Ein gefährlicher Biss
***
Hand in Hand gingen Draco und Hermine am See vorbei als Hermine plötzlich sagte:
„Du, Draco? Was war heute los?"
„Es war nichts!"
„Das kannst du mir nicht sagen. Na los, ich verkrafte es schon. Harry, Ron oder Ginny werden es auch nicht erfahren. Was Pansy…"
„Ich weiß, dass es nicht stimmt…"
„Aber?"
„Ich habe einen Brief bekommen von meinen Eltern,…mehr von meinem Vater…"
„Und?"
„Immer noch die alte Masche. Ich sag dir, meine Mutter weiß nichts davon!"
„Was stand denn drin?"
„Mein Vater ist Todesser! Was soll denn darin gestanden haben?"
„Wegen mir?", drang es schwer über ihre Lippen. Draco nickte stumm.
„Der spricht immer von Konsequenzen…und und und!"
„Konsequenzen? McGonagall hat das auch einmal zu mir gesagt, als sie mich fragte, ob wir zusammen seien. Aber was meinen die damit?"
„ Mein Vater spricht von Du-Weißt-Schon-Wen."
„Draco… du kannst ruhig den richtigen Namen nennen. Ich habe keine Angst davor. Ron zwar ja, aber ich nicht!", sagte Hermine lachend.
„Meine Freundin ist hübsch, schlau, mutig, nett, hilfsbereit, ehrlich… Was eigentlich noch?" fragte Draco. Ohne Vorwarnung packte er sie und nahm sie auf den Arm. Hermine schrie auf, was sich aber ziemlich schnell zu einem Lachen entwickelte. Er trug sie mit beiden Händen ein paar Meter weiter zu einer Bank, wo er sie absetzte und sich dann auch dort nieder ließ. Hermine legte ihren Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen.
Was wollten die eigentlich alle? Welche Gefahren und Konsequenzen? Nein, für Hermine gab es nichts Schöneres. Auch wenn sie einen Slytherin liebte, es war ihr egal. Sie war froh, dass es ihn gab und würde ihn für nichts eintauschen. Ja, da war sie sich sicher!
Langsam legte Draco seinen Kopf gegen ihren und einen Arm um ihre Schulter. Hermine hätte einschlafen könne, wenn sie nicht gesessen hätten. Wie manche Leute im Sitzen schlafen konnten, war ihr ein Rätsel. Ein plötzlicher Windzug durchwühlte ihre Haare. Draco sah den fliegenden Haaren zu.
Wie Engelslocken!
„Hermine, ich…", setzte er flüsternd an, kam aber nicht weiter. Casey kam auf die Beiden zu gerannt und sagte:
„Harry und Ron suchen dich. Es gibt Frühstück!"
„Oh…Ok, danke.", sagte Hermine und zwang sich zu einem Lächeln. Der schöne Augenblick war dahin und Casey hatte ihn zerstört. Das kleine Mädchen verschwand und ließ eine geknickte Hermine mit Freund zurück.
„Hunger?", fragte Draco.
„Nicht wirklich."
„Komm her!"
Draco öffnete den Arm und Hermine legte sich hinein. Plötzlich merkte sie von hinten einen starken Druck und viel von der Bank. Durch einen kleinen Hügel rollte sie noch ein paar Meter weiter und blieb dann auf dem Rücken liegen. Große blaue Augen tauchten vor ihren auf und sie wusste, was passiert war. Draco hatte sie tatsächlich die Bank hinunter geschupst. Na, dass konnte sie sich ja nicht gefallen lassen und griff an. Sie legte Draco sofort auf den Rücken und drehte ihn zur Seite. Nun, rollten die Beiden gemeinsam den restlichen Hügel hinunter und blieben unten vor Lachen nach Luft ringend liegen. Als Draco ihr in die Augen sah, hörte sie auf. Sie erwiderte seinen Blick. Langsam kam er näher und machte kurz vor ihrem Gesicht halt.
„Hermine…Ich liebe dich!"
Ihr wurde es schwindelig und ihr Herz raste. Das hatte noch nie ein Junge zu ihr gesagt. Noch nie! Ständig war sie die kleine, unscheinbare Streberin gewesen. In dem letzten halben Jahr, hatte sich einiges verändert und sie war froh, dass es sich so verändert hatte. Lange sah sie ihn an. Das Band zwischen ihnen schien stärker zu werden.
Plötzlich spürte Hermine einen brennenden Schmerz, in ihrem Nacken. Sie sprang auf und fuhr sich mir der Handfläche über die Stille. Draco, der zuerst ein wenig verwirrt aussah, besah sich die Stelle genauer. Sie war feuerrot mit einem kleinen, weißen Punkt in der Mitte. Ein Biss. Aber von welchem Tier? Draco suchte die Wiese ab, konnte aber nichts weiteres finden.
„Komm, ich bring dich zu Madame Pomfrey."
„Nein, es geht schon."
„Hermine, der Biss ist so groß wie ein Geldstück und sieht nicht gerade gut aus. Komm!"
Er zog sie am Arm hoch und ging mit ihr ins Schloss. Hermine war geknickt. Der schöne Augenblick war vorbei. Ob er es noch mal sagen würde? Im gehen legte sie einen Arm um seine Hüfte.
Die Beiden sahen nicht, wie hinter dem Busch plötzlich ein Schatten auftauchte. Im Gesicht ein schadenfrohes und gemeines Lachen.
***
„Das Tier schien giftig gewesen zu sein.", sagte Madame Pomfrey.
„Wie giftig?"
„Nun, ich behalte Sie am besten hier. Können Sie mir vielleicht sagen, was das für ein Tier war?"
„Nein, leider nicht."
„Es war aber wirklich nötig, dass Sie zu mir gekommen sind."
„Und wie lange muss ich hier bleiben?"
„Ich weiß nicht. Kommt ganz auf den Biss an."
„Ich geh besser und sag Ginny bescheid, dass sie dir deine Sachen bringen soll.", sagte Draco und gab Hermine einen zärtlichen Kuss auf die Wange. Madame Pomfrey konnte bei diesem Anblick nur schmunzeln.
„Das habe ich noch nie gesehen.", sagte die Krankenschwester, als Draco fort war.
„Was?"
„Slytherin und Gryffindor in solchen Bänden…"
„Ja…"
Madame Pomfrey machte Hermine das Bett zurecht und brachte ihr noch einen warmen Tee.
***
„Mensch Herm, was machst du denn für Sachen?", sagte Ginny und ging auf ihre Freundin zu. Die Sachen legte sie aufs Bett und sah Hermine vorwurfsvoll an.
„Ich kann ja wohl nichts dafür, wenn ein Tier mich beißt, oder?"
„Lagst du auf dem Boden oder was?"
Hermine sah Ginny an. Musste sie es jetzt wirklich… Ginny nickte. Ihre Freundin hatte verstanden. Gott, Ginny war auch ein wahrer Engel. Wenn sie sie nicht hätte.
„Hör zu Herm, werd mir ganz schnell wieder gesund, hörst du?"
„Ja klar. Versprochen!"
Zum Abschied gab es noch eine dicke Umarmung von Ginny und dann war sie wieder mit Draco allein.
„Musst du nicht auch?"
„Wohin?"
„Keine Ahnung. Keine Verabredung mit Blaise?"
„Nein! Willst du mich loswerden?"
„Ich weiß nicht. Vielleicht…"
„Na warte!"
Draco stürzte auf Hermine und kitzelte sie. Das Lachen von Hermine verwandelte sich aber uhrplötzlich in ein schmerzhaftes Stöhnen. Sofort hörte der Blonde auf und sah seine Freundin an. Madame Pomfrey kam auf sie zugeeilt und besah sich erneut die Stelle im Nacken. Sie war noch röter und größer.
„Am besten bleiben Sie ganz still liegen. Ich bin sicher, dass dies jetzt eine Reizung durch das scheuern der Kissen war. Allerdings müssen Sie mich bei den kleinsten Anzeichen bescheid sagen."
„Ok.", drang es schwer über Hermines Lippen.
Besorgt sah Draco Hermine an. Er fühlte sich schuldig. Hätte er sie nicht gekitzelt, wäre es jetzt nicht noch schmerzhafter. Hermine konnte das Schuldgefühl in Dracos Gesicht und Augen ablesen.
„Hey,… es ist nicht deine Schuld. Gar nichts. Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich immer noch nicht hier."
Hermine setzte sich auf und legte ihre Arme um ihn.
Ein zweites Mal flog die Türe auf. Diesmal eilten McGonagall und Dumbledore hinein. Hermine und Draco konnten nicht mehr rechtzeitig auseinander rutschen und die beiden Professoren tauschten viel sagende Blicke. Aber, nein, dass musste warten. McGonagall kam zu Hermine und besah sich den Biss. Doch auch sie konnte nicht sagen was oder wer es war.
***
Hermine schien es immer schlechter zu gehen. Die Wunde wurde im größer und die Schmerzen heftiger. Trotz der Unterrichtsstunden wich Draco ihr nicht von der Seite. Wie oft hatte Hermine es versucht ihn fortzuschicken, damit er an einem Fach teilnahm, aber Draco ließ sich nicht umstimmen. Auch wenn man es ihm nicht ansah, machte er sich Sorgen. Große Sorgen. Harry, Ron oder Ginny mochten es nicht mitbekommen, doch Hermine konnte er nichts vormachen. Sie spürte es mit jedem seiner Worte und Berührungen. Bei einer noch so kleinen Umarmung war er unsicher und vorsichtig und jedes seiner Worte zitterte.
Draco fing an hin und herzulaufen.
„Draco…was machst du denn?", fragte Hermine schwach. „Ich werde von einer Furche im Boden bestimmt nicht wieder gesund."
Der Junge hielt inne. Daran hatte er gar nicht gedacht. Nein, nicht das mit der Furche. Was wäre, wenn Hermine nicht wieder gesund würde? Würde sie sterben? Nur von einem einzigen Biss? Draco schwor sich, wenn er herausfinden würde, wer der Angreifer, mittlerweile glaubte er nicht mehr an ein Tier, war, würde er Hermine rechen. Wie wusste er noch nicht, aber er würde es tun. Er setzte sich neben Hermine auf einen Stuhl und betrachtete sie. Wo war das aufgeweckte und hübsche Mädchen hin? Hermine war kreideweiß und erinnerte, wenn sie nicht atmen würde, an einen Geist. Das leuchten in ihren Augen war verschwunden, stattdessen waren sie matt und leer. Tag für Tag wurde Hermine dünner. Sie aß kaum noch. Keine einzige Stelle an ihrem Körper blieb ruhig. Alles zitterte. Die Stimme von ihr war nicht mehr die Helle und Fröhliche. Nein, sie war krank und fast nur noch ein schwaches Flüstern.
Langsam nahm er ihre Hand und küsste sie. Das Mädchen sah ihn an und versuchte zu Lächeln, doch auch das sah mehr kränklich aus. Wenn Draco nur wüsste, wie man sie ablenken könnte. Tag ein Tag aus, lag sie hier in diesem Krankenflügel und bekam nichts anderes mit.
„Hermine, was würdest du gerne machen?"
„Ich? Ich kann doch nichts…"
„Was würdest du gerne machen!", forderte Draco.
„Ich weiß nicht. Ich komme eh nicht hier raus."
„Das beantwortet nicht meine Frage."
„Am allerliebsten würde ich gerne draußen sein und mit dir und den anderen Spaß haben." Hermine seufzte. Vielleicht konnte sie es nie wieder.
„Hermine…das kann ich nicht."
„Ich weiß, aber ein Butterbier wäre auch nicht schlecht."
„Das kann ich besorgen und sonst wünschst du dir nichts?"
„Doch, aber du weißt, dass es nicht geht!"
Draco senkte seinen Blick. Ja, er hörte es immer noch als sei es gerade gewesen. Nach dem es Hermine anfing schlechter zugehen hatte Madame Pomfrey vor ihnen gestanden und gesagt, dass nichts mehr ginge wie eine normale Umarmung oder einen Kuss auf die Hand. Sie befürchtete, dass Draco sich, je nach dem welcher Virus es war, infizieren konnte. Natürlich hatte Draco es schon versucht, als Madame Pomfrey nicht da war, aber Hermine wollte nicht. Am Ende war sie noch schuld, dass er auch leiden musste.
Hermines Hand hob sich in die Luft und streichelte Dracos Wange.
