Ein unbekannter Brief und schwere Folgen

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Am Morgen wachte Hermine etwas später auf. Sie hatten die erste Stunde frei, also musste sie sich auch nicht beeilen. Die Sonne war Mittlerweile schon aufgegangen und ihre Strahlen kitzelten Hermine an der Nase.

Es dauerte nicht lange und ein Niesen war zu hören. Sie stand auf und zog sich um. Als sie sich im Spiegel betrachtete, klopfte es am Fenster. Eine kleine Eule, die Hermine nicht kannte, saß auf ihrem Fensterbrett. Hermine öffnete das Fenster und betrachtete das Tier.

„Hast du dich verflogen?"

Die Eule gab einen kleinen Laut von sich und flog in Hermines Zimmer. Das Mädchen schloss das Fenster wieder und ging zu der Eule, die sich auf einem Schreibtisch, nahe neben ihrem Bett, niedergelassen hatte. Das Tier streckte ihr fröhlich den Fuß entgegen. Aus dem Schrank holte sie eine paar Körner und gab sie der Eule zu fressen, nachdem sie den Brief abgenommen hatte.

„Ja, dass schmeckt, nicht?", fragte sie, als die Eule zufrieden Schuhute.

Mit etwas zittrigen Händen entfaltete sie den Brief. Ihr stockte der Atem, als sie das las. Warum tat er so was? Sollte er durchfallen? Oder hatte es etwas mit dem zu tun, was vorgefallen war? Sie war geschockt, aber was sollte sie tun? Hermine beschloss zu nächst zum Frühstück zu gehen und danach mit ihm zu reden. Sie faltete den Brief wieder zusammen und steckte ihn in ihre Hosentasche. Die Eule ließ sie wieder frei. Hermine packte ihre Sachen und marschierte aus dem Schlafsaal. Als sie im Gemeinschaftsraum war, waren Ron und Harry nicht da.

„Ich vermute mal, die sind schon ohne mich los.", flüsterte sie vor sich hin.

Sie trat durch das Portrait und stieg die vielen Stufen hinunter. Von der Großen Halle aus kamen ihr fröhliche Stimmen entgegen. Hermine trat durch die riesige Tür und blieb stehen. Ron und Harry hatte sie längst gefunden. Trotzdem huschten ihre Augen hin und her. Sie suchte Draco. Wo bei Merlins Barte war er?

Crabbe und Goyle beugten sich nach hinten. Ein blonder Schopf kam hinter ihren Rücken zum Vorschein. Draco versuchte, nachdem er Hermine entdeckt hatte, Crabbe wieder zurückzuzerren, doch es half nichts, also versuchte er ihren Blick auszuweichen. Hermine schüttelte den Kopf und ging zum Gryffindortisch.

„Morgen ihr.", sagte sie, als sie dort angekommen war, zu Harry und Ron.

„Morgen, gut geschlafen?"

„Wie man es nimmt! Was haben wir jetzt gleich eigentlich?"

„Verwandlung!"

„Oh… Danke."

„Wieso oh?", fragte Harry. „Du stehst doch normal auf dieses Fach!"

„Nein, es ist nichts.", sagte sie und setzte sich gegenüber von den beiden

„Guten Morgen!" sagte Ginny, die sich gerade zu ihnen gesellte und Harry auf ihre Weise guten Morgen sagte. „Was war eigentlich?"

Hermine hatte es langsam satt ihren Freunden alles zu verheimlichen, also sagte sie:

„Ich habe heute Morgen einen Brief bekommen, mit nicht so schönen Neuigkeiten."

„Was stand denn drin?"

„Bitte, dass möchte ich jetzt nicht sagen."

„Hermine!?"

„Vergesst es einfach. Es war nicht so wichtig!"

Die anderen drei hatten Mittlerweile kapiert, dass man mit Hermine nicht so leicht Diskutieren konnte und fragten nicht weiter nach.

****

Hermine wartete vor den Klassenraum auf Draco. Als er auftauchte, versuchte er unbemerkt wieder umzukehren, doch Hermine hatte ihn schon gesehen.

„Draco!"

Er blieb stehen und schloss die Augen. Er wollte nicht mit Hermine sprechen. Er wollte ihr nicht erzählen, warum er dass alles tat. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter und schlussfolgerte richtig, dass es Hermine war. Er atmete tief durch, bevor er fragte:

„Was willst du von mir?"

„Ich… Ich möchte wissen, warum du das plötzlich alles hinschmeißt. Denk doch mal daran, wie viel Arbeit es dich gekostet hat! Ich bin mir sicher, dass du die Prüfung bestehst!"

„Ich werde sie nicht bestehen, okay? Und warum ich das alles hinschmeiße ist auch meine Sache! Lass mich einfach in Ruhe!", zischte er.

Er ging mit verschlossenem Blick an Hermine vorbei. Sie konnte es nicht glauben. Wieso sagte er, dass er die Prüfung nicht bestehen würde? Hatte sie irgendetwas verpasst?

Ja, genau! Das Gespräch mit McGonagall. Da musste irgendwas vorgefallen sein. Wollte sie Draco nicht mehr prüfen? Glaubte sie, dass es eh nichts bringt? Aber warum hatte sie dann Hermine danach gefragt?

Hermine ging in den Klassenraum und setzte sich neben Ron.

„Was hat er denn?", fragte dieser.

„Er will es mir nichts sagen!"

Professor McGonagall betrat den Raum. Schnurstracks ging sie auf ihr Pult zu.

„Guten Morgen! Ich hoffe, dass Sie den Zauber für die Veränderung der Haare gut geübt haben."

„Was soll denn daran schwer gewesen sein? Es war Feraverto, diesen Zauber hatten wir schon in der zweiten Klasse.", sagte Padma, ein Mädchen aus Gryffindore.

„Sehr wohl, Miss Patil, dennoch gibt es einige Schüler die diesen Zauber noch nicht sauber beherrschen. Dazu kommt noch, dass es viel schwieriger ist, nur ein Teil zu verändern, anstatt den gesamten Körper."

„Daran habe ich nicht gedacht Professor!"

„In Ordnung. Wer von euch möchte denn jetzt den Zauber vorführen?"

Hermines Herz machte einen Hüpfer. Sie hoffte innerlich, dass McGonagall Draco nicht dran nahm.

„Miss Granger? Wie wäre es mit Ihnen?"

Hermine erschrak. Sie war so in ihren eigenen Gedanken vertieft gewesen, dass sie gar nicht richtig zu gehört hatte.

„Ja, Professor McGonagall?"

„Der Zauber!?"

„Ja, richtig. Entschuldigen Sie."

Sie stand auf und ging nach vorne. McGonagall hatte eine Puppe heraufbeschworen, wie es Hermine immer bei Draco tat. Sie stellte sich vor den Puppenkopf und Erinnerungen über kamen sie. Wie sie dort, in der Bibliothek, mit Draco gestanden hatte und sie gelacht haben. Wie er sie fast geküsst hätte und ihre Haare verzaubert hatte. Das war es. Er hatte ihre Haare schon mal verzaubert, also konnte er es auch jetzt. Wenn McGonagall ihn sehen würde, wäre sie erstaunt und bestimmt auch zu frieden mit Draco.

„Miss Granger, stimmt etwas nicht?"

„Äh… Doch, aber wissen Sie, ich kenne jemanden, dem fallen viel besser Frisuren ein, als mir."

„Es ist doch egal, welche Frisur. Sie sollen nur den Zauber vorführen."

„Aber diese Person beherrscht den Zauber auch. Und dass muss ich ganz ehrlich sagen, Perfekt!"

„Nun wer ist es?"

„Draco Malfoy!"

Alle Gesichter drehten sich zu Draco um. McGonagall sah genauso erstaunt aus, wie all die anderen. Draco saß dort hinten in der Bank und hielt den Mund offen. Hatte er Hermine nicht gerade eben noch etwas gesagt? Wieso wollte sie ihn vor der kompletten Klasse lächerlich machen? Er würde nicht nach vorne gehen. Nein, dass würde er nicht.

„Mr. Malfoy, wären Sie dann so nett und zeigen uns den Zauber?"

„Wissen Sie Professor, ich kann den Zauber überhaupt nicht!"

„Doch du kannst ihn, Draco!", sagte Hermine.

„Nein!"

„Doch!"

„Nun was denn jetzt?", fragte McGonagall, sichtlich genervt.

„Er kann ihn Professor. Sogar sehr gut!"

„Kommen Sie denn dann bitte nach vorne?!"

Draco stand fluchend auf und ging nach vorne. Als er an Hermine vorbeikam, sagte er:

„Na warte Schlammblut, du kannst etwas erleben!"

Hermine hielt den Atem an. Hatte sie gerade alles verdorben? Alles was sie sich aufgebaut hatten und alles was noch hätte werden können?

Draco stellte sich vor die Puppe und sagte:

„Feraverto!"

Es gab einen Knall und die Haare standen in Flammen. Jeder, einschließlich McGonagall, erschrak.

„Aqua Erupto!", schrie Hermine. Aus ihrer Zauberstabspitze schoss ein Wasserstrahl hervor, der sofort alles löschte. In der Klasse war es Totenstill. Hermine suchte Dracos Blick, doch dieser war verschlossen. Sie war sich sicher, dass Draco es mit Absicht getan hat.

„Miss Granger, ich verlange eine Erklärung!", sagte Professor McGonagall schwer atmend.

„Ich weiß nicht, was schief gegangen ist. Wirklich nicht!"

„Mr. Malfoy auf ihren Platz. Miss Granger würden Sie es bitte noch einmal vorführen und diesmal ohne Feuer!?"

„Natürlich. Feraverto!"

Die Haare der Puppe wurden kürzer und kürzer. Die eigentlich braunen Haare, wurden blondiert und lagen am Ende wie die von Draco. Hermine selber erschrak, sie betete, dass es niemand bemerken würde.

„Exzellente Leistung, Miss Granger. Bitte gehen Sie wieder an Ihren Platz."

Hermine tat wie ihr geheißen und setzte sich. Niemand schien es aufgefallen zu sein, aber was war mit Draco? Sie sah sich um und sah ein böses Funkeln in seinen Augen. Was hatte sie nur getan?

„Nun, wie Ihnen Miss Granger gerade eben diesen hervorragenden Zauber gezeigt hat, erwarte ich es von jedem von euch.

Lassen Sie uns weiter machen, mit dem vergrößern von Gegenstände und Lebewesen. Ihr findet vor euch einen kleinen Becher. Ich bitte Sie diesen Becher zu vergrößern. Der Zauberspruch lautet: Engorgio!"

Die komplette Klasse griff nach dem Zauberstab und schon bald war über alle ein Rufen und Fluchen zu hören. Hermine schaffte es auf Anhieb und half ihren Freunden. Als auch die es geschafft hatten, sah sie zu Draco. Er saß da und mühte sich ab. McGonagall gab ihr ein Zeichen mal nach ihm zu sehen. Sie war sich unsicher. Draco war richtig sauer auf sie, trotzdem packte sie sich und ging, ohne dass irgendeiner davon mitbekam, auf Draco zu. Dieser war so in die Aufgabe vertieft, dass er Hermine gar nicht wahrnahm.

„Konzentrier dich, Draco!", sagte sie plötzlich.

Der junge ließ vor Schreck seinen Zauberstab fallen und funkelte sie zornig an.

„Was willst du, Schlammblut?"

„Dir helfen. Es tut mir Leid, was ich getan habe. Ich habe nur gedacht…"

„Denken ist ein Fehler."

„Ich dachte eben, dass ich dir so beweisen kann, dass du die Prüfung schaffst!"

„Jetzt siehst du ja, dass ich es nicht packen werde und jetzt geh!"

„Nur unter einer Bedingung!"

„Welche? Ich tue alles um dich los zu werden."

Aus irgendeinem Grund traf es sie sehr, dies zu hören, doch sie ließ sich nichts anmerken.

„Ich will, dass du meine Haare verzauberst!"

„Spinnst du, willst du nachher als Fackel rum laufen?"

„Nein, ich weiß, dass du es kannst. Du hast es schon einmal geschafft!"

„Du hast gerade eben gesehen, dass ich es nicht kann."

„Das hast du mit Absicht getan. Du kannst mir nichts vor machen."

„Wieso soll ich dich dann noch verzaubern?"

Dies hatte Crabbe mitbekommen und sagte, so laut, dass jeder es mit bekam:

„Wieso, dass hast du doch eh schon!"

In Sekunden schnelle hatte Crabbe eine Faust im Gesicht hängen. Doch nicht von Draco, nein, Hermine war der Kragen geplatzt und war auf Crabbe losgegangen. Blöd nur, dass sie jetzt quer über Draco drüber lag.

„Miss Granger, können Sie mir verraten, was es damit auf sich hat?"

Das Mädchen über Draco lief rot an. Sie stellte sich wieder gerade hin und sagte:

„Es tut mir Leid, Professor. Die nerven sind mit mir durchgegangen!"

„Nun Miss Granger, ich sag es ungern, aber Sie haben Nachsitzen."

In der Klasse war es mucksmäuschenstill geworden. Keiner konnte das so richtig verdauen, was McGonagall gerade gesagt hatte. Hermine, Hermine Granger sollte Nachsitzen?! Sie war sonst immer die vorbildliche Schülerin und wurde von jedem Lehrer gemocht, mal von Snape abgesehen.

„Was starren Sie mich alle so an? Arbeiten Sie weiter und Sie, Miss Granger, setzten sich bitte auch auf Ihren Platz!"

„Ja."

Hermine wandte sich von Malfoy ab und ging. Auf der Hälfte ihres Weges, spürte sie, dass etwas mit ihren Haaren nicht stimmte. Hier und da ziepten sie mal und sie wurden zusammen gezogen. Wieder trat stille ein und die Professorin sah neugierig und erstaunt zu gleich zu.

Hermine blieb stehen und fühlte an ihren Kopf. Sie hatte eine andere Frisur. Wenn sie tippen würde, die Frisur vom Weihnachtsball. Das konnte nur einer gewesen sein, sie wollte Draco aber nicht schon wieder in den Mittelpunkt zerren, also ging sie einfach weiter auf ihren Platz.

Alle Blicke waren auf Hermine gerichtet. Harry und Ron erkannten die Frisur direkt.

„Darf ich fragen, wer das hier gerade war?!", sagte McGonagall.

Keiner in der Klasse rührte sich. Doch auf Hermines Gesicht tauchte ein kleines Lächeln auf.