hi alle zusammen,
auch hier geht es endlich weiter… die lnge wartezeit tut mir unendlich leid, aber jetzt geht's ja weiter -strahl-
danke an meine beta Snapes-Wife und für die tollen reviews… ihr seid die allerbesten
knuddels an alle
nerventod
oooooooooo
46. Maya
Harry betrachtete die alte Frau. Sie sah freundlich aus. Ihre langen grauen Haare hatte sie zu einem Dutt nach oben gesteckt. Sie war nicht wirklich schlank, aber auch nicht dick. Sie war so, wie Harry sich immer eine Oma vorgestellt hatte und ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Könnten wir vielleicht hineinkommen?", fragte Severus und riss Harry damit aus den Gedanken. „Ich möchte nicht, dass uns hier draußen jemand sieht. Außerdem ist Harry sehr müde und muss sich hinlegen."
Die alte Frau, die Severus Maya genannt hatte, nickte zögerlich und trat einen Schritt beiseite. Harry war dankbar, dass sie sie einließ und obwohl er sich fragte, wer diese alte Frau war, konnte er im Moment an nichts anderes denken, als sich hinzulegen und zu schlafen. Er hätte jetzt alles gegeben, für ein gemütliches Bett und mindestens zehn Stunden Schlaf, so müde war er.
Severus betrat mit Harry das Haus und ließ sich von Maya ins Wohnzimmer führen, wo beide sich auf die Couch setzten, während die alte Frau sich in einen Sessel ihnen gegenüber setzte. „Also, weshalb bist du nach all der Zeit hier her gekommen?", fragte sie, nachdem sie beide ein Weile gemustert hatte.
„Wie ich schon gesagt habe, brauche ich deine Hilfe", antwortete Severus. „Harry und ich brauchen für eine Weile einen Ort an dem wir unterkommen können und ich hatte gehofft, dass du uns diesen Ort bieten kannst."
„Nach so langer Zeit kommst du hier her und bittest mich, dir Unterschlupf zu gewähren? Und nicht nur dir, sondern auch noch einem Wildfremden?", fragte Maya. Harry konnte deutlich spüren, dass zwischen ihr und Severus etwas vorgefallen sein musste und dass sie nicht gerade glücklich war, dass sie hier aufgetaucht waren.
„Wenn es nicht wirklich wichtig wäre, würde ich dich nicht darum bitten", entgegnete der Tränkemeister und ignorierte Harrys herzhaftes Gähnen, der das nicht mehr zurückhalten konnte. „Bitte Maya, es ist wirklich dringend."
„Ich habe dir damals gesagt, dass ich dich nicht wiedersehen möchte. Du kennst die Gründe für diese Entscheidung. Ist er so wie du? Ist er einer von ihnen?", fragte die alte Frau nun. Harry hatte keine Ahnung, wovon sie sprach und runzelte fragend die Stirn. Er konnte spüren, wie Severus sich leicht neben ihm versteifte, doch er ließ sich davon nichts anmerken.
„Nein, er ist kein Todesser", antwortete Severus. „Er ist einer meiner Schüler und er ist in Gefahr."
Maya musterte Harry für eine Weile und schien zu überlegen, was sie nun tun sollte. „Er kann hier bleiben, aber du gehst", sagte sie schließlich entschieden. „Ich will dich nicht in meinem Haus haben und das weißt du auch."
Harry hielt vor Schreck die Luft an, als er das hörte. Sie wollte nicht, dass er mit Severus hier bleiben konnte? Er sollte allein hier bleiben, bei einer Frau, die er nicht einmal kannte und die im Moment so gar nichts von einer liebevollen Oma hatte, für die Harry sie zu Anfang gehalten hatte? Mit aufgerissenen Augen sah er zu Severus, der Maya mit ausdruckslosem Gesicht anschaute. „Wie du wünscht", sagte der nur und Harry konnte kaum glauben, was er da hörte.
„Nein", ging er aufgebracht dazwischen. Seine Müdigkeit war mit einem Schlag vergessen. „Ich werde auf keinen Fall allein hier bleiben. Wenn du nicht hier bleiben kannst, dann bleibe ich auch nicht."
„Harry, als ich mit dir hier her gekommen bin, habe ich damit gerechnet, dass ich nicht hier bleiben kann", sagte Severus nun resigniert. „Maya hat ihre Gründe und ich kann sie verstehen. Niemand weiß von ihr oder ihrer Verbindung zu mir. Hier wärst du absolut sicher und nur das ist wichtig."
„Das ist mir egal", erwiderte Harry fest. „Du bist da draußen in ebenso großer Gefahr wie ich. Ich werde nicht zulassen, dass du mich hier zurücklässt. Wenn wir zusammen sind, sind unsere Chancen zu überleben größer. Wir können ein anderes Versteck finden. Zusammen."
„Ich werde mit dir nicht darüber diskutieren, Harry. Du bleibst hier und ich gehe. So ist es am Besten", sagte Severus und stand langsam auf.
„Sie können das nicht zulassen!", fuhr Harry Maya mit einem Mal an. Es war ihm egal, dass er hier jemanden anfuhr, den er überhaupt nicht kannte. Sie durfte Severus nicht wegschicken. Das ging einfach nicht. „Sie wissen gar nicht, was für Dinge Severus auf sich genommen hat, um mich zu retten. Wenn er nicht hier bleiben darf, wird man ihn früher oder später finden und töten."
„Junger Mann", erwiderte Maya, „glaube nicht, dass mir das egal ist. Severus war früher wie ein Sohn für mich. Aber er hat sich für einen Weg entschieden, den ich nicht tolerieren kann, und sich Personen angeschlossen, die Menschen wie mich hassen. Das ist eine Sache, die ich ihm nie verzeihen kann."
„Wie meint sie das, Severus?", fragte Harry verwirrt und drehte sich nun zu dem Tränkemeister.
„Maya war bis zu dem Tod meiner Mutter mein Kindermädchen", antwortete der. „Als ich dir von meiner Kindheit erzählt habe, habe ich sie nie erwähnt - ich weiß. Ich habe das nie getan. Auch Dumbledore weiß nichts von ihr. Sie war jemand, der mir Liebe geschenkt hat. Sie war für mich da, wenn ich einsam war und sie war für mich da, wenn mein Vater mich mal wieder geschlagen hatte. Selbst als mein Vater sie entlassen hatte, konnte ich mit meinen Problemen noch immer zu ihr kommen, wenn auch nur noch heimlich. Sie hat immer ein offenes Ohr für mich gehabt, auch wenn ich mich ihr nie wirklich geöffnet habe. Ich habe ihr, als ich noch zur Schule ging, jeden Monat wenigstens einmal geschrieben. Wir hatten nie den Kontakt verloren. Ich war verwundert, dass mein anderes Ich Vin nie zu ihr gebracht hat, aber vielleicht ist das nur eine Tatsache, die wir nicht zu Gesicht bekommen haben."
„Aber warum will sie dich dann jetzt nicht hier haben?", fragte Harry verärgert. Wenn die beiden ein so enges Verhältnis gehabt hatten, warum konnte Severus dann nicht hier bleiben, bei ihm?
„Ich bin eine Squib", beantwortete Maya seine Frage und Harry richtete sich zu ihr. „Als Severus sich damals entschieden hat, in die Reihen von Du-weißt-schon-wem einzutreten, hat er sich damit auch gegen mich entschieden. Wie hätte ich ihm verzeihen können, dass er sich mit Leuten zusammentut, die Menschen wie mich verachten und töten?"
„Ja, aber wissen Sie denn nicht, dass er zu Dumbledore--", begann Harry, wurde aber von Severus unterbrochen.
„Das ist vollkommen irrelevant", sagte er.
„Das ist sehr wohl relevant", fuhr Harry ihn an und wand sich dann erneut an die alte Frau. „Severus war nie richtig ein Todesser. Ich weiß, dass er sich hat verleiten lassen, aber er hat seinen Fehler schnell eingesehen und tut seit dem alles, um ihn wieder gut zu machen. Bis vor kurzem war er noch ein Spion für Dumbledore und hat dadurch vielen Menschen das Leben gerettet, während er sein eigenes riskiert hat, da immer die Möglichkeit bestanden hat, dass Voldemort herausfindet, dass er nicht mehr auf seiner Seite steht. Seitdem ich zur Schule gehe, beschützt er mich und meine Freunde und das hat er auch jetzt getan, indem er mich hierher gebracht hat. Sie dürfen ihn nicht wegschicken, denn wegen mir weiß Voldemort nun, dass er all die Jahre ein Spion war und er wird ihn töten, wenn er ihn findet."
„Harry, bitte, lass es gut sein", sagte Severus, nachdem Harry geendet hatte, doch der Gryffindor ignorierte ihn und sah Maya flehend an. Doch sie schwieg. Tränen traten in Harrys Augen, als Severus ihn an sich zog und ihn fest umarmte. „Bleib bei ihr, Harry", flüsterte er. „Ich komme schon zurecht."
„Nein, bitte lass mich nicht allein", schluchzte Harry, während er sich an Severus' Robe festkrallte, als dieser versuchte sich zu lösen. Severus durfte einfach nicht gehen. Das würde er nie verkraften. Er musste bei ihm bleiben. Mit sanfter Gewalt löste sich der Tränkemeister von ihm und trat einen Schritt zurück. Für Harry brach in diesem Moment eine Welt zusammen. Er weinte und zitterte am ganzen Körper. Seine Arme schlangen sich beschützend um sich selbst und als seine Beine unter ihm nachgaben, sank er kraftlos zu Boden. „Lass mich nicht allein", wiederholte er. „Ich brauche dich."
Severus schloss seine Augen und atmete tief durch, ehe er sich zu Maya drehte. „Pass auf ihn auf", sagte er und schritt, ohne sich noch einmal umzudrehen, an ihr vorbei zur Tür.
Er hatte die Klinke schon in der Hand, als er erneut Mayas Stimmer vernahm. „Ist es wahr, Severus? Ich meine, was er erzählt hat?", fragte sie.
Der Tränkemeister drehte sich nicht um, antwortete ihr aber. „Ja."
„Warum hast du mir das nie erzählt?", fragte sie weiter.
„Weil du damals Recht hattest. Ich habe akzeptiert, dass ich dich mit meiner damaligen Entscheidung verloren habe", antwortete Severus ehrlich.
„Und wieso jetzt? Wieso kommst du plötzlich hier her? Wieso wolltest du auch jetzt nichts sagen."
„Weil einzig und allein Harry wichtig ist. Ich bin dir dankbar genug, dass du ihn hier aufnehmen willst", erwiderte der Tränkemeister. „Ich weiß, dass du von der Zaubererwelt nichts wissen willst, aber Harry ist laut Prophezeiung der Einzige, der den Dunklen Lord vernichten kann und Dumbledore will ihn opfern, damit er dieses Schicksal erfüllt. Ich will nur, dass er in Sicherheit ist."
„Er bedeutet dir viel, nicht wahr?", fragte die alte Frau.
„Mehr als du dir denken kannst", gab Severus zu und drückte die Klinke hinunter, um zu gehen.
„Bleib hier, Severus", sagte Maya plötzlich und als er sich zu ihr herumdrehte, konnte er die Ernsthaftigkeit ihrer Worte in ihren Augen erkennen. „Ich weiß nicht, ob ich wirklich gutheißen kann, was da zwischen euch ist, denn er ist noch ein Junge und du ein erwachsener Mann, der sein Vater sein könnte, aber er braucht dich und wenn es wahr ist, was er erzählt hat, werde ich versuchen, dir zu verzeihen."
Severus war sprachlos und schaute sein ehemaliges Kindermädchen dankbar an, ehe sein Blick wieder zu Harry glitt. Der hatte von dem Gespräch überhaupt nichts mitbekommen, kauerte noch immer auf den Boden und weinte herzerweichend. Beide Erwachsenen sahen nun zu ihm und plötzlich lächelte Maya. „Geh zu ihm", sagt sie zu Severus. „Du weißt, wo das Gästezimmer ist. Frühstück gibt es um acht." Sprachlos sah Severus ihr daraufhin zu, wie sie ohne ein weiteres Wort das Wohnzimmer verließ.
Noch ein paar Momente stand Severus einfach da und sah erstarrt in die Richtung, in die sie eben verschwunden war, ehe er sich besann und zu Harry eilte. Er ließ sich vor ihm auf den Boden fallen und zog ihn einfach in eine beschützende Umarmung. Harry wehrte sich erst dagegen, doch als er bemerkte, wer ihn da in den Armen hatte, klammerte er sich an dem Tränkemeister fest, als würde sein Leben davon abhängen. „Bitte verlass mich nicht", flüsterte er immer wieder und alles, was Severus darauf antworten konnte, war: „Das werde ich nicht, Harry."
Es dauerte eine ganze Weile, ehe Harry sich genug beruhigt hatte. Severus hielt ihn noch immer an sich gedrückt und streichelte sanft über seinen Rücken und erst, als er bemerkte, wie ruhig und tief Harrys Atmung war, bemerkte er, dass der junge Gryffindor eingeschlafen war. Severus fasste ein wenig fester zu und erhob sich vorsichtig zusammen mit Harry. Sanft nahm er ihn in seine Arme und ging langsam mit ihm zur Tür. Sein Weg führte ihn nach oben in das Gästezimmer. Es war schwer, die Tür, mit Harry auf seinen Armen, zu öffnen, doch er schaffte es und legte den Gryffindor langsam auf dem Bett ab.
Langsam begann der Tränkemeister damit, sie beide von der Reisekleidung zu befreien, ehe er sich zu Harry ins Bett legte und die Decke über sie beide zog. Sein Arm legte sich beschützend über den Gryffindor und zog ihn nah an sich. Noch lange kreisten seine Gedanken um Maya und das Gespräch, das sie geführt hatten. Er konnte nicht glauben, dass sie ihm tatsächlich noch eine Chance geben würde und er war wild entschlossen, diese Chance wahrzunehmen. Auch wenn sie ihn damals nicht mehr hatte sehen wollen, war er jedes Jahr einmal hier her zurückgekehrt, um den Schutzzauber über ihr Anwesen zu erneuern, damit der sie beschützen konnte. Sie hatte ihn nie gesehen, das hatte er sichergestellt, doch für ihn war es immer wichtig gewesen, seine Ersatzmutter sicher zu wissen.
