Kapitel 14 - Feier mit Überraschungen

„Harry!" tönte Rons Stimme vom Haus seiner Eltern her „Hagrid ist da!"

„Na komm" rief Harry und packte eine noch immer etwas verträumt wirkende Hermine am Arm und lief los Richtung Haus.

„Hagrid" rief Harry, als er ihn in der Küche stehen sah, wie er sich den Ruß abklopfte.

„Harry" rief Hagrid und drückte Harry fest an sich.

Harry hatte das Gefühl als würde er sich gleich ein paar Rippen brechen, aber er freute sich, Hagrid wieder zu sehen.

„Wo warst Du?" fragte Harry, der seinen Körper abtastete, um sicherzustellen, dass noch alles heil war.

„Das sagst ausgerechnet Du" entgegnete Hagrid mit vorwurfsvollem Blick. „Sogar in Frankreich haben die Auroren nach Dir gesucht."

„Tut mir ja auch leid, aber ..." begann Harry, hielt inne und schaute Hagrid dann von unten an. „Du warst in Frankreich?"

„Das war er" kam eine Stimme, die Harry lange nicht mehr gehört hatte.

„Madame Maxine" rief Harry überrascht, als auch sie durch den Kamin in die Küche trat.

„Da jetzt fast alle eingetroffen sind, sollten wir die Feier mit dem Essen beginnen lassen" sagte Mrs. Weasley, die inzwischen ebenfalls wieder in der Küche eingetroffen war.

„Hört hört" kommentierte Ron und fuhr sich mit der Hand über seinen Bauch.

Lachend näherte sich die Gruppe dem Zelt, das inzwischen gut gefüllt war.

„Ah, da sind ja die Restlichen" begrüßte Mr. Weasley die kleine Schar. „Dann lasst uns die Feier beginnen" und mit einem Klatschen in die Hände erschienen Krüge mit Butterbier sowie die Salate, Brote und das Gegrillte. Alle toasteten sich zu und begannen damit die Teller zu beladen. Es wurde gegessen und gelacht, bis keiner mehr einen Bissen in sich hinein brachte.

„Was ist eigentlich mit unserer Hermine los?" fragte Mr. Granger im Laufe der Party seine Frau. „Die Party macht ihr Spaß, aber irgendetwas ist anders."

Mrs. Granger lächelte wissend. „Schatz, hast Du Sie Dir noch mal genau angeschaut? Ist Dir nichts aufgefallen?" fragte sie ihren Mann, der noch mal zu Hermine schaute, die gerade einen Schluck Butterbier trank.

„Schau mal auf ihre Hand" gab Mrs. Granger den entscheidenden Hinweis.

Mr. Granger verschluckte sich an seinem eigenen Butterbier, als es bei ihm langsam Klick machte.

„Ja, mein Schatz" sagte Mrs. Granger „der Ring ist wunderschön und sie hatte ihn mit Sicherheit noch nicht, als wir über das Flohnetzwerk hierher gekommen sind."

„Du meinst …" begann er, wurde von seiner Frau jedoch unterbrochen.

„Tu erst mal so, als ob Du nichts mitbekommen hast, klar!" ermahnte ihn seine Frau. „Das sollen die beiden uns schön selbst erklären" und sie griff mit einem schelmischen Grinsen zu ihrem Butterbier.

„Es ist jetzt Mitternacht. Zeit für das Feuerwerk" ertönten die Stimmen der Zwillinge von außerhalb des Zeltes.

Nach und nach verließen alle das Zelt und versammelten sich im Garten.

„Herzlich willkommen zu einer Sondervorführung von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze" wurden sie von Fred förmlich begrüßt.

„Mit Stolz präsentieren wir ihnen unser neuestes Produkt: das Feuerwerk Partykracher 2001" ergänzte George.

Mit einem lauten Knall, bei dem alle zusammenzuckten, begann die Show der beiden Brüder. Die Gespräche verstummten und alles, was folgte, war andächtiges Staunen über das Meisterwerk der Zwillinge.

Als krönenden Abschluss des Feuerwerks bildeten die Raketen einen goldenen Phönix, der auf die überraschte Menge zuflog. Als der Phönix sich langsam auflöste erklang das Lied des Phönixes und am Himmel erschien ein weiterer Phönix.

„Wie haben die das wieder gemacht?" flüsterte Ginny Ron zu, doch dieser zuckte nur mit seinen Schultern.

Alle starrten wie gebannt zu dem sich ihnen bietenden Schauspiel so dass niemand den überraschten Gesichtsausdruck der Weasleyzwillinge bemerkte.

Hermine war vom Feuerwerk so gebannt, dass sie zuerst gar nicht merkte, dass Harry sie nicht mehr in seinen Armen hielt. Überrascht sah sie sich um und erblickte Harry mit bleichem Geicht auf dem Boden sitzend und an einen Baum lehnend. Seine Hände pressten sich gegen seine Stirn.

„Harry, was ist mit Dir?" fragte Hermine besorgt.

„Fawkes" war das einzige was Harry zwischen seinen Lippen hervorpresste.

Der Phönix flog direkt auf Harry zu und lies sich neben ihm nieder. Jetzt merkten auch die Letzten, dass das nicht mehr Teil des Feuerwerks der Zwillinge war.

Fawkes näherte sich Harry, der seine Hände sinken lies, bis sich ihrer beiden Köpfe berührten. Hermine wollte Harrys Hand ergreifen, doch wurde sie wie von einem Stromschlag leicht zurückgeworfen. Im gleichen Moment umgab sowohl Fawkes als auch Harry ein goldenes Leuchten. Hermine, die Harry am nächsten saß beobachtete die Szene mit Sorge während alle anderen wie festgewurzelt standen. Nach fünf Minuten ergriff das goldene Licht auch von Hermine Besitz und ihre Eltern schrieen entsetzt auf. Mrs. und Mr. Weasley schafften es gerade noch Mrs. und Mr. Granger davon abzuhalten auf Hermine zuzurennen.

„Phönixe sind mächtige und moralisch hoch stehende magische Wesen. Wir sollten uns keine Sorgen machen sondern abwarten, was das Ganze bedeutet" versuchte Mr. Weasley die Situation zu entspannen. Hermines Eltern war die Skepsis ob dieser Aussage deutlich ins Gesicht geschrieben, jedoch vertrauten sie dem Oberhaupt der Familie Weasley.

Nach einer weiteren Minute erlosch das Licht, welches Harry, Hermine und Fawkes umgeben hatte. Es erklag ein weiteres Mal das Lied des Phönixes und Fawkes verschwand in einer rot-goldenen Flamme.

Harry und Hermine sahen sich kurz an und fielen sich in die Arme. Nun konnte auch Mr. Weasley Hermines Eltern nicht mehr zurück halten, die auf die beiden zustürmten und sie in die Arme nahmen.

„Alles OK" brachte Harry schwach hervor.

„Uns geht es gut" bestätigte Hermine seine Worte.

„Was ist denn gerade passiert?" fragte Hermines Mutter und schaute sowohl Harry als auch ihre Tochter an.

„Ich glaube das wüssten wir alles gerne" erhob Prof. McGonagall die Stimme. Alle drehten sich überrascht herum, da niemand ihr Kommen bemerkt hatte.

„Tut mir leid Molly, aber ich wurde etwas aufgehalten und konnte daher erst jetzt zur Party kommen. Allen Anschein nach aber genau im richtigen Moment" fügte sie mit einem wissenden Lächeln hinzu.

Harry strich sich mit der Hand über die Stirn und wurde von allen angestarrt.

„Was ist mit Deiner Narbe" sprach ihn Ron an. „Die ist ja kaum noch zu sehen!" Harry griff sich an die Stirn und fühlte … nichts. Ein Lächeln huschte über Harrys Gesicht. „Fawkes" murmelte Harry mehr zu sich selbst.

„Was ist mit Fawkes?" fragte Ron nach.

„Er hat gesagt, dass er etwas gespürt hatte, als ich ihn in Prof. Dumbledores altem Büro berührt hatte und er wollte sich jetzt Gewissheit verschaffen" erwiderte Harry.

„Du hast mit Fawkes gesprochen?" fragte Hermine überrascht.

„Du warst doch dabei" schaute Harry seine Hermine überrascht an.

„Ich habe Fawkes gespürt, aber gehört habe ich ihn nicht." Hermines Stimme wurde immer aufgeregter. „Harry, weißt Du eigentlich wie viele Zauberer in der Lage sind mit Phönixen zu reden?"

Harry schaute sich unwissend um und erblickte nur Gesichter, die wie seines überrascht aussahen.

„Da will ich Ihnen mal auf die Sprünge helfen" bot sich Prof. McGonagall an. „Selbst Albus konnte nicht mehr als emphatisch mit Fawkes kommunizieren. Sie verstanden sich außergewöhnlich gut, aber von einem echten miteinander reden konnte man nicht sprechen. Harry, Du bist vermutlich der erste Zauberer seit Merlin und Gryffindor, der mit einem Phönix wie mit einer normalen Person reden konnte."

„Und was hat er jetzt gesagt?" bohrte Ron nach.

„Nun" grinste Harry, „Fawkes meinte, ich hätte mir die intelligenteste und schönste Hexe als Freundin ausgesucht" wofür er einen Knuff von Hermine abbekam und alle Anwesenden die beiden kichernd anschauten.

„Hermine, was ist das an Deiner Hand?" fragte Ginny mit großen Augen und deutete auf Hermines Ring, der beim Knuff kurz aufgeleuchtet hatte.

„Schade, jetzt bekommen wir kein exklusives Herumdrucksen und Stottern mehr geboten" flüsterte Mr. Granger seiner Frau ins Ohr welche daraufhin ein breites Grinsen im Gesicht hatte. „Aber vielleicht spornt sie die Menge dafür etwas an" flüsterte Mrs. Granger ihrem Mann zurück, welcher nun ebenfalls das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht bekam.

„Ich dachte wir wollten über Fakwes reden" sprach Harry in die Stille. Doch niemanden schien das in diesem Moment noch zu interessieren, alle schauten nur noch Hermine an.

„Also, als Harry vorhin die Geschenke verteilt hat, nun, da hatte er, also ich meine, …" begann Hermine zu stottern. Mit jedem Wort wuchs ihr Unbehagen, ganz im Gegensatz zum Rest der Anwesenden, die das Spiel sichtlich zu genießen begannen.

„Ich habe Hermine gefragt, ob sie meine Frau werden will und sie hat ja gesagt" beendete Harry das Trauerspiel.

Im nächsten Augenblick konnte Harry nicht mehr sagen, wem welche Arme und Hände gehörten, die Hermine und ihn umarmten und auf die Schultern klopften.

„Harry Potter" sprach ihm Mr. Granger ernst an. „Mich als Vater zu fragen ist Dir wohl nicht in den Sinn gekommen?"

„Ja, ähm, also, nun, ich …" und Harry wurde mit jedem seiner Worte leiser.

Plötzlich begann Mr. Granger zu lachen und nahm Harry mit einem „Es war ja nur eine Frage der Zeit" in die Arme.

Als Harry wieder aufblickte stellte er fest, dass Hermine verschwunden war. Aber nicht nur Hermine, auch Ginny, Luna, Angelina und viele andere waren verschwunden. „Mädchen" beantwortete Ron Harrys fragenden Blick mit einem Grinsen.

„Das mit intelligenteste und schönste Hexe war eine ungewöhnlich Liebeserklärung, aber was hat Fawkes jetzt wirklich gesagt?" fragte Prof. McGonagall nachdem sie Harry zur Seite gezogen hatte und wieder etwas Ruhe eingekehrt war.

„Stimmt, das hat Fawkes nicht gesagt, aber er hat tatsächlich über Hermine und mich gesprochen" erklärte Harry nun seiner etwas überrascht dreinblickenden Lehrerin.

„Als er das Phönixleuchten auch auf Hermine ausgedehnt hatte, war dies ein unglaubliches Gefühl. Hermine zu küssen und zu berühren ist eine Sache …" Harry lief scharlachrot an, als ihn bewusst wurde, was er gerade wem gesagt hatte. Doch Prof. McGonagall tat so, als hätte sie gerade den Wetterbericht gehört. „Aber dieses Mal war es so, als ob sich unsere Seelen berührten. Es war unbeschreiblich." Harrys Augen leuchteten bei diesen Worten.

„Und dann sagte Fawkes etwas wie „die richtigeWahl getroffen" bevor er verschwand" beendete Harry seine Ausführungen.

„Und was war die ersten Minuten, als Du mit Fawkes alleine warst?" fragte Prof. McGonagall nach.

„Fawkes tröstete mich über die Opfer des Krieges hinweg und lies meine Narbe fast verschwinden als Zeichen, dass es nach Vorne zu schauen gilt und dass eine große Aufgabe vor uns steht – die Neuordnung der magischen Welt."

„Danach …" begann Harry, unterbrach sich aber sofort. „Prof. McGonagall, wie viel wissen sie von der Flucht von Sirius in meinem dritten Schuljahr?" fragte er vorsichtig nach.

„Albus hat mich in den Zeitumkehrer eingeweiht, wenn es das ist, was Du wissen möchtest" beantwortete Prof. McGonagall die Frage.

„Gut" setzte Harry fort. „Fawkes hat zu mir einen Satz gesagt, der fast wortwörtlich dem von Prof. Dumbledore entsprach, dem er damals zu Hermine und mir gesagt hat. Fawks meinte, dass, ich die richtige Wahl treffen müsste und dass es möglich ist, mehr als einen Unschuldigen zu retten. Dafür bedarf es aber der Macht der Ahnen. Können Sie etwas damit anfangen?" fragte Harry hoffnungsvoll seine ehemalige Lehrerin.

„Tut mir leid Harry, aber bezüglich der Macht der Ahnen kann ich Dir nichts sagen. Den Begriff kenne ich selber nicht, aber ich werde umgehend in Hogwarts Nachforschungen dazu betreiben lassen. Was allerdings die Wahl angeht, die Du zu treffen hast, nun, ich denke, das ist bereits geschehen und Fawkes hat es Dir auch schon bestätigt."

Als Harry immer noch etwas verständnislos schaute, half ihm Prof. McGonagall mit „Hermine" auf die Sprünge.

Harrys Gesicht war zwar immer noch verwirrt und ungläubig, seine Augen strahlten jedoch pures Glück beim Gedanken an seine Hermine.

„Und jetzt komm" sagte Prof. McGonagall und packte Harry am Arm. „Es wird Zeit dass wir zurückgehen. Ich möchte schließlich keinen Ärger mit deiner Zukünftigen."

Als Harry seine ehemalige Lehrerin aus großen Augen anschaute, begann diese schallend zu lachen und hatte nichts mehr von der sonst so strengen Lehrerin an sich. Viel mehr fragte sich Harry, wie viel Schalk tatsächlich in seiner ehemaligen Lehrerin steckte und ob die Zwillinge deshalb bei ihren Streichen immer so glimpflich davongekommen sind.

Prof. McGonagall und Harry betraten das Festzelt, in welchem sich inzwischen alle Anwesenden wieder eingefunden hatten und sich nach all der Aufregung noch ein mal dem Essen widmeten.

„Da bist Du ja Harry" wurde er von Hermine mit einer Umarmung begrüßt.

„Komm, wir müssen kurz reden" begann Harry und wollte mit Hermine im Schlepptau das Zelt verlassen.

„Nicht so schnell" wurden beide von Prof. McGonagall aufgehalten. „Ich würde gerne noch ein Wort mit ihnen wechseln. Mit ihnen übrigens auch Mr. Weasley und Mr. Longbottom" wobei sich Ron und Neville überrascht anschauten.

„Ich hatte es ja schon mal erwähnt und der 25. August rückt langsam näher. Was halten sie vier nun davon wieder nach Hogwarts zu gehen?" fragte Prof. McGonagall gerade heraus.

„Wir sollen unser 7. Schuljahr also wirklich nachholen?" fragte Ron mit etwas Unbehagen in der Stimme.

„Spitze" jubelte Ginny. „Ach komm Ronnylein, dann sind wir alle in derselben Klasse. Und Du bist bei Deiner Luna" was Ginny allerdings nur noch für Ron hörbar flüsterte.

Harry und Hermine schauten sich an, als Neville sich fragend an seine ehemalige Lehrerin wand.

„Aber ich habe doch das siebte Jahr abgeschlossen…" begann Neville.

„Und alles andere als schlecht" beendete Prof. Mcgonagall den Satz.

„Aber momentan könnten wir Verstärkung gebrauchen, da sich Madame Sprout etwas verletzt hat."

„Lange Rede kurzer Sinn, Mr. Longbottom" schaute ihn Prof. Macgonagall ernst an „könnten sie sich vorstellen, in Hogwarts ein Praktikum bei Prof. Sprout in Kräuterkunde zu machen?"

Nach den Ausführungen von Prof. McGonagall brach eine Diskussion los über die Vorteile und Nachteile wieder nach Hogwarts zu gehen. Komischerweise waren es gerade Harry, Hermine, Ron und Neville, die sich aus diesen Gesprächen heraus hielten. Ihre Gesichter zeugten aber davon, dass es in ihren Köpfen mächtig arbeitete.

Als langsam der Morgen graute beschloss man die Feier zu beenden und nach Hause zu gehen. Es folgte ein großes in den Arm nehmen, bevor nach und nach alle durch den Kamin der Familie Weasley flohten.

„Geht schon mal vor" schlug Mrs. Granger Hermine und Harry vor, „ich muss Molly noch etwas fragen."

Harry und Hermine verabschiedeten sich von den Weasleys und verschwanden mit einem müden „Hexenhaus" im Kamin.

„Komm, lass uns hoch gehen" schlug Hermine vor. „Wenn Mum noch Rezepte mit Molly tauschen will, brauchen wir nicht hier zu warten."

Wortlos folgte Harry Hermine in ihr Zimmer wo beide todmüde aufs Bett fielen und aneinandergekuschelt sofort einschliefen.