So noch ein neues Chapterlein für euch hoffe es gefällt euch sieht aus als käme endlich mal wieder etwas action :) freu
Review bittööö
Wir liefen durch die Straßen Kyotos. Es war ein fabelhaftes Gedränge von Leuten aus allen möglichen Gesellschaftsschichten. Reiche Kaufleute schlenderten durch die Gassen auf der Suche nach den neusten Trends und dem Tratsch und Klatsch, der die adeligen Kunden bei Laune hielt. Arme Kaufleute aus den ländlichen Regionen priesen lautstark ihre Ware an. Menschen warfen sich gegenseitig Fische und Gemüse zu und tauschten danach Geldstücke aus. Hin und wieder zeigte irgendein Straßenkünstler seine Fähigkeiten. Ein dichter rezitierte seine Haiku, ein beliebter Holzschnitzer bot seine Drucke zum Verkauf an. Messerschlucker, Jonglierer und Taschendiebe, alle waren sie versammelt. Gerade wurde ein Adeliger in einer Sänfte vorbeigetragen und man konnte durch die schweren Vorhänge nur eine blasse Hand in einem teuren Kimono aufblitzen sehen.
Die Stadtwache die den Markt patrouillierte um für Ordnung zu sorgen sah hin und wieder mit mürrischen Blicken zu mir herüber und einige griffen drohend zu ihren Waffen. Aber sie waren nicht dumm genug um zu versuchen uns aufzuhalten. Obwohl meine geschlitzten Augen mich eindeutig als Oni preisgaben und die Leute auch ehrfürchtig Platz für uns machten, war der Anblick eines Dämons in der Abenddämmerung doch weitaus üblicher als man das denken würde.
„Diese Schuhe bringen mich noch um", maulte Rachel als sie wieder einmal schmerzhaft umknickte. Nicht wenn ich schneller bin. „Rachel, Schatz, du weißt auch nie was du willst. Zuerst beschwerst du dich deine Schuhe ausziehen zu müssen und dann, dass du sie anbehalten darfst. Du solltest dich entscheiden." „Ich wollte meine alten Schuhe anbehalten." Sie klammerte sich an mich um nicht zu stürzen und ich genoss wie abhängig sie von mir war. „Es tut mir Leid, aber diese Option ist leider nicht verfügbar, wählen Sie erneut."
„Vergiss es", meinte sie und versuchte möglichst stolz und unabhängig auszusehen, was schwer war, angesichts der Tatsache, dass sie kaum alleine stehen konnte. Die Leute, die an uns vorbei kamen, verdrehten alle ihre Hälse und starrten uns bewundernd nach. Ein junger Mann, der Rachel unverhohlen anstarrte, sah nicht wo er hinlief und rannte geradewegs in einen Karren voller Kraut, das daraufhin auf die Straße purzelte. Ich kicherte: „Jetzt wissen wir wenigstens, dass wir gesehen werden, so wie die Leute dich anstarren."
„Woran das wohl liegt", meinte Rachel ironisch, „oh, ja, ich weiß! Vielleicht an dem Dämon an dessen Arm ich mich klammere." „Oder es liegt daran, dass du eine berauschende Schönheit bist" konterte ich. Rachel tat so, als hätte sie das einfach überhört und fuhr fort mit ihrer Aufzählung: „Oder an der Tatsache, dass ich der einzige Rotschopf weit und breit bin." „Oder es liegt daran, dass du eine berauschende Schönheit bist" wiederholte ich seelenruhig. „Nee, ich bin mir ziemlich sicher, dass es die Haare sind." Ich schüttelte den Kopf über ihre Sturheit.
„Wohin gehen wir eigentlich?" fragte Rachel. Sie musterte ihre Umgebung wie ein Kind auf dem Rummelplatz. „Zum Palast" antwortete ich ihr und zog sie an der nächsten Ecke nach rechts. Die Straßen leerten sich allmählich und die Händler packten ihre Waren wieder ein. Ich kannte den Weg und als wir uns der riesigen Palastanlage näherten, war es Rachel, die mich zum stehen zwang um die Aussicht für einen Moment zu verarbeiten. Hinter den wunderbaren Gärten mit ihren Kirschbäumen, Koi-Teichen und Steingärten, erstreckte sich die Herrscherresidenz. Sie war mit einer Vielzahl von Lichtern erhellt und die Mansardendächer erhoben sich hinter den Bäumen wie ein Gebirge mit zu vielen Gipfeln. Die Drachen-Kami am Tor waren Wächter- und Beschützergeister. Uralte Steinriesen von denen man sagte sie würden erwachen, wenn der Tenno in Gefahr wäre. Mich hatte zumindest keiner gefressen als ich seine Frau ins Jenseits mitgehen ließ. Aber dann wiederrum, schätze ich, waren Frauen doch ersetzbar.
Da also nicht immer verlass auf die Geister war – über unzuverlässige Geister konnte ich dank Pierce ein Lied singen- gab es auch noch ein Heer aus vorzüglich ausgebildeten Kriegern, die den Kaiser mit ihrem Leben schützten.
Wir traten an das Tor heran und sofort stellte sich uns ein Krieger in den Weg. Rachel wich erschrocken ein Stück zurück aber ich hielt sie am Arm fest und zog sie wieder nach vorne. „Ihr könnt hier nicht passieren", sagte der Krieger, der aussah wie ein zum Leben erweckter Terrakotta-Krieger, streng. Sein Japanisch troff nur so vor Dialekt. Er war aus einer ländlichen Gegend. Okinawa vielleicht?
„Wir müssen mit dem kaiserlichen Berater sprechen" erwiderte ich in lupenreinem Japanisch und machte Anstalten mich an dem Koloss vorbeizubewegen. Er hielt mich an der Schulter zurück „Die Zeit für Audienzen ist vorbei. Kommt morgen wieder." Gott sei Dank hatte ich eine VIP Karte. „Ich brauche keine Audienz", meinte ich und positionierte mich so, dass der Schein der kleinen Laterne meine roten Augen aufblitzen ließ. Die Augen der Wache weiteten sich als er erkannte, wen er da angepöbelt hatte. Er sank auf die Knie und verneigte sich. „Verzeiht Oni, ich habe Euch nicht erkannt." „Weißt du was", ich beugte mich zu ihm herunter und flüsterte ihm ins Ohr, „heute ist dein Glückstag. Ich lasse dich vielleicht sogar am Leben." Der Krieger nickte gehorsam, doch er wirkte erleichtert. Feigling. Ich ging an ihm vorbei. Angst und Schrecken verbreiten: Für heute erledigt. Als ich merkte, dass Rachel mir nicht folgte, wandte ich mich um und streckte erwartend den Arm aus. „Kommst du, Liebes?" Ich musste mich sehr bemühen um wieder ins Englische zurückzufallen. Rachel sah vom Krieger zu mir und von mir wieder zum Krieger. Sie nickte anerkennend. „Arigato" sagte sie mit einem dicken Akzent. Und dann folgte sie mir.
„Ich wusste gar nicht, dass du Japanisch sprichst" Ich sah Rachel mit einer wachsenden Kuriosität zu, während sie versuchte mit ihren Schuhen nicht in der geschwungenen Holzbrücke hängen zu bleiben. Eigentlich gibt es so einiges was ich über meine Schülerin nicht weiß. Diese Tatsache brachte mich dazu alles wissen zu wollen, jedes ihrer Geheimnisse von ihr zu reißen, bis nur noch der innere Kern der wahren Rachel überblieb. Fast so wie Geschenke auspacken. Wer auch immer gesagt hatte, dass Geheimnisse Frauen unwiderstehlich machen, hatte durchaus recht gehabt. Es gab viele hübsche Frauen in Kimonos und wenn ich ehrlich war, konnte ich sie alle haben. Dies wäre die Stelle wo Rachel einen schnippischen Kommentar über mich und meine grenzenlose Bescheidenheit abgeben würde. Ich aber, hatte mich für sie entschieden. Wahrscheinlich aus diesem einzigen Grund, nämlich, dass sie mir immer Parole bat. Ich fand es aufregend mir meine Dominanz erst erkämpfen zu müssen.
„Ich kann so einiges. Denk bloß nicht, ich bilde mich nicht weiter." Sie sah zufrieden mit sich selbst aus. „Du schaust also Anime", stellte ich nüchtern fest. Es war nur eine wilde Vermutung gewesen, aber Rachel war das „Verdammt!" beinahe schon auf die Stirn geschrieben. „Gehen wir eigentlich wirklich zum kaiserlichen Berater?", fragte sie und ich beschloss, dass ich ihre verzweifelten Versuche die Brücke zu erklimmen nicht länger mit ansehen konnte. Ich half ihr hinauf, obwohl sie mir sehr deutlich gesagt hatte, dass ich mir meine Hilfe in die Haare schmieren konnte.
„Ob du es glaubst oder nicht", Ich verließ die Brücke vor ihr und half der Hexe die kleine Stufe von der Holzerhebung bis zum Boden zu überwinden, „Aber der Berater des Kaisers ist ein ausgezeichneter Hexenmeister und ein guter Freund" Rachel lachte und pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Du hast Freunde?", prustete sie. Ich war beleidigt. „Natürlich habe ich Freunde und im Gegensatz zu deinen hat noch keiner versucht mich zu erpressen, benutzen oder zu töten." Na gut, der letzte Teil war gelogen gewesen. Eigentlich versuchten meine Freunde am laufenden Band mich zu töten. Aber was Rachel nicht weiß… „Meine Freundschaften sind vielleicht nicht perfekt aber immerhin habe ich ein Herz", ich griff mir an die Brust und tat so als hätte sie mich tief im Innersten verletzt. „Du bist so hartherzig zu mir, Rachel Marianna Morgan."
„Du wirst es überleben", stellte sie fest. Etwas echauffiert, dass sie nicht auf mein Drama eingegangen war, wurde ich wieder ernst. „Wir müssen da lang." Ich zeigte auf einen kleinen Sommerpavillon, der mitten im Garten stand. Ich öffnete den Eingang und bedeutete Rachel durch die Tür zu gehen. Diese zögerte und sah mich misstrauisch an. Ihr gefiel es nicht, dass ich in ihrem Rücken stehen würde, dort wo sie mich nicht sehen könnte. Ich hatte ihr schon so circa tausendmal das Leben gerettet und sie behandelte mich immer noch wie den Feind. Die Tatsache, dass ich mal versucht hatte, sie gegen ihren Willen zu versklaven würde wohl ewig zwischen uns stehen. Rachel war ja so kleinlich.
Ich seufzte resignierend und trat dann vor ihr ein. Der Raum war relativ klein. Es handelte sich um Schlaf- und Wohnraum in einem. Auf dem niedrigen Tisch lag ein Haufen Schriftrollen sowie ein Tintenfass und eine ganze Kollektion von Kalligrafie-Pinseln. Auf den ganzen Schreibutensilien stand eine Kanne voll Tee und daneben eine kleine dazugehörige Tasse. Ich sah mich um aber weit und breit war keine Spur von meinem alten Freund. „Tetsuya Watanabe?", rief ich ihn, aber es meldete sich niemand. Das einzige Geräusch war das Windspiel, das draußen leise vor sich hin klimperte. Irgendetwas stimmte hier nicht. Ich sah zu Rachel. Die hatte ihre unpraktischen Schuhe von sich gekickt und eine kämpferische Pose eingenommen. Sie wirkte unglücklich, weil ihr der Kimono nicht genug Bewegungsfreiheit lassen würde, wenn es zu einem Kampf käme.
Rachel war einfach unglaublich. Wie eine Wildkatze schien sie es zu riechen, wenn Gefahr im Anmarsch war und alle ihre Sensoren gingen automatisch auf Verteidigung. So hatte sie es also geschafft so lange zu überleben. Ihre Instinkte waren einfach schneller als ihr Verstand und auch schärfer. Sie warf mir einen Blick zu, der sagte, dass sie auch gemerkt hatte, dass etwas hier nicht so war wie es sein sollte. Ohne ein Wort änderte ich ihre Kleidung in einen schlichten, schwarzen, kurzen Kimono, in dem sie genug Platz haben sollte um jede mögliche Gefahr ordentlich zu vermöbeln. Ich ließ ein Schwert an meiner Seite erscheinen, obwohl ich mir sicher war, dass ich meine Feinde auch ohne Stahl besiegen konnte. Es fühlt sich einfach nur beruhigend an etwas in der Hand zu halten.
Rachel sah mich an und ich sie. Ich verstand was sie mir mitteilen wollte und stellte mich mit dem Rücken gegen den Türstock in den Nebenraum. Die Bibliothek, erinnerte ich mich. Rachel postierte sich auf der anderen Seite. Sie nahm Augenkontakt mit mir auf. Dann begann ein nonverbales Gespräch. Sie sah an sich herunter.
Glaubst du nicht, dass das etwas kurz ist. Vorwurfsvoller Blick.
Ernsthaft. Darüber möchtest du jetzt streiten.
Ich mein ja nur, da hättest du mir auch gleich gar nichts anziehen können.
Ich werd's mir fürs nächste Mal merken. Böses Kopfschütteln von Rachel.
Kurzes Nicken von Rachel. Du gehst zuerst rein. Kurzes Nicken meinerseits. In Ordnung.
Angespanntes Ausatmen von Rachel. Ich halt dir den Rücken frei.
Unsere Unterhaltung brach ab und ich wusste, dass ich mich auf Rachel verlassen konnte. Auch, wenn wir uns sonst so wenig trauten wie ein Lamm dem Tiger, so wusste ich doch, dass ich in solchen Situationen Rachel hundert Prozent vertrauen konnte. Und auch wenn sie das nicht zugeben würde, auch Rachel vertraute mir. Ich sog einmal tief die Luft ein und sammelte all meine Kraft. Ich wusste nicht, was mich hinter der Tür erwarten würde, aber ich machte mich auf das Schlimmste gefasst. 1,2,3 … Augen auf, ich komme. Versuchte ich mir mit Selbstironie Mut zu machen und dann dachte ich nicht weiter nach, sondern trat einfach die Tür ein.
Ich wusste nicht, was genau ich erwartet hatte, aber sicher nicht einen beinahe leeren Raum. Ich musste all die Energie, die ich aufgebaut hatte ruckartig wieder zurücknehmen und der verklingende Adrenalinstoß ließ mich leer zurück. Der Raum war beinahe so wie ich ihn in Erinnerung behalten hatte, was auch nicht schwer war, denn das war ja schließlich meine Erinnerung. Aber woran ich mich zweifellos erinnert hätte, wären die blutroten Spritzer auf den wertvollen Büchern. Ich senkte meinen Blick auf den Boden. Tetsuya lag dort in der Lache seines eigenen Blutes und ich konnte sein Herz nicht mehr schlagen hören. Daran hätte ich mich bestimmt erinnert.
Rachel war hinter mir hereingekommen, hatte aber anscheinend so viel Tatendrang aufgebaut, dass sie sich nicht mehr rechtzeitig zurücknehmen konnte und krachte, voller Elan direkt in meinen Rücken. „Zum Teufel, Rachel" fluchte ich und klaubte sie von meiner Rückseite. „Pass doch auf wo du hinläufst" „Wie kann ich denn ahnen, dass du hier wie angewurzelt in der Gegend rumstehst", fauchte sie. Dann sah sie den Mann auf dem Boden liegen. „Ist das …", begann sie, aber ich unterbrach sie. „Tetsuya? Ja, das ist er." Sie kniete sich hinunter und als sie feststellte, dass er wirklich tot war, staute sie die Kraftlinienmagie zurück, die sie gerade aufgebaut hatte. Ihr Gesicht verzerrte sich schmerzhaft. „Ich hatte ihn mir irgendwie…lebendiger vorgestellt" meinte sie. „Gott, Rachel, sonst bist du doch auch immer so ethisch korrekt und jetzt machst du Witze über Tote", blaffte ich sie an und stieß sie von der Leiche weg.
Sie studierte meinen Gesichtsausdruck. Gott weiß was sie da gefunden hatte, aber jedenfalls meinte sie darauf. „Zum Wandel und zurück. Das tut mir Leid. Du hattest ihn wirklich gerne, nicht wahr?" „Mach dich nicht lächerlich Rachel!", meinte ich. Ich machte mir nur Sorgen, weil irgendetwas oder irgendjemand hier in meinen Erinnerungen herumpfuschte. Zumindest redete ich mir das ein. Rachel hatte sich abgewandt und studierte die Bücher in den Regalen. Als würde sie die japanischen Schriftzeichen entziffern können. Ich beugte mich zu dem alten Mann am Boden hinunter. Ich schloss seine Augen. Auf Wiedersehen, alter Freund. Auf einmal sah ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung im Schatten zwischen zwei Regalen. Ich stand alarmiert auf und meine Muskeln beschwerten sich über das ständige rapide Auf- und Abfallen meines Adrenalinspiegels. Ich zerrte Rachel von dem Regal weg, wo ich die Bewegung gesehen hatte. „Weg da", zischte ich und Rachel war ausnahmsweise mal zu perplex um zu protestieren.
Ich brachte möglichst viel Raum zwischen uns und den Schatten. „Komm raus. Ich habe dich gesehen", verlangte ich und einige Zeit passierte nichts. Ich dachte schon fast, ich hätte es mir nur eingebildet, aber ich bildete mir nie Sachen ein. Noch ein paar Sekunden verstrichen und dann wurde ich in meiner Annahme bestätigt. „Na gut, ihr habt mich erwischt." Ich kannte die Stimme von irgendwo, aber ich konnte noch nicht genau sagen zu wem sie gehörte. Ich erlaubte mir einen kurzen Blick auf Rachel und stellte fest, dass sie Angst hatte, aber ihre Augen zeigten auch Wiedererkennen. Ich ärgerte mich, dass sie früher draufgekommen war als ich, aber in ein paar Sekunden würde das sowieso keine Rolle mehr spielen.
Die Gestalt trat aus dem Schatten. Es war eine kleine Person mit einer Glatze und einem androgynen, kindlichen Gesicht. In mir wuchs Hass und Furcht zugleich.
„Newt", sagte ich verächtlich.
