Es wird Zeit, dass Harry wieder mitspielt. Wünsche ein schönes Wochenende (natürlich an alle, besonders aber an meine Reviewer!).
Kapitel 8 - Harrys Entscheidung
„Gut, dann trinken sie dies hier" sagte Madame Pomfrey und reichte Hermine einen Becher mit einer ölig gelben Flüssigkeit. „Trinken sie einen Schluck, zählen sie bis 5. Dann trinken sie wieder einen Schluck und zählen bis 10. Dann trinken sie den Becher leer. Während sie trinken denken sie bitte so fest es geht an Mr. Potter."
Hermine nickte und nahm den Becher entgegen. Sie machte es sich im Sessel bequem, atmete tief durch und setzte den Becher an. „Harry" dachte sie, als sie den ersten Schluck nahm.
„Schmeckt wie Hustensaft" dachte sie im ersten Moment, nur um sich selber sofort wieder am Riemen zu reisen. „Nicht ablenken lassen."
Madame Pomfrey, die mit so einer Reaktion gerechnet hatte, hatte die Sekunden gezählt und gab Hermine ein Zeichen, den nächsten Schluck zu trinken. Hermine lächelte dankbar, nahm den nächsten Schluck und dachte wieder ganz intensiv „Harry". Nach weiteren zehn Sekunden gab Madam Pomfrey ihr das Zeichen, den Becher nun ganz zu leeren. Hermine tat wie ihr geheißen und dachte dabei „Harry, wo bist Du nur! Harry, ich brauche Dich!"
„Sehr schön" kommentierte Prof. McGonagall. „Jetzt müssen wir ein paar Minuten warten. Wie fühlen sie sich Miss Granger?"
„Momentan spüre ich noch nichts" entgegnete Hermine.
„Jetzt passiert etwas" unterbrach Hermine das Schweigen nach etwa zwei Minuten. „So langsam spüre ich eine gewisse Wärme im ganzen Körper, die sich mehr und mehr Richtung Herz konzentriert."
„Sehr gut" und mit einem Wink von Prof. McGonagall nahmen die vier Hauslehrer um Hermine Aufstellung.
Hermine schloss die Augen und gab sich dem Gefühl der Wärme hin. Als sie plötzlich ein zusätzliches Kribbeln spürte, wusste sie, dass nun auch die Zauber der vier Hauslehrer zu wirken begannen.
„Es ist so weit" flüsterte Prof. McGonagall Hermine ins Ohr. „Die Zauber sind gesprochen und Ihr Zittern zeigte mir, dass diese wirken. Jetzt liegt es an Ihnen. Lassen Sie Ihrem Herz freien Lauf."
Der Gemeinschaftsraum, das Knistern des Feuers und auch alle sonstigen Geräusche traten immer mehr in den Hintergrund. Hermine war in einer eigenen Welt.
Nach und nach begann sie auch ihren Körper nicht mehr zu spüren bis ihre ganzen Empfindungen nur noch aus Wärme und einem Herzschlag bestanden.
Sie dachte an Harry und fragte sich, wie sie ihr Herz auf Reisen schicken könnte. Doch bevor sie sich darüber Gedanken machen konnte, stellte sie bereits eine erste Veränderung fest. Allein der Gedanke an Harry führte dazu, dass sich ihr Herzschlag beschleunigte. Daraufhin begann Hermine in Gedanken alle schönen Erlebnisse, die sie und Harry teilten, vor ihrem inneren Auge Revue passieren zu lassen.
Gelegentlich wurde der Herzschlag langsamer, dann änderte Hermine sofort die Erinnerung, bis sie eine fand, mit welcher sich der Herzschlag wieder steigerte.
„Das machen Sie sehr gut" drang Prof. McGonagalls Stimme wie aus weiter Ferne zu ihr.
Hermine ging Erinnerung für Erinnerung durch und langsam aber stetig erhöhte sich der Herzschlag und auch die Wärme wurde ihrem Empfinden nach immer stärker.
Hermine keuchte und der Schweiß tropfte ihr von der Stirn.
„Sehr gut" hörte sie erneut Prof. McGonagalls Stimme. „Der Reaktion ihres Körpers sowie der Rückkopplung unsere Zauberstäbe nach dürften sie Harry gefunden haben. Legen sie all ihre Gefühle in ihre Gedanken!"
Hermines Körper zitterte vor Anstrengung. Madame Pomfrey schaute inzwischen ziemlich besorgt auf Hermine, doch Prof. McGonagall schüttelte nur den Kopf.
„Sie ist stark Poppy. Sie schafft das."
Ein lauter Seufzer lies Prof. McGonagall und Madame Pomfrey ihre Aufmerksamkeit wieder Hermine zuwenden. In diesem Moment griff sich Hermine ans Herz und ihre Züge verhärteten sich.
„Jetzt!" rief Prof. McGonagall, die die Reaktion richtig gedeutet hat. „Das war die Antwort. Disapparieren Sie!"
Hermine spürte ein Stechen in ihrem Herzen und eine Welle des Glücks durchströmte sie. Harrys Herz hatte tatsächlich geantwortet. Kaum hörbar drang das „Jetzt" von Prof. McGonagall zu ihr durch und sie konzentrierte sich um zu disapparieren. Kaum dass sie es versuchte, wurde es um sie herum kälter.
„Miss Granger, Sie sollen mit dem Herz disapparieren. Lassen Sie Ihren Verstand ruhen" kam die Mahnung von Prof. McGonagall durch.
Hermine nannte sich selbst eine Närrin und begann erneut mit der Suche.
Beim zweiten Mal ging es wesentlich schneller, bis sie die Wärme spürte und der Herzschlag ihr signalisierte, dass sie Harry erneut gefunden hatte. Diesmal dachte sie nicht aktiv ans disapparieren, sondern nur daran, dass sie bei ihm sein wollte. Ihr größter Wunsch war wieder von ihm im Arm gehalten zu werden und mit ihm endlich das Gefühlschaos auszuräumen, welches zwischen ihnen existierte.
Noch während sie dies dachte, spürte sie einen Sog, der sie aus dem Sessel zu ziehen drohte. Hermine reagierte instinktiv richtig und kämpfte nicht gegen den Sog an, trotz ihrer Schrecksekunde. Statt dessen gab sie sich dem Sog hin und dachte weiterhin nur an Harry.
Der Sog wurde stärke und verwandelte sich langsam in einen Wirbel, der sie aufsog. Ganz leise vernahm sie noch einen Schrei, vermutlich Prof. McGonagall oder Madame Pomfrey. Der Wirbel dauerte nur kurz, zumindest für Hermines Empfinden, und verwandelte sich wieder in einen Sog. Diesmal zog der Sog sie jedoch nach unten, sofern man in diesem Zustand überhaupt von einem Oben oder Unten reden konnte.
Plötzlich spürte Hermine ihren Körper wieder. Alle Glieder schmerzten und sie stellte fest, dass sie wohl auf einer Wiese lag. Der Duft von Gras stieg ihr in die Nase. Langsam richtete sie sich auf und blickte sich um. Sie lag auf einer Wiese in einem Vorgarten. So weit sie sehen konnte war es eine ganz normale Straße mit ganz normalen Häusern.
Irgendetwas kam ihr an der Gegend bekannt vor, aber woher nur? Langsam kehrte ihre Logik zurück.
„Ich bin in diesem Vorgarten gelandet, also werde ich mir als Erstes das dazugehörige Haus ansehen" beschloss Hermine.
Sie richtete sich auf und streckte sich in alle Richtungen. Die Gliederschmerzen waren wie weggeblasen und auch von der Wärme oder dem Herzrasen war nichts mehr zu spüren. Langsam ging sie auf die Haustüre zu und schaute auf das Namensschild.
Hermine erstarrte. Auf dem Namensschild stand Familie Vernon Dursley.
Jetzt wunderte sich Hermine nicht mehr, dass egal wer nach Harry gesucht hatte, ihn nicht gefunden hatte. Wer konnte auch ahnen, dass er ausgerechnet dort ist, wo er die schlimmsten Jahre seines Lebens erdulden musste.
„Der Schutzzauber des Hauses, der mit Harrys 17. Geburtstag erloschen ist" schoss es Hermine durch den Kopf. „Und wenn dieser durch die Verwendung von uralter Magie wie auch immer aufgefrischt wurde, dann hätten alle Auroren zusammen ihn in 100 Jahren nicht gefunden." Hermine war sich dabei ziemlich sicher, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag.
Sie holte tief Luft, zupfte ihre Kleidung zurecht und klopfte. Ihr Herz pochte und sie war sich sicher, dass der Zaubertrank diesmal nichts damit zu tun hatte. Würde sie Harry hier finden? Und was ist mit ihm? Warum hat er sich nicht gemeldet? Und wie wird er auch mich reagieren Dies waren nur ein paar der Fragen, die Hermine durch den Kopf schossen. Sie klopfte noch mal.
Nichts rührte sich. Hermine beschloss, um das Haus herumzugehen. Aber nirgends gab es eine Spur von Harry. Der Garten war in einem erbärmlichen Zustand, da sich längere Zeit niemand mehr darum gekümmert hatte. Das hohe Gras hatte aber auch einen Vorteil. Man konnte sehen, ob es an irgendwelchen Stellen niedergetreten war. Aber davon sah Hermine nichts. Es sah alles sehr verlassen aus. Auch die Autogarage war verschlossen.
Wieder an der Haustüre angekommen fragte sie sich, ob sie wirklich an der richtigen Stelle appariert war. In Vertrauen darauf klopfte sie erneut. Diesmal hörte sich ein Geräusch aus dem Inneren des Hauses.
Aber niemand öffnete die Tür. Konnte Sie sich getäuscht haben? Nein, da war ein Geräusch, dessen war sich Hermine sicher.
„Harry mach auf!" rief Hermine während sie diese Mal nicht klopfte sondern kräftig gegen die Türe hämmerte. „Ich weiß, dass Du im Haus bist!"
„Das war schon sehr stark geraten" dachte Hermine bei sich. „Was mache ich, wenn jetzt Harrys Onkel in der Türe steht?"
Bevor Hermine den Gedanken zu Ende führen konnte, hörte sie das Geräusch erneut. Und diesmal näherte es sich der Türe. Klick. Ein Schlüssel wurde im Schloss gedreht und mit einem leisen Quietschen ging die Türe auf.
Hinter der Türe stand Harry.
Harry hatte eine ausgewaschene Jeans und ein Hemd an. Seine Haare standen wie üblich in alle Richtungen ab und seine grünen Augen blitzten durch die Brillengläser. Äußerlich schien er den Kampf gegen Voldemort gut überstanden zu haben.
„Hermine, wie hast Du mich ..." setzte er an, konnte den Satz aber nicht zu Ende sprechen, da sich Hermine schon an Harrys Hals geworfen hatte.
Harry war im ersten Moment etwas überrascht, schloss Hermine dann aber ebenfalls in die Arme.
„Da steh ich nun in seinen Armen" dachte Hermine bei sich. „Die Umarmung war zwar nicht so herzlich, wie ich gehofft hatte, aber immerhin hat er mich nicht angeschrieen oder fortgejagt."
Nach einer kleinen Ewigkeit ließen beide voneinander ab. Hermine grinste über beide Ohren und sah zufriedener aus als eine Katze, die gerade eine fette Maus verspeist hatte. Harry hingegen war die Verwirrung anzusehen, als er Hermine hereinbat.
„Gerade aus ins Wohnzimmer, ich hole Dir einen Apfelsaft. Oder lieber einen Orangensaft?" sagte Harry und bog in die Küche ab.
„Apfelsaft" antwortete Hermine und ging ins Wohnzimmer. Sie schaute sich verwundert um. Überall Bilder von den Dursleys, aber kein einziges Bild von Harry.
„Ich habe hier nichts verändert. Und Bilder von mir oder meinen Eltern gab es hier noch nie." kommentierte Harry ihre Blicke und gab ihr das Glas mit Saft. „Ich denke, dass jetzt, nachdem alles vorbei ist, die Dursleys in ein paar Wochen wieder in ihr Haus zurückkommen werden. Aber bis dahin ..." Harry vollendete den Satz nicht.
„Mich würde echt interessieren, wie Du es geschafft hast mich zu finden! sagte Harry satt dessen.
„Ich erzähle es Dir, aber auch Du wirst mir einiges zu erzählen haben" entgegnete Hermine. „Warum bist Du hier?"
„Ich bin davon ausgegangen, dass mich hier niemals jemand vermuten würde." entgegnete Harry. „Wo hätte ich denn sonst hingehen sollen?"
„In Hogwarts konnte ich nicht bleiben. Dort hätten mich alle nur angestarrt als den Auserwählten. Das ist das Letzte, wonach mir der Sinn stand."
„In Sirius altes Haus? Mit all den Erinnerungen? Das war mir nicht möglich!"
„Oder in den Fuchsbau? Nachdem Fred tot ist, Mrs. Weasley verletzt ist und Du wohl mit Ron etwas Ruhe haben willst?"
Harry hatte sich etwas in Rage geredet.
„Tut mir leid" murmelte er Hermine schuldbewusst zu, als er dies feststellte.
„Ist schon OK Harry" sagte Hermine und bemühte sich um eine beruhigende Stimme. „Und überhaupt, mir scheint, wir haben wir einiges zu bereden." fuhr sie sanft fort.
