Die neue Professorin

***

Hermine wachte am anderen Morgen sehr spät auf. Sie hatte verschlafen. Schnell sprang sie aus dem Bett und zog sich an. Sie suchte noch schnell ihre Bücher für die ersten Stunden zusammen und rannte dann aus dem Turm. Als sie in der großen Halle ankam, waren schon alle anderen weg. Das hieß: sie musste ihr Frühstück auslassen, obwohl ihr Magen was ganz anderes wollte. Hermine rannte hinunter in die Kerker und erreichte noch vor Snape den Klassenraum. Komplett außer Atem blieb sie im Türrahmen stehen und lehnte sich erst mal dort gegen. Ron und Harry, die einen Platz für sie freigehalten hatten, winkten ihr zu. Mit zittrigen Beinen ging Hermine auf die beiden zu und ließ sich neben Harry nieder.

„Na sieh mal einer an. Da ist aber einer ganz schön spät dran!", ertönte eine kalte Stimme hinter ihr. Hermine wirbelte herum und erkannte ein paar Reihen hinter ihr Draco Malfoy.

Na super Der, dass hat mir gerade noch gefehlt, dachte sie und verdrehte die Augen.

„Warst gestern wohl noch ein bisschen zu lange auf, was Granger?"

„Halt die Klappe, Malfoy!"

„Uhu, wer hat dir denn den Zauberstab verknotet?"

„Du!"

„Was habe ich dir denn getan? Ich war die ganze Zeit hier unten!"

„Das reicht schon. Aber trotzdem weißt du, was los ist, Malfoy!"

„Nein, kann mich an nichts erinnern."

Hermine wurde es zu viel und drehte sich wieder nach vorne.

„Hey Herm, wo warst du denn?", fragte Harry neben ihr.

„Verschlafen." War das einzige was sie herausbekam. Sie kochte wieder. Hermine wusste, dass sie sich eigentlich bei ihm entschuldigen müsste, aber das würde und könnte sie nie tun. Sie und eine Entschuldigung bei Malfoy, passten überhaupt nicht. Das saß ganz weit unter ihrer Würde.

Wie jedes Jahr betrat Snape mit steinerner Miene den Klassenraum, bereit den Gryffindors wieder Punkte abzuziehen.

Der Unterricht verlief genauso, wie es sich Harry, Ron und Hermine vorgestellt hatten. Bei einem Zaubertrankgemisch explodierte Nevilles Kessel und der von Seamus, der leider neben Neville saß, begann zu schmelzen. Snapes Lippen kräuselten sich. Er konnte sich nur schwer ein Lächeln verkneifen.

„Für nächste Stunde suchen Sie bitte das Rezept von Veritaserum heraus." Kündigte Snape nach den Unterricht an. Dazu bekamen die Gryffindors noch Unmengen an Zusatzaufgaben auf und tatsächlich fünfzehn Punke Abzug, sodass sie jetzt auf einer minus Zahl standen.

Hermine packte langsam ihre Sachen zusammen.

„Schneller Granger, sonst schläfst du noch ein!", höhnte Malfoy von hinten.

Hermine hielt kurz inne, beherrschte sich dann aber wieder und gab den anderen zwei, die auf sie gewartet hatten, ein Zeichen, dass es Zeit war so schnell wie möglich zu verschwinden.

***

Hermine stand mit Cho im Hof. Sie unterhielten sich über die neue Professorin, als Harry plötzlich mit einer kichernden Ginny auftauchte. Hermine hielt inne und Chos Augen verformten sich zu schlitzen. Die beiden beobachteten das, wie Hermine fand, süße Pärchen.

„Was guckt ihr denn so?", fragte Ginny, als sie die beiden anderen Mädchen erreicht hatten.

„Gar nichts.", erwiderte Hermine.

„Nach nichts, sah das aber ganz und gar nicht aus.", meldete sich Harry.

Hermine und Cho hoben die Schultern und schauten auf die Uhr.

„Was habt ihr jetzt?", fragte Cho.

„Verteidigung gegen die dunklen Künste, mit Slytherin." , sagte Hermine niedergeschlagen.

Cho sah Hermine mitleidig an. Hermine aber zuckte mal wieder nur mit den Schultern und fuhr fort:

„Ich bin auf jeden Fall total auf die Neue gespannt!", erklärte Hermine aufgeregt.

Die anderen stimmten ihr zu. Das kleine Grüppchen trennte sich und Harry ging mit Hermine zum Fach „Verteidigung gegen die dunklen Künste".

Als sie den Raum erreichten saß Ron schon an einem Tisch und winkte ihnen zu, dass sie sich neben ihm setzen sollten. Schnell packten alle ihre Sachen aus, sie wollten nicht schon am ersten Tag einen schlechten Eindruck hinterlassen.

„Ich bin total gespannt!", sagte Hermine.

„Ja und wie. Das ist bestimmt eine, wie der Werwolf, vor drei Jahren!"

Hermine holte tief Luft. Sie wusste, dass es Malfoy war und das er über Lupin sprach. Lupin war nicht nur ein Lehrer für sie gewesen, sondern war oder ist bis jetzt noch ein guter Freund für sie, Harry und Ron. Hermine hätte Draco am liebsten eine Ohrfeige verpasst, aber so weit kam es leider nicht mehr.

Eine junge Frau betrat den Raum und alle Blicke vielen auf sie. Jetzt konnte Hermine sich die Frau besser ansehen. Das blonde Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie trug einen purpurroten Mantel, der, wie Hermine fand, gut zu ihrer Haar- und blauen Augenfarbe passte. Unter dem Umhang trug sie schwarze, hochhackige Schuhe mit einer dunklen Jeans und einem roten T-Shirt. Als die Professorin durch den Raum zum Pult ging, pfiffen einige Jungs ihr hinterher. Hermine drehte sich um, um nachzuschauen wer es war. Natürlich war es niemand anders als Malfoy. Herm verdrehte die Augen und schaute wieder zur Professorin, die nun zu reden begann:

„Dahinten in der letzten Reihe, Ihnen bitte ich, dass beim nächsten mal zu hinterlassen. Ich bin nicht Ihre Mitschülerin oder Freundin, sondern Ihre Professorin und ich bin hier um Ihnen etwas beizubringen. Mein Name ist Spy. Loren Spy. Ich habe gehört, dass es bevor ich kam, jedes Jahr einen anderen Professor gab und hoffe, dass ich diese Tradition brechen kann. Wer noch Fragen hat, meldet sich bitte!"

Hermines Hand schnellte in die Luft. Die Professorin gab ihr ein Zeichen zum Sprechen.

„Werden wir in Ihrem Unterricht nur theoretisch oder auch praktisch was lernen?"

„So wohl als auch. Sie werden viel schreiben, aber auch viel Zaubern. Ich möchte, dass Sie im Falle eines Falles gut ausgebildet sind und Sie sich auch verteidigen können. Dies geht nicht, wenn Sie die Zauber nicht üben."

Hermine nickte und atmete durch. Sie war froh wieder in diesem Fach zu lernen. Letztes Jahr hatten sie eine aus dem Ministerium, die es nicht für wichtig hielt, ihnen Zauber beizubringen. Deshalb hatte sie mit Harry und Ron die DA gegründet. Dumbledore Armee. In diesem Club hatten Kinder oder Jungendliche, die wirklich etwas lernen wollten, von Harry Unterricht bekommen. Harry beherrschte Zauber, die selbst viele aus dem Ministerium nicht vollbringen konnten.

Der Rest des Unterrichts verlief ziemlich gut. Sie mussten zwar, wie Spy es schon angekündigt hatte, viel schreiben, hatten aber auch viel zu lachen.

„Ich habe einen Krampf in der Hand.", beschwerte sich Ron, nach dem Unterricht, bei Harry und Hermine.

Draco ging auf dem Gang, an ihnen vorbei. Hermine konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie sah in Draco nur noch ihr Opfer. Plötzlich hielt Draco inne und rang hechelnd nach Luft. Hermine hatte ihm hinten an der Kapuze gefasst und hielt ihn fest.

„Du, du…" sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Das einzige, was sie wirklich in diesem Moment wusste war, dass sie, vor Zorn, kochte. Draco versuchte sich mit aller Kraft von ihr loszureißen, schaffte es aber aus irgendeinem Grund nicht. Die Finger ihrer rechten Hand hatten sich tief in den Stoff gekrallt.

„Sag mal, was hast du eigentlich für ein Problem?" Draco war gereizt und starrte sie zornerfüllt an.

„Mein Problem bist du!", zischte sie.

„Was habe ich denn getan?"

„Das fragst du noch? Schlimm genug, dass du gestern eine Erstklässlerin verflucht hast, aber was du dir Heute geleistet hast, setzt noch das Krönchen oben drauf. Ich fasse es einfach nicht, wie du dich bei Professor Spy benommen hast. Hast du eigentlich gar keinen Respekt vor irgendjemand, außer vor dir selbst? Und das, was du getan hast, war abstoßend." Hermine hatte sich in fahrt geredet. Nur mit Mühe, konnten Harry und Ron sie von ihrem Opfer wegzerren.

„Komm Hermine, lass ihn. Das ist ein Malfoy, der interessiert sich doch eh nur für sich selbst.", versuchte Ron ihr klar zu machen und zog mit Harry eine immer noch wütende Hermine mit sich fort. Draco sah ihr zornig, aber auch erstaunt hinter her. Noch nie in seinem Leben hatte er so eine Schlagfertigkeit erlebt. Das Hermine nicht ohne war, wusste er ja, aber dass sie zu so was in der Lage war, hätte er nie gedacht. Sonst war es immer Harry, der ihn anmachte und Hermine diejenige, die vernünftig blieb, aber heute?!

Zum ersten Mal war Draco so richtig sprachlos.

„Sag mal Herm, ich dachte er hätte sie nicht verflucht.", stellte Ron fest.

„Hat er auch nicht.", gab Hermine kleinlaut zurück.

„Und warum…?"

„Er muss ja nicht wissen, dass ich weiß, was wirklich passiert ist, oder? Und außerdem hat er es nicht anders verdient!"

„Sogar Malfoy hätte dich nicht so angemacht…", sagte Harry, konnte seinen Satz aber nicht vervollständigen, weil Hermine dazwischen redete.

„Aber mit Worten und das ist genauso schlimm. Ich möchte nicht weiter über dieses Frettchen reden!"

***

Harry, Ron und Hermine saßen im Gryffindoreturm. Hermine hatte sich wieder einigermaßen beruhigt. Sie saß auf dem Sofa und starrte ins Feuer, das lustig im Kamin tanzte.

Sie dachte über den vergangenen Tag nach. Was Draco da getan hatte, konnte Hermine nicht nachvollziehen, noch nicht mal bei einem Malfoy. Einer Frau, die auch noch Professorin war, hinter her zu pfeifen, war nicht seine Art.

„Wieso hat er so was getan?" Hermine sprach mehr zu sich, doch die anderen zwei bekamen es trotzdem mit.

„Weil er immer gerne im Mittelpunkt steht.", sagte Harry.

Hermine schrak aus ihren Gedanken und sah Harry an. Jetzt erst wurde ihr klar, dass sie es wohl laut gesagt hatte.

„Aber so was hätte ich ihm nie zugetraut", sagte sie.

„Genauso wenig, wie es Draco dir nie zugetraut hätte, dass du so hysterisch werden kannst."

Das Trio sah sich an. Keiner von ihnen hatte gerade geredet und die anderen alle waren schon im Bett. Sie sahen sich um und erkannten Casey am Ende der Treppe, die zu den Schlafsälen führte. Sie musste herunter gekommen sein. Sie trug ihren Pyjama, der mit Herzchen voll war und dazu Plüschpantoffeln. Ihr Haar war total zerzaust und ihre Augen wirkten verschlafen. Sie ging auf die anderen drei zu und setzte sich in einen Sessel neben dem Sofa.

„Was meinst du damit?"

„Das was ich gesagt habe."

„Aber was hat das damit zu tun, dass ich das nie von ihm erwartet hätte. Wieso kommst du denn dann darauf, dass er es auch nie von mir erwartet hätte und…" Hermine hielt in der Frage inne. Woher wusste Casey, was vorgefallen war?

„…und woher weißt du, was vorgefallen ist?", beendete Hermine ihren Satz.

„Mir kommt so einiges zu Ohren."

Eine lange Pause trat ein, in der keiner von ihnen auch nur einen Mucks sagte oder tat.

„Sag mal", unterbrach Hermine die Pause, „was meintest du denn damit?"

„Ich meine nur, dass bei euch beiden…"

„Malfoy und mir?"

„Ja. Ich meine, dass bei euch beiden alles möglich ist."

„Was alles?"

„Na alles eben. Sogar Sachen, die für euch im Moment noch undenkbar sind und die ihr nie in Frage gestellt habt oder stellen würdet."

Harry, Ron und Hermine sahen sich an. Was zum Kuckuck meinte Casey damit?

„Du spricht in Rätseln!", sagte Hermine.

„Aber das ist es ja auch und besonders für dich und deine zwei Freunde."

„Casey.", jetzt meldete sich Harry, der die ganze Unterhaltung zwischen der genannten und Hermine zugehört hatte. „Woher willst du das denn alles wissen? Du bist gerade mal vierundzwanzig Stunden hier und weißt schon über alles bescheid, was hier so los ist."

„Das ist mein Schicksal. So bin ich eben."

Hermine gähnte. Sie wollte zwar mit Casey weiter reden, war aber zu müde dafür.

Sie verabschiedete sich von den anderen und ging zu Bett.

„Ich hoffe Hermine knackt das Rätsel bald.", sagte Casey.

„Was ist es denn?", fragte nun Ron ungeduldig.

„Das werde ich euch nicht sagen. Hermine wird es tun, wenn die Zeit reif ist."

„Aber du hast doch gerade gesagt, dass Hermine es vielleicht gar nicht knacken

wird.", sagte Harry.

„Oh nein, ich sagte, dass sie es vielleicht nicht so BALD knacken wird, aber sie wird es irgendwann."

„Gut und desto schneller wir ihr helfen, desto schneller knackt Hermine das Rätsel."

„Tut mir leid, aber ihr könnt ihr auch dabei nicht helfen. Hermine muss alles selber tun."

„Und was?", fragten nun Harry und Ron wie aus einem Munde.

„Sie selbst sein? Ich weiß es nicht!" Casey erhob sich, mit diesem Satz und ging auch zu Bett.

Sie ließ zwei total verwirrte Jungs sitzen.

„Meinst du, dass war alles nur Show?", fragte Ron Harry.

„Ich weiß es nicht, aber irgendwas stimmt mit Casey nicht. Woher weiß sie das alles?"

„Vielleicht hat sie einfach schon zu viele Freunde."

„Nein ich glaube nicht, dass sie das von irgendjemand erfahren hat. Die anderen wissen ja auch nicht, was geschehen wird. Was auch immer das ist."

„Was sollte das eigentlich? Zuerst sagt sie uns, dass Hermine ein Rätsel zu knacken hat und dann weiß sie selber nicht mehr, was zu tun ist!"

„Ich sag ja, irgendetwas ist komisch an ihr. Am besten behalten wir Hermine so weit wie es geht im Auge!"

Ron stimmte ihm zu und jetzt gingen auch sie zu Bett.

***

Es war halb drei, als das Feuer im Kamin erlosch und Hermine immer noch wach im Bett lag.

Sie war zwar müde, konnte aber nicht schlafen. Immer und immer wieder ging ihr das, was Casey ihr gesagt hatte, durch den Kopf. Von was für einem Rätsel hatte sie gesprochen? Und warum betraf es nur sie und Malfoy? Sie würde Casey bei der nächst Besten Gelegenheit fragen. Mit diesem Beschluss schlief sie endlich ein.