Gewonnen und ebenso verloren
***
Dann kam der Tag vor der Prüfung.
Hermine und Draco gingen noch mal alles durch, was sie hatten. Es lief prima, doch dann brach Draco zusammen.
„Was ist, wenn ich es Morgen nicht schaffe?"
„Das ist Schwachsinn, die ganze Zeit hast du es geschafft und heute auch. Du musst nur an dich glauben."
„Und was ist, wenn mein Vater trotz allem will, dass ich hier weg muss?"
„McGonagall hat dir nicht erzählt, was dein Vater gesagt hat?"
„Doch klar, aber du weißt nicht, wie er wirklich ist."
„Nein, da hast du Recht. Aber er kann dich nicht einfach von der Schule nehmen. Wenn du gute Noten hast und du nicht weg willst, dann…Du willst doch nicht weg, oder?"
„Nein."
„Dann kann er es nichts machen. Geh jetzt zu Bett und schlaf dich aus. Morgen wird alles funktionieren und dann sind die Ferien und du kannst dich ausruhen."
„Ja, vielleicht hast du Recht."
„Nicht vielleicht, ich habe Recht."
Hermine ging mit Draco noch zur Eingangshalle, wo sie sich dann verabschiedeten.
„Wir sehen uns Morgen noch mal vor deiner Prüfung."
„Alles klar."
Hermine ging zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors, wo sie schon von Harry, Ron und Ginny erwartet wurde.
„Wie war es?"
„Du hast es geschafft!"
„Nur noch Morgen!"
„Euch auch einen schönen guten Abend.", sagte Hermine und setzte sich auf den Sessel. Sie streckte ihre Beine aus und starrte völlig kaputt in die Leere.
„Na sag schon, wie war es? ", drängte Ginny.
„Echt gut, er beherrscht jeden Zauber, hat nur Angst Morgen zu versagen."
„Aber du hast ihm gesagt, dass er es nicht wird?!"
„Ja klar."
„Wie fühlt es sich denn an, wenn man es geschafft hat?", fragte Harry.
„Gut. Das war anstrengend. Jetzt weiß ich, wie sich die Lehrer oft fühlen müssen."
„Und freust du dich auf die Ferien?", fragte Ron.
„Oh ja. Danke, dass ihr mir in den schweren Tagen zur Seite gestanden habt."
„Das ist doch klar. Dafür sind Freunde da. Hat sich das gerade gereimt? Ich wollte nicht, dass es sich reimt.", sagte Ron.
„Ron, du bist unmöglich…einfach ein Original."
„Das fasse ich mal als Kompliment auf."
„Solltest du auch."
Alle fingen an zu lachen. Sie saßen noch lange so und merkten nicht wie die Zeit vergeht. Draußen stand der Mond schon hoch am Himmel.
***
„Mr. Malfoy?"
McGonagall hatte die Große Halle betreten und rief Draco zu seiner Prüfung. Missmutig stand er auf. Hermine tat es ihm gleich und lief ihm am Ende der Halle entgegen.
Sie nahm Draco ein wenig abseits von McGonagall und begann zu sprechen:
„Jetzt pass gut auf. Du bist Draco Malfoy und du kannst es. Dir wird heute nichts schief gehen und du wirst als Sieger wieder hier durch die Tür treten. Dann kommst du auf mich zu und wirst mir sagen, dass du hier bleibst und wir uns Silvester wieder sehen. Alles verstanden?"
„Ja. Ich weiß nicht, wie du das geschafft hast, aber du hast mir gerade richtig Mut gemacht."
„Das wollt ich auch. Und jetzt geh daraus und zeig deinem Vater, was du kannst und was du wirklich willst."
„Ja, Professor."
Hermine schüttelte lachend den Kopf und boxte Draco leicht auf den Arm, dann ging er hinaus.
„Was hast du ihm gesagt?", fragte Harry.
„Das er es schaffen wird."
Ihnen kam die Zeit wie eine Ewigkeit vor. Immer wieder packte Hermine in die Schüssel, in der Chips, Flips und andere Snacks drin waren. Sie trank kein Wasser, wie sonst morgens, nein sie trank Cola.
In Gedanken war sie bei Draco und drücke ihm die Daumen, na ja eigentlich ihr, denn auf Draco war sie immer noch sauer, auch wenn man es nicht sah.
In der Halle herrschte nur ein Geflüster, alle waren gespannt, wie Draco hier durch die Tür treten würde. Mittlerweile war es schon zwölf Uhr und Draco war schon zwei Stunden fort. Das Mittagessen wurde auf den Tischen serviert, doch kaum einer aß, eingeschlossen Hermine, Harry, Ron und Ginny.
Alle hatten die Hände im Schoss gefalten und warteten. Um halb eins öffnete sich die Tür. Alle Köpfe wirbelten herum und starrten auf die eben aufgegangene Tür.
Hermine betete im Stillen und sah, wie Draco eintrat. Sein Gesicht war versteinert und düster, den Kopf ließ er hängen. Hermine atmete tief ein. Hatte er wirklich verloren? Doch von jetzt auf gleich änderte er seine Richtung und ging mit erhobenem Kopf und einem Lächeln auf Hermine zu.
Die sprang auf und lief ihm entgegen. Ohne Vorwarnung sprang sie ihm um den Hals und hielt ihn fest, als sie los ließ sagte sie:
„Du hast es geschafft? Du bleibst hier?"
Draco nickte. Hermine lachte. Ihr viel, warum wusste sie nicht, ein Stein vom Herzen. Vielleicht wäre es ohne Draco langweilig geworden. Oder…oder…oder.
„Hermine?"
„Ja."
„Ich werde hier bleiben und wir werden uns Silvester wieder sehen."
Hermine umarmte ihn erneut.
„Sag, hast du alles geschafft?"
„Natürlich. Vor dir steht Draco Malfoy, ich kann alles."
„Spiel dich nur nicht wieder zu sehr auf!", warnte Hermine.
„Nun Draco, wer war denn deine ausgezeichnete Lehrerin?"
Dracos Vater nahm ihn auf Seite und sah Hermine erschrocken an. Er schluckte und sagte leise zu Draco:
„Das ist nicht dein ernst. Es ist die Schlammblutfreundin von diesem Halbblut Potter."
„Ich weiß. Aber auch eine Freundin von mir und nenn sie nicht noch einmal Schlammblut."
„Was? Du willst mir drohen?"
„Ich nicht alleine, aber alle Freunde von Hermine."
Draco deutete mit seinem Zeigefinger hinter seinem Vater, der sich umdrehte. Hinter ihm standen Harry, Ron und Ginny, zusammen mit der DA und anderen, die Zauberstäbe gezückt.
Lucius Blick wanderte über all die Zauberstäbe und deren Besitzer. Ihm sahen ungefähr hundert Teenager und Kinder drohend an. Er war Erwachsen, aber was sollte er gegen hundert Schüler unternehmen können und außerdem war Dumbledore noch da.
Er drehte sich wieder um und sagte zu seinem Sohn:
„Ich will, dass du hier verschwindest."
„Aber du hast doch gesagt…"
„Ich weiß, was ich gesagt habe, aber da wusste ich das noch nicht!", dabei zeigte er auf Hermine.
„Sie hat einen Namen."
„Mir egal. Auf jeden Fall wirst du nach den Ferien nicht mehr hier hin zurückkommen."
„Aber Mr. Malfoy…"
„Halt den Mund Sch…Hermine."
„Nein. Ich habe Tagelang mein möglichstes gegeben, damit Draco diese Prüfung besteht, weil Sie sagten, dass er bleiben darf, wenn er es schafft. Wir hätten ja sonst nicht die Prüfung machen müssen und sehen Sie sich mal um, alle, die hier sitzen, haben gehofft, dass es Draco schafft."
„Wieso sollten so viele daran interessiert sein, ob er es schafft oder nicht?"
„Weil sie, ja sogar wir Gryffindors, nicht wollen das Draco geht."
„Auf einmal?"
„Wir haben uns alle verändert und die Meinungen auch."
„Sogar ich will, dass Draco bleibt, Mr. Malfoy!", sagte Harry plötzlich und stellte sich neben Hermine. Lucius sah ihn an, als wäre Harry Dreck.
Er konnte nicht verstehen, was sie alle hatten. Wieso verteidigten sie seinen Sohn? Und das kleine Schlammblut kämpfte wie eine Löwin, damit er hier bleiben konnte.
„Trotzdem werde ich meine Meinung nicht ändern. Professor Dumbledore? Sie haben mich gehört. Draco wird nach den Ferien nicht mehr hier auftauchen."
Der Schulleiter sah Lucius einen Augenblick durchdringend an, dann sagte er: „Ich werde Ihre Entscheidung akzeptieren, auch wenn es ein Verlust ist. Aber sollte nicht Draco entscheiden, ob er hier bleiben will oder nicht?"
„Der Junge ist sechzehn, der weiß noch lange nicht, was gute oder schlecht für ihn ist."
Bei dem schlechten Teil, sah Lucius hinunter zu Hermine, die seinen Blick stur erwiderte.
„Komm Draco."
Draco wusste, dass man nicht gegen seinen Vater ankämpfen konnte und nickte. Hermine sah ihn bestürzt an.
„Aber du hast mir etwas versprochen."
„Und ich wünsche, ich könnte es halten."
„Draco!"
Er sah Hermine noch ein letztes mal an und sagte:
„Auf wiedersehen, Hermine, Professor."
„Auf wiedersehen."
Draco wandte sich ab und verließ mit seinem Vater die Große Halle. Hermine stand immer noch ungläubig da und wollte nicht verstehen.
„So ein Mistkerl!", sagte Ron. Hermine sah ihn an und fragte:
„Wer?"
„Malfoy Senior."
„Man kann nichts machen. Wann brechen wir auf?"
„In einer halben Stunde."
„Ok. Ich esse noch was."
Sie setzte sich wieder hin und begann zu essen. Alle anderen in der Halle sahen sie an. Sie wussten, dass es Hermine verletzt hatte, auch wenn sie es selber nie zu geben würde.
Hermine stopfte sich das Essen regelrecht hinein. Ihre drei Freunde sahen sich an. Sie wussten, was Hermine tat. Ginny setzte sich auf der einen, Harry und Ron, auf die andere Seite.
„Hermine,…"
Sie spürten die Blicke der Anderen. Harry drehte sich um und schrie, damit es auch jeder verstand:
„Was glotzt ihr denn so blöd? Die Show ist vorbei. Ihr könnt wieder abziehen oder euch an den Tischen verteilen."
Die anderen taten wie ihnen geheißen und Ginny widmete sich noch einmal Hermine:
„Hermine Süße, wir wissen, dass du eigentlich gar keinen Hunger hast."
„Woher wollt ihr das denn schon wissen, ich habe die ganze Zeit noch nichts gegessen."
„Das wissen wir, aber es ist dir ganz bestimmt auf den Magen geschlagen. Du willst nur nicht, dass es vorbei ist."
„Womit denn?"
„Mit dem, was zwischen dir und Draco war, ich meine jetzt nicht, dass ihr zusammen wart, aber der Rest, die Freundschaft und hin und wieder auch mal die Kriege."
Hermine hörte auf zu essen. Ginny hatte Recht und was sollte Hermine schon machen? Sie kam nicht gegen Malfoy Senior an. Sie musste einfach akzeptieren, dass alles umsonst war.
War das jetzt das Ende?
