Kapitel 7
Wasser spritzte ihm kalt und unbarmherzig ins Gesicht. Erschrocken riß Dean die Augen auf und schnappte nach Luft. Ruby stellte den Eimer auf den Boden, verschränkte die Arme und sah ihn selbstgefällig grinsend an.
Dean wollte sofort auf sie einschlagen, konnte aber weder die Arme, noch seine Beine bewegen. Er blickte hinab und sah, dass er mit Seilen an einen Stuhl gefesselt war. Etwas rechts von ihm saß Bobby, ebenso hilflos ausgeliefert.
„Guten Morgen, Sonnenschein." Ruby hatte anscheinend blendende Laune.
„Du verdammtes Miststück, ich reiß dich in Stücke, wenn …-"
„Wenn ich du wäre, würde ich nicht so große Töne spucken!", sagte Ruby und lächelte Dean erneut giftig an.
„Was soll der Scheiß hier? Wenn du gekommen bist, um Sam zu befreien, damit er weiter an dir rumsaugen kann, dann los, Schlampe!"
Der Dämon schlug ihm hart ins Gesicht, dann sah sie ihn mit Genugtuung an.
„Das wünsche ich mir schon seit Monaten … und nein, Sam bleibt genau da, wo er ist."
Dean zog überrascht die Augenbrauen zusammen.
„Warum … was …?"
Ruby seufzte gespielt auf.
„Wie immer ein bisschen langsam, nicht wahr, Dean? Warum sollte ich deinen Bruder befreien, wenn er doch in den nächsten Tagen glauben wird, dass du und der alte Sack hier", sie wandte sich Bobby zu, „ihn zum Sterben zurückgelassen habt?"
Dean stockte der Atem. Die Brünette sah ihn genüsslich an und fuhr dann fort.
„Weißt du eigentlich, was für eine verdammte Nervensäge du warst? Es lief alles so gut, mein Plan schien perfekt zu funktionieren. Du warst in der Hölle und Sam … buhuuu … der arme kleine Sammy war so hilflos, sooo allein und erstickte fast an Selbstmitleid. Und dann kam ich und … na ja, gab ihm, sagen wir mal, eine Aufgabe. Die Hoffnung, Lilith besiegen zu können."
Ruby streichelte durch Deans Haar, der den Kopf heftig wegzog und sie wutentbrannt anstarrte.
„Ich mußte gar nicht lange rumdiskutieren oder ihn überzeugen, er war sofort bereit, seine Fähigkeiten zu trainieren, schließlich wollte er doch seinen geliebten Bruder rächen. Alles lief glänzend und dann – dann stehst du vor der Moteltür. Oh mann, am liebsten hätte ich euch beide auf der Stelle in Stücke gerissen, aber leider war Sam in der Nähe.
Und natürlich musstest du ihm ins Gewissen reden …", setzte sie hinzu und Zorn schwang in ihrer Stimme mit.
„… und damit fast alles zerstören. 'Nein, ich will das nicht mehr, Ruby'", äffte sie Sams Stimme im babyhaften Ton nach.
„Ich musste mich so beherrschen, dir nicht deine Visage zu polieren, aber letztlich hat es sich gelohnt, abzuwarten … dank dir."
„Wovon schwafelst du da?"
„Ach, Dean, komm schon, selbst dir muß das doch klar sein ... Nein? Du hast Sam zu mir zurückgetrieben."
Sie lachte laut auf.
„'Dean ist nicht mehr der Alte, er schafft das nicht…' bla bla bla … Sam hatte solche Angst davor, dass du bei deiner Aufgabe, Lilith zu stoppen, scheitern würdest, dass er endlich … weiterging. Ein bisschen Blut hier, ein wenig gutes Zureden da." Sie zog das Messer, das sie den Brüdern einst hatte überlassen müssen, aus ihrem Hosenbund und betrachtete es fast liebevoll.
„Und nun ist da unten ein enttäuschter Jäger auf Entzug von Dämonenblut, der in den nächsten Tagen vor Durst und Hunger lernen wird, dich du hassen, Dean. Und ich werde kurz vor dem Ende da sein, um ihn zu retten. Mal sehen, wie viel sich der kleine Sammy von seiner Menschlichkeit bewahren kann, wenn er glaubt, dass der wichtigste Mensch in seinem Leben ihn wie einen Köter abkratzen lassen wollte."
Dean schluckte den riesigen Kloß in seinem Hals runter und sah zu Bobby. Der ältere Jäger war kreidebleich und Furcht spiegelte sich in seinen Augen.
„Keine Angst, ich werde dich nicht umbringen. Ich gebe dir sogar zu trinken."
Dean sah sie erstaunt an.
„Ich will, dass du siehst, was aus Sam werden wird und ich möchte miterleben, wie ER dich umbringt."
Sie schlenderte zu Bobby herüber.
„Für dich allerdings hab ich keine Verwendung", sagte sie gespielt mitleidig und rammte ihm das Messer in die Brust.
