Kapitel 21 – Granamir
„Wer ist Granamir?" fragte Hermine nach.
„Ich bin Granamir" und aus einer rotgoldenen Feuersäule schälte sich ein Drache.
Der Drache war mit leuchtend roten Schuppen überzogen, deren Ränder golden schimmerten. Seine Augen leuchteten wie zwei Smaragde und über seinen Rücken flackerten kleine Feuer. Er strahlte eine Aura von Macht und Wissen aus, die selbst Prof. Dumbledore und Merlin in den Schatten stellte.
„Das ist also der Zauberer, der die Macht der Ahnen geweckt hat" sprach Granamir zu Harry. Dabei näherte sich Granamir Harry bis ihre beiden Köpfe auf gleicher Höhe waren und grüne Augen in grüne Augen blickten. Harry hatte das Gefühl, komplett durchleuchtet zu werden. Er hatte dieses Gefühl schon des öfteren bei Prof. Dumbledore erlebt, aber bei Granamir war es ungleich intensiver.
„Ich sehe was Du meinst, alter Freund" wandte sich Granamir an Merlin. „Er ist etwas Besonderes und ich erachte ihn als würdig. Auch sein Weibchen ist gut gewählt."
„Weibchen?" brauste Hermine auf.
Granamir schaute Hermine kurz an und begann dröhnend zu lachen. Alle Anwesenden hielten sich schmerzverzerrt die Ohren zu.
„Tut mir leid" antwortete Granamir, der seine Zähne zeigte, was für ihn wohl ein Grinsen darstellte. „Du erinnerst mich an meine Saphira, die hat ein ähnliches Feuer."
„Du hast mich gerufen?" erklang eine mächtige, aber nicht ganz so dunkle Stimme und kurze Zeit später erschien ein etwas kleinerer Drache mit leuchtend grünen Schuppen und zwei feuerroten Augen neben Granamir.
„Saphira" begrüßte sie Granamir. „Das sind Harry und Hermine, der Prophezeite und seine Seelenpartnerin. Die Anderen kennst Du ja bereits."
„Dann ist die Zeit also gekommen?" fragte Saphira nach.
„Ja meine Liebe, Voldemort und seine Anhänger haben zu oft gegen die Gesetze der alten Magie verstoßen."
„Harry, nutze die Gelegenheit mit Deiner Familie und Deinen Freunden zu sprechen. Wir rufen das Konzil der Ahnen ein um die letzten Schritte einzuleiten. Aber vorher habe wir noch etwas für Euch beide."
Mit diesen Worten näherten sich Granamir Harry und Saphira Hermine.
„Die Macht der Ahnen ist erwacht" begann Granamir worauf Saphira mit „möget ihr nun Zugriff auf die alte Magie haben" fortfuhr.
Im selben Moment begann Granamir rot und Saphira grün zu leuchten. Kurze Zeit später begannen Harry und Hermine golden zu leuchten und die vier Auren vermischten sich. Mit einer magischen Schockwelle, die alle Anwesenden von den Beinen fegte, endete die magische Vereinigung und Granamir und Saphira waren verschwunden.
„Was war denn das" murmelte Sirius als er sich langsam wieder aufrappelte.
„Zwei der Allerersten haben Harry und Hermine Zugriff auf die Urkräfte der Magie gewährt" erklärte Merlin. „Wir kennen etwas, was wir als alte Magie bezeichnen. Etwas, was kaum ein Zauberer noch beherrscht. Der Grund liegt darin, dass gewisse Urkräfte durch das, was wir als Zivilisation und Fortschritt kennen, verloren gegangen sind. Bei Hermine und besonders bei Harry waren diese Kräfte latent noch vorhanden und haben unter anderem zu diesem besonderen Seelenband oder Harrys stabloser Magie geführt. Und jetzt haben Granamir und Saphira die Kräfte vollständig aktiviert. Harry und Hermine sind nicht mehr auf dem Niveau eines Zauberers sondern dem eines alten Magiers."
Langsam wachten auch Harry und Hermine wieder auf, deren Köpfe im Schoß von James und Lilly lagen.
„Na, wieder unter uns ihr beiden" grinste James sie an.
„Wie fühlt ihr Euch?" fragte Lilly besorgt.
„Etwas wackelig" gab Harry zu.
„Was ist passiert?" erkundigte sich Hermine.
„Granamir und Saphira haben eure alte Magie vollständig für euch nutzbar gemacht. Danach seid ihr ohnmächtig geworden" erklärte Merlin.
„Wie lange?" fragte Harry nach.
„Etwa 4 Stunden" erwiderte Lilly, die gerade dabei war, Hermine wieder auf die Beine zu helfen.
„Na, ausgeschlafen ihr beiden?" erklang die Stimme Granamirs aus einiger Entfernung. „Das Konzil hat entschieden, die Ahnen werden ihre Neutralität aufgeben und sich gegen Voldemort und die Dämonen der Finsternis stellen. Wir werden Euch das Wissen geben, das Tor zu zerstören, auch wenn damit das letzte graue Tor vernichtet wird."
„Aber dann kann ich Euch gar nicht mehr besuchen" schrie Harry auf und sah seine Eltern mit großen Augen an. „Kann ich Euch nicht zurück mitnehmen?"
„Nein mein junger Freund" klärte ihn Granamir auf. „Deine Eltern sind schon lange tot und ihre Körper existieren nicht mehr, genauso wenig wie die Körper von Albus, Severus, Remus und Tonks. Den Einzigen, den Du mitnehmen könntest, wäre Sirius, da er nie wirklich gestorben ist und er somit beim Durchgang durch das Tor seinen Körper zurückerhalten könnte."
„Aber ich werde nicht mit Dir kommen mein Junge" erklärte Sirius mit traurigen Augen, worauf Harry schluchzend in die Knie ging.
„Schau" begann Sirius „wenn ich als unschuldige Seele freiwillig verzichte, dann können zwei andere Seelen zurück durch den Schleier. Diese beiden werden allerdings nur Projektionskörper erhalten, die etwa zwanzig Jahre halten. Danach werden die Körper verwehen."
Harry schaute seine Eltern hoffnungsvoll an.
„Nein mein Sohn" begann seine Mutter. „Wir sind schon zu lange hier und gehören nicht mehr in Eure Welt. Und Du brauchst uns auch nicht mehr, da Du jetzt bald Deine eigene Familie hast. Es gib allerdings jemanden, der ganz dringend seine Eltern braucht."
„Ted" murmelte Harry und schaute verlegen zu Remus und Tonks.
„Harry, Du weißt, das ist die einzig richtige Entscheidung, auch wenn es schwer ist" redete ihn Prof. Dumbleodre aufmunternd zu.
„Ich weiß" begann Harry „ich hatte nur gehofft…"
„Ist schon gut" und Lilly nahm ihren Sohn in den Arm.
„Was meinest Du eigentlich mit eigener Familie?" fragte Hermine nach, als sie sich die Worte noch mal durch den Kopf gehen lies.
„Nun" grinste James sie an „glaubt ihr beiden eigentlich, dass bei so viel Magie und mit aktiviertem Seelenband ein Verhütungstrank wirken könnte?"
Harry und Hermine klappte die Kinnlade herunter und alle anderen grinsten die beiden nur an.
„Soll das bedeuten, ich bin schwanger?" fragte Hermine mit großen Augen nach.
„Du solltest Dich jedenfalls untersuchen lassen. Und für spätere Fälle solltet ihr die Mugglemethoden der Verhütung in Betracht ziehen. Für die üblichen Verhütungstränke habt ihr einfach zu viel Magie" grinste Sirius Hermine und Harry an.
„Wollt ihr vielleicht noch vorher gleich hier heiraten?" fragte Prof. Dumbledore mit einem Zwinkern in den Augen nach.
„Jetzt gleich? Aber meine Eltern sind doch gar nicht da" murmelte Hermine unsicher und traurig.
„Was hältst Du davon" fragte Harry mit Dackelblick nach „wir heiraten hier magisch mit meinen Eltern und später nach Muggleart mit Deinen Eltern."
Hermines Augen leuchteten auf, als sie Harrys Gedanken verstand.
„Ja" hauchte sie und ihre Augen strahlten. „Auch wenn es etwas plötzlich und ungeplant ist."
„Dafür bekommt ihr aber den Segen der Ahnen" grinste Sirius die beiden an. „Und James und Lilly können bestimmt ein paar schöne Kleider und Anzüge zaubern."
„Und hier sind Eure Ringe, zwei der Ringe der Ahnen" schnaubte Granamir und ein Feuerstrahl verließ seinen Rachen. An der Stelle, an der das Feuer den Stein berührte, leuchtete die Erde auf und der Stein verschwand. Dort lagen stattdessen zwei goldene Ringe, die leicht rötlich schimmerten. „Diese Ringe können nur von Euch getragen werden und können auch nur von Euch abgenommen werden. Den Rest findet ihr mit der Zeit schon selber raus."
Langsam versammelten sich alle um den Altar im Steinkreis
„Wir haben nicht viel Zeit" sprach Granamir, „daher sollten wir die Zeremonie kurz halten. Und außerdem habt ihr ja noch eine weiter Hochzeit, bei der ihr ausgiebig feiern könnt."
Harry und Hermine stellten sich vor dem Altar einander gegenüber und ergriffen ihre Hände.
„Ich, Harry Potter, Lord Gryffindor, teile mein Leben und meine Magie."
„Ich, Hermine Granger, Lady Gryffindor, teile mein Leben und meine Magie."
„Was bisher getrennt werde nun eins. Magie und Seele sich verbindet" fuhr Merlin fort.
Ein goldenes Leuchten umgab Harry und Hermine, welches langsam erlosch.
„Wundert Euch nicht. Ihr habt relativ wenig von der Vereinigung gespürt, da ihr schon über das Seelenband verbunden seid. Es war, wie ihr Menschen so schön sagt, quasi eine Formsache" erklärte Granamir den etwas überrascht dreinblickenden Harry und Hermine.
Kurz darauf wurden beide in eine Massenumarmung gezogen und beglückwünscht.
„Nun wird es Zeit, dass ihr uns wieder verlasst" beendete Granamir die fröhliche Runde. „Voldemort hat alle schwarzen Tore abgesucht ohne einen Durchgang gefunden zu haben und wendet sich nun den grauen Toren zu. Wann er diese Welt findet kann ich nicht sagen, aber ihr solltet das Tor zerstören, sobald ihr auf der anderen Seite angekommen seid."
„Und keine Angst" ergänzte Sirius. „Auch wenn wir Avalon auf Grund dessen Besonderheiten nicht betreten können, wir finden einen Weg, wie wir uns wieder sehen können."
„Granamir" fragte Harry nach „kann man Voldemort nicht endgültig vernichten?"
„Eine Möglichkeit gäbe es" bestätigte Granamir „aber diese ist nicht ganz ungefährlich."
„Erzähl" forderte ihn Hermine auf.
„Wenn ihr auf der anderen Seite des Tores seid, müsst ihr warten, bis Voldemort den Schritt durch das Tor wagt. Sobald er sich im Tor befindet, müsst ihr es zerstören. Wenn ihr es zu früh zerstört, bleibt Voldemort auf unserer Seite gefangen, wenn ihr es zu spät zerstört, müsst ihr ihn wie schon ein Mal mit Euren eigenen Mitteln auf Eurer Seite bekämpfen. Schafft ihr es aber, das Tor im Moment des Überganges zu zerstören, dann verweht nicht nur das Tor zwischen den Dimensionen sonder auch alles, was sich zu diesem Zeitpunkt dort befunden hat. Und das überlebt nichts und niemand. Selbst unsere Seelen würde dabei verwehen."
„Dann ist es beschlossene Sache" bekräftigte Harry.
„Wir werden Voldemort ein für alle mal ausschalten" ergänzte Hermine.
„Wir wünschen Euch alles Gute und passt auf Euch auf" verabschiedeten sich James und Lilly von Harry und Hermine.
„Und die nächsten hundert Jahre will ich niemanden von Euch oder Eurer Familie hier sehen, es sei denn ihr kommt zu Besuch" grinste Sirius die beiden an.
„Tretet Voldemort von mir in den Hintern" verabschiedete sich Severus Snape.
„Ich bin stolz auf Euch" verkündete Prof. Dumbledore bevor auch er verschwand.
„Geht, Eure Zukunft hält Großes für Euch bereit" sprachen die beiden Drachen und verschwanden.
„Macht es gut zusammen" begann Harry.
„Und danke für Alles" vervollständigte Hermine.
„Lasst uns gehen" sprach Remus in die Stille hinein, als nur noch er, Tonks, Harry und Hermine im Steinkreis standen.
Zu viert näherten sie sich der Anomalie um durch das Tor in ihre eigene Welt zurückzukehren.
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In der Mysteriumsabteilung:
In der Zwischenzeit hatte Arthur Weasley ein paar Liegen heraufbeschworen und die Gruppe hatte es sich für die Dauer der Wartezeit bequem gemacht.
„Wie lange werden die beiden weg sein?" fragte Ginny nach.
„Schwer zu sagen, besonders wenn man die Zeitverschiebung bedenkt" antwortete ihr Neville.
„Ich freue mich jedenfalls, dass Harry Sirius noch mal sehen kann" erklärte Molly Weasley. „Auch wenn ich mit Sirius nicht immer einer Meinung war, so war er doch immer für Harry da und wollte immer nur sein Bestes."
„Ich hole uns erst mal etwas zu essen und etwas Kürbissaft aus der Ministeriumskantine" bot sich Mrs. Johnson an.
