ein fettes dankeschön für eure tollen kommis und wie immer an meine wundervolle beta SnapesWife
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43.Schicksal?
Als Severus am nächsten Morgen erwachte, galt sein erster Blick Harry. Der Gryffindor lag immer noch an der Stelle, an der er gestern gelegen hatte, und schien noch zu schlafen. Wenn Severus richtig rechnete, würde das auch noch mindestens zwei weitere Stunden so sein, ehe der Trank seine Wirkung verlor. Seufzend stand er auf und begab sich ins Badezimmer. Solange Harry noch schlief, konnte er genauso gut zu Dumbledore gehen und das Gespräch hinter sich bringen, um welches der Direktor ihn gebeten hatte.
Zwanzig Minuten später stand er vor dessen Büro und klopfte an. „Komm herein, Severus", ertönte Dumbledores Stimme und er öffnete die Tür. „Setz dich, bitte", deutete der Direktor auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Nachdem der Tränkemeister sich gesetzt hatte, sprach er erneut. „Wie geht es Harry? Hat er sich von seinem Schock erholt?"
„Ich weiß es nicht. Der Trank hat noch nicht seine Wirkung verloren. Harry schläft noch", antwortete Severus. „Es wäre nett, wenn du gleich zum Punkt kommen würdest, damit ich wieder zurück kann."
„In Ordnung. Hast du etwas über die Dinge nachgedacht, die wir gestern erfahren haben?", fragte Dumbledore.
Severus schüttelte seinen Kopf. „Ich hatte noch keine Zeit darüber nachzudenken, wie du sicher verstehen wirst", schnarrte er.
„Nun, ich habe darüber nachgedacht, was Mister Hallwood uns da genau erzählt hat. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie sie das alles geschafft haben, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass es funktioniert hat, wenn auch nicht ganz so, wie beabsichtigt", sagte Dumbledore. „Die Kräfte des Brilax waren zweifellos in ihm, als er seine Zeitreise angetreten hat und ich denke, dass es auch diese waren, die Harry als Kind gerettet haben, dennoch hat es nicht so funktioniert, wie sie wollten. Voldemort hätte vernichtet werden sollen, aber das ist misslungen."
„Und du hast eine Vermutung, warum dem so ist?", fragte Severus ruhig.
„Ja", antwortete Dumbledore. „Die beiden hatten den Zauberspruch nicht, mit dem der Zauber aktiviert wurde, weshalb ich vermute, dass sie noch nicht freigesetzt wurden."
„Ich denke, dass du da richtig liegst", stimmte Severus ihm zu. „Das würde also bedeuten, dass die Kräfte des Brilax noch in Harry schlummern."
„Und ich denke, dass genau darin der Schlüssel zu Voldemorts Vernichtung liegt, die Kraft, die der Dunkle Lord nicht kennt", sagte der Direktor.
„Das heißt, du willst diesen Zauber, den wir in Gringotts gefunden haben, auf Harry anwenden?", fragte Severus ruhig.
„Das wird nicht so einfach gehen", entgegnete Dumbledore und die Ernsthaftigkeit mit der er Severus nun betrachtete, ließ diesen sich noch ein wenig gerader hinsetzen. „Ich habe mich in dieser Nacht noch einmal genau mit diesem Thema auseinandergesetzt. Ich habe viele Bücher gelesen, um Informationen zu bekommen und was ich gefunden habe bereitet mir großes Kopfzerbrechen."
Dumbledore stand nun auf und ging ein paar Mal auf und ab, ehe er sich wieder zu Severus wandte, der ihn unruhig beobachtete. „Spuck es schon aus, Albus", schnarrte dieser.
Der alte Mann seufzte noch einmal, dann begann er zu sprechen. „Wenn der Brilax früher mit dem Nachfolger vereinigt wurde, dann geschah das Stück für Stück. Der neue Meister musste den Brilax einen guten Monat mit sich herumtragen, denn sein Körper musste sich erst an die neue Macht gewöhnen, da die Kraft der Magie den Wirt sonst töten würde. Harry trägt all dies schon in sich. Bei ihm wäre es also so, dass sich die Kraft mit einem Mal entfalten würde. Ich weiß, dass Harry stark ist, aber sein Körper würde das nicht überstehen. Er trägt bereits ein großes Magiepotenzial in sich, was zweifellos von der Verschmelzung mit der Seele von Mister Hallwood und dem Teil, den er von Voldemort selbst erhalten hat, zusammenhängt. Ich denke, dass er die Kraft für ein paar Minuten unter Kontrolle haben kann und er es in dieser Zeit auch schaffen kann, Voldemort zu vernichten. Wenn die Kraft dann aber vollkommen freigesetzt wird, können wir nichts mehr für ihn tun."
„Du willst die Macht des Brilax aktivieren und Harry dann sterben lassen, wenn er dessen Kraft nicht mehr kontrollieren kann?", knurrte Severus.
„Von Wollen kann hier keine Rede sein", hob Dumbledore beschwichtigend die Hände. „Mir wäre es auch lieber, wenn es eine Möglichkeit geben könnte, wie Harry dieses Schicksal erspart bleibt. Aber das hier ist es. Das hier ist, wovon die Prophezeiung spricht. In der anderen Zeitlinie gab es die Prophezeiung nicht. Der Brilax ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, und wir müssen sie nutzen. Das Timing ist jetzt das, worauf es ankommt. Der Zauber kann erst dann aktiviert werden, wenn sich Harry und Voldemort gegenüberstehen. Einer von uns beiden muss also im entscheidenden Moment in Harrys Nähe sein und den Zauber sprechen, der die Macht des Brilax' aktiviert."
„NIEMALS", sprang Severus auf und warf dabei seinen Stuhl um. „Du kannst doch nicht erwarten, dass Harry sich opfert, nur damit der Dunkle Lord vernichtet werden kann."
„Ich bin mir sicher, dass Harry es tun würde, wenn es erforderlich ist", erwiderte Dumbledore ruhig.
„Natürlich würde er das. Er ist ein Gryffindor und würde sich sicher für alle opfern, die er liebt, aber das kannst du nicht von ihm verlangen, hörst du?", brauste der Tränkemeister auf.
„Severus, versteh doch. Uns bietet sich hier die einmalige Chance, Voldemort vernichten zu können. Ich will genauso wenig, dass Harry stirbt, wie du, aber wenn es unsere einzige Möglichkeit ist--"
„Es muss eine andere geben", unterbrach ihn Severus. „Harry ist noch nicht einmal siebzehn Jahre. Nicht er sollte für uns da sein, sondern wir für ihn. Ich werde nicht zulassen, dass du ihm das antust."
„Harry ist das Ziel von Voldemort. Er will den Jungen töten und das weißt du. Er hat schon viel zu oft bewiesen, dass er an ihn herankommen kann. Wenn wir die Chance nicht nutzen, die uns das Schicksal hier gegeben hat, dann wird er irgendwann getötet und es wird keine Möglichkeit mehr geben, Voldemort zu besiegen", erklärte Dumbledore.
„Ich werde ihn beschützen. Der Dunkle Lord wird nicht noch einmal an ihn herankommen", knurrte Severus.
„Ich weiß, dass du das tun wirst, mein Junge, aber im Grunde genommen ist das hier keine Entscheidung, die du treffen kannst. Er hat eine Bestimmung zu erfüllen, eine Bestimmung, die ihm von Vin und dir gegeben wurde. Es ist Harrys Entscheidung, ob er diese Bestimmung erfüllen will, oder nicht, nicht deine und nicht meine."
„Er ist noch nicht einmal volljährig, Albus. Du kannst von ihm nicht verlangen, dass er diese Entscheidung trifft", funkelte Severus ihn nun an. „Ich sage es noch einmal. Ich werde nicht zulassen, dass du das von ihm verlangst. Er ist zu jung, um so eine Entscheidung treffen zu müssen."
„Du hältst ihn nicht für zu jung, mit dir zusammen zu sein. Ich weiß, dass du ihn liebst, Severus, und ich kann verstehen, dass diese Gefühle deine Einstellung in dieser Sache beeinflussen, aber es wird letzten Endes nicht deine Entscheidung sein", erwiderte Dumbledore.
„Ich schwöre dir, Albus, ich werde verhindern was du vorhast und zwar mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln", knurrte das Oberhaupt der Slytherins. „Harry ist keine Waffe und er hat sein ganzes Leben noch vor sich. Als Vin und mein anderes Ich sich zu diesem Schritt entschieden haben, waren sie alt genug, um so eine Entscheidung treffen zu können, um alle Konsequenzen abwägen zu können. Ich werde wohl nicht verhindern können, dass du Harry von deinem ach so tollen Plan erzählen wirst, aber ich werde alles daran setzen, dass es nicht so weit kommen wird, dass er in die Tat umgesetzt wird."
Nun hatte Severus wohl einen Punkt erreicht, an dem der Direktor von Hogwarts seine Geduld verlor. Sein Blick war eisig, als er den Tränkemeister nun anfunkelte und Severus konnte förmlich die Macht spüren, die von dem alten Mann ausging. „Ich sage es nur einmal klar und deutlich, Severus. Harry wird von dem Ganzen hier erfahren und egal, welche Entscheidung er treffen wird, ich werde mich ihr fügen. Wenn er sich dagegen entscheiden wird, werde ich das akzeptieren und ihn so gut beschützen, wie ich kann. Sollte er sich aber dazu entschließen, die Möglichkeit, die ihm gegeben wurde zu nutzen, wirst auch du dich fügen, habe ich mich verständlich ausgedrückt?"
„Lass es mich klar sagen, Albus", entgegnete Severus ebenso fest. „Solltest du Harry unter Druck setzen, oder ihm Schuldgefühle einreden, wenn er sich dagegen entscheidet, dann bekommst du es mit mir zu tun. Meine Meinung zu dieser Sache habe ich, denke ich, zur Genüge zum Ausdruck gebracht. Harry sollte in diesem Punkt keine Wahl haben, da er noch viel zu jung ist. Ich kann nicht fassen, dass ich mich so in dir getäuscht habe. Ich habe dich als einen Freund und Mentor gesehen, Albus, aber vielleicht solltest du dir überlegen, wer von uns beiden hier die Situation aus dem falschen Blickwinkel betrachtet. Harry sieht zu dir auf und würde alles tun, was du von ihm verlangst, selbst dann, wenn du es so aussehen lässt, als wäre es seine Entscheidung. Das sollte dir wichtig sein, nicht dein Ziel, diesen Krieg zu beenden."
Mit diesen Worten drehte er sich herum, rauschte aus dem Büro und ließ Dumbledore damit keine Zeit mehr, darauf zu antworten. Müde fiel der Direktor in seinen Schreibtischstuhl zurück und starrte die Tür an, durch die der Tränkemeister gerade verschwunden war. Hatte er Recht? Hatte er in seinem Enthusiasmus, den Weg gefunden zu haben, mit dem Voldemort besiegt werden konnte, vergessen, an Harry zu denken? War Harry für ihn wirklich nur noch zu einer Waffe geworden?
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Severus kam wütend im Kerker an und ging auf direktem Wege in sein Klassenzimmer. So wütend, wie er war, konnte er jetzt nicht zu Harry gehen. Er griff sich den erstbesten Kessel, der auf einem der Schülertische stand und schleuderte ihn quer durch den Raum. Er knallte mit einem ohrenbetäubenden Lärm gegen die Wand und fiel zu Boden. Weitere Kessel folgten. Wie konnte Dumbledore nur zulassen wollen, dass Harry sich für sie alle opferte? Ja, er wusste, dass es vielleicht die einzige Möglichkeit war, den Dunklen Lord zu vernichten, doch das war vollkommen egal. Severus wusste, dass zu seinen Gründen, warum er Harry nicht diese Entscheidung überlassen wollte, auch egoistische Gründe gehörten. Er wollte den schwarzhaarigen Gryffindor nicht verlieren, soviel wusste er. Aber er war sich auch sicher, dass er Dumbledore auch vor noch einem Jahr, wo er dem Jungen noch nicht so nahe gekommen war, genau dasselbe gesagt hätte.
Noch immer wütend packte er einen der Schülertische und schmiss ihn um. Stück für Stück nahm er das Klassenzimmer auseinander und als er zehn Minuten später erschöpft in die Knie ging, war das Zimmer verwüstet. Er atmete heftig, als er versuchte sich zu beruhigen, doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis es ihm gelang. Seine Gedanken wirbelten durcheinander und verursachten ihm Kopfschmerzen. Er war so wütend, wütend auf Dumbledore, der scheinbar so gefühllos davon geredet hatte, dass Harry sich für das größere Ziel zu opfern hätte, wütend auf Vin und sein anderes selbst, da sie beide Harry ein Leben geschenkt hatten, dass dieser aufgeben musste, wollte er die Bestimmung erfüllen, die sie ihm damit gegeben hatten. Aber er war auch wütend auf sich. Er wusste, dass der Dunkle Lord vernichtet werden musste und ein kleiner Teil in ihm sagte ihm immer wieder, dass Dumbledore Recht gehabt hatte. Severus hasste diesen Teil von sich genauso, wie den Teil, der ihn egoistisch an ihn selbst denken ließ und nicht zulassen wollte, dass er Harry verlor.
Er war sich sicher, dass Harrys Pflichtgefühl im sagen würde, dass er es tun musste, dass ihm keine andere Wahl blieb, als sich zum Wohl der Zaubererwelt zu opfern. Am liebsten würde Severus ihn nehmen und mit ihm verschwinden, irgendwo untertauchen und ihn beschützen. Doch würde Harry ihm das jemals verzeihen, wenn dadurch letztendlich alle Menschen starben, um die er sich sorgte? Nein, ganz sicher nicht. Trotzdem. Es musste eine andere Möglichkeit geben. Am liebsten würde er die Kraft, die Harry gegeben wurde, auf sich übertragen und selbst sterben. Er hatte in seinem Leben zu viele Fehler begangen und verdiente es, im Gegensatz zu Harry nicht, diesen Krieg zu überleben. Doch die Macht ließe sich nur dann auf ihn übertragen, wenn der Körper, der sie in sich trug, im Begriff war, zu streben. Diese Möglichkeit blieb ihm also auch verwehrt.
Die vielen Gedanken bereiteten ihm Kopfschmerzen und so schüttelte er leicht seinen Kopf und versuchte sie zu verdrängen. Erschöpft stand er auf und atmete noch einmal tief durch, ehe er sich auf den Weg in seine Räume machte. Der Trank musste in Kürze aufhören zu wirken und Severus wollte nicht, dass Harry aufwachte, wenn er nicht da war. Was sollte er Harry sagen? Er wusste es einfach nicht. Ein Teil von ihm fühlte schuldig, da er einen kurzen Moment daran dachte, dass es besser wäre, wenn Harry nicht aus seinem schockähnlichen Zustand erwachen würde, da sein Leben auf diese Art nicht in Gefahr war. Zudem wusste er, dass das eine Lüge war, denn er wollte den schwarzhaarigen Gryffindor zurück.
Severus durchquerte sein Wohnzimmer und blieb vor der Tür zu seinem Schlafzimmer stehen. Noch ein paar Mal atmete er rief durch, um die Sorge, die ihm mit Sicherheit ins Gesicht geschrieben stand zu verbannen. Er wusste, dass seine jahrelang trainierte und aufrechterhaltene Kontrolle ins Wanken geraten war und Harry sofort sehen würde, dass etwas nicht stimmte. Mit ausdruckslosem Gesicht betrat er schließlich den Raum und erstarrte. Harry war weg!
