Anders

***

Auf den Tischen standen schon die Zaubertrankkässel mit den jeweiligen Zutaten bereit.

„Ich möchte, dass Sie heute einen Veritaserum brauen.", sagte Snape. „Sie hatten Zeit genug, den Trank zu lernen, also will ich nur Gutes sehen. Auf mein Zeichen fangen Sie an. LOS!"

Die Kessel wurden angezündet und überall war ein Geklimper durch die kompletten Flaschen zu hören. Harry und Ron sahen trübselig ins Leere. Sie hatten doch glatt vergessen, die Hausaufgabe nachzuholen. Hermine dagegen arbeitete wie eine Löwin. Ihre Wangen waren rot vor Konzentration. Ihre Lippen bewegten sich immer, wenn sie eine Flasche nahm, weg stellte oder den Inhalt in den Kessel goss. Beneidenswert sahen Harry und Ron Hermine an. Diese merkte den Blick und gab den Beiden mit dem Finger ein Zeichen, dass sie sich gleich um sie kümmern würde.

„So", sagte Hermine und drehte dabei eine Flasche auf, „Nur noch dieses."

Es gab ein kleines Peng. Alle drehten sich zu Hermine und ihren Kessel um. Snape kam auf sie zu und begutachtete den Trank von Hermine.

„Nun, da ich diesen Trank nicht hätte besser machen könne, erhält Gryffindore zwanzig Punkte." Ein Gejubel brach aus. Von beiden Seiten klopfte man Hermine auf den Rücken.

Sie drehte sich zu Harry und Ron und half ihnen, bei ihren Tränken.

„Hermine? Ich… ich wollte dir nur sagen, …gut gemacht."

„Hmm…"

„Und ähm…"

„Malfoy, ich arbeite gerade, kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen?"

„Aber das ist der Trank von denen dort."

„Na und? Es sind meine Freunde, ich helfe ihnen."

Draco verstand, dass sie auf die Nachhilfe zu sprach und ging. Snape, der den kleinen Streit mit bekommen hatte, lächelte. Ja, Snape, der fiese Zaubertranklehrer lächelte, doch keiner bekam es mit. Es war auch besser so, denn keiner sollte wissen warum.

Draco setzte sich deprimiert wieder in die Ecke. Was hatte er nur falsch gemacht? Woher hätte er denn wissen sollen, dass Pancy wie ein Basilisk auf Hermine losging? Heute Morgen hatte sie schon nicht mehr mit ihm geredet. War einfach an ihm vorbei gerannt. Er hatte versucht mit ihr zu reden. Nicht nur gerade sondern auch schon beim Frühstück und da hatte sie ihn wie eine Löwin angebrüllt. Hermine war ziemlich temperamentvoll, wie ihm auffiel. Draco wollte keinen Streit mit ihr. Nein, im Gegenteil, er wollte sie als Freundin. Eine Kumpeline oder wie man es auch nannte. Für eine normale Muggelgeborene konnte sie Zaubern wie einer der Größten überhaupt.

„Hermine warte mal… Hermine!"

Draco rannte hinter Hermine her und packte sie am Arm.

„Was willst du?", schrie Hermine und wirbelte so herum, dass sie keine fünf Zentimeter mehr von Draco entfernt war. Dieser blickte zuerst ein wenig verwirrt, packte sich aber schnell wieder.

„Ich will, dass du mit zuhörst.", drang es flüsternd über seine Lippen.

„Gib mir einen Grund, warum ich dir zuhören sollte!", sagte Hermine ebenso leise.

„.."

„Das habe ich mir schon gedacht. Aber weißt du was? Ich sage dir jetzt mal, warum ich dir nicht zu hören möchte. Ich möchte mit dir nichts mehr zu tun haben, Mistkerl."

Mit diesen Worten ging Hermine.

„Was hat sie gesagt? WAS HAST DU GESAGT?"

Hermine drehte sich noch einmal um und schrie:

„Du hast mich schon verstanden, Mistkerl."

Harry und Ron standen immer noch vor Draco. Sie waren genauso geschockt.

„Sag mal, was hast du eigentlich gemacht?", fragte Harry.

„Ich? Was soll ich denn gemacht haben?"

„Irgendetwas muss es ja sein, sonst wäre Hermine nicht so."

„Ich habe keine Ahnung. Gestern Abend kam sie auf mich zugestürmt und sagte, wieso hast du das gesagt. Frag mich nicht was."

„Na ja. Komm Ron."

Jetzt stand nur noch Draco auf dem Gang. Was hatte er nur getan? War das nur das eine gewesen, was er Pancy gesagt hatte? Aber warum rastete sie dann so aus? Hermine verwirrte ihn immer mehr. Mal war sie ein echter Engel und dann verwandelte sich aus dem Heiligenschein Teufelshörner. Draco seufzte auf und ging in die andere Richtung.

***

„Hermine warte!"

Harry und Ron hatten ihre Freundin eingeholt.

„Kannst du uns mal sagen was das war?"

„Mistkerl?"

„Was?"

„Das mit Malfoy. Ich… Wir haben gedacht du magst ihn."

„Was?" Hermine war abrupt stehen geblieben. „Oh Gott, da habt ihr aber ganz schön falsch gedacht. Ich und der? Nie im Leben."

„Aber was ist mit Hogsmeade und der Bibliothek?", fragte Harry.

„Wovon sprichst du?"

„Er hat dir doch das Leben gerettet."

„Echt mal, ihr beide redet vollkommener Blödsinn."

Hermine ging kopfschüttelnd weiter. Harry und Ron standen wie zwei begossene Pudel im Gang. Hatten sie irgendetwas verpasst oder waren sie im falschen Film? Hermine wurde irgendwie immer merkwürdiger. Wenn sie an das dritte Schuljahr dachten, konnte man echt meinen, Hermine wäre verrückt. Damals war sie an zwei Orten gleichzeitig, später stellte sich aber heraus, dass sie einen Zeitumkehrer benutzt hatte.

„Moment mal…Kann es sein, dass Hermine ein Obliviate abbekommen hat?"

„Das würde zumindest alles erklären."

Für einen Augenblick sahen sich die Jungs an und rannten los. Als sie Hermine erblickten, zögerten sie nicht lange, packten Hermine jeweils an einer Seite am Arm und zerrten sie zum Krankenflügel. Dem armen Mädchen wusste gar nicht, wie ihr geschah. Von jetzt auf gleich stand sie im Krankenflügel.

„Madame Pomfrey!", rief Harry.

„Du meine Güte, Mr. Potter, was schreien sie denn so?"

„Ich glaube Hermine hat ihr Gedächtnis verloren."

„Was?" Hermine riss sich von Harry und Ron los. „Ich glaube wohl eher, dass mit dir irgendetwas nicht stimmt."

„Haben sie denn schon Atome festgestellt?"

„Oh ja. Wenn wir sie nach dem fragen, was in den letzten Wochen passiert ist, weiß sie nicht wovon wir reden…"

„Und immer nur dann, wenn es irgendwie um Malfoy geht.", gab Ron dazu.

„Das ist mir echt zu dumm.", sagte Hermine und wollte gerade gehen, als Madame Pomfrey sagte:

„Ich möchte mir das trotzdem mal gerne ansehen."

„Muss es denn sein?"

„Ja."

Missmutig setzte sich Hermine auf ein Bett. Die Krankenschwester untersuchte Hermine mit verschiedenen Zaubern.

„Mr. Potter? Ich muss Ihnen sagen, dass es Miss Granger an nichts fehlt. Ich denke mal, sie wollte einfach nichts mehr mit Mr. Malfoy zu tun haben."

„Ok." Harry nickte.

Alle drei gingen wieder hinunter.

„Könnt ihr mir mal sagen, was das eben sollte?"

„Nun ja, wir haben gedacht, dass Draco Obliviate bei dir eingesetzt hat."

„Was? Draco? Das würde der bei mir nicht machen,…glaubt mir."

„Mistkerl?", fragte Ron schon wieder.

„Ja. Was Schlimmeres ist mir in diesem Moment nicht eingefallen."

„Mistkerl?"

„Hör auf." Hermine musste anfangen zu lachen. Sie legte ihre Arme an beiden Seiten über die Schulter ihrer Freunde und ging.

„Sag mal, was hat er gesagt?"

„Als er mich rettete… Ich habe ihm danach einen Kuss auf die Wange gegeben und er hat Pancy wohl alles gesagt. Der Kuss war aber nicht mehr wie ein Dankeschön. Wirklich nicht mehr. Ich habe aber wirklich gedacht, er hätte sich geändert und ich könnte ihm vertrauen… Da lag ich aber ganz schön falsch."

„Bist du sicher, dass er das gesagt hat?", fragte Harry.

„Ja klar. Hast du nicht Pancy gehört?"

„Ja, aber das ist eine Slytherin, die kann dir auch Sachen sagen, die nicht stimmen."

„Und Draco ist auch ein Slytherin. Nein, er muss es ihr gesagt haben, hast du nicht mitbekommen, wie sauer die war?"

„Doch, aber worum ging es, was hast du ihr geklaut?"

„Ihren Freund!" Hermine grinste schon wieder.

„Ihren Freund?" Fing Ron wieder an.

„Ja Draco, angeblich ihr Freund. Er hatte am Anfang des Schuljahres mit ihr Schluss gemacht. Sie bringt ihm in den Nachhilfestunden nichts bei, sondern versucht an ihn ran zu kommen."

„Woher weißt du das?"

Hermine erklärte den beiden alles, was an dem Tag passiert war, als Pancy vor Hagrids Tür stand. Als sie geendet hatte saßen alle drei am Tisch in der Großen Halle, und Harry sagte:

„Pancy muss wohl wirklich in den verschossen sein."

„Ist mir egal. Bald sind eh Ferien…"

„Shit, dass hatte ich total vergessen, meine Mum läst ausrichten, dass jeder, der kommen will, herzlich Willkommen ist. Ihr müsst nur früh genug bescheid sagen.", sagte Ron.

„Ja, klar ich komme gerne.", sagte Harry.

„Ich schließe mich an. Ich will nur noch raus hier.", sagte Hermine.

„Moment mal, du willst hier weg?"

„Das ist mir einfach alles zu viel geworden. Ich brauche eine Pause von all dem und da kommt die Weasley Familie ja ganz recht."

Dumbledore erhob sich und sagte:

„Guten Abend. Ich will euch keine lange Rede vorenthalten, also sag ich es einfach kurz und knapp. Am Silvesterabend wird hier eine kleine Feier veranstaltet und wir hoffen, dass ihr alle da sein werdet. Das war es. Noch einen schönen Abend."

Dumbledore drehte sich um und setzte sich wieder. Harry und Ron sahen zu Hermine. Die schüttelte nur den Kopf und sagte:

„Das war es wohl mit Erholung."

„Quatsch. Es sind noch andere Tage."

„Und wisst ihr, wie viele es sind?"

Die zwei sahen sich an.

„Jungs, ihr solltet lieber denken und nicht einfach machen. Am zwanzigsten dürfen wir fahren, am vierundzwanzigsten ist Weihnachten und sieben Tage darauf müssen wir wieder hier sein. Insgesamt sind das nur elf Tage."

„Aber elf sehr ruhige Tage…"

„Ohne Draco."

Casey saß schon wieder neben Hermine. Das größere Mädchen schleuderte ihren Kopf so zur Seite, dass die Haare mitgeschleudert wurden. Ihre Augen waren zu Schlitzen geworden, wodurch sie Casey ansah. Die Kleine merkte die Hitze, die von Hermine aus ging und wollte sich verdrücken. Blitzschnell fuhr Hermine mit der Hand zum Kragen und hielt eine keuchende Casey fest. Langsam drehte sich die Kleine zu Hermine um. Das Hermine Vertrauensschülerin war, interessierte sie selber im Moment nicht. Sie wollte Rache. Sie wollte, dass Casey endlich verstand. Und sie wollte, dass Casey sich aus ihrem Leben raus hielt.

Harry und Ron fühlten mit der Kleinen. Sie wussten, wie unangenehm dieser Blick war. Als dann auch noch Malfoy auftauchte, versuchte Harry ihm mit Zeichen am Hals zu sagen, dass es überhaupt keine gute Idee war, aber was hatte er sich auch gedacht? Malfoy war Malfoy und was Harry wollte oder sagte, interessierte ihn überhaupt nicht. Er ging weiter auf Hermine zu.

„Hermine…"

Der Lockenkopf schnellte hoch und genau wie Casey, wurde jetzt Malfoy angesehen. Dieser kannte auch den Blick und sagte schnell:

„Vergiss es, es war nicht so wichtig."

Er sah noch zu Harry und Ron und ging. Hermine widmete sich nun wieder Casey.

„Hör mal gut zu. Ich habe dir doch vor ein paar Tagen gesagt, dass ich nicht mehr will, dass du derartige Argumente in meiner Gegenwart sagst. Und warum tust du es dann? Habe ich dir nicht deutlich gemacht, dass ich so etwas ganz und gar nicht will?"

Casey nickte heftig mit dem Kopf. Sie hatte Angst. Das Hermine so werden konnte, hätte sie nie gedacht. Ganz am Anfang war Hermine so nett zu ihr gewesen.

„Gut. Ich lasse dich jetzt gehen, aber ich warne dich, wenn so etwas noch einmal passiert, bin ich nicht mehr so nett."

Casey riss die Augen auf. Nicht mehr so nett? Sie hatte jetzt schon Panik. Wie würde Hermine werden, wenn sie nicht mehr nett war?

Hermine ließ den Kragen los und Casey rannte weinend weg.

„Sag mal, findest du nicht, dass du etwas übertrieben hast?", fragte Ron.

„Wieso?"

„Sie weint."

„Stellst du dich jetzt auch auf ihre Seite?!"

„Ich bin auf gar keiner Seite, aber…"

„…aber du bist Vertrauensschüler.", sagte Harry.

Hermine hielt inne. Wie konnte sie das vergessen? Sie war da um anderen zu helfen oder um Ordnung zu sorgen und jetzt griff sie ein kleines Kind an. Was war mit ihr passiert? In den letzten Monaten ging es mal Bergauf und mal Bergab und jetzt hatte sie den Tiefpunkt erreicht. Sie erkannte sich selber nicht mehr. Hermine brach seelisch zusammen. Am Gryffindoretisch fing sie an zu weinen. Harry und Ron, die ihr gegenüber saßen, kamen um den Tisch rum und brachten Hermine in den Gryffindoreturm. Sie setzten Hermine auf das Sofa. Ginny kam völlig außer Atem durch das Portrait. Als sie Hermine erblickte, ging sie geradewegs auf ihre Freundin zu. Sie setzte sich neben Hermine und nahm sie in den Arm. Hermine legte ihren Kopf auf Ginny Schulter und hörte nicht auf zu weinen.

„Hermine …? Harry, was ist passiert?", fragte Ginny mitfühlend.

„Ich weiß es nicht… Nicht wirklich. Es gab keinen Grund dazu."

Ginny strich ihrer Freundin über den Kopf.

„Ich denke, es ist einfach zu viel für sie."

„Das hat sie uns auch schon gesagt.", gab Ron zurück. „Die Ferien sollten echt kommen."

„Aber bis dahin dauert es noch was und… Draco hat da seine Prüfung."

Hermine saß mit einem Male Kerzengerade. Sie trocknete sich die Tränen mit dem Pulli.

„Was ist?", fragte Harry.

„Das habe ich total vergessen, als ich sagte, dass ich will, dass bald Ferien sind."

„Und warum, hast du dich gerade so erschrocken, dass spielt für dich doch gar keine Rolle, oder?"

„Kann ich jetzt nicht erklären. Harry, kann ich mir deinen Tarnumhang borgen?"

„Ja klar, aber wofür brauchst du ihn?"

„Das erkläre ich euch später. Danke, dass ihr mir geholfen habt."

„Ist doch klar."

„Warte, ich geh ihn schnell holen."

Harry verschwand im Jungenschlafsaal und kam gleich darauf wieder, mit dem Tarnumhang, hinunter. Er gab ihn Hermine, die sich noch einmal bedankte und dann mit dem Umhang durch das Portrait verschwand.

Sie blieb vor der Bibliothek stehen, schaute noch einmal, ob auch wirklich keiner da war und dann zog sie den Umhang über. Die Tür war zum Glück offen, so konnte Hermine unauffällig hineingelangen. Sie ging an unzähligen Bücherregalen vorbei, bis sie plötzlich Draco und Pancy erblickte. Sie stellte sich neben den beiden und sah ihnen zu. Schon nach zehn Minuten, wusste Hermine, dass Draco so wirklich nicht viel lernte. Sie entschied zu McGonagall zu gehen und das tat sie dann auch. Kurz vorher zog sie unbemerkt den Tarnumhang ab.

„Herein."

Hermine öffnete die Tür und ging in das Büro ihrer Hauslehrerin.

„Guten Abend, Professor McGonagall."

„Guten Abend, Miss Granger. Darf ich Sie fragen, was Ihnen auf dem Herzen liegt?"

„Nun… auf meinen Herzen liegt mir nichts, aber sie sollten mit hinunter in die Bibliothek kommen. Draco war gestern bei mir und erzählte, dass er gar nichts verstehe. Ich habe mir das gerade eben mal angesehen und wenn das so weiter geht, lernt er wirklich nichts."

„Professor Snape sagte mir, dass Sie und Mr. Malfoy in Streit leben, stimmt es?"

„Ja, aber ich habe mir schon so viel Mühe gegeben und wenn Pancy dann einfach damit aufhört, dann…das würde mich aufregen. Ich habe meine Zeit mit dem verschwendet und dann ohne Erfolg und so etwas lasse ich nicht durchgehen. Bitte, Professor."

„Nun gut. Ich komme mit."

Zusammen mit McGonagall machte sich Hermine auf zurück in die Bibliothek. Das Mädchen und McGonagall gingen hinten an den Regalen vorbei, um unauffällig zu bleiben. Lange standen sie dort, hinter Pancy und Draco und McGonagall erkannte, wie schon Hermine, das Problem.

„Draco, was machst du denn?"

„Ich? Ich mache was du mir zeigst."

„Tust du nicht."

„Komm schon,…Wie lange brauchst du noch um zu checken, dass du genauso wenig Ahnung hast wie ich."

„Du brauchst nur ein wenig Geduld."

„Ich hatte Geduld und zwar mit dir, aber so geht das nicht weiter."

„Ach nein, wie soll es denn weiter gehen? Lass mich Raten, du willst das Schlammblut wieder, nicht?"

„Pass auf, was du sagst."

„Also habe ich Recht. Mensch Draco, sie ist ein Schlammblut und von so einer lässt du dir zeigen wie man zaubert?"

Hermine wurde immer kleiner. Das sie so oft hintereinander Schlammblut genannt wurde, hatte sie bisher nie erlebt und Draco hatte sie auch noch nie so schlecht gemacht. Draco…

Am liebsten wäre sie ihm um den Hals gefallen, weil er sie so verteidigte.

„…Hermine kann es viel besser, als du."

„Sag das noch mal!"

„Sie kann es besser."

Pancy wollte gerade ihren Zauberstab erheben, als McGonagall sie von hinten an tippte.

„Ich denke das genügt, Miss Parkinson."

„Was genügt, Professor?"

„Das, was sie gerade eben vor hatten und die Nachhilfestunden."

„A-aber w-wer soll den sonst die N-Nachhilfe geben?"

McGonagall drehte sich zu Hermine. Diese wusste, dass die Zeit für ihren Auftritt gekommen war und kam aus dem Schatten des Regals.

„H-Hermine?!" Draco sah sie verwirrt, dankbar und glücklich zu gleich an.

„Das Schlammblut?"

„Miss Parkinson, ich verbiete Ihnen, so mit Miss Granger zu sprechen."

„Aber haben Sie nicht gesagt, dass ich die Bessere bin?"

„Das habe ich nie gesagt. Ich habe gesagt, dass sie besser geeignet für Draco sind, aber damit habe ich mich wohl auch geirrt. Kommen Sie bitte mit in mein Büro."

„Aber…"

„Sofort!"

„Ja."

„Miss Granger. Mr. Malfoy."

McGonagall verließ zusammen mit Pancy die Bibliothek.

„Hermine!"

Draco ging, mit einem Lachen, auf Hermine zu. Er wollte gerade seine Hand auf ihren Arm legen, als Hermine sagte:

„Spar es dir Casanova, ich habe dir noch lange nicht verziehen und für dich habe ich es auch nicht gemacht. Ich wäre nur sauer gewesen, wenn all die Arbeit, die ich am Anfang mit dir hatte, umsonst gewesen wäre."

„Wer ist Casanova?"

„Du bist doch ein schlauer Junge. Find es alleine raus. Können wir anfangen?"

„Ja."

„Ok. Ich denke, dass du die zwei Zauber noch beherrschst?!"

„Ja."

„Dann zeig mal."

Sofort hatte Hermine ihre Weihnachtsballfrisur und ihre Handtasche wurde vergrößert.

„Ok, in Ordnung. Weiter…"

Ab jetzt lernte Hermine jeden Tag mit Draco. Sie zeigte ihm Zauber und deren Zauberstabbewegungen. Sie brachte ihm bei, die Zauber genau auszusprechen und zu vollbringen. Im Unterricht wurde Draco bei McGonagall wieder öfters dran genommen und immer wieder bekam er Lobe und Hermine natürlich auch. Bald hatten es aber nicht nur die Lehrer gemerkt, sondern auch die Mitschüler. Hausaufgaben in Verwandlung mussten Harry und Ron jetzt selber machen.

Hermine widmete ihr volle Aufmerksamkeit Draco. Mit der Zeit lernte er immer schneller und Hermine war stolz. Stolz auf sich selber natürlich, vielleicht auch ein wenig auf Draco, aber das wollte sie nicht zu geben. In der Bibliothek vergrößerten sich Tische und Regale, Klamotten und Frisuren von Vorbeigehenden wurden geändert und Bücher vertauscht. Madame Pince sah es nicht gerne, aber McGonagall hatte sie darum gebeten, die Kinder in Ruhe zu lassen.