1 Jahr zuvor

Kapitel 2

Es war ein Tag, der typisch war für Forks. Draußen hingen die Regenwolken tief am Himmel und man hatte das Gefühl, dass es selbst mittags kaum heller wurde als in der Dämmerung. Charlie war noch auf der Arbeit und Edward hatte mich nach der Schule nach Hause gefahren, wo wir binnen kürzester Zeit nach dem Essen wieder einmal in einer hitzigen Diskussion über meinen Wunsch steckten, von Edward in einen Vampir verwandelt zu werden.

„Aber ich will auch ein Vampir sein, so wie du." Bestimmtheit lag in meiner Stimme, vielleicht war es auch Trotz, und ich funkelte Edward an, als ich die gleichen Argumente vorbrachte wie jedes Mal. „Ich will für immer mit dir zusammen sein. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass ich immer älter und älter werde und eines Tages sterbe und du auf ewig jung an meiner Seite bist."

Edward seufzte und schüttelte den Kopf. „Bella, wie oft haben wir darüber schon gesprochen?"

„Nicht oft genug!", maulte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, aber Edward ließ sich nicht beirren.

„Ich will und ich werde dir nicht dein Leben nehmen, denn ich liebe dich. Ich werde nicht derjenige sein, der dir die Möglichkeit nimmt, ein erfülltes, langes Leben zu leben mit allem, was dazugehört. Mit einer eigenen Familie."

Edward brachte also auch wieder seine bewährten Argumente vor. Ich kannte sie alle in- und auswendig, aber sie überzeugten mich nicht. Ich strich mir eine lange dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht und schüttelte ebenfalls den Kopf.

„Edward, du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mit einem anderen Mann eine Familie gründen will? Jetzt schlag bloß nicht Jakob vor, vergiss es, er ist mein bester Freund – aber du bist derjenige, den ich Liebe!"

Bei der Erwähnung von Jakobs Namen runzelte Edward missbilligend die Stirn. Die beiden waren sich immer noch nicht grün, und so langsam gab ich auch jede Hoffnung auf, dass sie es je werden würden. Wirklich schade...

„Bella...", Edward legte mir die kühlen Hände auf die Schultern und blickte mir ernst in die Augen. Doch ich sah noch etwas darin als sonst... konnte es Hoffnung sein? Er zögerte einen Moment, als müsse er etwas abwägen und ich fragte mich, was dies sein könnte.

„Bella", begann er erneut. „Was wäre, wenn es... eine andere Möglichkeit gäbe?" Er sah mich eindringlich an. „Was wäre, wenn es einen Weg gäbe, wie ich wieder ein Mensch werden könnte?"

Ich blinzelte verwirrt. „Wie meinst du das, ein Mensch? Das... das ist doch unmöglich, Edward!"
Wovon redete er da? Da fuhr er auch schon fort.

„Aber was, wenn es diese Möglichkeit gäbe? Wenn wir beide als Menschen zusammen leben könnten? Zusammen alt werden... eine Familie haben..." Seine Stimme brach und ein wehmütiger Ausdruck stand nun in seinen geliebten goldenen Topas-Augen.

Trotz meiner Verwirrung und der abertausend Fragen, die mit in diesem Moment durch den Kopf schossen, wurde mir eines klar: Edward wünschte sich, eine Familie mit mir zu gründen.
Ich spürte, wie mein Herz schneller zu schlagen begann – und am Rande war mir bewusst, dass auch Edward dies mit seinen übermenschlichen Sinnen bemerken musste. Er wollte nicht, dass ich eine Familie mit irgendeinem anderen Mann gründete. Er wollte der Vater meiner Kinder sein!

„Das heißt... du meinst..." Ich wusste nicht, wie ich meine Frage formulieren sollte, vielleicht war ich doch ein wenig zu prüde, aber aus meiner Haut kam ich einfach nicht raus. „Du meinst, wenn du ein Vampir bist, dann... also… geht das nicht?"

Es war raus und ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss. Befangen schlug ich die Augen nieder und wünschte mich weit weg. Über Sex zu sprechen musste ich definitiv erst noch lernen... Das Wort wollte mir einfach nicht über die Lippen gehen.

Edward lachte nicht über mich, das hatte ich auch nicht erwartet, dazu war er zu gut erzogen. Mein Glück! Vorsichtig blickte ich zu ihm und wartete auf seine Antwort - er schien seine Worte mit Bedacht zu wählen.

„Ich könnte dir so nah sein, Bella.", antwortete er. „Aber ich glaube nicht, dass ich ein Kind zeugen könnte. Ich bin nicht lebendig – auch wenn es dir anders erscheint."

Falls dies möglich war, schlug mein Herz noch schneller. Es war möglich – er konnte mit mir schlafen! Und dabei stritt er es immer wieder vehement ab und hielt mich hin.

Edward riss mich aus meinen Gedanken als er eine Hand unter mein Kinn legte und mich sanft zwang, ihn anzublicken. Wehmut spiegelte sich in seinen Augen, als hätte er meine Gedanken doch lesen können.

„Bella, ich könnte dir so nah sein. Aber es wäre zu gefährlich für dich. Ich würde die Beherrschung über mich verlieren... Ich... ich will dir nicht weh tun, Bella. Niemals, und das weißt du."

Vorsichtig, aber bestimmt nahm er mich in die Arme und ich legte meinen Kopf an seine harte Brust, die auch durch seinen Pullover hindurch noch kühl war. Ich fühlte, wir waren vom Thema abgekommen und versuchte, über seine Worte nachzudenken um daraus schlau zu werden, aber eingehüllt von Edwards Duft und seinen beschützenden Armen fiel mir die Konzentration schwer. Die Gedanken schienen mir zu entgleiten, wie immer in seiner Nähe. Eine Möglichkeit, Mensch zu werden? Wie sollte das gehen? Und angenommen, es würde tatsächlich möglich sein... würde ich es wollen?

Über diese Fragen sinnierte ich noch immer, als ich abends im Bett lag und Edward im Schutze der Dunkelheit mit Emmett jagen war. Ich versuchte mir vorzustellen, wie er sein könnte - Edward als Mensch. Wäre er sehr viel anders, von seinen fehlenden Superkräften einmal abgesehen? Er wäre zerbrechlich, so wie ich. Vielleicht könnte ich mir dann endlich vorstellen, wie sehr er sich immer um mich sorgte...
Unruhig wälzte ich mich auf die andere Seite und vergrub meinen Kopf in der Bettdecke. Bei dem Gedanken, Edward für immer zu verlieren, zog sich mein Herz zusammen.

Mit diesem düsteren Gedanken fiel ich langsam in einen unruhigen Schlaf...


Ich würde mich sehr über eure Reviews freuen (wer nicht?)!!!! ^-^

Und gelobe, dass bald das nächste Kapitel kommt!!!