hallöchen,
ich machs heute mal wieder extrem kurz… danke für die kommis, ihr süßen
beta, wie immer, SnapesWife (auch ein fettes danke an dich)
knuddels
nerventod
oooooooooo
42. Schock
Severus und Dumbledore standen noch immer nebeneinander und schauten sich die Szene vor ihnen an. Das Bein war innerhalb von Sekunden nun ganz durchtrennt und alles was von Vin jetzt noch zu hören war, war ein schmerzerfülltes Stöhnen. Severus wünschte sich nichts mehr, als dass die Erinnerung nun zu Ende war. Wie es Harry gehen würde, wenn sie wieder im Büro des Direktors waren, wollte er sich gar nicht vorstellen. Sie hatten einfach unterschätzt, was hier passieren würde und sie hatten dem Gryffindor nicht helfen können, wodurch er alles miterleben musste.
Es war dem Auftauchen eines weiteren Todessers zu verdanken, dass Voldemort und Lucius von Vin abließen, da dieser scheinbar eine wichtige Nachricht brachte. Vin wurde wieder in seine Zelle zurückgebracht und endlich hörte die Erinnerung auf.
Severus war froh, als er wieder die vertraute Umgebung des Büros des Schulleiters sah und atmete erst einmal tief durch, ehe er zu Harry schaute. Er wusste nicht, was ihn erwarten würde, wie Harry reagieren würde. Er rechnete mit allem, mit Schreien, Weinen, Toben, aber nicht damit. Harry saß einfach nur da und starrte gerade aus zu ihm. Doch er schaute ihn nicht an. Sein Blick schien durch Severus hindurchzugleiten. Sein Gesicht war starr und zeigte keine Reaktion. Er war äußerst blass und ein Schweißfilm bedeckte sein Gesicht.
Mit besorgtem Blick schaute er zu Dumbledore, der Harry ebenso besorgt musterte. Er schaute wieder zurück zu Harry und streckte eine Hand zu ihm aus, mit der er sanft die Schulter des Gryffindors berührte. „Harry?", fragte er leise, doch auch dies führte zu keiner Reaktion. „Harry!", versuchte er es daher noch einmal, diesmal etwas lauter, doch wieder blieb der erwünschte Erfolg aus.
„Sieht nach einem Schock aus", sagte Dumbledore. „Bring ihn am besten auf die Krankenstation."
„Nein", erwiderte Severus. „Ich bringe Harry auf keinen Fall dorthin. Er hasst die Krankenstation und Poppy kann ohnehin nichts tun. Ich werde ihn mit in meine Räume nehmen. Wenn er sich von dem Schock erholt braucht er mich und dann werde ich für ihn da sein."
Dumbledore nickte traurig. „In Ordnung, Severus. Trotzdem werde ich Poppy erst einmal hier her bitten, damit sie sich Harry ansehen kann." Auf Severus' zustimmendes Nicken erhob er sich und warf eine Priese Flohpulver in den Kamin, um nach der Medihexe zu rufen. „Poppy, könntest du bitte hinauf in mein Büro kommen?", fragte er, nachdem Poppys Kopf im Kamin erschienen war. Sie nickte und schon war ihr Kopf wieder verschwunden.
Dumbledore schaute zu Harry und Severus. Der Tränkemeister betrachtete den jungen Gryffindor noch immer mit besorgter Miene. Als Dumbledore seine Hand auf Severus' Schulter legte, schaute dieser zu ihm auf und blickte ihn fragend an. „Wie geht es dir, mein Junge?", fragte Dumbledore.
„Was soll die Frage? Ich bin es nicht, um den du dir Sorgen machen musst", schnarrte Severus gereizt.
„Du sagst immer, dass ich mir keine Sorgen um dich machen muss und trotzdem tue ich es", erwiderte Dumbledore. „Du hast die Erinnerungen gesehen und auch wenn du sie nicht erlebt hast, warst du doch unmittelbarer Zeuge, dass der Mensch, den du liebst gequält wurde. Ich habe dein Gesicht gesehen, Severus, und ich habe deine Wut darüber zu spüren bekommen, dass du nicht eingreifen konntest. Entschuldige also bitte, wenn ich mich um Dich sorge."
Severus musste sich selbst zur Ruhe zwingen, damit er Dumbledore nicht anschrie. Seine ganze Wut darüber, dass er Harry nicht hatte helfen können, kam wieder nach oben. Er wusste, dass er Dumbledore vorhin die Schuld an allem gegeben hatte, so unfair das auch war, wenn er bedachte, dass sie alle drei die Entscheidung getroffen hatten, die Erinnerungen weiterhin anzusehen. Es tat ihm Leid, den Direktor geschlagen zu haben, doch sagen konnte er ihm das im Moment einfach nicht. „Ich komme damit klar", entgegnete er daher und drehte sich wieder zu Harry, um ihm nun sanft über die Wange zu streichen.
Die Tür wurde aufgerissen und schnell zog Severus seine Hand wieder zurück, als Poppy in das Büro gerauscht kam. „Was ist los, Albus? Wer ist verletzt?", sprudelte es sofort aus ihr heraus.
„Wärst du bitte so freundlich, dir den jungen Mister Potter anzusehen? Er scheint einen Schock zu haben", antwortete Dumbledore und deutete zu dem Platz, wo Harry saß. Er sah dabei zu, wie die Medihexe ohne weitere Verzögerungen zu dem Gryffindor eilte und ihren Zauberstab zog, um ihn zu untersuchen. Severus stand auf, um ihr genügend Platz zu geben. Er schritt an dem Direktor vorbei zu dem Fenster und blickte hinaus in die Winterlandschaft, die sich vor ihm erstreckte.
Er hatte versagt. Er hatte Harry gesagt, dass er ihm helfen würde, wenn die Erinnerung zu heftig werden würde. Und nicht nur das. Er hatte vorhin vollkommen den Kopf verloren, anstatt Harry zu helfen. Kopfschüttelnd wandte er sich wieder zu den anderen, als Poppy mit ihrer Untersuchung fertig war und Dumbledore berichtete, dass Harry körperlich gesund sei. „Er hat einen Schock", fuhr sie danach fort. „Was ist geschehen, Albus? Was hat das hier auslösen können?"
„Es tut mir Leid, Poppy, aber das kann ich dir nicht sagen", erwiderte Dumbledore.
„Wie du meinst", erwiderte die Medihexe nun ein wenig steifer. „Ich werden den Jungen mit auf die Krankenstation nehmen." Damit drehte sich wieder zu Harry und hob ihren Zauberstab, doch Dumbledore unterbrach sie.
„Das wird nicht nötig sein", sagte er. „Severus wird sich um Mister Potter kümmern. Er weiß, was den Schock ausgelöst hat und wird ihm daher am besten helfen können."
Madame Pomfrey nickte kurz, ehe sie sich zu Severus drehte. „Es wäre besser, wenn du dein aufbrausendes Temperament unter Kontrolle halten würdest. Das letzte, was der Junge jetzt noch braucht, ist weitere Aufregung", sagte sie streng, ehe sie das Büro verließ und sich wieder auf den Weg in die Krankenstation machte.
Severus erwiderte nichts darauf, sondern näherte sich Harry einfach wieder, nachdem sie gegangen war. Noch einmal griff er nach Harrys Schultern und schüttelte ihn leicht, doch als wieder keine Reaktion kam, hob er den Gryffindor einfach in seine Arme. Er ging mit ihm in den Kamin, wo er ihn sanft auf seine Füße stellte, nach einer Handvoll Flohpuder griff und ihn dann fest in seine Arme nahm.
„Sage mir bitte Bescheid, wenn sich an seinem Zustand etwas ändert", sagte Dumbledore. Severus nickte kurz, warf das Flohpulver nach unten, sagte deutlich „Snapes Räume" und befand sich im nächsten Moment in seinem Wohnzimmer. Erneut nahm er Harry auf seine Arme und brachte ihn in sein Schlafzimmer, wo er ihn sacht auf dem Bett ablegte und ihn dann zudeckte. Er betrachtete den Gryffindor noch eine Weile, ehe er mit einem Seufzen das Zimmer verließ.
Sein Weg führte ihn direkt in das Tränkelabor, wo er einen Traumlosschlaftrank aus seinen Regalen nahm. Er steckte sich die Phiole in eine Tasche seiner Robe und kehrte mit ihr zum Schlafzimmer zurück. Harry lag noch immer so da, wie er ihn verlassen hatte. Sein Blick war starr geradeaus zur Zimmerdecke gerichtet. Es gab kein Zeichen dafür, dass er irgendetwas von seiner Umgebung wahrnahm.
War das erlebte nun vielleicht endgültig zu viel für Harry gewesen? Er war erst sechszehn und hatte schon soviel durchgemacht. War hier der Punkt, wo es auch für ihn einfach zu viel wurde, an dem er einfach nicht mehr weiter konnte? Was sollte er ihm jetzt sagen? Sollte er überhaupt mit ihm reden? Verstand Harry es überhaupt, wenn er etwas sagte? Severus wusste es einfach nicht, doch er wollte auch nicht einfach abwarten. „Harry?", sprach er ihn erneut an. „Harry, ich weiß, dass das schlimm war, aber wir müssen uns nie wieder die Erinnerungen ansehen. Es tut mir Leid, dass wir dich nicht rausholen konnten, wie wir es versprochen hatten, aber wir wissen jetzt alles, was wir von den Erinnerungen noch hätten erfahren können. Hörst du mich?"
Erneut zeigte Harry keine Reaktion. Severus seufzte und holte die Phiole aus seiner Robe. Vielleicht würde es Harry gut tun, wenn er etwas schlief und sich erholen konnte. Er entkorkte das kleine Fläschchen und fuhr mit einer Hand unter Harrys Kopf, um ihn etwas anzuheben, ehe er die Phiole zu Harrys Mund führte. Ohne Wiederstand öffnete Harry seinen Mund und schluckte den Trank hinunter. Severus legte dessen Kopf wieder auf dem Kissen ab und schaute dabei zu, wie die smaragdgrünen Augen sich langsam schlossen und Harry in einen traumlosen Schlaf fiel.
Müde stand er auf und ging wieder in sein Labor. Poppy hatte ihm schon zu Ferienbeginn eine Liste mit Tränken gegeben, die sie benötigte und es waren noch etliche zu brauen. Es war besser, es jetzt zu tun, da im Moment sowieso zu viele Gedanken in seinem Kopf herumschwirrten und er sicher keinen Schlaf finden würde, sollte er sich zu Harry legen. Das Brauen brachte ihm immer die Ruhe, wenn er sich benötigte. Es forderte seine Konzentration und sorgte dafür, dass seine Gedanken nicht die ganze Zeit um Harry kreisten und er ein wenig zur Ruhe kam. Er verbrachte Stunden in seinem Büro, ehe es Zeit zum Abendessen war. Severus entschied sich dazu, zum Essen nicht in die Große Halle zu gehen, sondern ließ sich von den Hauselfen etwas in seine Räume bringen.
Er hatte eigentlich keinen Appetit, doch jahrelange Erfahrung hatte ihn gelehrt, zumindest etwas zu essen. Seine Konzentration litt jedes Mal, wenn er mehrere Mahlzeiten ausließ und das hatte schon einmal fast dazu geführt, dass er sich mit einem Kessel in die Luft gesprengt hätte. Daher setzte er sich auf die Couch, nahm eines der Sandwiches von dem Teller vor ihm und begann zu essen. Seine Gedanken kreisten wieder um Harry, doch ihm fiel nichts ein, was er tun konnte, um dem jungen Gryffindor helfen zu können. Harry musste sich jetzt selbst helfen, wenn er das überhaupt noch wollte. Oder konnte er doch etwas tun?
Er hatte das Sandwich nur halb aufgegessen, als er es wieder auf den Teller zurücklegte und aufstand. In seinem Bücherregal musste es doch irgendwo ein Buch geben, was ihm helfen konnte. Er ging die Bücher in seinem Regal durch, griff sich hier und da eines heraus, um es durchzublättern und stellte es wieder zurück. Seine Suche wurde von dem Aufflammen seines Kamins unterbrochen. Severus drehte sich in dessen Richtung, nur um das Gesicht des Direktors darin zu entdecken.
„Gibt es eine Veränderung?", fragte Dumbledore und seufzte laut, als Severus mit seinem Kopf schüttelte.
„Ich habe Harry einen Traumlosschlaftrank gegeben. Vielleicht wird das helfen", sagte Severus, nachdem er zu dem Kamin hinübergegangen war.
„Wir müssen einfach abwarten", erwiderte Dumbledore ohne das übliche Funkeln in seinen Augen. Severus wurde auf einmal klar, dass auch der Direktor von den Geschehnissen mitgenommen sein musste. Sicher, er war alt und hatte schon eine Menge gesehen, aber die Grausamkeit, die sie heute hatten ansehen müssen, war sicher etwas, was auch der alte Mann noch nicht gesehen hatte und schien auch ihn zu belasten.
„Ich möchte, dass du morgen früh in mein Büro kommst, Severus, auch dann, wenn es Harry noch nicht besser gehen sollte. Wir müssen über die Dinge reden, die wir erfahren haben", fuhr Dumbledore nach einer Weile fort. „Harry trägt zwar den Schlüssel zu Voldemorts Vernichtung in sich, doch ich fürchte, wir haben ein Problem, wenn wir diesen Schlüssel nutzen wollen."
„Wie meinst du das?", fragte Severus, verblüfft von der Aussage des Direktors. Er hatte noch nicht über das nachgedacht, was sie von Vin erfahren hatten und wenn er ehrlich war, ärgerte es ihn, dass Dumbledore jetzt an nichts anderes denken konnte, als daran, wie Harry den Dunklen Lord vernichtet konnte. Am liebsten würde er sich den Gryffindor einfach schnappen und mit ihm verschwinden. Er war zu jung und hatte die Grenzen dessen, was er ertragen konnte offensichtlich erreicht.
„Ich werde dir das morgen erklären. Ruh dich aus und kümmere dich um Harry", erwiderte Dumbledore.
Severus nickte und im nächsten Moment war Albus' Kopf wieder aus seinem Kamin verschwunden. Er war sich sicher, dass er noch immer nicht einschlafen konnte, wenn er sich jetzt hinlegte, daher ging Severus erneut in sein Labor und arbeitete weiter an den Tränken für die Krankenstation. Erst weit nach Mitternacht ging er wieder in sein Schlafzimmer, wo Harry noch immer schlief. Er duschte noch schnell und schlüpfte dann ins Bett. Noch einmal strich er Harry sanft über die Wange. „Komm zurück zu mir", flüsterte er, ehe er dem jungen Gryffindor einen Kuss auf die Stirn drückte und sich dann hinlegte, um selbst ein wenig Schlaf zu bekommen.
