danke für eure kommis... ich freue mich über jeden einzelnen

beta SnapesWife

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25. Küss mich

Dumbledore sah Harry mit einer Spur Belustigung nach, ehe er seine freudig funkelnden Augen wieder zu Severus richtete. „Ihr seid aber heute früh fertig", schmunzelte er, ehe er sich zu seinem Schreibtisch begab. „Habe ich euch gerade bei irgendetwas gestört?", frage er beinahe beiläufig, während er sich setzte.

„Nein", antwortet Snape gereizt. Warum zum Teufel konnte der alte Mann nicht einmal seine Klappe halten? War das denn zu viel verlangt? Nur ein einziges, winzig kleines Mal? Die ganze Sache war schon so verwirrend genug gewesen. Hätte er Harry wirklich geküsst, wenn Dumbledore nicht hineingeplatzt wäre? War Dumbledore vielleicht nur hereingeplatzt um zu verhindern, dass das passierte? Snape schnaubte. Wenn der Direktor etwas davon gewusst hätte, hätte er mit Sicherheit durch einen Zauber noch romantische Musik ertönen lassen und überall um sie wären kleine Elfen herumgeflogen.

„Kannst du mir erzählen, was ihr gesehen habt?", fragte Dumbledore und riss Snape damit aus seinen Gedanken.

„Nichts relevantes", antwortete der Tränkemeister ruhig. „Nur eine Beziehungstragödie erster Klasse. Aber ich will dich natürlich nicht beunruhigen, es ist alles wieder in Ordnung. Die beiden Verliebten sind glücklich wie eh und je."

„Du klingst ein wenig verärgert. Ist irgendetwas passiert?", fragte Dumbledore fürsorglich. „Vielleicht kann ich dir ja helfen?"

„Albus, ich danke dir natürlich für dein überaus freundliches Angebot und der damit zusammenhängenden Anteilnahme, aber es ist alles in Ordnung. Dein Auftauchen hat verhindert, dass ich einen großen Fehler begehe. Alles ist also gut", antwortete Snape spöttisch.

„Bist du dir sicher, dass da nichts ist?", fragte Albus hoffnungsvoll weiter, wofür er sich einen tödlichen Blick des Tränkemeisters einfing.

„Lass mich dir eine Geschichte erzählen", begann er daraufhin einfach. „Als ich noch eine ganze Ecke jünger war, ich muss so in deinem Alter gewesen sein, habe ich hier ein junges Mädchen unterrichtet. Sie war etwa wie so alt wie Harry jetzt, als ich bemerkt habe, dass ich viel mehr für sie empfinde, als gut für mich, als ihr Lehrer, gewesen war. Und obwohl sie auch Interesse an mir gezeigt hat, habe ich mich natürlich an die Regeln gehalten und die Finger von ihr gelassen."

„Wie rührend", schnarrte Snape gereizt. „Kommt da noch etwas oder habe ich das Glück, dass diese traurige Geschichte damit auch schon zu Ende ist?"

Dumbledore überging diesen Kommentar von seinem Zaubertränkeprofessor einfach. „Jedenfalls hatte ich mir geschworen, ihr nach ihrem Abschluss von meinen Gefühlen zu erzählen, doch leider kam es nicht dazu. Sie ging einfach fort, um eine Ausbildung zu beginnen und ich habe sie erst Jahre später wieder getroffen, doch da war es zu spät und sie bereits verheiratet. Ich frage mich manchmal noch heute, wie alles gekommen wäre, wenn ich damals einfach auf mein Herz gehört hätte."

„Oh weiser Albus. Ich frage mich, was du mir mit dieser absolut furchtbaren Geschichte sagen willst", seufzte Snape theatralisch.

„Es ist erfreulich, dass du mich danach fragst", antwortete der Direktor ungerührt. „Ich will dir damit sagen, dass es manchmal wichtiger ist auf sein Herz zu hören, als sich an Regeln zu halten."

„Aber was wäre, wenn du damals auf dein Herz gehört hättest und sich herausgestellt hätte, dass das der größte Fehler deines Lebens ist?", fragte Snape. „Was, wenn sie sich zu einer tyrannischen Hexe gewandelt hätte und du alles verloren hättest, was du dir all die Jahre mühsam aufgebaut hattest."

„Oh, die Liebe ist immer ein Risiko, Severus. Vielleicht würden wir heute noch glücklich zusammen leben, wenn ich damals den Mut aufgebracht hätte, mich über die Regeln hinwegzusetzen."

Snape nickte und ging dann zur Tür. Davor drehte er sich noch einmal um. „Vielleicht sollte ich Minerva von dieser rührseligen Geschichte erzählen. Ich denke, sie wird sie sehr interessant finden, denn ich glaube mich zu erinnern, wie du einmal erwähnt hast, dass ihr schon damals sehr eng miteinander befreundet wart. Ja, ich denke, sie würde das wirklich sehr interessant finden", sagte er. Zurück ließ er einen geschockten alten Mann, der vor Schreck sein Zitronenbonbon verschluckte.

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Den Rest des Tages hatte sich Snape in seinen Räumen versteckt. Nein, natürlich nicht versteckt. Eine Menge Arbeit war liegengeblieben und die holte er nun gewissenhaft nach. Dumbledores Worte gingen ihm nicht aus dem Kopf. Was hatte sich der Mann nur dabei gedacht, ihm so eine Geschichte zu erzählen? Pah, das war ja lächerlich. Er verdrängte die Gedanken aus seinem Kopf und widmete sich wieder den absolut stümperhaften Aufsätzen, die vor ihm lagen.

Erst am nächsten Morgen verließ er sein Quartier wieder, um sich zum Frühstück zu begeben. Er setzte sich auf seinen Platz und schaute kurz hinüber zu Dumbledore. Täuschte er sich, oder war der alte Mann blasser als sonst. Etwas besser gelaunt griff er nach dem Kaffee und goss sich eine große Tasse ein. Er ließ seinen Blick durch die Große Halle schweifen und blieb an zwei smaragdgrünen Augen hängen, die ihn verstohlen musterten. Snapes Augenbrauen wanderten abrupt in die Höhe, was das Gesicht des anderen um die Augen herum rot anlaufen ließ. Merlin, diese Reaktion brachte ihn doch glatt zum Schmunzeln. Der Kleine war schon niedlich. Moment, natürlich nicht niedlich. Er meinte unschuldig und süß. Snape verdrehte die Augen. War irgendetwas in dem Kaffee? Schnell schob er die Tasse von sich und schaute Dumbledore noch einmal scharf an, doch der unterhielt sich gerade mit Minerva und bemerkte es nicht.

Der Vormittagsunterricht verlief recht zufriedenstellend. Es waren keine Kessel explodiert und die meisten Häuser hatten etwa dreißig Punkte verloren. Also alles in allem, war es wirklich fantastisch gelaufen. Dann kamen die ersten beiden Stunden des Nachmittagsunterrichts, die Sechstklässler Gryffindor/Slytherin. Schon als die Meute in sein Klassenzimmer getreten war, hatten seine Augen kurz die Harrys getroffen, was diesen wieder prompt die Farbe eine Tomate hatte annehmen lassen, ehe er den Kopf senkte und sich im hinteren Teil des Klassenzimmers einen Platz gesucht hatte.

Snape begann seinen Unterricht mit der Erklärung des Trankes, den sie heute brauen sollten, ehe er seinen Schülern befahl die notwendigen Zutaten zu holen. Dann setzte er sich hinter seinen Schreibtisch und schaute dabei zu, wie sich die Schüler an die Arbeit machten. Sein Blick glitt durch die Reihen der Slytherins. Hier brauchte er sich keine großen Sorgen zu machen. Noch nie hatte es einer von ihnen geschafft, seinen Kessel in die Luft zu jagen und das sollte schon was heißen, wenn man bedachte, dass Crabbe und Goyle unter ihnen waren. Doch die beiden schienen ein gewisses Talent mitzubringen, was Snape am Anfang doch etwas gewundert hatte.

Bei den Gryffindors hingegen war Vorsicht angesagt. Immerhin arbeitete an einem der Kessel Neville Longbottom und der konnte ausnahmslos jeden Trank mit Leichtigkeit zur Explosion bringen. Sein Blick blieb jedoch nicht an diesem Gryffindor hängen, sondern an dem kleinen, zierlichen Schwarzhaarigen mit den verstrubbelten Haaren. Himmelherrschaftszeiten nochmal, was machte der Junge da? Snape wurde ganz anders. Harry stand vor seinem Kessel und rührte konzentriert darin herum. Er hatte sich auf die Unterlippe gebissen und leckte dann plötzlich mit seiner Zunge darüber, als wolle er sich entschuldigen, dass er sie so malträtiert hatte. Wusste Harry eigentlich, wie verboten gut das aussah? Snape gab sich innerlich eine Ohrfeige. Was sollten denn diese Gedanken. Es musste eindeutig etwas in seinem Kaffee gewesen sein. Und warum, um alles in der Welt, musste er ausgerechnet jetzt wieder an Dumbledores Worte denken?

Snape war klar, dass er sich jetzt dringend ablenken musste. Es war Zeit, ein paar Gryffindors fertig zu machen. Er stand auf und begann seinen Rundgang. Bei den Slytherins hatte er, wie üblich, nichts auszusetzen. Patil und Brown hatten bisher auch ohne Fehler gearbeitet. In Grangers Kessel brauchte er erst gar nicht zu schauen. Sie würde mit Sicherheit keinen Fehler machen. Erst vor Weasleys Kessel blieb er stehen. „Was soll das werden, Weasley?", fragte er scharf, was den Rothaarigen ein wenig zusammenzucken ließ. „Könnten Sie mir bitte sagen, was für einen Trank Sie da brauen? Ich glaube nämlich nicht, dass irgendwo in dem Rezept stand, dass er dieses Gelb annehmen muss. Das sind zehn Punkte Abzug für Gryffindor. Sie werden noch einmal von vorn beginnen", fügte er hinzu und mit einem Schlenker seines Zauberstabes war Weasleys Kessel leer.

Als nächstes blieb er vor Harrys Kessel stehen und schaute hinein. Das Grün, das der Trank angenommen hatte, war zwar nicht so intensiv, wie es hätte sein sollen, aber es war ganz okay und so sagte er nichts. Harry schaute ihn nicht an und arbeitete weiter an den nächsten Zutaten für den Trank, als er sich umdrehte und in Longbottoms Richtung sah. Der Junge schaute mit aufgerissenen Augen auf seinen Kessel, aus dem ungewöhnlicher, roter Schaum quoll. Verdammt, er hatte nicht genug aufgepasst, ging es ihm durch den Kopf, ehe er plötzlich ein „Alle in Deckung" von Harry hörte, ehe er zu Boden gerissen wurde. Keine zwei Sekunden später war nur noch ein ohrenbetäubender Lärm zu hören, als der Trank explodierte und sich violetter Qualm im ganzen Klassenzimmer ausbreitete.

Snape brauchte einen kurzen Moment, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen, als er bemerkte, dass er relativ weich lag, dafür dass er zu Boden gerissen wurde. Er schaute nach unten und blickte direkt in die smaragdgrünen Augen seines Retters, der ein wenig schwer atmete. Er war mit seinem gesamten Gewicht auf den Jungen gefallen, was diesem wohl die Luft aus den Lungen gepresst hatte. Zumindest hoffte er, dass es daran lag, dass Harry so schwer atmete. Schnell sprang er auf und öffnete mit einem Schwung seines Zauberstabes die Fenster, die am oberen Rand der Kerkerwände zu finden waren, damit der Qualm abziehen konnte. Er selbst konnte spüren, dass dieser unangenehme Auswirkungen hatte, denn seine ganze Haut begann zu jucken.

„Alle raus hier und warten Sie vor der Tür!", brüllte er. Sofort stürmten alle Schüler zur Tür, nur Harry blieb liegen. „Ich… ich habe… habe mir irgendwie… mein… mein Bein verdreht, als Sie… auf mich gefallen sind", keuchte er.

Snape schaute ihn an und bemerkte, dass die Haut des Jungen mittlerweile krebsrot war und sich überall Pusteln bildeten. Ein Blick auf seine Hände verriet ihm, dass er nicht viel besser aussah. Sie mussten hier raus, ehe sie dem Qualm noch länger ausgesetzt waren. Er bückte sich und hob den leichten Gryffindor hoch, um zusammen mit ihm zum Ausgang zu eilen.

Draußen warteten schon die anderen Schüler und alle waren mehr oder weniger rot und kratzten sich. Ohne zu zögern, legte Snape Harry vorsichtig auf dem Fußboden ab, beschwor seinen Patronus herauf und schickte ihn mit der Nachricht, dass er Hilfe bräuchte, zu dem Direktor. Dumbledore kam nur Minuten später mit den anderen Lehrern und einigen Schülern der siebten Klasse zu ihnen. Schnell hatte sich jeder einen der Verletzten geschnappt und brachte ihn nach oben zur Krankenstation. Snape selbst nahm Harry wieder auf und lief mit ihm ebenfalls los.

Für mehrere Stunden herrschte auf der Krankenstation ein heilloses Durcheinander, ehe alle Schüler versorgt und wieder entlassen worden waren. Nur Harry hatte wegen seines Beines auf der Krankenstation bleiben müssen und Snape sah ihm an, wie sehr er das hasste. Er selbst hatte sich erst zum Schluss behandeln lassen, nachdem alle Schüler versorgt waren. Er sollte noch fünf Minuten warten, ehe er gehen konnte und Snape hatte in all den Jahren gelernt, auf die Medihexe zu hören, wenn sie ihm so einen Befehl gab. Sie war mittlerweile in ihrem Büro, um dort die Akten zu aktualisieren.

„Ich kann nicht fassen, dass ich schon wieder eine Nacht auf der Krankenstation verbringen muss", hörte er Harry fluchen.

„Das kommt nun mal davon, dass du immer den Helden spielen musst", erwiderte Snape.

„Das nächste Mal kann ich ja einfach zusehen, wie Nevilles Trank dich verbrüht", schmollte der Gryffindor und verschränkte seine Arme vor der Brust. „Es wurmt dich, dass ich dich davor gerettet habe, nicht wahr?"

„Ja, um ehrlich zu sein, mag ich es nicht, in der Schuld eines Schülers zu stehen", antwortete der Tränkemeister.

„Ich hätte da eine Idee, wie du das wieder gut machen könntest. Dann könntest du wieder beruhigt schlafen", sagte Harry mit einem Glitzern in seinen Augen, das Snape eigentlich davor warnen sollte zu fragen, was Harry wollte.

Trotzdem war das nächste was er sagte: „Und wie kann ich das tun?"

„Küss mich", erwiderte Harry, wobei er gleichzeitig wieder einen hochroten Kopf bekam.

„Bitte was?", fragte Snape entsetzt.

„Küss mich, nur einmal. Ich meine nicht so einen Kuss wie vor Halloween, sondern einen richtigen Kuss. Ich möchte nur einmal selbst fühlen, wie es ist, dich richtig zu küssen", sagte Harry.

Snape konnte Hoffnung in den Augen des Schwarzhaarigen sehen und überlegte kurz, was er tun sollte. Na ja, so schlimm konnte es ja nicht sein, den Junge zu küssen und er stünde dann auch nicht mehr in dessen Schuld. Ach, was sollte das überhaupt. Die Wahrheit war, dass er den Kleinen auch küssen wollte und so konnte er es tun, ohne dass daraus gleich eine Verpflichtung entstand. Schließlich würde Harry denken, dass er es nur für ihn tat. Langsam setze er sich auf das Bett. Harry setzte sich auf und schaute ihn erwartungsvoll an und dann, genauso langsam wie in Dumbledores Büro näherten sich ihre Köpfe. Kurz bevor sich ihre Lippen berührten, verharrten beide kurz, ehe sie auch den letzten Abstand überwanden.

Als Harrys Lippen seine eigenen berührten, ging ein wohliger Schauer durch den Körper des Tränkemeisters. Es war ein wundervolles Gefühl, das Severus so noch nie gefühlt hatte. Seine Hand kam herauf und schlang sich um den Nacken des Gryffindors, ehe er seinen Mund leicht öffnete und mit seiner Zunge über Harrys Lippen strich. Harry stöhnte leicht, als er seinen Mund öffnete und dem anderen so Zugang gewährte und als sich ihre Zungen endlich berührten, explodierte ein Feuerwerk in Severus. Dieser Kuss war berauschend und erst nach einer, wie es ihm vorkam, endlosen Zeit, löste sie sich schwer atmend voneinander. Harrys Lippen waren leicht geschwollen und seine Wangen zierte ein leichtes Rot und Snape konnte nicht anders, als die Lippen des Gryffindors erneut in Beschlag zu nehmen.

Sanft strich seine Hand die Seite des Jungen entlang, während seine Zunge hemmungslos den Mund des Kleineren plünderte. Erneut schien es eine Ewigkeit zu dauern, ehe sie sich voneinander lösten und Snape sich ein wenig zurückzog. Ein Räuspern ließ sie beide herumfahren. Dort stand, wie immer zum unpassendsten Zeitpunkt, Dumbledore. „Severus, wenn dich Poppy dann gehen lässt, würde ich dich gerne in meinem Büro sprechen. Ich würde gerne erfahren, was genau heute diesen Unfall verursacht hat", schmunzelte der alte Mann, ehe er sich umdrehte und mit einem „Gute Besserung, Harry" verschwand.