Sorry, es hat etwas länger gedauert. Dafür gibt es dieses Mal auch keine zwei Teile.
Dann mal ein schönes Wochenende und viel Spaß an alle meine Leser und besonders an meine Reviewer!
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Kapitel 6 - Im Hexenhaus
„Mein Kleines" ertönte die Stimme ihrer Mutter an der Türe zur Küche. Hermine blickte auf und sah ihre Mutter wie durch einen Schleier, einen Schleier aus Tränen. Bevor Hermine etwas sagen konnte, hatte sich ihre Mutter auch schon wortlos neben sie gesetzt und in den Arm genommen.
„Mum, ich ... ich ..." begann Hermine mit zittriger Stimme.
„Psch" war das Einzige, was von ihrer Mutter kam, als sie liebevoll ihren Zeigefinger auf Hermines Lippen legte. „Du brauchst nichts zu sagen. Prof. McGonagall hat mir zumindest einen Teil eures Gespräches erläutert. Und nun wollen wir nach Hause. Es ist schon spät und Du brauchst erst mal wieder Ruhe. Oder immer noch?" gluckste sie und zu ihrer großen Freude huschte der Anflug eines Lächelns über Hermines Gesicht.
„Dann wollen wir mal" polterte Hermines Vater, als er mit Prof. McGonagall zur Tür hereinkam. „Auf zum Kamin und dann ab nach Hause."
„Und die anderen?" fragte Hermine vorsichtig.
„Machen sie sich darüber keine Gedanken, Miss Granger" entgegnete ihr Prof. McGonagall.
„Ihre Eltern haben sich bereits verabschiedet, und dass sie momentan Ruhe brauchen, werden alle einsehen. Zur Not werde ich es ihnen nachdrücklich erklären."
Beim letzten Satz funkelten Prof. McGonagalls Augen und Hermine wusste, was das bedeutete.
Oh ja, Prof. McGonagall konnte sehr überzeugend sein, wenn sie wollte. Das hatte sie in all den Jahren in Hogwarts mehr als ein Mal erlebt.
Ohne eine weitere Erwiderung stand Hermine auf und wand sich wortlos dem Kamin zu. Kurz vor dem Kamin blieb sie stehen.
„Wie erreichen wir eigentlich unser Haus?" wollte sie wissen in der plötzlichen Erkenntnis, dass ihr Haus in der Zaubererwelt normalerweise ja unbekannt war.
„Zum Hexenhaus" klärte sie Prof. McGonagall auf.
„Wir mussten dem Haus einen Namen geben, um den Kamin permanent ins Flohnetzwerk integrieren zu können." fuhr sie mit etwas belustigter Stimme fort. „Und ihre Mutter machte spontan den Vorschlag „Hexenhaus"."
Im Hexenhaus lief Hermine ohne sich noch ein Mal umzuschauen vom Kamin direkt die Treppe hoch in ihr Zimmer. Ihre Eltern schauten ihr mit etwas Sorge hinterher, als auch schon Madame Pomfrey aus dem Kamin kam.
„Tut mir leid Minerva" entschuldigte sie sich „ich habe mich etwas verspätet und Euch im Fuchsbau verfehlt."
„Das macht nichts Poppy" beschwichtigte sie Prof. McGonagall. „Wir sind auch erst vor wenigen Augenblicken hier angekommen. Sie haben den Trank dabei?"
„Was für einen Trank?" fragten Hermines Eltern besorgt.
„Keine Sorge" beruhigte sie Madame Pomfrey. „Es handelt sich nur um einen Trank, der ihr zu einem tiefen Schlaf verhilft. Also ähnlich wie der Trank, welchen sie ihrer Tochter bis vor Kurzem noch gegeben haben."
„Im Gegensatz dazu verursacht dieser Trank allerdings keinen traumlosen Schlaf. Damals war dies notwendig, da Hermine sowohl körperlich als auch seelisch am Ende war. Nun ist sie körperlich so weit wieder genesen, dass sie es verkraftet, sich im Traum ihren Gedanken zu stellen."
Die Erklärung stellte die beiden Grangers weitestgehend zufrieden. Dass sie nicht glücklich darüber waren, zeigte ihre Gesichter dennoch deutlich.
„Ich werde ihr den Trank am Besten gleich geben" sagte Madame Pomfrey und wandte sich zur Treppe während Prof. McGonagall ihr nachdenklich hinterher blickte.
„Und nun ist es Zeit, dass sie uns die ganze Geschichte erzählen" holte Mr. Granger Prof. McGonagall aus ihren Gedanken.
„Das werde ich nicht tun" entgegnete Prof. McGonagall.
Mr und Mrs Granger schauten sich überrascht an.
„Das ist die Aufgabe ihrer Tochter" fuhr Prof. McGonagall fort, ohne den Grangers eine Gelegenheit zu einer Erwiderung zu geben.
„Ihre Tochter wird sie die nächste Zeit brauchen, sei es zum Reden oder auch nur zum Zuhören. Wenn es so weit ist, dann tun sie das bitte auch. Lassen sie Hermine spüren, wie viel sie ihnen bedeutet. Machen sie ihr unterschwellig dabei klar, wie wichtig es ist, dass sie endlich auch ein mal ihr Herz anstatt immer nur ihren Verstand benutzen soll. Aber drängen sie sie dabei nicht."
„Madame Pomfrey oder ich werden öfters vorbeikommen, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist oder ob sie unsere Hilfe brauchen. Für alle Fälle schicke ich ihnen heute noch eine Eule, mit der sie mich zu jeder Zeit und an jeden Ort erreichen können."
„Hallo Miss Granger" sagte Madame Pomfrey freundlich, als sie Hermines Zimmer betrat.
Hermine lag auf dem Bett und starrte die Decke an.
„Hallo Madame Pomfrey" sagte sie mit leiser Stimme, ohne den Blick von der Decke zu nehmen.
„Ich habe hier einen Schlaftrunk für Sie" setzte Madame Pomfrey fort und näherte sich Hermines Bett.
„Es ist besser sie ziehen sich erst mal um und gehen ins Bett, da dieser Trunk recht schnell wirkt. Ich habe beim Zubereiten wohl etwas zu viel Florfliegen erwischt" versuchte Madame Pomfrey einen kleinen Witz.
„Ist schon OK" sagte Hermine, richtete sich auf und nahm ihr den Becher aus der Hand.
„Ich kann auch so schlafen" sagte sie und trank den Becher in einen Zug leer.
Madame Pomfrey nahm ihr den Becher aus der Hand und Hermine legte sich zurück auf ihr Bett. Kaum hatte ihr Kopf das Kissen berührt, als auch schon die Augenlider begannen zuzufallen. Nach nicht ein mal einer Minute zeugte ein ruhiges und gleichmäßiges Atmen davon, dass Hermine eingeschlafen war.
Madame Pomfrey holte eine Decke aus dem Schrank und legte sie sanft über Hermine. Diese kuschelte sich dabei in ihr Kissen.
Madame Pomfrey löschte das Licht und verließ den Raum. Kurz vor dem Schließen der Türe hörte sie noch ein leises „Harry" von Hermine.
„Das ging ja sehr schnell" dachte Madame Pomfrey bei sich und lief die Treppe hinunter.
„Ah Poppy, hat Hermine ihren Trank genommen?" fragte Prof. McGonagall, kaum dass diese den Raum betreten hatte.
„Ja, alles in Ordnung" entgegnete diese knapp.
„Gut, dann wird es Zeit für uns zu gehen" eröffnete Prof. McGonagall den Grangers. „Wir sehen uns morgen wieder".
Und mit einem „Hogwarts" verschwanden Prof. McGonagall und Madame Pomfrey nacheinander im Kamin.
„Ich denke, es ist auch für uns Zeit ins Bett zu gehen" sagte Mrs Granger zu ihrem Mann.
„Es war ein langer und anstrengender Tag."
„Die nächsten Tage werden wohl nicht viel anders werden meine Liebe" dachte Mr Granger bei sich. Und der Ausdruck in den Augen seiner Frau zeigte ihm, dass sie haargenau das Gleiche dachte.
Hermine erwachte und blickte sich um. Sie war in ihrem Zimmer, das etwas aufgeräumter aussah als am Vortag, aber etwas war anders. Sie sah sich im Raum um und erstarrte. An ihrem Schreibtisch saß Harry.
„Harry!" hauchte Hermine.
„Hallo Hermine" antwortet Harry.
Etwas distanziert, wie Hermine empfand. Oder war sie einfach noch nicht ganz wach.
„Wie, was machst Du hier?" stammelte sie vor sich hin.
„Was ich hier mache? Ich sitze an Deinem Schreibtisch" gab ihr Harry belustigt zurück.
„Das meine ich nicht" kam es von Hermine „und das weist Du ganz genau".
„Na gut" reagierte Harry, „ich bin hier, weil Du mich sehen wolltest. Ich habe allerdings nicht viel Zeit."
„Oh Harry" fasste Hermine ihren ganzen Mut zusammen. „Wir müssen unbedingt reden."
„Aber das tun wir doch" erwiderte Harry gelassen.
„Ich meine über uns" fuhr Hermine fort, ohne auf Harrys Bemerkung einzugehen.
„Was gibt es da zu reden?" fragte Harry mit verständnislosem Blick.
„Ich meine, wie wir zueinander stehen" präzisierte Hermine ihre Aussage.
Diesmal kam keine Antwort von Harry. Er saß nur da und schaute Hermine an. Anscheinend wartete er darauf, dass sie weitersprach. Hermine richtete sich im Bett auf und atmete tief durch.
„Harry, ich will wissen, ob zwischen uns mehr ist als nur Freundschaft".
Damit war die Katze aus dem Sack.
„War doch gar nicht so schwer" sagte Hermine zu sich selbst in Gedanken und blickte erwartungsvoll Richtung Harry. Als Harry noch immer nicht reagierte, begann Hermine ihre Gedanken offen zu legen.
„Harry, da Du anscheinend noch nicht reden willst, werde ich Dir einfach mal meine Gedanken erzählen. Ich habe nur eine Bitte: unterbrich mich nicht."
Harry quittierte das mit einem Kopfnicken.
„Ich erinnere mich noch an unseren ersten Tag im Hogwarts Express. Du warst mit Ron in einem Abteil und er wollte seine Ratte umfärben. Und schon an diesem Tag haben mich Deine leuchtend grünen Augen fasziniert. Aber mit elf Jahren hat man noch keine Ahnung von solchen Sachen. Im Laufe des ersten Jahres war ich ziemlich oft genervt von Dir und von Ron und fühlte mich sehr oft alleine. Nun, bis zu diesem Tag mit dem Bergtroll. Als wir danach Freunde wurden, war dies der bis dahin glücklichste Tag in meinem ersten Schuljahr."
„Oder in unserem vierten Jahr, als alle glaubten, dass Du den Ruhm des Trimagischen Champions um jeden Preis haben wolltest. Ich wusste, dass Du nicht freiwillig Deinen Namen in den Feuerkelch getan hast. Woher ich das wusste, kann ich Dir nicht sagen. Ich habe Deine Augen gesehen und wusste einfach die Wahrheit."
„Und als Du dann den Drachen gegenüberstehen musstest, wäre ich vor Angst fast gestorben. Damals dachte ich noch, dass das normal unter Freunden, guten Freunden, ist. Aber der Moment als wir uns kurz in den Armen lagen hat ein unbestimmbares Kribbeln in mir hinterlassen."
„Und dann unsere letzten beiden Jahre. Als Du Ginny geküsst hast und mit ihr zusammen gekommen bist.
Ich habe mich gefreut für Euch beide, aber gleichzeitig habe ich viele Nächte in meinem Bett nicht geschlafen sondern nur geweint. Und da wurde mir bewusst, dass ich eifersüchtig war auf Ginny. Eifersüchtig auf meine beste Freundin. Ich fühlte mich schlecht dabei, konnte aber nichts gegen meine Gefühle tun."
Im Laufe ihrer Erzählung wurde Hermine immer leiser und hatte immer größere Probleme gegen ihre Tränen zu kämpfen. Als sie ihre Erzählung beendete und sich ihre Augen an der Bettdecke trocknete, begann Harry zu sprechen.
„Hermine, auch ich hatte im ersten Schuljahr mit Dir zu kämpfen. Einerseits warst Du eine nervige Besserwisserin und Streberin, andererseits konnte ich Dir, warum auch immer, nicht richtig böse sein.
Und als ich sah, dass Du in Gefahr warst, habe ich nicht nachgedacht sondern bin einfach auf den Troll gesprungen. Und es stimmt, es war ein gutes Gefühl anschließend Freunde zu sein."
„Und ja, im vierten Jahr warst Du meine große Stütze. Als niemand an mich glauben wollte, Du hast es getan. Du hast mir nur auf mein Wort hin geglaubt ohne einen Beweis zu fordern. Und unsere Umarmung, nun, ich kann Dir nicht sagen, was da passiert ist, aber ich spürte in diesem Moment eine nie gekannte Wärme und wusste plötzlich, dass mir kein Drache oder sonst etwas in diesem Turnier etwas anhaben könnte. Nicht gerade logisch, was?"
„Und das mit Ginny" stockte Harry „ist schwer zu erklären. Sie hat mich schon immer mehr oder weniger angehimmelt. Und in der einen oder anderen Situation, als Du mit Ron zum Beispiel in der Bibliothek warst, war Ginny bei mir. Und so hat es sich einfach ergeben. Ja, wir waren glücklich zusammen, aber nur kurze Zeit. Nach und nach erkannten wir beide, dass wir uns nur selber betrogen. Ginny „liebte" mich aufgrund des Faibles, welchen sie schon immer für mich hatte. Und ich „liebte" Ginny, weil Ginny einfach da war. Und so war es nur logisch, dass wir unsere Beziehung beenden mussten, um zumindest das zu bleiben, was wir eigentlich immer waren - sehr gute Freunde. Die Ausrede mit der Gefahr für Ginny habe ich bei Dumbledores Beerdigung nur gewählt, um ihr die Trennung etwas leichter zu machen. Aber ich denke, sie wusste es."
„Ein anderes Problem unsere Beziehung warst Du" gestand Harry. „Und das habe ich bisher noch niemanden gesagt. Auch wenn ich mit Ginny zusammen war und dann Dich und Ron zusammen gesehen habe, hat es mir immer wieder einen Stich versetzt. Aber genug davon" schloss Harry. „Über Gefühle zu reden war und ist nicht meine Stärke."
Harrys Gesicht hatte sich im Laufe seiner Schilderung kein bisschen verändert. Und auch jetzt schaute er nach wie vor ohne eine Regung im Gesicht zu Hermine, deren Augen beim Zuhören immer größer wurden.
„Aber dann, ..." begann Hermine, konnte den Satz aber nicht zu Ende sprechen, denn Harry unterbrach sie.
„Ich habe Dir gesagt, dass ich nicht viel Zeit habe. Ich muss wieder gehen."
Während er sprach, stand Harry auf und wandte sich in Richtung der Türe von Hermines Zimmer.
„Nein, geh nicht" schrie Hermine heraus. „Bitte bleib, lass mich nicht allein!"
Doch Harry hatte schon den Griff in der Hand und die Türe leicht geöffnet.
„Es war nie etwas zwischen mir und Ron. Das musst Du mir glauben. Ja, wir haben vielleicht etwas geflirtet, aber das war doch nur Spielerei."
Harry stockte kurz in der Türe und schaute sich noch ein mal zu Hermine um. Sein Gesicht zeigte nach wie vor keine Regung, seine Augen waren allerdings leicht zusammengekniffen, als ob er Probleme hätte, scharf zu sehen.
„Harry!" ergriff Hermine ihre letzte Chance „Ich liebe Dich!"
Ein Lächeln huschte über Harrys Gesicht. Hermine schaute ihm nach und bevor ein leises Klick davon zeugte, dass die Türe zu ihrem Zimmer wieder ins Schloss gefallen war, hörte sie noch ein letztes Flüstern von Harry „Ich liebe Dich auch, Hermine!"
„Nein!" schrie Hermine „komm zurück! Nein! Nein! Nein!"
Aber Harry kam nicht wieder. Ihren Gefühlen hingebend warf Hermine ihren Kopf ins Kissen und weinte.
Kurze Zeit später spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter, die sie sanft rüttelte.
„Hermine, wach auf" drang es langsam in ihren Kopf vor.
Sie drehte sich um und sah ins Gesicht ihrer Mutter. Es zeigte eine gewisse Besorgnis. Ihr Vater stand in der Türe und schaute zu den beiden herüber.
„Du musst einen schlimmen Traum gehabt haben meine Kleine" begann ihrer Mutter und nahm Hermine liebevoll in ihre Arme. „Du hast geschrieen, wie ich es noch nie von Dir gehört habe!"
Hermine war noch ganz durcheinander. War das mit Harry nur ein Traum? Aber es kam ihr so real vor.
„Willst Du uns etwas erzählen?" fragte ihrer Mutter, die Hermines in die Ferne gerichteten Blick richtig gedeutet hatte. „Dann wird es Dir besser gehen" ermunterte sie ihre Tochter und reichte ihr eine große Tasse Schokolade, die Mr Granger kurzerhand aus der Küche geholt hatte.
„Ja" antworte Hermine mit schwacher Stimme.
