Probleme

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„Willkommen zu eurem neuen Schuljahr Sechstklässler!", sagte McGonagall. „Ich möchte nicht noch eine lange Rede halten, also fangen wir sofort an. Das erste Thema dieses Jahr wird Verwandlung eines Menschen sein. Wir aber fangen, da der Zauber schwer zu kontrollieren ist, ganz klein an."

McGonagall holte, während sie das sagte, eine kleine Puppe aus einem großen Schrank.

„Zuerst konzentrieren wir uns auf die Haare der Puppe. Wir wollen ihr eine neue Frisur verpassen, also, wer kennt den Zauber?"

Hermines Hand schoss in die Höhe.

„Ja, Miss Granger!"

„Feraverto!", sagte Hermine und McGonagall nickte.

„Feraverto?", fragte Draco. „Diesen Zauber hatten wir schon im zweiten Schuljahr!"

„Gewiss Mr. Malfoy trotz allem wird er für mehrer Dinge eingesetzt. So steigert sich auch der Schwierigkeitsgrad.", erklärte McGonagall. „Wollen Sie nicht, Mr. Malfoy?"

„Was ich? Ganz bestimmt nicht! Nehmen sie doch wieder unser kleines Genie, das Schlammblut!", höhnte dieser.

„Mr. Malfoy, ich dulde diese Ausdrücke weder in meinem Klassenraum noch in meiner Gegenwart. Verstanden!?"

„Verstanden, ja, aber ob ich das einhalten kann…?"

„Mr. Malfoy!", donnerte McGonagall.

„Ja, alles klar!"

„Okay, Miss Granger, wollen Sie uns dann nicht…", begann McGonagall und ihr Blick wandte sich wieder ihrer Lieblingsschülerin zu.

„Kein Problem, Professor. Ich denke, dass bekomme ich hin!"

„Sehr schön."

Hermine stand auf und ging nach vorne. Währenddessen ertönte, nur leicht vernehmbar, wieder die kalte Stimme.

„Ich sag doch Genie pur. Das sie das immer macht. Ständig tanzt sie nach der Nase der Professoren."

So leise wie es auch war, Hermine hörte dies und konnte sich nicht mehr beherrschen, statt der Puppe eine Frisur zu verpassen richtete sie ihren Zauberstab auf Draco. Bevor McGonagall oder sonst einer was unternehmen konnte, wuchsen Dracos Haare bis zur Hüfte und knoteten sich dann zu einem Dutt zusammen.

Die komplette Klasse prustete los, während McGonagall kreideweiß und mit offenem Mund vorne am Lehrertisch stand.

Draco fuhr sich unbedacht mit den Händen durch die Haare und schrie auf.

Was hat dieses Schlammblut nur mit mir gemacht?

„Ich würde sagen, dass ich nicht immer nach der Nase von den Professoren tanze, Malfoy.", sagte Hermine, als wieder Stille eintrat. „Sonst hättest du jetzt keine langen Haare. Pass beim nächsten mal auf, wenn du was über mich sagst, okay?!", den letzten Satz fügte sie mit einem Zwinkern hinzu.

„Miss Granger, darf ich Sie bitten mir das zu erklären?"

„Natürlich! Malfoy hat es nicht anders verdient. Er meint ständig andere runter machen zu können, warum dürfen sich diese Leute dann nicht wehren? Malfoy ist ein Typ, der gut austeilen, aber nur schwer einstecken kann. Außerdem ist mit seinem Haaren nichts weiter passiert…"

„Nichts weiter, Granger? Ich sehe aus wie M… wie meine Oma!", sagte er und der peinliche Unterton in seiner Stimme hörte man nur zu gut heraus.

„Das ist dein Problem. Ich hätte außerdem nichts an deinen Haaren gemacht, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich es kann. Wenn aber was passiert wäre, hätte es mir auch nichts ausgemacht.", sagte Hermine, während sie sich ein Lachen nur schwer verkneifen konnte und hob die Schultern. „Entschuldigen Sie, Professor!"

„Setzten Sie sich!"

Hermine tat wie ihr geheißen und wurde von Ron und Harry auf die Schulter geklopft. In diesem Moment überkam ihr ein komisches Gefühl. Nicht so eins, wie zu Hause. Ein anderes. Aber was? Hermine kannte das Gefühl nicht. Sie schüttelte leicht den Kopf und konzentrierte sich wieder auf den Unterricht. McGonagall hatte selbstverständlich den Zauber bei Draco aufgehoben.

„Mr. Malfoy? Bleiben Sie bitte kurz.", sagte McGonagall nach dem Unterricht.

Das Trio blieb interessiert stehen und sah zu, wie Draco auf McGonagall zuging.

„Würden Sie bitte so freundlich sein und den Klassenraum verlassen."

Harry, Hermine und Ron sahen einander an und schließlich taten sie, was von ihnen verlangt wurde.

„Was glaubt ihr, will die von ihm?", fragte Ron.

„Keine Ahnung. Vielleicht wird er so richtig fies niedergetrampelt, weil er Herm beschimpft hat, nicht?!", sagte Harry und stieß Hermine in die Hüfte.

„Natürlich nicht. Ihr kennt McGonagall doch auch. Diese Sache ist für sie abgehackt."

„Und für dich?", fragte Harry und schaute sie wachsam an.

„Wieso für mich?"

„Es betrifft dich doch auch."

„Es macht mir nichts mehr aus. Schließlich nennt er mich schon seit fünf Jahren so." Hermine sagt dies in einem Ton, den Harry und Ron nur selten bei ihr hörten. Er war leise und verletzlich.

„Bist du sicher, Herm?", fragte Harry.

„Du kannst uns alles sagen, dass weißt du doch.", sagte Ron und legte ihr eine Hand freundschaftlich auf die Schulter.

„Natürlich und ja, ich bin mir sicher."

Harry und Ron nickten. Sie wollten nicht weiter nachfragen und vertrauten Hermine. Sie dagegen wusste nicht, ob es stimmte, was sie gerade gesagt hatte.

***

„Mr. Malfoy, ich muss Sie warnen."

„Warnen wovor?"

„Ihre Leistungen werden immer schlechter. Statt sich auf den Unterricht zu konzentrieren, halten Sie Ausschau nach Mitschülern, denen Sie Wörter und Sprüche an den Kopf knallen können und die sind nicht immer nett gemeint. Miss Granger…"

„Miss Granger, Miss Granger, Miss Granger, ich habe langsam verstanden. Ich weiß, dass ich nicht so gut bin wie das Sch… wie Granger, aber Sie und alle anderen nehmen Granger als das perfekte Beispiel für jeden Schüler.", wehrte er sich und verschränkte die Arme. In seinen Augen blitze Zorn auf.

„Mr. Malfoy, Miss Granger ist ein Beispiel für alle."

„Aber nicht jeder kann so gut sein wie sie!"

„Ich habe auch gar nicht vor Sie mit Miss Granger zu messen, nur hat das Mädchen nicht verdient so behandelt zu werden.", erklärte McGonagall.

„Aber sie ist…"

„Ich weiß was Sie ist und das ändert nichts daran, was für ein Mensch und eine unglaublich talentierte Hexe sie ist. Versuchen Sie einfach Ihre Leistungen zu bessern."

„Okay, dass werde ich und Professor?", sagte Malfoy.

„Mr. Malfoy?"

„Sagen Sie bitte meinem Vater nichts davon, ich meine, dass ich so abgesackt bin."

„Es tut mir Leid, aber das geht nicht. Dumbledore hat ihm bereits eine Nachricht geschickt und wir erwarten Ihren Vater um Punkt sechzehn Uhr."

„Was? Ich… Mist…"

„Mr. Malfoy!"

„Darf ich gehen?"

„Natürlich."

Draco packte seine Tasche und verließ den Raum. Draußen trat er noch einen Mülleimer um und stampfte dann wütend davon.

„Draci!!!"

Bitte nicht DIE!, flehte Draco innerlich, wurde aber nicht mehr rechtzeitig erhört. Eher er sich versehen konnte, wurde er angesprungen und kräftig gedrückt. Dem feuchtem Kussmund konnte er gerade noch so ausweichen.

„Wo warst du denn?"

„Das geht dich nichts an!", sagte Draco noch mehr geladen. „Hör zu, ich habe dir etwas gesagt und meine es auch so, wenn du mich nun entschuldigen würdest?!"

„Das hast du nicht!"

„Was?"

„Es so gemeint!"

„Doch, habe ich und von mir aus, kann ich es noch mal sagen, Pansy. Es ist aus!"

In Sekundenschnelle traten Tränen in die grünen Augen seiner gegen über.

„Pansy, komm schon. Jetzt fang nicht an zu heulen!", flehte er und rang die Haare.

„Das tu ich nicht…"

„Pansy? Deine Augen schwimmen geradezu in Wasser."

„Und wenn es so ist, tu ich es eben. Du kannst mir nichts sagen! Dir ist doch sowieso egal, was ich fühle!"

„Das…"

„Halt den Mund!", schrie das Mädchen hysterisch und verpasste ihm eine Ohrfeige, die noch mehr pfiff wie die von Hermine und Draco hatte schon gedacht, dass es schlimmere, als die von Hermine, schon gar nicht mehr gibt.

„Sag mal, haste sie noch alle?", zischte er wütend. Seine Stimme bebte vor Zorn.

Pansy streckte ihm, so weit wie es ging, die Zunge heraus und lief davon. Kopfschüttelnd ging er Richtung Große Halle.

Als er die Halle gerade betrat hörte er ein Mädchen lachen. Fast hätte er mit eingestimmt, so ansteckend war es und gleichzeitig auch schön. Er sah sich suchend um und…

Nein, dass kann nicht sein! Nicht die! Verdammt, geht es eigentlich noch schlimmer?

***

„Mr. Malfoy ich muss Ihnen leider mitteilen, dass sich Ihr Sohn in letzter Zeit ziemlich gehen lässt. Seine Noten werden schlechter und sein können lässt auch immer mehr nach.", versuchte McGonagall zu erklären.

„So ja, dass glauben Sie?"

„Ich glaube es nicht Mr. Malfoy. Ich weiß es."

„Prüfen Sie Ihn am letzten Tag vor den Ferien. Ich und mein Sohn werden Ihnen schon zeigen, dass er es kann.", sagte Mr. Malfoy aufgebracht.

„Ich habe auch keinerlei Zweifel, dass er es nicht beherrscht. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass er sich ziemlich hängen lässt. Wenn das so weiter geht, muss er die Konsequenzen tragen!", versuchte McGonagall Mr. Malfoy zu beruhigen.

„Nach seiner Prüfung sprechen wir uns wieder!", gab Mr. Malfoy arrogant zurück und verließ den Raum.

McGonagall lehnte sich seufzend zurück in ihren Stuhl und atmete tief durch. Die Familie Malfoy war immer schon schwierig gewesen und wenn es dann auch noch um Draco ging…

Wie sollte McGonagall ihm sagen, dass er zu Anfang der Ferien noch eine Prüfung zu bestehen hatte? Ihr graute es jetzt schon. Ob sie nicht vielleicht Professor Snape…? Nein, dass konnte sie nicht tun. McGonagall wusste, dass Draco nicht sehr erfreut sein würde, aber es musste sein. Sie stand auf und verließ ebenfalls den Raum.

Glücklicher Weise fand sie Draco ziemlich schnell in der Eingangshalle und bat ihn, mit ihr unter vier Augen zu reden.

„Hören Sie Mr. Malfoy, ich bin gezwungen Sie am letzten Tag, vor den Herbstferien, zu Prüfen."

„Wie bitte?", gab Draco protzig zurück.

„Sie haben mich verstanden. Ich mache das genauso ungern wie Sie, aber uns bleibt keine andere Wahl."

„Ich glaube Ihnen bleibt keine andere Wahl, Professor! Ich mache da wenigstens nicht mit!

„Oh doch, dass wirst du!", sagte Mr. Malfoy hinter Draco.

Draco sah empört in das Gesicht seines Vaters.

„Warum? Und was hast du damit zu tun?"

„Ich bat Professor McGonagall darum. Sie erzählte mir, wie schlecht du…"

„Entschuldigen Sie …Mr. Malfoy …Junior, ich habe nie auch nur ein Wort darüber verloren, dass Sie schlecht sind.", klärte McGonagall Draco auf.

„Und warum soll ich das dann machen?"

„Weil du in den Leistungen nachgelassen hast, Draco. Ich weiß das du es kannst, also wirst du es doch auch am letzten Tag können, oder?"

Mr. Malfoy sah seinen Sohn durch dringlich an. Er wusste, dass was McGonagall gesagt hatte, stimmte, aber er wollte es nicht zugeben.

„Ja, Dad. Ich werde die Prüfung machen.", sagte Draco kleinlaut.

„Na siehst du."

„Okay, Mr. Malfoy. Ich werde zu Dumbledore gehen und ihm alles nötige berichten."

McGonagall drehte sich um und marschierte davon.