Kapitel 2

Das musste aufhören! Jetzt und hier – sofort!
Er würde dem ein Ende setzen – er musste es tun. Dean schaltete einen Gang höher und atmete tief durch …

Er sah aus dem Augenwinkel, dass Sam ihn kurz ansah. Warum sagte er nichts? Kein einziges Wort der Erklärung, keine Rechtfertigung für das, was er getan hatte … kein Wort…
Sein Bruder, der Vampir. Deans Magen fühlte sich an, als hätte er Kieselsteine zu Mittag gegessen.

Blut … dämonisches Blut … Rubys Blut! Sein Gehirn schaltete immer noch auf Panik bei diesen Worten.

Wie konnte Sam das nur tun? Wie hatte er Dean nur so entgleiten können?

Der Junge, der vertuschen wollte, dass er sich einen Pornofilm ansieht. Der Junge, der Max Miller hatte retten wollen und der Junge, der Mitgefühl für Vampire und Werwölfe empfand. Der Junge, mit dem er sein ganzes Leben verbracht hatte …
Sein Bruder, der dämonisches Blut trank … freiwillig!

Nein, das würde aufhören, er würde ihn aufhalten! Dean würde verhindern, dass Sam zu dem wurde, wovor ihr Dad ihn mit seinen letzten Atemzügen gewarnt hatte.
Sam würde nicht böse werden … nicht Sam …

Natürlich war er nicht böse, korrigierte sich Dean in Gedanken selbst, aber er hatte seinen Weg verloren, sich selbst verloren.
Dean war sich mit jeder Faser seines Herzens sicher, dass Sam all dies tat, um Lilith zu töten, um die Apokalypse zu verhindern, doch …
… nein, dies war ein Weg, den Dean nicht dulden würde. Sam hatte die Kontrolle verloren und Dean würde sie nun übernehmen, ob Sam wollte oder nicht.

„Das wird heute enden, ein für alle Mal, hast du mich verstanden?"

Sams Herz machte einen kleinen Aussetzer, gefolgt von dem Gefühl, man hätte ihm Eiswürfel in die Eingeweide gelegt.

„Dean, versteh doch …-"
„NEIN! Kein Verstehen, keine Diskussionen, das hört heute auf! Du wirst nie wieder irgendwelchen dahergelaufenen Dämonen-Schlampen das Blut aus den Adern saugen und du wirst aufhören, deine … Kräfte … einzusetzen, Sam!"

Deans Stimme war laut und kräftig und Sam zuckte unmerklich zusammen ob dieser in letzter Zeit ungewohnten Bestimmtheit seines Bruders.
Sam schwieg für einen Moment. Alles in ihm war bis zum Zerreißen angespannt, jede Faser, jeder Muskel. Es schien, als wappne sich sein Körper instinktiv für das, was nun unwillkürlich geschehen musste.

„Nein, Dean …"
„Nein?" Dean zog seine Augenbrauen hoch, um gleich darauf wütend fortzufahren.
„Nein gibt es hier nicht, Sam. Keine Fluchtmöglichkeit, keine Ausreden, keine Wahl! Du wirst damit aufhören …-"
„…die Welt zu retten?", beendete Sam seinen Satz im scharfen Ton.
„…dich selbst zu zerstören, verdammte Scheiße!"