Anmerkung vorab: Sorry, dass es mit dem Kapitel länger gedauert hat... Dafür lohnt es sich hoffentlich für euch!!! Ich hatte das Gefühl, es war langsam mal Zeit für Romantik... ;-)
Eine Neuerung gibt's auch - dem "geneigten Leser", sprich euch, lieben fleißigen Reviewern, wird es auffallen: Die Kapitel haben jetzt Titel! Ist doch irgendwie schöner...
Genug gequatscht - hier das neue Kapi:
Verlangen
Der silberne Volvo schlängelte sich durch das schier undurchdringliche Grün des Waldes zu beiden Seiten des schmalen Weges und der allgegenwärtige Regen perlte von der Windschutzscheibe. Heute waren es nur kleine Tropfen, die der Scheibenwischer beiseite schob – man könnte fast sagen ein Tag mit gutem Wetter für die Verhältnisse von Forks.
Wir waren auf dem Weg zu Edwards Familie. Ihr Haus faszinierte mich immer wieder, auch wenn ich dort schon so oft ein und aus gegangen war. Es war so offen, versteckte sich nicht – wenn man davon absah, dass es mitten im Wald stand. Es war, wie Edward es bei meinem ersten Besuch damals auf den Punkt gebracht hatte, der einzige Ort, an dem er und seine Familie sich nicht verstecken brauchten. Der einzige Ort, an dem ich sie so sehen konnte, wie sie wirklich waren. Ich war unglaublich dankbar, dass sie mir dies gestatteten, dass sie mir das Vertrauen entgegen brachten.
Gedankenverloren folgte ich mit meinem Blick einem Regentropfen, der außerhalb der Reichweite des Scheibenwischers die Scheibe hinunterlief. Meine linke Hand ruhte auf meinem Oberschenkel und ich spürte die Kühle von Edwards Hand, die in meiner lag und dann und wann sacht meinen Handrücken streichelte. Ich war angespannt – was nicht an Edwards rasantem Fahrstil lag, an den ich mich längst gewöhnt hatte. Worüber ich nachdachte, war unser bevorstehender Besuch, denn wir wollten Edwards Familie von seinem – unseren – Plan erzählen. Ich fragte mich nur...
„Weiß Alice schon davon?"
Ich blickte zu Edward, der unsicher mit den Schultern zuckte.
„Ich weiß es nicht. Wenn ja, dann hat sie ihre Gedanken bisher gut vor mir verborgen. Allerdings sind ihre Visionen selektiv – sie sieht nie alles, was in der Zukunft passieren wird. Es besteht also zumindest die Chance, dass sie es noch nicht weiß." Er zuckte mit den Schultern. „Wir werden es gleich erfahren."
Mit diesen Worten bedeutete er mir, wieder nach vorne zu schauen.
Tatsächlich waren wir von mir unbemerkt soeben auf der Lichtung angekommen, auf der das Anwesen der Cullens stand. Ich musste mich korrigieren – an Edwards Geschwindigkeit beim Autofahren würde ich mich wohl nie gewöhnen.
Das Auto verließ den nahezu unbefestigten Waldweg und glitt über den gepflasterten Vorplatz zu den Garagen, von denen sich eine wie von selbst öffnete, so dass Edward seinen Volvo neben den anderen Wagen der Cullens an seiner gewohnten Stelle abstellen konnte. Ehe ich mich versah, hatte Edward den Motor ausgeschaltet, das Auto umrundet und öffnete mir die Tür.
„Darf ich bitten?"
Mit einem liebevollen Lächeln deutete er eine Verbeugung an. In Momenten wie diesen ließ sich erahnen, dass er nicht aus meiner Zeit war... Die Jungs heute wären nicht halb so höflich – und wenn, dann nur mit Hintergedanken.
Als ich aus dem Auto kletterte, blieb ich mit einem Fuß am Türrahmen hängen und stürzte. Der Steinboden flog unerbittlich auf mich zu und ich riss die Arme schützend hoch, um mich abzufangen – da wirbelte ich plötzlich um meine Achse und fand mich, etwas atemlos, in Edwards Armen wieder. Er blickte mich kopfschüttelnd an. Ein schelmisches Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
„Bella, Bella... Muss ich immer auf dich aufpassen?"
Ich schnaubte. „In Phoenix bin ich auch durchgekommen."
Zweifelnd schaute er mich an und hob mich ihm ein wenig entgegen, so dass unsere Gesichter nur noch Zentimeter von einander entfernt waren.
„Aber bestimmt nicht so gut", hauchte er.
Ich spürte seinen Atem auf meinem Gesicht und war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich wusste nicht mehr, wo wir waren und warum wir hier waren, und es war mir egal. Alles, was zählte, war Edward. Ich spürte, wie mein Herz in meinem Brustkorb hämmerte und mir das Blut durch die Adern rauschte. Auch Edwards Gesichtsausdruck veränderte sich. Sehnsüchtig verzog er den Mund und beugte sich zu mir herab.
Ich spürte, wie er mit seinen kühlen Lippen über meine Wange fuhr. Bei der Berührung bekam ich eine Gänsehaut und krallte meine Finger in seinen Arm.
„Hm... Bella...", murmelte er in meine Haare und glitt mit seinen Lippen zu meinem Hals, wo er kleine Küsse platzierte.
„Ohhh…", entfuhr es mir. Das war... unglaublich.
Seine Lippen fanden ihren Weg über mein Kinn zu meinem Mund und ich glaubte, zu hyperventilieren – was eine willkommene Abwechslung dazu war, dass ich normalerweise vergaß zu atmen, wenn er mir so nah war. Ich verlor ich mich in diesem Moment und sehnte mich danach, dass er nicht aufhören würde.
Seine Lippen streiften meine, hauchzart nur, doch es reichte aus, um eine Welle der Erregung durch meinen Körper zu senden.
„Hm... Bella", murmelte er mit rauer Stimme und ich fürchtete, er könnte sich, wie so oft, zurückziehen.
Doch dann küsste er mich.
Seine kühlen Lippen brannten auf meinen, liebkosten meinen Mund, forderten mehr. Sein süßer Atem strömte in meine Lungen und unfähig, zu überlegen, erwiderte ich seinen Kuss mit aller Intensität, schlang meine Arme um seinen Hals und schmiegte mich an seinen harten Körper. Die Welt schien nur noch aus ihm und mir und unserem Verlangen zu bestehen, für nichts anderes war in meinem Bewusstsein noch Platz.
Ich spürte seine Hände auf meinem Rücken, er presste mich an sich, kontrolliert aber bestimmt, doch als ich meinen Mund öffnete und mit meiner Zunge über seine Lippen fuhr, hielt Edward inne und schob mich ein Stück von sich weg.
Enttäuscht schlug ich meine Augen auf. Mir war klar, dass ich hätte wissen müssen, dass Edward sich nicht ganz fallen lassen und bis zum Äußersten gehen würde. Erst jetzt wurde mir wieder klar, wo wir waren und ich schämte mich für alle schmutzigen Gedanken, die mir in den letzten Minuten durch den Kopf geschossen waren, übrigens nicht gerade wenige. Wir waren immerhin in der Garage der Cullens! Ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss.
Peinlich berührt blickte ich zu Edward hinauf, der mich mit geweiteten Augen ansah und allem Anschein nach den Atem anhielt. Sein Gesichtsausdruck wirkte auf mich mindestens ebenso gequält wie ich mich fühlte.
„Es tut mir leid, Bella. Ich... kann das nicht. Ich habe Angst, dich zu verletzen. Du bist so zerbrechlich – wenn ich nur einen Moment nicht aufpasse..." Er ließ das Ende des Satzes unausgesprochen, doch ich wusste, was er sagen wollte. Ich könnte tot sein, bevor ich auch nur merken würde, dass etwas nicht stimmte. Wenn Edward seine Kräfte nicht so gut kontrollierten könnte...
Edward stellte mich vorsichtig auf meine Beine und nahm meine Hände in die seinen. Ob er spürte, wie heiß mir war? Ich hatte das Gefühl, mich in einen Hochofen verwandelt zu haben.
Edward strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sah mich eindringlich an.
„Ich liebe dich, Bella. Und ich will dich." Er lächelte leicht. „Wie ich schon einmal sagte – ich bin vielleicht kein Mensch, aber ich bin ein Mann."
Bei seinen Worten schien das Feuer in mir noch stärker zu brennen.
„Aber wir müssen warten – bis ich ein Mensch bin, oder du ein Vampir."
Ich nickte und hoffte, dass es bis dahin nicht mehr so lange dauern würde. Ich wusste, er hatte Recht und was er sagte, war vernünftig. Nur leider machte vernünftig keinen Spaß...
Ich hoffe, es hat euch gefallen!
...und jetzt ran an die Review ^-^
