Kapitel 2: Die Melatai
Unbekannter Ort
Harry und Kel'ac erlangten gleichzeitig ihr Bewusstsein wieder, so dass keiner der beiden wusste, wer von ihnen ihre Augen geöffnet hatte. Harry drehte ihren Kopf um sich umzusehen, sie befanden sich auf einen riesigen Strand. Eine Meile zu ihrer rechten erstreckte sich das Meer, Wellen die sich mit sanften Rauschen am Strand brachen und im Hintergrund ein malerischer tiefroter Sonnenaufgang. Zu ihrer linken erhob sich eine Reihe Bäume. Harry dachte erst, dass sie, wie die von den Bildern mit den Tropischen Palmen aussahen, aber irgendetwas war anders an ihnen.
'Ich glaube, wir sind auf einer Insel. Und zwar auf einer riesigen.', meinte Kel'ac.
'Woher willst du das wissen?' fragte Harry neugierig.
'Der Strand rundet sich zu beiden Seiten ab und das Wasser ist ein dunkleres Blau als normal bei Kontinenten.', erklärte Kel'ac geduldig.
Harry konnte der Erklärung nur zustimmen. Er erinnerte sich an das Meer bei Cornwall, das Wasser dort war um einiges heller als dieses hier, was nur zeigte, dass es hier sehr schnell sehr tief wurde.
Harry erlaubte Kel'ac, sie aufzurichten und sie fingen an den Strand entlang zu gehen, wobei sie immer einige Meter zwischen sich und den Bäumen hatten, damit nichts sie überraschen konnte, sie blieben aber nahe genug um im Ernstfall Deckung zu haben.
Ob es nur eine Stunde war oder sechs Stunden, die sie gingen, konnte Harry nicht sagen, da er noch nie eine Uhr besessen hatte. Alles, was sie wussten war, dass die Sonne um einiges höher am Himmel stand. Harry hatte angenommen, dass die Sonne den gleichen Weg in der gleichen Geschwindigkeit zurücklegte wie auf der Erde, aber Kel'ac erinnerte ihn an die Tok'ra Basis, wo sich die Sonne fast doppelt so schnell bewegte wie auf der Erde.
Als die Sonne ihren höchsten Punkt erreichte, hörten sie ein summendes Geräusch, das Kel'ac vage bekannt vorkam noch bevor Harry seine neuen Erinnerungen durchsehen konnte. Ein Schiff, eines das von technisch hoch entwickelten Maschinen angetrieben wurde. Noch bevor sie in Deckung gehen konnten schoss ein großes silbernes Schiff über die Baumlinie und warf einen Schatten über sie. Das Schiff hatte ein schlankes Design, glatte Seiten von einer Länge von zehn Metern und an der Front eine Kuppel von etwa zwei Metern und dann breitete sich das Schiff auf eine Länge von sieben bis acht Metern aus. Viel mehr konnten sie von ihrer Position nicht ausmachen, außer 2 große drehbare Geschütztürme, die sie beide anvisierten.
„Verdammt!", flüsterte Harry. Aber noch bevor einer der beiden daran denken konnte, sich zu bewegen, sprangen 5 Männer in dunkler Kleidung zwischen den Bäumen hervor und bildeten um sie herum einen Halbkreis. Harry stolperte erschrocken zurück und wäre über eine kleine Sandhäufung gestolpert, hätte Kel'ac nicht die Kontrolle über seine Bewegung übernommen und mit einer Eleganz die man nur mit einer tausendjährigen Existenz haben konnte, drehte er ihn leicht und bewahrte ihn so vor einem Fall.
Die Angreifer zogen schlanke schwarze Waffen. Harry dachte, dass sie aussehen wie die Maschinenpistolen, die er mal in einem von Dudley's Filmen gesehen hatte.
„Keine Bewegung oder wir schießen!" rief eine der Gestalten befehlend.
Sofort erstarrte Harry, mit einer Unschuldsmine, die er nicht einmal zu spielen brauchte.
„Zeig uns deine Hände!" verlangte der Mann.
„Er ist nur ein Kind!", sagte eine Frau verwundert.
„Das habe ich bemerkt." Sagte der Mann sarkastisch. „Unsere Befehle lauten, dass wir ihn mitnehmen, um ihn zu Befragen und das ist es, was wir machen werden!"
Sofort wurden die schwankenden Waffen wieder in die richtige Position, auf Schulterhöhe, gebracht. Die Frau sprach als nächste.
„Ergibst du dich? Wir wollen dir nicht weh tun.", sagte sie, ihre Stimme so sanft wie möglich.
'Wir haben keine Wahl, Harry. Sie haben uns wenigstens die Möglichkeit gegeben uns zu ergeben, was schon mal eine gute Sache ist.' Beide wussten, dass Harry in dieser Situation besser das Reden übernehmen sollte, falls diese Leute etwas über die Goa'uld wussten. Wenn sie es nicht herausfanden, würde Harry ihnen nicht sagen, dass er ein Wirt war.
Harry nickte mit nur einer Sekunde Verzögerung. Er wurde schnell von einem der schweigenden Angreifer durchsucht und ihm wurde gesagt, dass er seine Hände wieder runter nehmen konnte, die er die ganze Zeit über hochgehalten hatte. Er wurde den Strand hinunter zu dem gelandeten Schiff geführt und stieg über eine Rampe, die vom Bauch des Schiffes heruntergelassen wurde, hinein.
Er folgte der Frau in einen gewundenen Korridor. Aber verglichen zu den Ausführungen, die er kannte, war dieses Raumschiff klein. Er wurde in einen schlichten Raum geführt, eine Schlafstelle befand sich gegenüber und eine Schiebetür befand sich zur rechten. Ihm wurde erklärt, dass er das Badezimmer auf der Seite benutzen konnte um sich zu waschen und, dass er diese Räume nicht verlassen durfte. Nachdem alles gesagt war verließ sie den Raum und die Tür schloss sich hinter ihr mit einem hörbaren Laut.
Sie beide hörten das Summen und mit einem kleinen Ruck waren sie in Bewegung. Harry sah sich im Raum wegen einem Fenster um, als er aber keines fand verharrte er vor der 2. Tür. Er bemerkte die kleine grüne Konsole an der Seite der Türe und mit einem Blick zu seiner rechten bemerkte er die rote Konsole an der Seite der Haupttüre. Er berührte die Konsole mit einem Finger und die Tür öffnete sich mit einem zischenden Geräusch.
Er kehrte zurück in den Raum, nachdem er zehn Minuten gebraucht hatte, um herauszufinden wie die fremdartigen Steuerungen für normal aussehende Einrichtungen funktionierte. Bei der Schlafstelle angekommen, legte er sich auf den Rücken und schloss die Augen.
'Du kennst diese Welt.' Harry brauchte nicht zu fragen, denn er erkannte das Raumschiff von seinen Erinnerungen, aber er konnte es nicht genau sagen.
'Ich denke, wir befinden uns in Gewahrsam der Melatai. Das wäre eine gute Sache. Eine Menge Leute, die auf ihren Welten leben, sind Flüchtlinge.', erklärte Kel'ac. 'Sie befinden sich im Krieg gegen Ra und halten durch.'
Nun wusste Harry wo sie waren. Die Melatai waren ziemlich fortgeschritten, vielleicht nicht so sehr wie die Goa'uld, oder ein paar andere Rassen, aber sie waren gute Strategen und waren bis jetzt fähig, jede von Ra's Attacken abzuwehren.
'Wie sind wir hier her gekommen? Es ist auf der anderen Seite der Galaxie.' Harry wusste, dass Kel'ac eine Theorie hatte, aber würde abwarten, bis er es erklären würde.
'Ich glaube, dass es etwas mit deiner Magie zu tun hat. Alles, an was ich mich erinnern kann, ist, dass uns deine Magie ausgeschaltet hat und dann, als wir auf dem Strand aufwachten.' Er pausierte kurz, während der nachdachte. 'Ich glaube, deine Magie hat uns hier her transportiert.'
'Warum ausgerechnet hierher?' Harry suchte für einige Minuten mit Kel'ac alles durch, was sie über die Melatai hatten, bis sie fanden, warum Ra's Bodentruppen immer komplett vernichtet wurden. Gerüchte über spezielle Fähigkeiten. Leute, die aus dem nichts erscheinen und wieder verschwinden, ganze Truppen die auf Gegner schossen, nur um an unsichtbaren Schilden abzuprallen. 'Magie! Wir sind hier hergekommen, weil sie Magie beherrschen?'
Er bekam nie eine Antwort, denn genau in dem Moment öffnete sich die Türe und zwei Männer traten ein. Sie waren fast genauso gekleidet wie die von vorher, nur ihre Waffen waren jetzt an ihren schwarzen Kampfwesten befestigt und in jeweils ihrer rechten Hand befand sich ein 1 ½ Meter langer Metallstab. Die oberen zwei Fuß hatten eine Spirale herum. Er erkannte es als eine Waffe, die Ra's Männer von Gefangenen konfisziert hatten. Es war eine Nahkampfwaffe, die wenn sie aufgeladen wurde eine blaue Energie an ihrem Ende hatte, die stark lähmend auf alles oder jeden wirkten, die sie trafen. Sie war sehr effektiv gegen die Jaffa, die Fußtruppen der Goa'uld.
Harry stand auf und folgte ihnen aus dem Schiff. Dieses hatte in einer Anlegestelle angedockt. Wachen kreisten ihn ein und führten ihn durch düstere Korridore in einen einfachen Raum, indem sich ein Tisch und drei Stühle befanden. Er wurde angewiesen, sich zu setzen und dann verließen die Wachen den Raum, die Tür schloss sich hinter ihnen.
Harry und Kel'ac verbrachten zwei Minuten in kameradschaftlicher Stille, als zwei Männer eintraten. Harry erkannte den ersten als den Anführer der Truppe, die ihn gefangen hatten. Den anderen erkannte er als Nachrichtenoffizier.
Die Männer setzten sich gegenüber von ihm hin und mit einem strengen Blick sprach der Offizier mit angeekelter Stimme.
„Ihr Goa'uld ekelt mich an. Nehmt einen sieben Jahre alten Jungen als Wirt und versucht unsere inneren Gebiete zu infiltrieren." Harry's Augen weiteten sich. „Unsere Scanner haben es angezeigt, sobald du das Schiff betreten hast."
„Rede nicht so über Kel'ac, er ist kein Goa'uld!", schrie Harry fast.
„Versuch es nicht einmal.", sprach der Truppenführer ruhig. „Bist du Kel'ac? Was ist deine Mission?"
Harry spürte einen sanften mentalen Schubs und gab die Kontrolle über seine Stimme zum ersten Mal, seit sie hier angekommen waren, auf. „Ich bin Kel'ac." Die zwei Männer wurden blass und versteiften sich etwas. „Ihr habt mit Harry geredet. Er ist mein Wirt. Wir sind Tok'ra und keine Goa'uld!" Er spie das letzte Wort aus und die zwei Männer vor ihm runzelten die Stirn.
Der Offizier hob sein Handgelenk zu den Lippen und sprach ein paar Sekunden ruhig, lauschte kurz ehe er sich wieder seinem Gefangenen zuwandte. „Unser Scanner wird es zeigen." Als er verstumme, trat ein Mann in einem weißen Kittel, mit einer kleinen metallischen Disc in der Hand, ein.
„Lehn deinen Kopf bitte vor.", verlangte der Offizier. Harry tat was man ihm sagte und fühlte einen beißenden Schmerz im Nacken, aber dann nur noch ein leichtes Unwohlsein. Der weiß gekleidete Mann nickte dem Offizier zu und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort. „Das Gerät wird beweisen, ob dich der Symbiont in deinem Körper beeinflusst. Kel'ac, zieh dich komplett zurück."
Harry spürte eine plötzliche Leere in seinem Kopf und eine gewisse körperliche Schwäche, die ihn leicht gegen den Tisch sinken ließ. Der Truppenführer wollte aufstehen und ihm helfen, wurde aber zurückgehalten.
„Wie ist dein Name Wirt?", fragte der Offizier.
„Harry. Wie euch Kel'ac bereits gesagt hat.", sagte Harry ziemlich schroff und fragte dann mit mehr Selbstbewusstsein, als man einem Siebenjährigen zutrauen würde. „Wie sind eure Namen?"
„Unsere Namen sind Offizier Curtis," sagte er etwas freundlicher, während er auf sich selbst deutete, „und Offizier Loen. Bist du wirklich ein Tok'ra?" Er schien fast hoffnungsvoll.
„Wir sind Tok'ra.", antwortete Harry nur.
„Warum hat sich Kel'ac mit so einem jungen Menschen gebunden?", fragte Loen. „Und warum hast du Probleme zu stehen?"
Der Monitor in seinem Nacken gab ein piepsendes Geräusch von sich, als Kel'ac die Kontrolle übernahm. Die Erschöpfung die Harry fühlte verschwand fast gänzlich. „Ich hatte keine andere Chance, als mich mit Harry zu binden. Mein voriger Wirt wurde getötet.Bevor er starb, fragte er Harry, ob er mich aufnimmt. Harry akzeptierte. Wir haben in den letzten 24 Stunden viel durchgemacht und wie du gesagt hast, er ist nur ein Kind. Ohne meinen Einfluss wären die Zeichen von Erschöpfung und Hunger viel schlimmer."
„Danke," sagte Curtis, viel entspannter, seitdem er den Raum betreten hatte. Das Interview dauerte sehr lang. Harry und Kel'ac beschrieben zusammen alles, was passiert war, eingeschlossen der Magie, die sie hier her gebracht hatte. Nach fast einer Stunde verließ einer der beiden Männer den Raum, Harry und Kel'ac warteten still bis eine Wache den Raum betrat und ein Tablett mit Essen und Trinken brachte.
Harry nahm es dankbar an und schon bald verschlang er das Essen, wie es nur ein Siebenjähriger tun konnte. Kel'ac lachte leise in sich hinein.
Harry beendete gerade sein Essen, als der Mann zurückkehrte. „Was hast du für Pläne?"
„Die Magie, die Harry beherrscht, ist uns beiden neu. Wir hätten gerne eine Chance, diese zu studieren."
„Wir können euch in unser Magetraining aufnehmen, das ist ein einjähriger Kurs für unsere Truppen, die die Fähigkeit haben, Magie zu wirken. Was macht ihr, nachdem ihr ihn beendet habt?"
Diesmal antwortete Harry. „Kel'ac wurde von jemandem innerhalb der Tok'ra, oder jemand der mit ihnen Kontakt hatte, betrogen, wir würden gerne versuchen herauszufinden von wem und warum und um Telmar zu rächen."
„Dann ist es entschieden," sprach Curtis. „Du wirst unseren Mage Trainingsklassen für das Jahr beitreten und danach das tun, was du willst. Wenn du Informationen über Ra's Truppen hast, die du uns geben kannst, wäre das genug Bezahlung und wenn du es wünscht, kannst du danach unserer Flotte beitreten. Euer Status als Tok'ra wird aber nicht publik gemacht und ich schlage vor, es so beizubehalten. Viele von uns wurden von den Goa'uld getötet und nicht jeder wird dir so freundlich gesonnen sein wie wir."
Harry und Kel'ac akzeptierten das Angebot, aber sagten, dass sie noch nicht sicher waren, was sie danach tun würden.
A/N; Ein ziemlich bescheidenes Ende von diesen Kapitel, tut mir leid. Hier wird jetzt ein Zeitsprung sein, aber nicht zu groß, vielleicht ein Jahr. Die Zeitlinie spielt sechs Monate vor dem Stargate Film. Das heißt, Harry beendet sein Mage Training zwischen Ra's Niederlage und der ersten Episode der Serie.
Bezüglich des magischen Transportes wird noch alles erklärt.
Bis zum nächsten Mal!
Ü/N:
Da ich ein paar Probleme mit Beta-Lesern habe und es in der Arbeit im
Moment auch etwas stressiger zugeht kann es bis zum nächsten Kapitel
etwas dauern.
Und vielen Dank an ChrisPotter der mich auf einen
Fehler aufmerksam gemacht hat ;)
Bis demnächst!
