Kapitel 20 – Durch den Schleier
Die nächsten Tage verbrachten Harry und Hermine damit, das Seelenband zu testen. Sie nutzen das Seelenband in Duellen mit Ron, Ginny, Neville, Luna, Fred und George um es unter den von Mrs. Johnson erwähnten Stresssituationen zu testen. Mit der Zeit wurde aus dem bewussten Nutzen ein unbewusstes Nutzen und die Duelle begannen dann schnell einseitig zu werden.
„Was hältst Du davon, noch mal zu Gringots zu gehen um zu schauen, was die Kobolde an Informationen zu einem Seelenband besitzen?" schlug Harry Hermine vor.
„Gute Idee" bekräftigte Hermine. „Dann können wir auch gleich die Bücher für unser letztes Jahr kaufen."
„Und wir kommen mit" erklang es von Luna, Ginny, Ron und Neville.
„Willkommen Harry und Hermine" wurden beide von Griphook begrüßt.
„Hallo Griphook" entgegneten beide.
„Ich rechnete schon mit einem weiteren Besuch und ich kann stolz sagen, dass wir inzwischen weitere Informationen zum Seelenband und zum Tor der Ahnen haben. Ich gehe doch Recht in der Vermutung, dass sie beide das Tor durchschreiten wollen?"
„Das haben wir vor" bestätigte Harry.
„Das ist eine Möglichkeit" erklärte Griphook. „Eine andere Möglichkeit wäre, dass sie das Tor alleine durchqueren."
Hermine wollte schon aufbegehren, als Griphook weiterprach. „Die Idee dahinter ist ganz einfach. Während sie, Harry, durch das Tor gehen, bleibt Hermine vor dem Tor stehen. Über das aktive Seelenband sind sie miteinander verbunden. Sollten Sie trotz ihres magischen Potentials Schwierigkeiten bekommen, so kann Hermine als Anker diesseits des Tores dienen."
„Die Überlegung ist nicht von der Hand zu weisen" musste auch Hermine zustimmen.
„Ich würde es ihnen auf jedem Fall empfehlen. Wenn Harry sicher ist, dass es keine Probleme mit der Rückkehr gibt, dann können sie ja beim zweiten Versuch gemeinsam durch das Tor gehen."
„Die Idee gefällt mir sehr gut, Griphook" bestätigte Harry. „ich denke so werden wir es machen. Hermine, ich gehe das erste Mal alleine durch das Tor und schaue mich ein wenig um. Dann versuche ich zurückzukommen. Wenn ich es problemlos schaffe, werde ich Dich danach mitnehmen. Sollte ich Probleme haben und Dich als Anker benötigen, werde ich auch beim zweiten Mal alleine durchgehen" schlug Harry seiner Hermine vor.
„Auch wenn es mir nicht gefällt Dich alleine gehen zu lassen, so sehe ich doch die Notwendigkeit es so zu machen" seufzte Hermine.
Am nächsten Morgen waren alle im Raum mit dem Torbogen versammelt.
„Dir ist schon klar, dass Du wieder kommen musst?" fragte Hermines Mutter nach. „Du gehörst nämlich zur Familie."
„Danke" und Harry umarmte Hermines Eltern kurz.
„Ich will keine großen Abschiedsworte" begann Harry „wir sehen uns ja gleich wieder."
„So kommst Du mir nicht davon" und Hermine griff Harry am Kragen um ihn in einen leidenschaftlichen Kuss zu ziehen.
„Also so kommt er aber nie davon" stichelte Ginny.
„Schnapp Dir Neville und sei still" grummelte Hermine nachdem sie sich von Harry gelöst hatte.
„O.K. dann will ich mal" und Harry näherte sich dem Schleier und schritt mit einem „ich liebe Dich meine Hermine" hindurch.
Im ersten Moment war alles schwarz und langsam verwandelte sich die Schwärze in ein trübes Grau, welches nicht hinter einem nebligen Novembertag in London zurückzustehen brauchte.
Als sich der Nebel etwas lichtete, erkannte Harry einen Steinkreis, dem von Stonehenge nicht unähnlich.
Als er sich umdrehte, sah er keinen Ausgang und im ersten Moment zuckte er zusammen. Dann sah er jedoch einen feinen goldenen Strahl aus seinem Körper laufen und im Nichts verschwinden. „Unser Seelenband" dachte Harry bei sich selbst. Er folgte dem Seelenband mit seinen Augen und merkte, dass an der Stelle, an der das Seelenband im Nichts verschwand etwas anders war. Es ließ sich nicht beschreiben, aber etwas an dieser Stelle war anders. „Diese Anomalie scheint wohl der Schleier von dieser Seite aus zu sein. Wenn ich mich darauf konzentriere, müsste ich ohne Seelenband zurück finden und könnte Hermine mitnehmen" überlegte Harry.
Langsam näherte sich Harry dem Steinkreis und erkannte Symbole, die ebenfalls auf dem Torbogen und auf dem Spiegel Nehergeb zu sehen waren. Der Steinkreis war groß, mindestens 40 Meter im Durchmesser und in seiner Mitte stand eine Art Altar. Während die Steine des Steinkreises selber in einem matten Grau schimmerten, bestand der Altar aus einem pechschwarzem Sockel und einer strahlend weißen Platte. Als Harry das Material untersuchte, erklang hinter ihm eine belustigt klingende Stimme „willst Du Deinen Patenonkel nicht begrüßen, Du Juniorherumtreiber"
Harry wirbelte herum und erstarrte. Vor ihm stand Sirius.
„Sirius" rief Harry und fiel seinem Patenonkel mit Tränen in den Augen um den Hals.
„Hey, ist ja gut mein Kleiner, alles ist OK" besänftigte ihn Sirius.
„Nichts ist OK" begehrte Harry auf, "wenn ich Voldemort nicht in die Falle gegangen wäre, wärst Du noch da."
„Es war nicht Deine Schuld" redete Sirius auf Harry ein. „Wenn ich nicht so überheblich gewesen wäre, hätte ich die gute alte Bella gleich erledigt statt mit ihr zu spielen. Wenn, dann war es meine eigene Schuld."
Und so redeten die beiden noch mehrere Minuten, bis sich Harry wieder etwas beruhigt hatte.
„Jetzt wird es aber Zeit, dass Du mir sagst, wer die Glückliche ist" grinste ihn Sirius an und deute auf Harrys Ring.
„Wie wäre es, wenn ich sie Dir zeige?" fragte Harry spitzbübisch nach.
„Wie meinst Du das?" erkundigte sich Sirius.
„Uns verbindet ein Seelenband und dadurch könnte ich sie hierher mitbringen" offenbarte Harry dem überraschten Sirius.
„Mitbringen? Seelenband?" murmelte Sirius. „OK, wenn Du mich überraschen willst, dann will ich Dich auch überraschen" und mit diesen Worten trennten sich die beiden erst mal.
Harry lief Richtung der Anomalie und stellte fest, dass er keine Probleme hatte, sich zu orientieren und den Ausgang zu finden. Kurz bevor er durch den Schleier trat, blickte er sich noch mal kurz um und sah Sirius sich im Nebel auflösen.
„Was machst Du denn so schnell wieder hier" wurde Harry von Hermine begrüßt, als er den Torbogen in der Mysteriumsabteilung durchschritten hatte.
„Wie so schnell?" fragte Harry verwundert nach.
„Na, Du bist vor gerade mal einer Minute durchgegangen" begann Hermine, wurde jedoch gleich von Harry unterbrochen.
„Hermine, ich war mindestens 30 Minuten weg" erklärte Harry den überraschten Anwesenden. „Und ich habe Sirius getroffen."
„Sirius? Erzähl!" wurde Harry bestürmt und er erzählte in knappen Worten, was er in der Zwischenwelt erlebt hatte. Besonders die Mitarbeiter der Mysteriumsabteilungen hörten gespannt zu.
„Und dann war ich wieder hier" schloss Harry die kurze Schilderung.
„Dann lass uns aufbrechen" drängte Hermine.
„Und sagt Sirius einen Gruß von uns" erinnerten die anderen die beiden.
„Machen wir" sagte Harry, bevor er die Augen schloss.
Kurze Zeit später erschien ein weißer Phönix in einer weißen Flamme und alle, die Nathan noch nicht kannten, zuckten erst mal zurück.
„Das ist Nathan" erklärte Harry. „Er ist sowohl mit Hermine als auch mit mir verbunden und ich habe ihn zur Vorsicht gerufen. Ich habe keine Bedenken mich in dieser Zwischenwelt zu orientieren, aber für alle Fälle ist Nathan dann doch da."
„Kluge Entscheidung" stimmte Mr. Granger zu.
„Aber passt trotzdem auf Euch auf, ja" ergänzte seine Frau.
„Machen wir" versprach Hermine und Hand in Hand schritten beide durch den Schleier.
Es war wie beim ersten Mal, als Harry alleine durch den Schleier ging. Die Schwärze wandelte sich langsam in einen lichten Nebel und der Steinkreis tauchte in einiger Entfernung auf.
„Versuch mal, ob Du den Ausgang spüren kannst" bat Harry seine Verlobte und lockerte das Seelenband.
Hermine nickte und schaute sich um. Anschließend lief sie ein paar Meter und schaute sich wieder um.
„Je weiter ich mich von dieser Anomalie entferne, umso mehr Probleme habe ich, sie zu lokalisieren" gab Hermine zu. „Mrs. Johnson hatte mit ihrer Vermutung wohl Recht. Alleine wäre diese Aktion für mich mehr als Grenzwertig."
„Ein Hoch auf unser Seelenband" grinste Harry und aktivierte es von seiner Seite aus wieder in voller Stärke.
„Du sagst es" grinste Hermine zurück, die augenblicklich keine Probleme mehr hatte, die Anomalie zu finden.
Hand in Hand schritten sie auf den Steinkreis zu, aus dessen Nebel sich nach und nach mehrere Schatten schälten.
„Sirius" rief Harry, als er den vordersten Schatten erkante.
„Harry" rief Sirius zurück. „Und Hermine, wie ich sehe" grinste er.
„Hallo Sirius" begrüßte ihn nun auch Hermine.
„Na, Überraschung gelungen?" fragte Harry nach.
„Jein" druckste Sirius herum. „Mir war klar, dass Dich etwas Besonderes mit Hermine verbindet, aber da war auch etwas mit Ginny. Diese Wette habe ich wohl verloren."
„Welche Wette?" fragte Harry nach.
„Wer Deine Zukünftige ist" erklang eine Stimme auf dem Nebel, welche Harry stark an Prof. Dumbledore erinnerte.
„Professor?" fragte Hermine vorsichtig nach.
„Ja Hermine" gluckste es und Prof. Dumbledores Gestalt schälte sich aus dem Nebel.
„Wie kommen sie hier her?" fragte Harry überrascht nach.
„Das ist eine graue Welt Harry" erinnerte ihn Prof. Dumbledore „und kann daher von allen betreten werden. Und nachdem Sirius von Deinem Erscheinen berichtet hatte, mit welchem ich nach Merlins Andeutungen täglich gerechnet hatte, haben wir gewettet, wen Du mitbringen würdest."
„Und wer waren die anderen Wettteilnehmer?" erkundigte sich Harry mit einem Blick auf die noch im Nebel verborgenen Schemen.
„Fangen wir doch erst mal mit denen an, die Du bereits kennst" begann Prof. Dumbledore und einem Moment später wurde die Gestalt von Severus Snape sichtbar.
„Hallo Harry, hallo Hermine" begrüßte er beide in einem für ihn ungewöhnlich freundlichem Ton. „Schaut nicht so überrascht" grinste er. „Ich habe die Vergangenheit begraben und meine Fehler erkannt."
„Aber nicht so ganz ohne Überzeugung" warf Sirius von der Seite ein.
„Schon gut, Black" schnarrte Snape in seiner altbekannte Art und Weise.
„Seid friedlich" lächelte Prof. Dumbledore beide an und wandte sich wieder Harry zu. „Hier sind die nächsten Wettteilnehmer" und Prof. Dumbledores Augen zwinkerten wieder.
Die nächsten beiden Nebelschemen entpuppten sich als Tonks und Reumus, welche Harry und Hermine gleich um den Hals fielen.
„Wie geht es unserem Ted?" war die erste Frage, die beiden über die Lippen kam.
„Macht Euch keine Gedanken, Eurem Kleien geht es gut" beruhigte sie Harry.
„Und damit kommen wir zu unseren letzten beiden Wettteilnehmern" fuhr Prof. Dumbledore mit einem schelmischen Grinsen fort.
Aus dem Nebel schälten sich zwei Gestalten, ein Mann mit strubbeligem schwarzem Haar und eine Frau mit langen roten Haaren und strahlend grünen Augen.
„Mum? Dad?" stöhnte Harry auf, bevor er gegen Hermine taumelte, die ihn festhielt.
„Mein Sohn" hörte Harry noch bevor er von seinen Eltern in den Arm genommen wurde und Hermine sich dezent etwas zurückzog.
„Komm her" rief Lilly wenig später Hermine zu und im selben Moment war sie Teil der Umarmung.
„Und was ist mit mir?" gluckste ein kleiner Zauberer aus dem Hintergrund.
„Merlin, schön Dich wieder zu sehen" begrüßte ihn Prof. Dumbleodre „aber Du warst aus offensichtlichen Gründen nicht in dieser Wette involviert."
„Ich verstehe schon Albus" grinste dieser zufrieden zurück. „Dafür wusste ich es als Erster."
„Es ist ja schön, dass ihr Euch alle so lieb habt" donnerte eine Stimme über den Steinkreis „aber es gilt Entscheidungen zu treffen."
„Wer ist das?" fragte Harry, der sich noch immer umschaute, den Ursprung der Stimme jedoch nicht feststellen konnte.
„Granamir" erklärte Merlin.
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schon mal vorab frohes Ostereiersuchen !!
