Bitte habt Nachsicht mit mir, dass es so schrecklich lange gedauert hat - dafür ist es aber auch ein langes Kapitel geworden! Ich hoffe, das entschädigt euch angemessen!

Freue mich auf eure Reviews!


Kapitel 8
Aufbruch ins Ungewisse

Träge öffnete ich meine Augen und blinzelte in das gedimmte Neonlicht. Mein Kopf war während des Schlafens nach links auf meine Schulter gerutscht, so dass ich in die dämmrige Dunkelheit über den Wolken blickte.
Ich streckte mich vorsichtig, sofern dies der Platz zuließ, und bewegte meinen Kopf von Seite zu Seite, um meinen durch die unnatürliche Haltung im Schlaf verspannten Nacken zu lockern.

„Hast du gut geschlafen?" vernahm ich Edwards melodische Stimme leise, aus Rücksicht auf die anderen schlafenden Passagiere, von meiner rechten Seite. Wenn ich diese Stimme den Rest meines Lebens jeden Tag nach dem Aufwachen hören dürfte, so schoss es mir durch den Kopf, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt.
Im Moment jedoch war ich vor allem der einzige Mensch auf der Welt, der mit einem Vampir zusammen im Flugzeug nach Caracas, der Hauptstadt Venezuelas in Südamerika war.

Noch immer ein wenig schläfrig wandte ich mein Gesicht Edward zu und erwiderte sein Lächeln.

„Ganz gut, danke. Damit hätte ich nicht gerechnet… Wie spät ist es denn?"

Ich reckte mich soweit es der Sicherheitsgurt zuließ und versuchte, einen Blick auf den Flachbildschirm am vorderen Ende des gedimmten Flurs zu erhaschen, auf dem neben unserer aktuellen Position auch die Uhrzeit angezeigt wurde. Doch eine Flugbegleiterin sprach leise mit einem Passagier und verdeckte die Anzeige.

„Es ist 3 Uhr morgens", sprang Edward hilfsbereit ein. „Und um deine nächste Frage vorweg zu nehmen: In etwa einer halben Stunde wird der Landeanflug beginnen."

Ich nickte und lehnte mich in meinem bequemen Sessel zurück. Obgleich ich Edward förmlich genötigt hatte, unsere Platze in der Economy Class anstelle der ersten Klasse zu buchen, so hatte er doch offenbar zumindest die komfortabelste Fluggesellschaft herausgesucht.
Gerade kam eine freundlich lächelnde Flugbegleiterin vorbei und fragte mich, ob ich noch einen Wunsch hätte. Dankend verneinte ich und sie ging, nach einem sehnsuchtsvollen Blick auf Edward, leise weiter.

Gute Entscheidung, dachte ich leise lächelnd. Der gehört zu mir!

Ich beschloss, die letzte halbe Stunde zu nutzen, um noch ein wenig zu dösen. Hier im Flugzeug, wo es ruhig und bequem war, würde mir dies leicht fallen – zumal ich Edward an meiner Seite hatte. Schließlich wusste ich nicht mit Sicherheit, was mich jenseits von Caracas erwarten würde…

Meine Gedanken schweiften ab und ich sah Jessicas und Angelas erstaunte Gesichter vor mir als ich ihnen in der letzten Schulwoche beiläufig davon erzählt hatte, ich würde mit Edward Urlaub in Südamerika machen.

Wir hatten beschlossen, so nah an der Wahrheit zu bleiben, wie möglich, so dass wir uns nicht allzu leicht verplappern konnten. Meine Freundinnen waren neidisch gewesen, verbrachten sie ihre Sommerferien doch zu Hause in Forks. Charlie zu überzeugen, mich gehen zu lassen, hatte sich dagegen als harte Nuss entpuppt. Weder wollte er mich mit Edward allein gehen lassen, noch nach Südamerika, wo seiner Meinung nach hinter jedem Baum ein Kannibale hockte. Ich hätte es gerne mit einer Notlüge von Anfang an leichter gemacht, aber Edward hatte meiner Sicherheit zu Liebe darauf bestanden, Charlie so viel wie möglich zu erzählen. In seiner Version würden wir einen Strandurlaub in Brasilien verbringen anstatt dort mutterseelenallein im Urwald im Nirgendwo nach einem sehr alten, sehr mächtigen Vampir zu suchen.

Und irgendwann hatte Charlie nachgegeben, nachdem Edward und ich immer wieder und wieder mit ihm gesprochen hatten. Natürlich nicht, ohne Edward bei seinem Leben das Versprechen abzunehmen, mich wohlbehalten und gesund zurück zu bringen. Welch eine Ironie – bei seinem Leben…

Auch Alice hatte akzeptiert, dass wir fahren würden. Ich nahm an, Edward hatte noch einmal mit ihr gesprochen, habe ihn aber nicht mehr hierauf angesprochen. Sie und die anderen hüteten unser Geheimnis fortan vor Rosalie und Jasper, auch wenn ich fühlen konnte, dass sie es nicht gerne taten. Ich konnte immer noch die Hoffnung in Esmes Augen sehen, auch Rosalie zu ihrem Glück verhelfen zu können. Und wer weiß – vielleicht würde dies irgendwann möglich sein…

Die Tage waren wie im Flug verstrichen. Edward hatte alles organisiert und unsere Flüge so gebucht, dass wir immer im Dunkeln starten und landen würden, so dass seine Natur verborgen bleiben würde. Und schon waren wir mit gepackten Koffern auf dem Weg zum Flughafen gewesen…

Der letzte Gedanke, bevor ich in einen traumlosen Schlaf glitt, war, wie unwirklich mir dies alles vorkam…


Etwa zwei Stunden späterwünschte ich mich an Bord des Linienflugzeuges zurück. Wenn ich nun aus dem Fenster schaute, blickte ich auf eine nicht mehr ganz taufrische Tragfläche, die schon einige Beulen hatte und deren gelbe Farbe bereits in großen Teilen abgeplatzt war. Darunter raste der grüne Urwald vorbei – viel zu dicht meiner Meinung nach. Die kleine Maschine holperte durch die Luft und ich hüpfte wie ein Flummi auf dem durchgesessenen Sitz auf und ab, die eine Hand haltsuchend in die Sitzlehne, die andere in Edwards Hand geklammert, meinen rettenden Anker. Beruhigend strich er mir über den Arm.

„Keine Sorge, Bella. Wir werden heil ankommen."


Ich warf ihm einen skeptischen Blick zu. Mir kam es eher so vor, als habe mein letztes Stündlein geschlagen.

„Das ist der beste Pilot, der von Caracas nach Manaus fliegt", fügte Edward hinzu und ich schnaubte.

„Wenn das der beste ist, dann will ich die anderen niemals kennenlernen müssen!"

Ich konnte meine Erleichterung kaum in Worte fassen, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Als ich aus dem Flugzeug stieg, das kurz zuvor zum Stehen gekommen war, und mich umschaute war ich verblüfft. Manaus entsprach in keinster Weise dem, was ich mir unter einer Stadt im brasilianischen Dschungel vorgestellt hatte, so viel konnte ich auch im Dunkel der frühen Morgendämmerung erkennen. Anstelle von ausgetretenen, unbefestigten Pfaden und Lehmhütten, vor denen an kleinen Feuern Frauen arbeiteten, erwartete uns hier fast schon eine Großstadtatmosphäre in der sich Flachdachbauten mit Hochhäusern abwechselten. Anstelle unbefestigter, schlammiger Wege erstreckten sich vom Flughafen aus breite Straßen in alle Richtungen, über die auch zu dieser nachtschlafenden Zeit eine bunte Mischung aus Autos, Fahrradfahrern und Menschen quoll. Und mir war es ein wenig peinlich, dass ich es mir hier so vorsintflutlich vorgestellt hatte…

Auf den zweiten Blick, während Edward sich noch um die Formalitäten kümmerte und scheinbar keine Probleme hatte, sich mit dem braungebrannten Beamten an dem einzigen kleinen Schalter zu verständigen, wurde mir doch klar, dass in Manaus nicht alles glänzte. Die Laternen, die in nicht ganz regelmäßigen Abständen die Straßen erleuchteten, hatten ganz offenbar ihre besten Tage hinter sich. Nicht wenige der Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, trugen kaum richtige Kleidung, und an den Straßenrändern trug eine leichte Brise Müll vor sich her, um den sich niemand kümmerte. Auch bei den Autos schien es sich größtenteils um ältere Baujahre der Sorte zu handeln, die zu Hause längst niemand mehr fuhr.

Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr und als ich den Kopf drehte, stand Edward mit einem sanften Lächeln vor mir.

„Na, hast du dich schon umgeschaut?"

„Ein wenig", entgegnete ich schulterzuckend. „Es ist ganz anders als in Forks."

Edward lachte und legte mir einen Arm um die Schultern.

„Sei froh, dass wir so früh am Morgen angekommen sind, wenn es noch verhältnismäßig kühl ist. Sobald die Sonne aufgeht, wird es wieder heiß und schwül. Aber bis dahin sind wir in unserem Hotel. Komm mit, wir nehmen uns ein Taxi."


Etwa eine gute halbe Stunde später lag ich schließlich auf dem weichen Bett im Hotelzimmer, das Edward für die erste Nacht beziehungsweise vielmehr den ersten Tag gebucht hatte, nachdem ich mich in dem großzügigen Badezimmer unserer Hotelsuite frisch gemacht, die Haare gewaschen und dem warmen Klima Rechnung tragend eine leichte Leinenhose sowie ein kurzes T-Shirt angezogen. Endlich zahlte es sich aus, dass ich meine Sommersachen aus Phoenix nicht entsorgt hatte, so dass Mum sie mir hatte schicken können. Wenngleich Alice es sich nicht hatte nehmen lassen, ein paar neue und sicherlich sündhaft teure Teile in mein Gepäck zu schmuggeln, dessen war ich mir sicher.

Nun lag ich auf dem Rücken auf dem breiten Himmelbett und betrachtete das Muster des rotgoldenen Stoffes des Betthimmels über mir, während ich versuchte, all die Eindrücke der vergangenen Stunden zu verarbeiten. Während mein Blick auf dem Betthimmel ruhte, zogen verschiedene Bilder vor meinem inneren Auge vorbei. Die Verabschiedung von Charlie, der Flug nach Manaus, unsere Fahrt mit dem laut röhrenden Taxi und dem freundlich lächelnden Fahrer, der uns unablässig mit einem portugiesischen Wortschwall überschüttet hatte, von dem ich kein Wort verstand. Edward hingegen hatte hier und da etwas in der Landessprache entgegnet – manchmal fragte ich mich ernsthaft, ob es überhaupt etwas gab, das Edward nicht konnte. Ich musste allerdings zugeben, dass er deutlich mehr Zeit gehabt hatte als ich, alles zu lernen.

Ein leises Rascheln ertönte von meiner Rechten und holte mich aus meinen Erinnerungen ins Hier und Jetzt zurück. Ein Blick in Richtung des Geräusches bestätigte mir, dass Edward noch immer über unsere Taschen gebeugt saß und die große Landkarte, die er vor sich ausgebreitet hielt. Zwischen seinen Augen hatte sich eine Falte gebildet, die von seiner hohen Konzentration zeugte. Sein Blick huschte über die Karte und schien einem Muster zu folgen, das sich mir nicht erschloss.

„Planst du unsere Route?", fragte ich und drehte mich auf die Seite, so dass ich ihm bequem zuschauen konnte. Meine noch feuchten Haare strich ich mir über die Schulter.

Im ersten Augenblick dachte ich, er wäre zu sehr in die Betrachtung der Karte und seine Gedanken versunken, um mich gehört zu haben, da er nicht reagierte. Doch dann riss er seinen Blick von dem Papier los und sah mich mit seinen goldfunkelnden Augen an, die davon zeugten, dass er unmittelbar vor Beginn der Reise noch gegessen hatte. Nun nickte er.

„Da wir ohne einheimischen Führer gehen, möchte ich gut vorbereitet sein. So gut es jedenfalls möglich ist, wenn man bedenkt, dass niemand genau weiß, wo Dragomas sich versteckt hält. Ich hoffe, dass – sollten wir nicht zu ihm finden – er quasi zu uns findet."

„Wie meinst du das?", fragte ich stirnrunzelnd und schob eine widerspenstige Haarsträhne, die mir wieder in das Gesicht gefallen war, hinter das Ohr, und atmete dabei den Duft meines Erdbeershampoos ein, mit dem ich mich überall heimisch fühlte – selbst hier am gefühlten anderen Ende der Welt.

„Ich hoffe, dass auch Dragomas von uns angezogen wird", erklärte Edward und faltete dabei akribisch die Karte zusammen. „Er ist mächtiger und älter als die meisten der Volturi, daher bin ich mir sicher, dass er über herausragende Sinne verfügt." Er machte eine kurze Pause und verstaute die Karte in einer der Taschen. „Damit meine ich nicht nur zum Beispiel seinen Gehör- und Geruchssinn, sondern auch einen Instinkt für den Urwald, in dem er bereits so lange lebt. Ich bin mir sicher, er wird spüren, wenn ein anderer Vampir in sein Refugium eindringt und hoffe, dass es seine Neugier weckt. Zumal ich mit einem Menschen zusammen sein werde."

Ich ließ mir die Erklärung durch den Kopf gehen und befand sie für schlüssig. Allerdings auch nicht für ganz ungefährlich, denn…

„Was ist, wenn es ihn nicht neugierig macht, sondern wütend? Was, wenn er uns angreift?" Ohne es zu wollen hatte sich plötzlich ein leicht panischer Unterton in meine Stimme geschlichen. Auch wenn ich nach außen seit Tagen um ein gefasstes Auftreten bemüht war, war ich innerlich angespannt. Keiner wusste wie unsere Reise enden würde. „Ich meine, wenn er doch so stark und mächtig ist – ich bin völlig hilflos und du bist zwar stark, aber er-"

Im Bruchteil einer Sekunde war Edward bei mir und legte mir einen Finger auf die Lippen.

„Shhhht."

Er setzte sich neben mir auf die Bettkante und strich mir über die Wange, dabei schaute er mich so eindringlich an, dass ich spätestens jetzt Herzklopfen bekam. Ob vor Sorge oder allein aufgrund seines Blickes, konnte ich nicht genau sagen.

„Wir brechen heute Abend bei Einbruch der Dunkelheit auf. Ich habe alles bestmöglich vorbereitet, um die Reise auch für dich so komfortabel und natürlich ungefährlich wie möglich zu machen. Auch ich verfüge über sehr ausgeprägte Sinne und traue mir durchaus zu, Dragomas frühzeitig wahrzunehmen, falls er sich uns nähert. Und die Situation, falls nötig, zu entschärfen. Ich passe auf dich auf, wie ich deinem Dad versprochen habe."

„Auf uns beide. Bitte…"

Er nickte.

„Auf uns beide."

Wenngleich Edward seine Hand von meinem Gesicht zurückzog und auf der Bettdecke ablegte, fühlte ich mich erleichtert und hatte wieder Hoffnung, dass wir beide unbeschadet heimkehren würden, auch wenn es noch immer viel zu viele Unbekannte in dieser Gleichung gab. Doch die Ruhe und die Zuversicht, die Edward ausstrahlte, schien sich auf mich zu übertragen.

Ich setzte mich auf und hob mein Gesicht, um Edward anzusehen. Wir saßen nun so nahe beieinander, dass meine Wimpern dabei sein Kinn streiften und ich die kurze Distanz zwischen unseren Mündern förmlich spüren konnte, wie eine Art elektrische Spannung. Eine sehr angenehme Art…

Ich suchte Edwards Blick und versank in seinen Augen, wie so oft zuvor, und lehnte mich instinktiv näher an ihn heran, bis sich unsere Lippen beinahe berührten und ich seinen Duft tief einatmen konnte, bis meine Lungen mich wieder zum Ausatmen zwangen. Ich erwartete, dass Edward mich sanft, aber nachdrücklich zurückweisen und sich zurückziehen würde, doch er tat nichts dergleichen. Stattdessen schloss er die kurze Distanz zwischen unseren Mündern und küsste mich. Es war kein flüchtiger Kuss, wie er ihn mir oft zur Begrüßung oder zum Abschied gab. Dieser Kuss war leidenschaftlich und voller süßer Versprechungen.

„Bella." Sein Flüstern strich weich über meine Haut und brachte etwas in mir zum Schwingen. Edwards Lippen liebkosten nun die Senke an meiner Kehle. Ich selbst konnte meinen schnellen Herzschlag spüren – wie mochte es ihm ergehen, die Lippen nur einen Wimpernschlag davon entfernt?

„Wir sollten aufhören…", murmelte er an meinen Hals, doch gab es in dem Moment nichts, das ich weniger wollte.

„Du musst nicht aufhören", widersprach ich. „Ich weiß, dass du stark genug bist, um dich zu kontrollieren."

Zwei weitere Küsse konnte ich auf Edwards Gesicht platzieren, bis er antwortete.

„Da weißt du mehr als ich…", entgegnete er und fuhr mit der einen Hand meinen Rücken hinab, während die andere auf meinen Schulterblättern ruhte. Ich konnte die Kühle seiner Haut durch den dünnen Stoff meines T-Shirts spüren, diese angenehme, vertraute Kühle, die seine Nähe versprach und nach der ich süchtig geworden war.

Ich legte meine Arme um seine Schultern und küsste ihn noch einmal. Dabei hörte ich auf, an irgendetwas anderes zu denken als ihn. Kleine Schauer der Erregung kribbelten in meinem Bauch und in meinen Fingerspitzen, wo sie seine Haut berührten. Er stieß einen kehligen Laut aus, der etwas Seltsames mit meinem Körper machte, als wäre ich zu rasch aufgestanden, und die Härchen auf meinen Armen sich aufstellen ließ.

Edward kam nun ganz auf das Bett und zog mich mit auf die Seite, so dass wir Arm in Arm unter dem glänzenden Betthimmel lagen. Ich schmiegte mich an ihn, was er seinerseits mit einem leisen Stöhnen quittierte.

„Ich kann nicht glauben, wie sehr ich dich will", flüsterte Edward in mein Ohr und ein Seufzen bahnte sich den Weg über meine Lippen. Als würde es mir anders ergehen… Ich spürte Edwards kühlen Atem auf meinem Gesicht, voller süßer Versprechungen, und drängte mich an ihn, um ihm so nahe wie möglich zu sein. Und Edward hielt mich fest, eine Hand noch auf meinen Schulterblättern, die andere auf meiner Hüfte.

Ein Teil von mir hoffte, dass Edward sich ganz in dem Kuss verlieren würde. Sich und seine Kontrolle. Dass es heute passieren und ich doch ein Vampir werden würde. Der andere Teil von mir schämte sich für diesen Gedanken, denn ich wusste, dass Edward sich dies nie würde verzeihen können. Ich hatte ihn oft genug reumütig und voller Selbstanklage erlebt um zu wissen, dass ich das nicht wollte. Nicht bis in alle Ewigkeit. Ich konnte seinen verschämten, traurigen Blick förmlich vor mir sehen, auch wenn er nun die Augen geschlossen hielt.

Es wäre nicht fair von mir, jetzt weiterzumachen und Edwards Hingabe auszunutzen. Nicht bei allem, was er schon für mich getan und riskiert hatte. Wir hatten uns geeinigt, dass wir probieren wollten, Dragomas zu finden, so dass Edward wieder ein Mensch werden würde. Sollte das nicht funktionieren, und nur dann, würden wir die zweite Option wählen.

Langsam löste ich meine Lippen von Edwards und es fühlte sich an, als würde ich hierfür einen schweren Widerstand überwinden müssen. Es war, als zöge mich etwas magisch wieder zu ihm zurück, doch ich war stärker. Ich wusste, ich würde mir selbst und Edward nie wieder in die Augen blicken können, wenn ich mich jetzt gehen ließ.

Edward schlug die Augen auf und sah mich mit geweiteten Pupillen an. Wäre er ein Mensch, hätte er nun sicher schwer geatmet, doch als Vampir genügten ihm wenige Atemzüge. In seinem Blick las ich die Frage, was los war.

Lächelnd legte ich ihm eine Hand auf die Wange.

„Ich liebe dich, Edward. Und ich freue mich darauf, wie es sein wird, wenn du ein Mensch bist."

Edward erwiderte mein Lächeln und entblößte seine makellosen Zähne.

„Ich liebe dich mehr."

Er gab mich frei, so dass ich mich herumrollen und mit dem Rücken an seine Brust legen konnte. Dann legte er wieder einen Arm um mich und hauchte mir einen Kuss auf die Haare.

„Schlaf schön, Bella. Ich passe auf dich auf."