schöner zweiter Advent an Euch alle!
Kapitel 11 - Godrics Hollow
In der großen Halle wurden Harry und Hermine schon erwartet.
„Wird Zeit, dass Du kommst" feixten Fred und George. „Hermine hat genau da aufgehört zu erzählen, wo es langsam interessant zu werden schien. Was war denn jetzt mit dem großen Gästebett?"
„Ach" murmelte Hermine. „Danach ist eigentlich nichts Besonderes oder Aufregendes mehr passiert" antwortete sie den Zwillingen. Das Lachen am Tisch übertönte das Geräusch, welches Harry machte, als er die Luft einsog.
„Na warte" knurrte er in Hermines Ohr. „Wenn wir wieder alleine sind, werde ich Dir etwas zum Erinnern geben."
Das feine Lächeln, welches Hermines Lippen umspielte zeigte, dass sie genau das erreicht hatte, was sie wollte.
„Es gibt aber auch ernste Themen, die wir zu bereden haben" lenkte Prof. McGonagall vom Thema ab. Harry war ihr dafür sehr dankbar. Der Blick, den Prof. McGonagall Harry zuwarf zeigte, dass sie genau wusste, wie dankbar er ihr war. „Was machen wir mit dem Schulabschluss für sie drei?" wandte sich Prof. McGonagall an Hermine, Ron und Harry. „Immerhin haben sie ja das siebte Jahr nicht besucht und auch keine Abschlussprüfung abgelegt."
Ron stöhnte auf, was dieses Mal ihm einen Lacher einbrachte.
„Ja, Mr. Weasley, es geht um Ihrer aller Zukunft. „Sie sollten sich Gedanken machen, was sie nun mit Ihrem Leben anfangen wollen" sprach Prof. McGonagall wieder alle drei an. „Ich kann Ihnen anbieten, das siebte Jahr in Hogwarts nachzuholen ..."
„Dann sind wir ja in derselben Klasse" unterbrach Ginny Prof. McGonagall an ihre drei Freunde gewandt und mit einem Leuchten in ihren Augen.
Rons Gesichtsausdruck nach zu urteilen behagte ihm dieser Gedanke sehr viel weniger.
„Alternativ kann ich Ihnen anbieten ihnen zu helfen, eine Anstellung zu finden. Sie haben zwar keinen echten Abschluss, aber Ihre Leistungen beim Kampf gegen Voldemort sprechen für sich. Ich denke es gäbe sogar im Zaubereiministerium genug freie Stellen für sie" erläuterte Prof. McGonagall die Alternative. „Allerdings wäre jetzt eine Entscheidung etwas zu viel verlangt. Sprechen Sie mit Ihren Familien, Freunden und Bekannten und teilen Sie mir Ihre Entscheidung mit. Aber bitte nicht später als den 25. August, damit wir für sie, falls sie sich für ein letztes Jahr in Hogwarts entscheiden, noch planen können."
„Aber jetzt ist es erst mal Zeit nach Hause zu gehen" wechselte Mr. Weasley das Thema. „Ich für meinen Teil hatte genug Aufregung in den letzten Tagen und Wochen. Jetzt möchte ich erst mal eine Woche verbringen, ohne ständig an etwas zu denken oder mich zu sorgen".
Dem konnte niemand widersprechen.
„Wie wäre es, wenn wir alle wieder zum Fuchsbau gehen" schlug Mrs. Weasley allen vor. „Die letzte Grillfeier war zwar schön, trotzdem war sie von unserer Suche nach Harry überschattet. Aber jetzt könnten wir endlich eine richtige Party veranstalten."
„Party! Party!" skandierten die Weasley-Zwillinge und zogen ein paar Knaller ihres Scherzartikelladens aus der Hose. Und bevor ihre Mutter einschreiten konnte, explodierten diese und hinterließen einen goldenen Regen von der Decke, der sich langsam in ein großes W verwandelte.
„Die beiden sind echt gut" murmelte Harry zu Ron.
„Da keiner protestiert - auf zum Fuchsbau" beschloss Mrs. Weasley.
„Mrs. Weasley" begann Harry, wurde aber gleich von ihr unterbrochen. "Molly, mein Lieber".
„Also gut Molly" begann Harry von neuem. „Würde es Dir etwas ausmachen, die Feier auf nächste Woche zu verschieben?"
„Warum das denn mein Lieber? Du willst doch nicht schon wieder verschwinden?" und ihre Stimme konnte sich nicht zwischen Besorgnis und Scherz entscheiden.
„Nein, ich würde nur gerne nach Godrics Hollow gehen. Ich war zwar mit Hermine schon ein Mal dort, aber da waren wir auf der Suche nach den Horkruxen. Und jetzt, da alles vorbei ist, würde ich mich gerne in aller Ruhe dort umschauen, wo meine Eltern gelebt haben und ich geboren wurde".
„Und ich werde Dich begleiten" ergänzte Hermine mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.
„Und anschließend kommt ihr zu uns" entschied Mrs. Granger und Hermine wusste, das es besser war, jetzt keine Diskussion zu beginnen.
„Gut, dann auf zum Kamin" forderte Prof. McGonagall „und bis zur Feier."
Nacheinander betraten alle den Kamin und ließen sich über das Flohnetzwerk nach Hause bringen.
Lediglich Harry und Hermine verweilten nur kurz zu Hause bevor sie weiter nach Godrics Hollow apparierten.
Harry und Hermine erreichten Godrics Hollow ohne Probleme.
„Diese Straße ..." begann Harry.
„Ja, der sind wir schon damals in den Ort gefolgt" führte Hermine Harrys Gedanken fort. „Du erinnerst Dich also auch noch daran?"
„Wie könnte ich das vergessen?" fragte Harry und drückte Hermine an sich. „Nur dieses Mal sitzt uns kein wahnsinniger Zauberer im Nacken."
„Und wir sind endlich zusammen" bestätigte Hermine ihrer beiden Gefühle.
„Wollen wir zuerst zum Grab meiner Eltern gehen?" fragte Harry.
„Einverstanden" nickte ihm Hermine zu.
Harry und Hermine schlenderten die Straße entlang in Richtung des Friedhofes. Vor dem Gang zum Grab von Harrys Eltern blieben beide stehen. Harry löste sich von Hermine und trat näher auf die letzte Ruhestätte seiner Eltern zu. Hermine blieb im Hintergrund, da sie ahnte, dass Harry momentan lieber mit seinen Gefühlen alleine war.
Nach fünf endlos langen Minuten ging sie zu Harry und ergriff seine Hand. Harry drückte Hermines Hand dankbar.
„Der Auserwählte und das Schlammblut" erklang es aus Richtung einer Baumgruppe und im selben Moment traf ein Fluch auch schon den Grabstein.
Harry und Hermine rissen ihre Zauberstäbe heraus und gingen hinter dem Grabstein in Deckung. Die Stimme kam ihnen sehr bekannt vor. War das nicht McNair? Der Todesser, der in ihrem dritten Jahr Seidenschnabel köpfen sollte?
Bevor sie jedoch ihrerseits einen Zauber Richtung McNair schicken konnten, erklang ein „Stupor" und eine schwarz gehüllte Gestalt fiel wie ein Brett zwischen zwei Bäumen hervor.
Kurze Zeit später trat ein junger Zauberer mit blonden Haaren zwischen den Bäumen heraus und sowohl Harry als auch Hermine japsten. „Draco Malfoy".
„Wie schön, dass ihr mich nicht vergessen habt" erklang seine überhebliche Stimme. „Aber ich bin nur hier, um mit Euch zu reden" fuhr er mit sachlicher und neutraler Stimme fort.
Harry und Hermine sahen sich überrascht an. „Malfoy und reden?". Das kam ihnen schon merkwürdig vor. Sie würden auf der Hut sein müssen.
„Was willst Du, Draco?" fragte Harry, der sich aufgerichtet hatte und mit gezücktem Zauberstab auf Malfoy zu lief.
„Wie ich schon sagte. Ich will nur reden" antwortete Draco Malfoy, der seinen Zauberstab wegsteckte. „Und dass ich Euch McNair vom Hals geschafft habe, sollte Euch eigentlich überzeugen. Und bevor ihr fragt, warum ich wusste, dass er hier auf Euch warten würde" fuhr Malfoy fort „nun, er hatte überall herum erzählt, dass er sich an Euch rächen will und einen Überwachungszauber auf das Grab gelegt hat. Und meine Mutter hat gute Ohren."
„Dann fang an" erwiderte Harry kühl und spürte Hermine neben sich, die sich ihnen inzwischen genähert hat.
„Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe" eröffnete Malfoy.
Harry und Hermine sahen sich überrascht an.
„Ich habe lange mit meiner Mutter gesprochen und mir wurde einiges klar. Der dunkle Lord hätte mich ohne Bedenken töten lassen und mein Vater hätte es als einer seiner treuesten Gefolgsleute sicher nicht verhindert. Meine Mutter hat mir auch von eurem kleinen Gespräch im Wald erzählt. Nun sie ist Dir dankbar, dankbar für mein Leben. Deshalb soll ich Dir sagen, dass sie versuchen wird, Dir zukünftig aus dem Weg zu gehen, um keine Missverständnisse oder Ähnliches zu provozieren".
Harry glaubte seinen Ohren nicht.
„Mein Vater ist in Askaban, aber von ihm brauchst Du solch ein Angebot in nächster Zeit nicht erwarten."
„Das ist aber nicht alles" merkte Harry an, der sah, wie Malfoy sich innerlich wand.
„Nein, auch ich möchte mich bei Dir bedanken und bei Dir entschuldigen. Auch wenn es mir schwer fällt, Du hast letztendlich auch mein Leben gerettet. Mit McNair sind wir zumindest so weit quitt. Freunde werden wir nie werden, Potter, aber vielleicht könnten aufhören Gegner zu sein" Damit streckte er Harry die Hand entgegen und die beiden holten den Handschlag von vor etwa sieben Jahren nach. Mit einem Plop disapparierte Malfoy.
„Kneif mich mal" äußerte Hermine die Bitte an Harry.
„Autsch" quiekte sie, als sie merkte, dass Harry ihrem Wunsch prompt entsprochen hatte.
„Die Zeit wird zeigen, ob er es tatsächlich ernst meint" sagte Harry noch etwas skeptisch. „Aber ich will jetzt nicht an die Malfoys denken. Lass uns McNair verpacken, damit ihn der Orden später abholen kann. Ich will erst mal zum Haus meiner Eltern gehen" schlug Harry vor.
Hermine hätte McNair lieber sofort bei jemandem vom Orden abgeliefert, aber es war Harry anzusehen, dass er es kaum erwarten konnte, das Haus seiner Eltern zu besuchen und so gab sie letztendlich nach.
Nach einem kurzen Spaziergang, bei dem beide kein Wort sprachen, erreichten sie die Überreste von Harrys Elternhaus. Gut 10 Minuten standen beide vor dem Haus, dann lies Harry Hermines Hand los und ging auf das Haus zu.
„Harry, was willst Du im Haus?" fragte Hermine. „Es ist vollkommen zerstört, und wenn es nicht von Zaubern zusammengehalten wird, könnte es jederzeit einstürzen!"
„Ich kann es Dir nicht sagen Hermine" gestand Harry „aber ich muss dort hinein."
„Dann komme ich mit Dir" beschloss Hermine.
„Als ob ich Dich hätte hindern können" murmelte Harry und erntete ein freches Grinsen von Hermine.
Zu zweit betraten sie vorsichtig den Ort, der zu Harrys Schicksal wurde.
Sie betraten das Haus durch eine Öffnung, die ein Mal die Eingangstüre gewesen sein musste. Im Inneren war kaum noch ein Stein auf dem anderen. Die Holzverzierungen waren verkohlt und die Wände waren voller Löcher.
Harry lief tiefer in die Ruine, als er plötzlich ein Licht erblickte. Doch das war unmöglich. Die Sonne stand inzwischen zu tief, um auch nur einen Sonnenstrahl in diese dunkle Ecke des Raumes senden zu können. Er wollte gerade Hermine auf das Licht aufmerksam machen, als diese es selbst bemerkte.
„Was ist das" flüsterte sie Harry ins Ohr als wäre das Licht ein scheues Einhorn, das sofort verschwinden würde.
„Das werden wir nur herausfinden, wenn wir es uns genauer ansehen" flüsterte Harry wie automatisch zurück. „Ich kann Dir nur sagen, dass ich mich zu diesem Licht hingezogen fühle und spüre, dass es für uns nicht gefährlich ist."
Hermine blickte ihn skeptisch an, sagte aber nichts. In Bezug auf Harry und gerade in den letzten Tagen hatte sie bereits zu viele Überraschungen erlebt, als das sie so etwas ausschließen würde.
„Ich folge mal nicht ausschließlich meinem Verstand" dachte Hermine bei sich. „Wenn das Prof. McGonagall wüsste" grinste sie in sich hinein.
Wieder in der Realität angekommen musste sie feststellen, dass Harry sich dem Licht schon genähert hatte, während sie in Gedanken gewesen war. Mit zwei schnellen Schritten holte sie ihn ein.
Als sie nur noch etwa zwei Schritte vom Licht entfernt waren, vergrößerte dieses sich plötzlich und hüllte Hermine und Harry schneller ein, als sie darauf reagieren konnten. Das Licht fühlte sich warm und angenehm an und schien ihnen zumindest körperlich nichts auszumachen. Allerdings war ihre Umgebung verschwunden und beide standen wie in einem dichten Nebel. Egal, in welche Richtung sie blickten, sie sahen nur eine weiße Wand.
„Harry" erklang eine Stimme und aus dem Nebel entstand die Gestalt seines Vaters.
„Mein Junge" hörte Harry eine weitere Stimme und aus dem Nebel schälte sich die Gestalt seiner Mutter.
„Mum, Dad" presste Harry mühevoll hervor und beide lächelten ihn an.
„Dies ist eine Nachricht für Dich mein Sohn" begann die Nebelgestalt seines Vaters, bevor Harry etwas Weiteres sagen konnte. „Wenn Du das hier erlebst, dann sind mehrere Faktoren eingetreten.
Erstens sind wir, deine Eltern, tot. Der Kampf gegen Voldemort fordert seine Opfer und wir waren immer mitten im Geschehen dabei und somit ein lohnenswertes Ziel. Auch wenn unser Haus geschützt ist, kann der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass uns Voldemort findet. Sollte das der Fall sein, werden wir alles tun, um Dein Leben zu schützen. Da Du diese Nachricht jetzt hörst, waren wir zumindest in dieser Hinsicht erfolgreich. Allerdings müssen wir Dich um Verzeihung bitten, dass wir nicht da sein konnten, als Du aufgewachsen bist. Unsere Liebe war aber immer bei Dir.
Zweitens musst Du inzwischen volljährig sein. Vorher ist der Zauber nicht aktiv. Wir hoffen, dass es Dir gut geht und dass Du Dich zu einem anständigen jungen Mann entwickelt hast. Sirius wird Dir dabei hoffentlich nicht zu viel Flausen in den Kopf gesetzt haben, dieser alte Rumtreiber."
Harry zuckte zusammen. Seine Eltern konnten das von Sirius ja gar nicht wissen und die Erinnerung schmerzte nach wie vor.
„Drittens musst Du sehr glücklich sein, denn wir wollten nicht, dass Du diese Nachricht erlebst, wenn es Dir nicht gut geht. Und ich hoffe mal, das der Grund eine nette junge Hexe ist." Die Nebelgestalt schien dabei verschwörerisch zu zwinkern.
Sowohl Harry als auch Hermine starrten mit offenen Mündern in Richtung der Schemen von Harrys Eltern.
„Wir haben Dir noch etwas mitzuteilen. Du hast bereits ein Schulverlies in Gringotts mit etwas Gold von uns. Davon wirst Du in den letzten Jahren für Hogwarts schon die eine oder andere Gallone verbraucht haben. Das Familienverlies durftest Du mit der Volljährigkeit ebenfalls übernommen haben. Wovon Du nichts weist, ist das geheime Verlies in Gringotts. Dieses Verlies war niemanden bekannt außer uns und den Kobolden. Als Voldemort immer mächtiger wurde, haben wir beschlossen gewisse Sachen in dieses geheime Verließ zu bringen. Im Gegensatz zum Gold, welches Du schon besitzt, findest Du in diesem Verlies Dein wahres Erbe. Ach ja, das Zauberwort, mit dem Du in Gringotts Hilfe bekommst, lautet Mutterliebe. Und nun lebe wohl mein Sohn. Möge Dein Leben genauso glücklich verlaufen wie das Deiner Mutter und meines."
Harry war wie vom Donner gerührt und auch Hermine war noch ganz verwirrt, sodass beide nicht mitbekamen, wie das Licht langsam erlosch und sie wieder inmitten der Überreste von Harrys Elternhaus standen.
„Wir sollten jetzt dem Orden Bescheid geben, damit sie wissen, wo sie McNair finden" schnitt Hermine das letzte Thema wieder an, da sie nicht wusste, wie sie mit den neuen Informationen umgehen sollte. „Und dann geht es zu meinen Eltern."
Harry nickte zur Bestätigung, noch immer unter dem Eindruck der letzten Ereignisse. „Und morgen früh gehe ich als erstes in die Winkelgasse" war das Erste, das Harry wieder sagte.
