerzen und schließe vorsichtig hinter mir die Tür.

Snape ist wie erwartet nirgends zu sehen. Ich gehe zu seinem Schreibtisch und werfe einen Blick darauf. Genau hier ist es passiert. Hier habe ich gelegen.

Ich muss frösteln. Inzwischen ist davon nichts mehr zu sehen und alles steht wieder ordentlich an seinem Platz, als wäre nie etwas vorgefallen. Selbst die Tintenfässer wirken unbeschadet.

Während ich so darüber nachdenke, fange ich instinktiv an, ein paar seiner Sachen näher unter die Lupe zu nehmen.

Auf den ersten Blick wirkt sein Büro nicht ungewöhnlicher als sonst, wenn man mal von den ekligen schleimigen Dingern in den Glasgefäßen Abstand nimmt, die die Wände säumen. Doch Snape wäre nicht Snape, wenn er nicht etliche Bücher hier aufbewahren würde. Was also nicht tot und in konservierender Lösung eingelegt ist, hat etwas mit Lektüre über Zaubertränke oder die Dunklen Künste zu tun.

Nachdenklich schreite ich die Regale an den Wänden ab und überlege, ob ich hier fündig werden könnte, was gar nicht so einfach ist, weil ich nicht einmal weiß, wonach ich eigentlich suche.

Auch die Pergamente auf seinem Tisch geben nichts her. Es handelt sich nur um Aufsätze, somit sind sie uninteressant für mich. Viel aufregender finde ich plötzlich, was sich in den Schubladen befinden könnte.

Ich zögere nicht lange und mache mich ans Werk. Aber auch hier kommt wieder nicht viel zum Vorschein, lediglich eine halb leere Flasche Whisky, einige saubere Bögen Pergament, ein paar Ersatzfedern und ein ganzes Bündel konfiszierter Schokofroschkarten sowie anderes Zeugs, das irgendwann einmal Schülern gehört haben muss. Zu guter Letzt fällt mir noch ein Stapel mit Briefen ins Auge. Die meisten sind Glückwünsche von McGonagall zum Geburtstag – wer hätte das gedacht! Einige stammen aber auch vom Zaubereiministerium und sind daher weniger freundlich. Beispielsweise geht es da um eine Vorladung bezüglich einer Untersuchung, die ihm angedroht wurde. Im nächsten kann ich lesen, dass Dumbledore persönlich sich darum gekümmert hat, das Ganze abzuwenden.

Ich durchkämme Schritt für Schritt den ganzen Stapel, es müssen so an die fünfzig Briefe gewesen sein. Einer handelt davon, dass Fudge ihm den Orden des Merlin verleihen wollte, der ihm jedoch sofort am darauffolgenden Morgen schriftlich aberkannt wurde. Komisch, aber jetzt, wo ich das lese, kann ich mich wieder genau an den Vorfall von damals erinnern. Und an die Beleidigungen, die er mir an den Kopf geworfen hat ... Ob Snape immer noch diesen Groll gegen Sirius hegt, obwohl er schon längst tot ist? Warum hat er diese Briefe aufgehoben? Was verbindet er damit?

Ich bin so aufgeregt, etwas Neues über ihn herauszufinden, dass ich einfach weitermache. Der letzte aber ist der eigenartigste. Er ist an Remus Lupin adressiert, unseren ehemaligen und bei fast allen Schülern beliebten Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, der uns leider am Ende des dritten Schuljahres verlassen hat. Ich konnte ihn immer gut leiden und habe auch hin und wieder Kontakt zu ihm, da er ein Mitglied im Phönixorden ist. Kurios an dem Brief ist jedoch, dass er meine Unterschrift trägt. Als ich das sehe, muss ich zweimal hinsehen, doch es ist eindeutig meine Handschrift, die sich durch die Zeilen zieht. Irgendwie kommt mir das komisch vor, wie in einem längst vergangenen Traum. Auch wenn ich ihn mag, wieso sollte ich jemals einen Brief an Lupin schreiben?

Ich komme nicht weit, mich mit dem Inhalt auseinander zu setzen, da höre ich ein wütendes Zischen hinter mir und wirble herum.

„Auf frischer Tat ertappt, Granger", sagt Snape mit kalter Stimme.

Seine schwarzen Augen glitzern mich erwartungsvoll an. Mir jedoch ist einfach nur zum Kotzen übel zumute. Ich lasse von dem Brief ab, der langsam auf den Tisch herab segelt. Er verspottet mich, weil ich ihn schon in den Händen hatte und doch nicht weiß, was er vor mir verbirgt.

Snape scheint es ihm gleichzutun. Dass er mich hier beim Herumschnüffeln erwischt, habe ich nicht gewollt. Wieso verdammt nochmal habe ich ihn nicht gehört?

„Ich dachte mir, dass Sie wiederkommen", fährt er leise zwischen den Zähnen hindurch murmelnd fort, den Zauberstab drohend auf mein Gesicht gerichtet, während er langsam näher schwebt. „Das wirft nur noch die Frage auf, wieso Sie an drei Abenden hintereinander hier aufkreuzen."

Erst jetzt, wo er vor dem Schreibtisch angelangt ist, bleibt er stehen und sieht mich mit erhobener Braue an.

„Was Interessantes gefunden?"

Ich schüttle zuerst den Kopf, dann zucke ich mit den Schultern. Was soll ich ihm darauf nur antworten? Und wieso weiß er, dass ich schon zuvor versucht habe, ihn zu besuchen?

„Professor, bitte, dieser Brief -"

Ich habe keine Chance, richtig zu Wort zu kommen, so schnell unterbricht er mich.

„Das würde Ihnen so passen, nicht wahr? Einfach hier eindringen und ungeschoren wieder davonschleichen. Aber so leicht wird es nicht werden, Granger."

„Ich gebe zu, dass ich das nicht hätte tun dürfen", sage ich so aufrichtig ich kann. „Aber ich denke, ich habe ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. Ich bin nicht blöd, Professor. Ich weiß, dass hier irgendetwas vor sich geht. Bitte sagen Sie es mir."

Snape lässt die Hand sinken und ich bilde mir ein, dass sie leicht zittert. Eindringlich sehe ich ihn an und alles Eindrucksvolle an seinem Auftreten ist mit einem Schlag wie weggefegt. Etwas in ihm wirkt auf seltsame Weise gequält, selbst seine scharfen Augen flackern unruhig zwischen mir und dem Brief umher, den ich gefunden habe.

„Es war nicht meine Idee", sagt er leise und steckt den Zauberstab weg, was ehrlich gesagt völlig untypisch für ihn ist. Ich hätte nicht gedacht, dass er sich nach diesem Vorfall eben so einfach entwaffnen lässt, aber mit einem Mal scheint sein Ärger auf mich verflogen zu sein. Was kann es damit auf sich haben? Plötzlich besinnt er sich eines Besseren und strafft seine Haltung.

„Nehmen Sie Platz, Granger", sagt er streng und deutet mit einem Kopfnicken auf seinen Stuhl hinter dem Schreibtisch, während er sich gegenüber von mir auf den anderen niedersinken lässt.

Ich gehorche und setze mich. Wohl fühle ich mich dabei jedoch nicht. Sein Gesicht ist so lieblos auf meines gerichtet, dass ich am liebsten nur die Tischplatte anstarren würde. Da auch sie nicht dazu beitragen kann, meine Gedanken an das Vergangene zu ordnen, begnüge ich mich mit den Knöpfen auf seiner Brust.

„Also", fange ich zerstreut an. „Sie haben neulich davon gesprochen, mein Gedächtnis zu verändern. Haben sie – haben Sie das vielleicht bereits zuvor gemacht?"

„Die Fragen stelle ich, nicht Sie -"

„Sir, bitte! Ich meine, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber das mit uns ist alles etwas eigenartig. Ich bilde mir ein, gewisse Dinge erlebt zu haben, Ereignisse, Träume, die unmöglich stattgefunden haben können. Jedenfalls nicht so, dass ich mich wirklich daran erinnern kann."

Ich sehe ihn an. Jetzt ist er es, der meinem Blick ausweicht. Ich bin also nicht die Einzige, der das Thema unangenehm ist.

„Und?", fragt er steif.

„Ich glaube, Sie wissen genau, worum es hier geht."

Snape schließt die Augen und atmet tief und langanhaltend ein.

„Also gut, Granger", sagt er schließlich und sieht mich abwägend an. „Was wollen Sie wissen?"

„Was ich - die Wahrheit! Ich will alles wissen. Alles. Wenn das stimmt, was ich mir zusammengereimt habe, lassen Sie uns ganz am Anfang beginnen. Wann hat das angefangen? Wie konnte es überhaupt soweit kommen?"

Er scheint nicht sonderlich überrascht, als er das hört, denn die erste Antwort kommt prompt.

„Es hat angefangen, als wir uns zum ersten Mal nähergekommen sind."

„Zum ersten Mal? Was zum …"

In mir überschlägt sich alles. Eine böse Vorahnung beschleicht mich, die sich durch die Bruchstücke irgendwelcher Erinnerungen zu bestätigen scheint.

„Dann ist das mit diesem Gedächtniszauber also öfter passiert?"

„Sie haben mich darum gebeten, Granger. Interpretieren Sie nur nicht zu viel hinein."

Als würde ich das jemals tun. Bedenklich ist eher, was mich dazu gebracht haben könnte, mich ihm schon früher angenähert zu haben oder auch, was wir noch getan haben könnten, damit ich ihn beauftragt habe, mir meine Erinnerungen daran zu nehmen. Wer von uns hat überhaupt damit angefangen?

„Ist das die Wahrheit?"

Er nickt kurz angebunden.

„Weiter", sage ich unwirsch.

Ich bin so ungeduldig, dass ich es kaum erwarten kann, es endlich hinter mich zu bringen. Wenigstens scheint nun langsam alles einen Sinn zu ergeben. Wie er mich angesehen hat, was zwischen uns passiert ist … Es würde auch erklären, wieso ich hin und wieder gefühlsbedingt so neben mir stehe. Sicherlich hängt es damit zusammen, dass es ein gewisses Risiko in sich birgt, den Gedächtniszauber zu oft hintereinander anzuwenden.

„Es fing letzten Sommer an", sagt er und ich höre ihn hart schlucken. „Sie waren im Grimmauldplatz zu Besuch und wir sind uns dort hin und wieder begegnet."

Snape verstummt und sieht mich unbeholfen an. Auch mir fehlen die Worte. Letzten Sommer ... Als ich noch sechzehn war? Und er hat das alles die ganze Zeit über gewusst? Ich kann mich nur wage daran erinnern. Wenn das stimmt, muss das gewesen sein, bevor ich zum Fuchsbau übergesiedelt bin.

„Können Sie nicht etwas präziser werden?", dringe ich weiter. „Was genau hat das zu bedeuten?"

„Es bedeutet", sagt er schwer, „wir haben angefangen, Kontakt zueinander zu knüpfen. Niemand wusste davon ..."

„Wie sah dieser Kontakt aus?"

„Ich bin nicht stolz darauf", sagt er kopfschüttelnd.

Das sehe ich. Er macht einen ziemlich verstörten Eindruck auf mich, was ich ihm nicht einmal verübeln kann, wenn er diesen ganzen Ballast mit sich herumschleppen muss, an den ich mich nicht mehr erinnern kann. Trotzdem würde ich gern weitermachen. Ich will wissen, was passiert ist. Ich will wissen, wieso das passiert ist. Vor allem aber möchte ich klären, ob wir uns etwas zu schulden kommen lassen haben und wer von uns damit angefangen hat.

Langsam fängt er an, mir davon zu berichten, wie ich aus Sicherheitsgründen in Begleitung eines Ordensmitglieds dazu beauftragt wurde, zum Grimmauldplatz zu reisen. Dumbledore muss ziemlich besorgt gewesen sein, wenn er das angeordnet hat. Des Weiteren erzählt er mir, wie wir uns dort zufällig über den Weg gelaufen sind, wenn der Orden ein Treffen hatte. Snape kam und ging. Hin und wieder waren wir auch allein im Haus, wenn die Wachen ausgetauscht wurden oder Tonks weg musste, weil es einen Notfall in der Aurorenzentrale gab. Irgendwann habe ich ihn auf dem engen Flur versehentlich angerempelt und, wie er es sagt, in ein Gespräch verwickelt. Ich denke her, dass er mich dafür zur Schnecke machen wollte und ich ihm Kontra gegeben habe, aber was soll's. Wir wollen doch nicht kleinlich sein.

Langsam fügt sich für mich alles in ein einigermaßen überschaubares Bild. Unsere ersten Blicke, die anfänglich zaghaften Berührungen, der erste Kuss. Schockiert stelle ich fest, dass ich mich getäuscht habe, als ich neulich nach unserem ersten Mal so zusammengebrochen bin. Ich war gar keine Jungfrau mehr. Wir haben es bereits damals getan.

Aber es geht noch weiter. Zurück in Hogwarts muss ich versucht haben, mich ihm zu nähern. Ich kann nicht nachvollziehen, ob das stimmt und er die Wahrheit sagt oder nicht. Vorläufig will ich ihm glauben.

„Und dann haben Sie es getan", schließe ich mit belegter Stimme. „Sie haben eingewilligt und alles ausgelöscht."

Er antwortet nicht.

Wütend und verletzt gleichermaßen schnaube ich ihn an.

„Wie oft ist es geschehen?"

Wieder schluckt er und sein Kehlkopf vibriert ersichtlich.

Wir haben offenbar insgesamt vier Mal miteinander geschlafen, ein weiteres Mal habe ich ihn kurz davor zurückgewiesen.

„Wie soll das denn jetzt weitergehen?", will ich wissen.

Mich beunruhigt zutiefst, dass er es weiß, wohingegen ich ein schwarzes Loch vor mir sehe. Zugleich bestätigt es meine Vermutungen, dass ich mich stärker zu ihm hingezogen fühlen muss, als ich es mir eingestehen kann. Ob es andersherum genauso ist? Ich bin mir nicht sicher, aber es wäre möglich, denn wenn wir jedes Mal wieder aufeinandergeprallt sind, gehören immer noch zwei dazu.

„Sie sagten, Sie haben mich nicht gezwungen?"

Er sieht mich so vorwurfsvoll an, dass ich nicht weiter nachhake. Vorerst.

„Werden Sie es wieder tun? Ich meine … werden Sie den Zauber wieder anwenden?"

Die Stille lässt mich stutzig werden. Dass er nicht antwortet, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er zumindest darüber nachzudenken scheint oder sich längst entschieden hat.

„Sie sind gewissermaßen außer Kontrolle geraten, Granger", setzt er zur Erklärung an.

„Ich? Wir sind außer Kontrolle geraten!", berichtige ich ihn hastig.

„Miss Granger, bitte hören Sie zu. Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, es rückgängig zu machen."

„Tatsächlich?", sage ich ironisch. „Warum haben Sie es dann nicht schon längst getan?"

„Weil bisher nicht die Notwendigkeit bestand. Sie haben nicht danach gefragt."

Ist das zu fassen?

„Wie sollte ich das auch, wenn Sie mir meine Erinnerungen genommen haben?"

Ich bin kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Hat er überhaupt eine Ahnung davon, was in mir vorgeht?

„Ich verstehe, dass Sie durcheinander sind", sagt er ruhig. „Es war meine Schuld, mein Fehler. Ich hätte es nie soweit kommen lassen dürfen. Wenn Sie das wollen, werde ich die volle Verantwortung dafür übernehmen."

Das könnte ihm so passen!

Ich springe auf und herrsche ihn an: „Und damit soll es dann gut sein, ja? Sind Sie verrückt?"

Snape erhebt sich ebenfalls. Langsam. Dann stehen wir uns gegenüber. Er ist nach außen hin gefasst, ich hingegen alles andere.

„Ich muss mir das erst durch den Kopf gehen lassen", sage ich in einem schwachen Ton. „Ich brauche etwas Zeit, um mir darüber klar zu werden, was ich will. Und Sie lassen inzwischen die Finger von mir, verstanden? Das bedeutet, Sie rühren mich nicht an und wenden auch keine Tricks oder Zauber an, bevor ich es Ihnen nicht ausdrücklich erlaube."

Meine Atmung überschlägt sich beinahe und meine Nase kribbelt verräterisch. Ich kann nicht verhindern, dass mir Tränen in die Augen dringen.

Snape öffnet den Mund.

„Ich habe nie etwas getan, was Sie nicht wollten. Wenn dem so war, dann nur, weil ich dachte, es wäre zu Ihrem Besten, Granger. Glauben Sie mir das?"

Ich lache auf. Glaube ich ihm das? Kann ich glauben, dass er nur mit mir geschlafen hat, weil ich das so wollte? Oder dass ich ihn tatsächlich darum gebeten habe, mir meine Erinnerungen daran zu nehmen?

„Ich werde darüber nachdenken", sage ich so gefasst ich es über mich bringe und wanke auf zittrigen Beinen aus seinem Büro.