nach einer "kurzen" Pause geht es weiter.


Kapitel 16 – Gringotts

Harry und Hermine apparierten in unmittelbarer Nähe zum Fuchsbau und gingen auf das Haus zu.

„Was macht ihr denn hier?" fragte ein überraschter Mr. Weasley, der sich in seiner Bastelwerkstatt gerade mit seinem Ford Anglia beschäftigte.

Harry und Hermine erzählte in knappen Worten die Geschehnisse vom Friedhof. Von Harrys Elternhaus erwähnte sie nichts.

„Du kümmerst Dich darum?" fragte Hermine und Mr. Weasley machte sich gleich auf dem Weg, um den Orden zu informieren.

„Wir sehen uns dann nächste Woche" rief Harry ihm hinterher bevor er und Hermine wieder disappartierten.

Harry und Hermine wurden von Mr. und Mrs. Granger bereits erwartet. „Da seid ihr ja endlich!" wurden beide begrüßt. „Wir dachten schon, wir müssen das Essen die halbe Nacht lang warm halten."

Und während Harry und Hermine sich einen leckeren Braten schmecken ließen, berichteten sie abwechselnd von den Erlebnissen auf dem Friedhof und dass sie noch kurz bei Mr. Weasley Bescheid gegeben hatten. Auch diesmal erwähnte Hermine nichts von den Erlebnissen im Haus von Harrys Eltern. Sie war der Meinung, dass es seine Angelegenheit war, darüber zu reden. Immerhin war es etwas recht Persönliches.

„Ich glaube es ist Zeit zum Schlafen" schloss Hermine das Essen. „Der Tag hat mich ganz schön geschlaucht."

„Na dann eine gute Nacht, ihr beiden" wünschten Hermines Eltern und grinsten sich an.

Harry und Hermine verschwanden die Treppe hoch und in Hermines Zimmer. Ein kleiner Zauber vergrößerte das Bett und sie fielen hinein. Es dauerte nur wenige Minuten bis beide eng aneinandergekuschelt eingeschlafen waren.

Harry erwachte am nächsten Morgen als Erstes. Nachdem er sich seine Brille aufgesetzt hatte, schaute er zu Hermine.

„Wie friedlich sie da liegt" dachte Harry bei sich selbst.

Er stand auf und ging in die Küche, wo er Hermines Eltern beim Frühstück vorfand.

„Na, gut geschlafen?" fragten ihn die beiden. „Wir wollten Euch gestern noch sagen, dass es noch Nachtisch gibt, aber mehr als ein leises Schnarchen war nicht mehr aus Hermines Zimmer zu vernehmen gewesen."

„Ja" betätigte Harry. „Wir waren wohl ziemlich müde. Ich weiß nur noch, dass wir aufs Bett gefallen sind, ich die Brille abgelegt habe und dann auch schon eingeschlafen bin."

„Und Hermine schläft noch?" fragte ihre Mutter.

„Ja, und ich wollte sie nicht wecken." bestätigte Harry „allerdings wenn ich mir die Brötchen, die Marmelade und den Tee so anschaue... Mrs. Granger könnte ich ein Tablett haben?" fragte Harry einer Eingebung folgend.

„Aber sicher" und Mrs. Granger verschwand in die Küche, um kurze Zeit später mit einem Tablett ins Esszimmer zurückzukommen.

Harry belud das Tablett mit allem was sowohl Hermine als auch ihm schmecken würde und ging langsam wieder die Treppe hoch zu Hermines Zimmer.

„Sind die beiden nicht süß" kommentierte Mr. Granger die Situation, nachdem Harry außer Hörweite war.

Im Zimmer angekommen stellte Harry das Tablett ab und begann Hermines kleinen Tisch zu dekorieren. Er beschwor Blumen und Kerzen herauf und richtete das Frühstück. Als alles so weit fertig war, drehte er sich um, um Hermine zu wecken. Doch diese saß schon in ihrem Bett und schaute Harry belustigt an.

„War ich so laut?" fragte Harry.

„Nein, überhaupt nicht" beruhigte ihn Hermine. „Aber der Duft der frischen Brötchen holte mich wohl aus dem Schlaf."

Sie huschte aus dem Bett, lief auf Harry zu und küsste ihn zärtlich.

„Das mit dem Frühstück ist eine wirklich liebe Idee von Dir! Und nun lass uns futtern."

„Hallo ihr beiden. Frühstück beendet?" wurden Hermine und Harry von Hermines Eltern begrüßt, als sie das Tablett mit der Kanne, den Tassen und Tellern zurück in die Küche brachten.

„Morgen Mum, morgen Dad" grüßte Hermine zurück.

„Ja, das Frühstück war lecker. Waren das wieder mal Deine selbstgebackenen Brötchen?"

„Ich dachte mir, dass wir den heutigen Tag besonders beginnen sollten. Das erste gemeinsame Frühstück von uns vieren." beantwortete Mrs. Granger die Frage ihrer Tochter.

Harry sah bei diesen Worten etwas betreten zu Boden.

„Harry, so war das jetzt auch nicht gemeint" beruhigte ihn Mr. Granger.

„Für ein Frühstück am Bett ihrer Tochter verzichten Eltern schon mal auf ein gemeinsames Frühstück. Und ich denke wir werden noch öfters ein gemütliches Frühstück miteinander verbringen."

Harrys Gesicht hellte sich bei diesen Worten wieder etwas auf. „Zum Beispiel morgen?" fragte er etwas zaghaft.

„Zum Beispiel morgen!" bestätigte Mrs. Granger.

„Was habt ihr heute geplant" fragte Mr. Granger an Hermine und Harry gewandt.

„Ich will auf jeden Fall zu Gringotts, der Rest des Tages ergibt sich dann" antwortete Harry.

„Ich werde zwar mit in die Winkelgasse kommen, allerdings werde ich nicht mit Harry zu Gringotts gehen sondern etwas einkaufen. Ich habe da ein paar Buchankündigungen in einem alten Tagespropheten gesehen und will noch nach ein paar anderen Sachen schauen." ergänzte Hermine.

„Ich sehe schon" stöhnte Hermines Vater mit bester schauspielerischer Leistung. „Harry holt das Geld und Hermine gibt es aus."

„Dad" rief Hermine entrüstet aus, erreichte aber nicht mehr, als dass sowohl ihre Eltern als auch Harry losprusteten.

Da sich Hermine und Harry noch etwas mit Hermines Eltern verquatscht hatten, unter anderem baten Mr. und Mrs. Granger darum, dass Harry sie nun endlich mit ihren Vornamen ansprach, erreichten sie die Winkelgasse erst gegen Mittag.

„Dann bis 15 Uhr bei Fortescue zu einem Eis" verabschiedeten sich die beiden voneinander. Hermine machte sich auf den Weg zu Flourish und Blotts während Harry den Weg zur Zaubererbank Gringotts wählte.

Harry betrat Gringotts mit gemischten Gefühlen. Immerhin hatte er sich vor geraumer Zeit auf der Suche nach den Horkruxen in Gringotts eingeschlichen und war dann mit einem Drachen ausgebrochen. Von diesen Schäden war nichts mehr zu sehen. Gringotts erstrahlte in seinem alten Glanz.

„Ah Mr. Potter" wurde er am Eingang von einem Kobold begrüßt. „Wir haben Sie bereits erwartet. Folgen Sie mir bitte."

Harry wurde es mulmig zumute und sein Gewissen meldete sich erneut mit der Tatsache des Ausbruchs.

„Was würden die Kobolde als Wiedergutmachung verlangen" fragte er sich.

„Hier herein bitte, Mr. Potter" unterbrach der Kobold seine Gedanken.

Harry betrat ein kleines helles Zimmer. An der Wand hingen Bilder von Kobolden, Sammlungen von alten, uralten Münzen und andere Sachen, die Harry nicht kannte. Hinter einem Schreibtisch schaute ihn ein alter Kobold an.

„Sehr gut Mr. Potter, sie sind eingetroffen".

„Es tut mir leid" brach es aus Harry hervor. „Ich wollte bestimmt nichts Böses, ich war nur ...".

Weiter kam er nicht, bevor ihn der Kobold unterbrach.

„Darum sollte es eigentlich gar nicht gehen, aber wenn Sie über dieses Thema zu reden wünschen, können wir das natürlich tun. Was sie sich da erlaubt haben, war eine Ungeheuerlichkeit. Andererseits zeigte uns Ihre Aktion, dass wir unsere Schutzmaßnahmen verbessern müssen. Und ja, sie haben Gringotts beschädigt, aber dafür haben sie den dessen Name nicht genannt werden darf besiegt. Und dieser Sieg hilft auch uns Kobolden, da wir unter seine Herrschaft kein gutes Leben zu erwarten gehabt hätten. Gringotts sieht diese Aktion somit als Preis an, den die Kobolde für die Vernichtung dessen, dessen Name nicht genannt werden darf, zu zahlen hatte."

Harry starrte ungläubig auf den alten Kobold, bevor er endlich wieder zu seiner Sprache fand.

„Und was ist mit Griphook?" fragte er.

„Dass er mit Ihnen zusammengearbeitet hat, zählt ebenso zu den Aktionen, die zum Sturz des Unaussprechlichen führte. Aber es freut mich zu hören und es spricht für sie, dass sie nicht nur an sich gedacht haben. Deswegen haben wir Kobolde auch ein Geschenk für Sie Mr. Potter" und der alte Kobold griff in seine Schreibtischschublade. Zum Vorschein kam das Schwert von Godric Griffindor.

„Zum Einen sind sie der Erbe von Griffindor, zum Anderen haben sie den Unaussprechlichen besiegt. Aufgrund dieser Tatsachen sehen die Kobolde die Besitzansprüche für dieses Schwert als geändert an. Es gehört nun offiziell Ihnen."

Harry war sprachlos und schaute den Kobold aus großen Augen an. In seinem Kopf hallten noch die Worte von Bill zu den unterschiedlichen Eigentumsansichten der Kobolde wieder.

„Ich, ich, ich danke Ihnen" stotterte Harry mühevoll.

„Warum haben sie eigentlich auf mich gewartet" wechselte Harry das Thema, der sich an die seltsame Begrüßung erinnerte.

„Das kann ich Ihnen leider nicht so einfach sagen" entgegnete der Kobold.

„Auch nicht wenn ich ihnen das Stichwort Mutterliebe sage?" fragte Harry einer Eingebung folgend.

Der Kobold strahlte ihn an.

„Nun kann ich es Ihnen sagen" eröffnete der Kobold. „Sie sind inzwischen volljährig und das geheime Verlies von ihren Eltern hier in Gringotts war mit einem Zauber belegt, sodass es sich unter keinen Umständen vor Ihrem 17. Geburtstag öffnen lässt. Deshalb rechneten wir fast täglich mit Ihrem Besuch. Wenn es Ihnen Recht ist, lasse ich Sie jetzt zu Ihrem Verlies bringen" beschloss der Kobold das Gespräch und rief nach Griphook.

Als ihn Griphook abholte, musste Harry an seinen ersten Besuch in Gringotts denken. Hagrid hatte ihn damals begleitet. Hagrid, sein riesiger Freund, der sein Leben an seinem 11. Geburtstag mit der Eröffnung, Harry sei ein Zauberer, auf den Kopf gestellt hatte. „Wo Hagrid jetzt wohl steckte?" fragte sich Harry. In Hogwarts hatte er ihn nicht gesehen. War er vielleicht unterwegs mit Madame Maxime wie schon ein Mal? Harry musste grinsen, als er an sein viertes Jahr und die beiden dachte. „Na ja, viel besser haben Hermine und ich uns auch nicht angestellt" musste Harry sich eingestehen.

„Wir sind bei Ihrem Verlies angekommen Mr. Potter" beendete Griphook die Gedankenspiele von Harry.

„Danke" sagte Harry und ging auf sein Verlies zu.

„Wie komme ich da hinein?" fragte Harry den Kobold, da er nur eine große Tür sah ohne ein Schloss und auch ohne einen Türgriff.

„Sie müssen die Türe berühren und der Zauber wird prüfen, ob sie berechtigt sind, das Verlies zu betreten," klärte ihn Griphook auf.

Harry trat näher und legte seine Hand auf die Türe. Plötzlich spürte er eine Wärme und er wurde durch die Türe gesaugt.

„Was war das denn" fragte sich Harry und schüttelte sich. Dann sah er, dass er in einem großen Verlies stand, welches nur spärlich beleuchtet wurde. Er ging zwei vorsichtige Schritte vorwärts und plötzlich leuchteten an den Wände Kerzen und Fackeln auf und hüllten das Verlies in ein warmes Licht.

Harry entdeckte einen weiteren Haufen mit Galleonen. Mindestens doppelt so viele wie in seinem anderen Verlies. Doch es war nicht das Gold, was Harry faszinierte. An der Wand hingen jede Menge Gemälde mit unterschiedlichen Personen. Beim Näher kommen erkannte Harry seine Eltern. Aber auch andere Personen mit seinen Augen oder mit seinem Haar, welches sich jeglicher Behandlung widersetzte. Da erkannte Harry, dass er hier seine Familie vor sich hatte. Seine Eltern, seine Großeltern und andere Verwandte. Wer diese Personen waren würde er noch herausfinden, denn unweit der Bilder fand Harry eine alte Familienchronik.

Aber dafür hatte er jetzt keine Zeit. Erst mal musste er sich einen Überblick über sein Verlies verschaffen.

Auf der anderen Seite des Verlieses standen mehrere Bücherregale. Es war unmöglich zu zählen, wie viele Bücher in den Regalen standen, aber die Sammlung schien sich nicht vor der in Hogwarts verstecken zu müssen. „Das wird Hermine freuen" dachte Harry bei sich.

An der Stirnseite des Verlieses standen weitere Regale, diesmal nicht mit Büchern gefüllt sondern mit den schönsten Kunstschätzen, die Harry je gesehen hatte. Ringe, Amulette, Becher, Schalen und viele andere Kostbarkeiten, wohin Harrys Augen auch blickten. Einige von denen mussten schon Hunderte von Jahren alt sein.

Jetzt wusste Harry, was seine Eltern mit dem wahren Erbe gemeint hatten. Hier waren die Bilder und die Chronik der Potters. Hier waren die Familienschätze, die vermutlich von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Und hier waren die Bücher mit dem gesammelten Wissen von vermutlich ebenso vielen Jahrhunderten.

Harry blickte auf die Uhr und erschrak. „Schon so spät" dachte er. „Wird Zeit, dass ich mich zu Fortescue aufmache."

Harry ging auf die Türe zu, die von innen ganz normal aussah und auch einen Griff hatte. Er drückte die Türklinke und die Türe öffnete sich. Zwei Meter entfernt wartete noch immer Griphook. „Wenn sie es wünschen und einem Kobold die Erlaubnis geben, werden wir ihnen eine Liste aller Gegenstände erstellen, damit sie sich einen schnelleren Überblick über ihr Vermögen machen können" bot Griphook an.

„Einverstanden" nahm Harry das Angebot an.