Kapitel 2 - Überraschung im Krankenflügel (Teil 2)

„Das ist doch die Stimme von Fred" stammelte Ginny fassungslos.

„Gut erkannt kleine Schwester" kam es heiter hinter dem Vorhang hervor, bevor Percy etwas dazu sagen konnte.

Der Vorhang öffnete sich und auf dem Bett saß ein grinsender Fred Weasley, dessen Grinsen ob der erstaunten Gesichter der Anwesenden noch breiter wurde.

„Was ist ...", „wie kann ...", „aber das ..." stürzten die Fragen auf Fred und Percy ein.

„Immer langsam, ich erzähle es euch ja" sagte Fred langsam und genoss sichtlich die erwartungsvollen Blicke der anderen.

„Also, nachdem ich im Duell nicht ganz so glücklich aussah" begann Fred, wurde jedoch von Percy unterbrochen.

„Nicht glücklich?" echote Percy. „Du warst tot man".

„OK" sprach Fred weiter „ich habe im Duell verloren und spürte den Todesfluch. Danach wurde alles um mich herum langsam Schwarz. Irgendwann sah ich einen Blitz wie durch einen grauen Schleier und spürte plötzlich eine Wärme und ein Licht. Ich kann es einfach nicht anders beschreiben. Und nachdem das Licht verschwunden war, ließ auch die Wärme langsam wieder nach. Und mit jedem bisschen Wärme, das meinen Körper verließ, kehrten die Schmerzen zurück. Da wurde mir klar, ich kann nicht tot sein, wenn ich die Schmerzen spüren konnte. Auch wenn ich mir es nicht erklären konnte. Da ich mich allerdings noch nicht rühren konnte, rief ich um Hilfe."

Alle starrten Fred an und sagten keinen Ton.

„Ihr solltet Euch mal sehen" spottete Fred. „So überrascht sah nicht mal Prof. Flitwick aus, als er merkte, dass ich wieder unter den Lebenden weilte."

Langsam erwachten die fünf DA-Mitglieder aus ihrer Starre und Madme Pomfrey verzichtete darauf, jeden Einzelnen wieder ins Bett zu stecken, da es sinnlos gewesen wäre. Sie lies es zu, dass alle auf Fred einstürmten und ihn umarmten.

Nachdem sie wieder voneinander gelassen hatten, sah Fred fragend in die Runde „Wo ist denn Harry?" ehe Percy ihn stoppen konnte.

An der schlagartig verschwundenen Freude in den Gesichtern erkannte Fred, dass er wohl etwas Falsches gesagt haben musste. „Aber er hat doch den, dessen Name nicht genannt ..." setzte er erneut zum Sprechen an, aber Percy unterbrach ihn gleich wieder.

„Fred, Harry ist momentan kein gutes Thema. Ich erkläre es Dir gleich, wenn wir uns auf den Weg zu unserer Mutter machen."

„Die wird gleich noch mal so schnell gesund, wenn sie dich wieder sieht." frohlockte Percy und versuchte die Stimmung zu retten.

„Und wir?" kam es von Ginny und Ron im Chor.

„Morgen könnt ihr aus der Krankenstation und dann ist eure Mutter sicher kräftig genug, um die ganze Familie zu verkraften" versuchte Madame Pomfrey ebenso die Stimmung wieder etwas zu lockern.

Nicht ganz zufrieden mit der Antwort aber mit der Gewissheit, bald auch ins St. Mungos zu ihrer Mutter zu dürfen, gingen Ginny und Ron wieder in ihr Bett und ließen sich wortlos den Trank von Madame Pomfrey geben.

„Und für sie gilt das gleiche Miss Granger, Miss Lovegood und Mister Longbottom. Ab in die Betten und nehmen sie ihren Tank! Dann können auch sie morgen den Krankenflügel wieder verlassen."

Nachdem alle ihren Trank zu sich genommen hatten, dauerte es nicht lange, bis sie wieder in ihren Heilschlaf gefallen waren. Das Letzte was sie sahen waren Fred, Percy, Nevilles Großmutter und Lunas Vater, die gemeinsam langsam den Krankenflügel verließen.

Die Sonne schien durch die Fenster des Krankenflügels und kitzelte Hermine an der Nase, als sie am nächsten Morgen erwachte. Sie schreckte nicht gleich wieder hoch und hatte auch etwas Farbe im Gesicht, was Madame Pomfrey mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis nahm.

„Guten Morgen Miss Granger" begrüßte Madam Pomfrey ihrer Patientin. „Wie mir scheint, geht es ihnen heute bedeutend besser." „Heißt das, ich kann den Krankenflügel verlassen" kam sofort die Frage von Hermine.

„Da sie so weit wieder hergestellt sind und auch wieder bei Kräften sind, kann ich es wohl verantworten, sie gehen zu lassen. Noch eine Nacht würde ich sie wohl eh nicht hier behalten können" entgegnete Madame Pomfrey mit säuerlicher Mine.

„Und wir?" kam es von den anderen Betten wie mit einer Stimme.

„Was soll ich nur mit Euch machen?" kam es von Madame Pomfrey, inzwischen weniger säuerlich als vielmehr belustigt. „Ja, auch ihr könnt den Krankenflügel verlassen."

Schnell wurden die Vorhänge geschlossen und die fünf zogen sich in aller Eile um. Bevor sie allerdings aus dem Krankenflügel stürmen konnten, stellte sich ihnen Madame Pomfrey noch ein Mal in den Weg.

„Nicht so schnell" hielt sie ihnen entgegen. „Jeder noch einen Schluck Stärkungstrank, bevor sie sich auf den Weg machen".

Madame Pomfrey hatte das Gefühl von einem Rudel Werwölfe angefallen worden zu sein, so schnell wurden ihr die Becher mit dem Stärkungstrank aus den Händen gerissen. Und ehe sie sich versah, stand sie allein in der Eingangstüre mit fünf leeren Bechern auf dem Tablett und sah nur noch eine kleine Staubwolke im Gang.

„Kinder!" dachte sie so bei sich. „Obwohl, sind das noch Kinder ...?"

Sie hatten kaum das Ende der Treppe erreicht, als auch schon Prof. McGonagall, Mr. Lovegood, Mrs Longbottom, Fred und Percy auf sie warteten.

„Komm Luna, es wird Zeit nach Hause zu gehen" brach Mr. Lovegood das Schweigen.

„Aber ich will mit! Harry suchen!" entgegnet Luna ihrem Vater und wirkte auf ein Mal gar nicht mehr so verträumt.

„Und ich auch, Großmutter" kam es von Neville „bevor Du mir mit dem gleichen Vorschlag kommst".

„Wir natürlich auch" kam es von den Weasleys. „Allerdings wollen wir erst mal zu unserer Mutter" beendeten sie ihren Satz und man merkte, wie hin und her gerissen sie waren zwischen dem Gefühl ihre Mutter zu besuchen und Harry zu suchen.

Lediglich Hermine sagte keinen Ton. Und der Grund war offensichtlich, wenn man sich ihre Augen ansah. Sie kämpfte mit ihren Tränen.

„Ich bin doch sonst nicht so nah am Wasser gebaut" schimpfte sich Hermine in Gedanken selber. „Was ist nur los mit mir".

„Ich sehe" mischte sich Prof. McGonagall ein „sie sind alle schon wieder tatendurstig, viel zu tatendurstig."

„Worauf sie sich verlassen können" kam es von Hermine mit einem leicht trotzigen Unterton.

„Schön" sagte Prof. McGonagall, ohne auf Hermines Bemerkung einzugehen „dann will ich ihnen nun das weitere Vorgehen erklären".

„Wir Professoren haben uns die letzten Tage durch die ältesten Archive gearbeitet, die es in Hogwarts gibt. Wir haben Eulen an die ältesten und weisesten Zauberer geschickt, mit der Bitte uns zu helfen. Denn das, was mit Mr Weasley und Mr Potter passiert ist, hat nichts mit der Magie zu tun, die wir so gemeinhin kennen. Da mit Mr Weasley alles in Ordnung zu sein scheint, konzentrieren wir unsere Bemühung auf Mr Potter. Wir reden hier von wirklich alter Magie. Magie, die seit Jahrhunderten vergessen ist und vermutlich zur Zeit der Gründung von Hogwarts das letzte Mal von Zauberern richtig beherrscht wurde. Und das braucht seine Zeit" beendete Prof. McGonagall ihren kurzen Vortrag.

„Zeit? Wir haben keine Zeit! Wer weiß, in welchen Problemen Harry vielleicht steckt" begehrte Hermine auf, die ein leichtes Schluchzen in ihrer Stimme kaum unterdrücken konnte.

„Miss Granger" wandte sich Prof. McGonagall mit sanfter Stimme an sie „bedenken sie, aus welchen Situationen Mr Potter schon entkommen ist. Er ist ein außergewöhnlicher Zauberer in dem mehr steckt, als er selber ahnt. Er kann sich seiner Haut erwehren, sollte es nötig sein. Und glauben sie mir, wir arbeiten so schnell wir können."

„Ich weiß" gab Hermine klein bei „aber ...".

„Schon gut" unterbrach sie Prof. McGonagall und legte in einer für sie ungewohnten Art Hermine eine Hand auf die Schulter. „Ich verstehe sie besser als sie denken".

„Und wie geht es jetzt weiter?" brachte Mr. Lovegood das Gespräch zurück zum Thema.

„Das wollte ich gerade erklären" entgegnete Prof. McGonagall.

„Mr Lovegood, sie und ihre Tochter gehen zu sich nach Hause und erholen sich von all dem, was hier passiert ist. Und keine Angst Miss Lovegood" fügte Prof. McGonagall hinzu, als sie Lunas Gesicht sah „sobald die Suche losgeht erhalten sie eine Eule. Das Gleiche würde ich auch ihnen raten, Mrs Longbottem. Nehmen sie ihren Enkel mit nach Hause und lassen sie es sich ein paar Tage einfach gut gehen."

„Und wir gehen ins St. Mungos, wo sich unsere Mutter darauf freut, euch wieder zu sehen" sagten Fred und Percy wie aus einem Mund zu Ginny und Ron. „Aber sagt Mum nichts von Harry. Sie ist zwar fast wieder genesen, soll sich aber nicht aufregen. Und da sie Harry mehr oder weniger als Familienmitglied ansieht, wäre das jetzt nicht der rechte Moment. Wir haben sie im Glauben gelassen, dass Harry in einem Heilschlaf im Krankenflügel von Hogwarts liegt."

„Dann bleiben noch Sie Miss Granger" wandte sich Prof. McGonagall an Hermine.

„Wir werden jetzt erst mal zu ihnen nach Hause gehen und dort ihre Eltern auf den aktuellen Stand bringen. Ich war gestern schon kurz bei ihnen und habe sie in groben Zügen über die letzten Monate aufgeklärt. Sie sehnen sich danach, sie wieder zu sehen."

„Nun gut, wenn keiner mehr etwas zu sagen hat, dann folgen sie mir bitte in mein Büro" rief Prof. McGonagall zum Aufbruch. „Der Kamin ist inzwischen wieder ans Flohnetzwerk angeschlossen. So sollte es am schnellsten gehen"

Nachdem sich alle kurz voneinander verabschiedet hatten, trennten sie sich mit der Gewissheit, in wenigen Tagen wieder vereint zu sein, um die Suche nach Harry Potter zu beginnen.