ohne große Worte - weiter gehts.
Kapitel 7 - Zurück in Hogwarts
Nachdem Hermine geendet hatte, sah ihre Mutter sie lange an.
„Auf Empfehlung von Madam Pomfrey" sagte sie schließlich und gab Hermine einen großen Riegel Schokolade, da diese ihre Tasse die ganze Zeit über nicht angerührt hatte. Und tatsächlich zauberte ihr die Schokolade ein erstes Lächeln auf ihr Gesicht.
„Du liebst Harry also wirklich?" fragte ihre Mutter, obwohl sie die Antwort schon kannte.
„Ja" hauchte Hermine noch etwas kraftlos und erschöpft.
„Kommt ihr?" erklang die Stimme ihres Vaters, von dem sie gar nicht gemerkt hatte, dass er ihr Zimmer wieder verlassen hatte. „Das Frühstück ist fertig. Sonst esse ich all die feinen Sachen alleine."
„Ja, wir kommen" antworten beide, denn Hermine stellte fest, dass sie bei all dem Chaos, welches in ihr herrschte, vor allem eines hatte – Hunger.
Kaum dass Familie Granger am Tisch saß und sich die frischen Croissants schmecken ließ, erschienen Prof. McGonagall und Madame Pomfrey im Kamin.
„Guten Morgen zusammen" begrüßte Prof. McGonagall die am Tisch sitzenden.
„Guten Morgen" antworteten diese wie mit einer Stimme. „Setzten Sie sich doch und essen eine Kleinigkeit mit" schlug Mr Granger den beiden vor.
„Eine gute Idee" bestätigte Madame Pomfrey. „Wir sind schon einige Zeit unterwegs und so langsam kommt auch bei uns der Hunger zum Vorschein."
Die nächsten Minuten wurde am Tisch gar nicht gesprochen. Alle widmeten sich den Leckereien, die auf dem Tisch standen, bis auch der letzte Krümel vertilgt war.
„Wie geht es Ihnen, Miss Granger?" begann Madame Pomfrey das Gespräch wieder.
Hermine und ihre Mutter schauten sich an und Hermine begann, Teile der letzten Nacht zu erzählen.
„Mit so einer schnellen Reaktion habe ich nicht gerechnet" offenbarte Madame Pomfrey.
„Aber das macht die Sache doch etwas einfacher" ergänzte Prof. McGonagall erleichtert.
Und zu Hermine gewandt fuhr sie fort „Es tut mir leid Miss Granger, aber ich kann ihnen auch nicht sagen, ob diese Nacht wirklich nur ein Traum war. Was sind überhaupt Träume? Zudem war es ein, sagen wir mal, ungewöhnlicher Schlaftrank, den sie bekommen haben."
„Und ich muss es leider wieder sagen, Harry kam mit uralter Magie in Berührung und hat diese, bewusst oder nicht, eingesetzt. Das ist eine Situation, wie es sie bisher in der uns bekannten Zaubererwelt noch nicht gab."
„Es könnte durchaus sein, dass es nicht nur ein Traum war. Vielleicht waren ihre Liebe und ihre Verzweiflung in dieser Nacht so stark, dass es auch ohne Einsatz des Herz-Such-Zaubers zu einem unbewussten Kontakt ihrer beiden Herzen kam. Wenn dem so war, ist das ein sehr gutes Zeichen und wir können optimistisch an diesen Zauber herangehen." schloss Prof. McGonagall.
„Dann ist das weitere Vorgehen klar" erläuterte Prof. McGonagall den weiteren Verlauf.
„Morgen werden wir uns alle in Hogwarts wieder treffen und dann sehen wir weiter. Jetzt müssen wir aber schleunigst zurück und alles vorbereiten."
Hermine führte noch einige Gespräche mit ihren Eltern, bevor sie diese Nacht in einen traumlosen Schlaf fiel. Am nächsten Morgen wachte sie ruhig und ausgeruht auf, konnte aber ein gewisses Gefühl der Anspannung nicht leugnen.
„Heute ist also der Tag, an dem sich entscheiden sollte, ob Harry gefunden werden kann - oder gefunden werden will" dachte Hermine, während sie sich anzog. Sie freute sich jedenfalls darauf, Harry wieder zusehen. Allerdings hatte sie auch Angst vor dem Treffen und was mit Harry war. Dennoch hoffte sie, dass der Zauber funktionieren möge.
Es klopfte an ihrer Türe und ihre Mutter steckte den Kopf herein.
„Fertig?" fragte sie.
„Ja" antwortete Hermine. „Von mir aus kann es losgehen."
„Das ist gut, denn unten wartet schon Prof. McGonagall auf uns, um uns nach Hogwarts zu begleiten. Dort gibt es dann erst mal noch ein Frühstück. Und wenn ich Deine Lehrerin richtig verstanden habe, werden auch alle, die bei den Weasleys mitgefeiert haben anwesend sein."
Hermine zuckte kurz zusammen.
„Alle waren anwesend? Sollte sie etwas vor allen Anwesenden ihre Gefühle zu Harry gestehen?" dachte Hermine in einem Anflug von Verzweiflung.
Ihre Mutter tat, als ob sie das Zucken nicht gesehen hatte, sondern nahm ihre Tochter bei der Hand und ging mit ihr die Treppe hinab.
„Hallo zusammen" wurden sie nach ihrer Ankunft in Hogwarts freudig von Madame Pomfrey begrüßt. „Die anderen sitzen schon beim Frühstück. Ich konnte sie nicht mehr bremsen."
Sie folgten Madame Pomfrey und wurden stürmisch empfangen.
„Hermine" rief Ginny und lief zu ihrer Freundin. „Wie geht es dir? Alles OK?"
„Danke Ginny" antwortete ihr Hermine. „Mir geht es wieder gut. Auch wenn ich etwas nervös bin."
„Ach, Du schaffst das schon. Du hast bisher immer alles geschafft" kam es von Ron, der, wie Hermine überrascht feststellte, schon wieder die Hand von Luna hielt.
Neville grinste, als er Hermines irritierten und fragenden Blick sah.
„Tja, Du bist halt ein paar Minuten zu früh von unserer Grillparty verschwunden" kam ihm Ginny zuvor, die ebenfalls grinste. Dann packte sie Neville bei der Hand und zog ihn zurück zum Frühstückstisch.
Hermine und ihre Eltern folgten, während Prof. McGonagall und Madame Pomfrey sich mit „wir müssen noch etwas vorbereiten" zurückzogen.
Am Tisch wurden Hermine und ihre Eltern mit großer Freude begrüßt.
„Was ist jetzt das Geheimnis? Was sollst Du machen?" platze es aus Fred heraus, wofür er sich einen strafenden Blick seiner Mutter einfing.
„Ich kann es Dir nicht sagen, weil ich es selber nicht weiß" entgegnete Hermine den verdutzt dreinblickenden Fred. „Ich weiß nur, dass es um einen uralten Zauber geht".
Dass dieser sich Herz-Such-Zauber nannte, behielt sie für sich. Fred und George hätten sie damit nur aufgezogen. Und dafür war das flaue Gefühl im Magen einfach schon zu groß.
„Nun lass sie doch erst mal was essen" ermahnte Mrs Weasley ihren Sohn.
Es folgte ein Frühstück, bei denen über alle möglichen und unmöglichen Themen geredet wurde. Lediglich Hermine und Harry wurden dabei bewusst ausgeklammert. Hermine hatte das Gefühl, dass jeder auf seine Worte achtete.
„Das lag bestimmt an Molly" dachte Hermine bei sich. „Fred und George hatten nicht umsonst erwähnt, dass ihre Mutter, wenn sie richtig wütend ist, eine nicht unerhebliche Ähnlichkeit zu einem Säbelzahntiger hatte."
Der Gedanke belustigte sie, sodass sie unwillkürlich lächeln musste. Das Lächeln wurde am Tisch von niemanden kommentiert, sehr wohl aber registriert. Und von allen Anwesenden fiel in diesem Moment ein großer Teil ihrer Anspannung ab.
Nach einer guten Stunde kamen Prof. McGonagall, Prof. Flitwick, Prof. Binns und Madame Pomfrey in die große Halle.
„Ich denke, die größte Anspannung und Nervosität ist inzwischen bei allen verflogen" wandte sich Prof. McGonagall an die Anwesenden. „Unsere Vorbereitungen sind so weit abgeschlossen und wir würden sie, Miss Granger, jetzt bitten, mit uns zu kommen."
Hermine streckte ihren Arm aus und griff nach der Hand ihrer Mutter. Diese erwiderte den Händedruck und nickte ihr aufmunternd zu.
„Was ist mit uns?" fragten Ron, Ginny, Luna und Neville mehr oder minder gleichzeitig.
„Sie werden hier warten müssen, so leid es mir auch tut. Der Zauber ist etwas, für das Miss Granger keine Störung gebrauchen kann" klärte Prof. Flitwick sie auf.
Hermine erhob sich langsam und folgte den Professoren.
„Wo gehen wir hin" fragte Hermine ihre Lehrer.
„Ich dachte an den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Das ist ein Raum, den sie kennen, den sie positiv gegenüber eingestellt sind und wo sie sich folglich auf den Zauber konzentrieren können" erklärte ihr Prof. McGonagall.
Die kleine Gruppe näherte sich den dem Portrait der alten Dame. Auf dem Weg dahin achtete Hermine kaum auf ihre Schritte, sodass sie fast Mrs Norris, die Katze des Hausmeisters getreten hätte, die sich in eine Ecke des Ganges flüchtete. Auch die Katze schien von der ganzen Schlacht um Hogwarts noch sehr verwirrt.
„Wenn wir den Raum betreten haben" wandte sich Prof. McGonagall an die dicke Dame „dann lassen sie niemanden mehr in den Gemeinschaftsraum. Selbst wenn Voldemort wieder leben würde, könnte diese Nachricht warten. Haben sie mich verstanden."
„Aber sicher doch" antwortete die dicke Dame.
Im Gemeinschaftsraum waren die Vorhänge zugezogen, im Kamin knisterte ein kleines Feuer und ein undefinierbarer Geruch strömte aus einem kleinen Zauberkessel. Der Raum wurde lediglich von ein paar Kerzen erleuchtet.
„Ich hoffe, dass wir eine Umgebung geschaffen haben, in der sie sich in Ruhe auf sich selbst konzentrieren können" kommentierte Madame Pomfrey Hermines schweifenden Blick.
„Ich denke schon" entgegnete Hermine etwas in Gedanken verloren.
„Gut, dann werden wir ihnen nun erklären, was in den nächsten Minuten hier passieren wird" begann Prof. McGonagall ihre Erklärungen.
„Sie setzen sich bitte in den Sessel und entspannen sich so gut es geht. Dann wird ihnen Madame Pomfrey den Zaubertrank geben. Es wird einen Moment dauern, bis er anfängt zu wirken. Den Aufzeichnungen zufolge etwa 5 Minuten. Danach werden sich die vier Hauslehrer um sie herum aufstellen, ihre Zauberstäbe auf sie richten und einen Zauberspruch der Gründer von Hogwarts sprechen. Ich werde die ganz Zeit über bei ihnen sein und versuchen, sie auf den richtigen Weg zu leiten. Wenn alles funktioniert, werden sie eine Wärme in ihrem Körper spüren, während ihr Herz schneller schlagen wird. Die Frequenz der Herzschläge sowie die gefühlte Wärme wird ihnen sagen, wie nah oder wie fern sie dem anderen Herzen sind. Wenn Mr Potter ihre Gefühle erwidert und auch zulässt, werden sie ein leichtes Ziehen in der Herzgegend verspüren. Das ist dann die Antwort des anderen Herzens. Ob sie den Standort des Herzens festhalten können oder ob sie nach der Antwort die Verbindung erneut aufbauen müssen, ist leider nicht überliefert. Sei es, wie es sei, wenn sie dann wieder den Standort ermittelt haben, müssen sie disapparieren."
Hermines Kopf ruckte herum. „Disapparieren?" frage sie ungläubig.
„Das ist nicht das eigentliche Problem" eröffnete ihr Prof. McGonagall. „Wenn sie disapparieren, dann darf das nicht wie sonst bewusst und unter Einsatz ihres Wissens und Verstandes geschehen. Ihr Herz muss den Vorgang einleiten. Dann sollten sie auch durch den Schutzzauber gelangen können."
„Wie soll das gehen?" frage Hermine, die immer noch dabei war, das soeben gehörte zu verarbeiten.
„In den Überlieferungen steht nur ein Satz dazu: „Folgen Sie Ihrem Herzen!" klärte sie Prof. Binns auf.
„Und es gibt noch ein weiteres Problem, welches wir ihnen nicht verschweigen wollen" fuhr Prof. Binns fort. „Der Zauber kann nicht beliebig oft angewendet werden. Mit jedem Senden geht ein Teil des Herzens auf Reise - und kommt nie wieder zurück. Wenn es eine Antwort bekommt, wird das auf die Reise geschickte und somit fehlende Teil durch das Teil des antwortenden Herzens ersetzt und das Herz somit wieder vervollständigt. So haben die Liebenden jeweils ein Teil des Anderen für immer in ihrem Herzen."
„Wie romantisch" dachte Hermine im ersten Augenblick, doch im selben Moment erkannte sie die Kehrseite der Medaille.
„Ich sehe, sie haben die Konsequenz erkannt" deutete Prof. Binns ihren Gesichtsausdruck richtig.
„Wenn das gesuchte Herz nicht antwortet, fehlt dem Herz des Suchenden ein Teil. Und mit jedem weiteren Versuch verliert diese Person einen weiteren Teil ihres Herzens, bis ... Nun ja, auch hier schweigen sich die Aufzeichnungen leider wieder aus."
„Wir haben mit ihren Eltern geredet wegen dieser möglichen Gefahr für ihre Person, und ich soll ihnen ausrichten, dass ihre Eltern ihnen keine Vorschriften machen, ungeachtet dessen, dass sie eh schon volljährig sind. Sie überlassen ihnen die Entscheidung."
„Ich mache es trotzdem" fiel Hermine ihrem Lehrer ins Wort, ohne auch nur darüber nachgedacht zu haben. „Wenn meine Gefühle für Harry wirklich so sind, kann ich mir ein Leben eh nur noch gemeinsam mit ihm vorstellen".
Die anderen Hauslehrer sowie Prof. McGonagall und Madame Pomfrey schauten betreten zu Boden.
