Die ersten Stunden waren immer die qualvollsten.
Das Herumhängen zwischen Halbschlaf und trockener Lektüre war nie die beste Kombination gewesen und so hatten die meisten Schwierigkeiten ihre Konzentration aufrecht zu halten. Blaine hatte mittlerweile aufgegeben Mr. Simmons langatmigen Vortrag über McBeths Ziele und Absichten zu folgen und widmete sich stattdessen dem Zählen der Obszönitäten, die sich eingeritzt auf seinem alten Tisch sammelten.
Bislang hatte er 25 Penisse, 3 Mittelfinger 5-mal das Wort "Bitch" und unzählige Male " Scheiß Schwuchtel", welche mit bemerkenswerter Brutalität in dem Holz verewigt wurden. Er fragte sich ernsthaft, wie viele Generationen von Jugendlichen wohl an diesem Tisch saßen und was sie von ihm halten würden. Nicht viel, wenn die eingekerbten Beschimpfungen ein Anzeichen für ihre Einstellungen waren.
Blaine machte sich nicht wirklich viel aus den Beleidigungen anderer Leute, da sie meistens nicht direkt in sein Gesicht gesagt wurden. Jene, die es gewagt hatten, hatten ganz schnell zu spüren bekommen, wie die "Schwuchtel" ihnen die Hölle heißmachen konnte. Schwul zu sein war für ihn selbst nie ein großes Thema gewesen. Dann mochte er halt lieber Kerle als Frauen, für ihn war das nur eine Präferenz, so wie andere lieber Schokoladen Eis mögen als Vanille.
Es machte keinen anderen Menschen aus ihm. Das einzige Mal, wo er sich wirklich Gedanken darüber gemacht hatte, was Personen über ihn denken mochten, war als er vor seinen Eltern seine Sexualität erwähnte.
Er konnte sich noch genau an die eisige Stille im Raum erinnern, der zuvor noch mit belanglosem Small Talk gefüllt war und an den kalten Angstschweiß, der über seine Stirn und fast ins Auge lief. Es war einfach aus ihm heraus geplatzt, ohne Vorwarnung oder Ankündigung. Als sein Vater dann einfach, das Kommentar übergehend, von seiner bevorstehenden Beförderung anfing, wusste Blaine dann auch, wo dieses Thema bei seiner Familie stand. Ganz weit hinten in den Schrank gekehrt und am besten nie wieder vorgebracht. Trotz allem fühlte es sich für ihn an als wäre ihm ein Stein in der Größe eines Elefanten vom Herzen gefallen.
Das Verhalten seiner Eltern änderte sich nicht großartig. Liebe, enges Beisammensein und Zuneigung waren nie besonders groß im Anderson Haushalt geschrieben worden, und das es nicht schlimmer wurde war für ihn ein gutes Zeichen gewesen, zumal er wusste, wie wenig sein Vater von Homosexuellen hielt.
Natürlich fielen hier und da ein abwertender Blick und ein fragliches Kommentar ( denn die Dalton Akademie für Jungs war nicht gerade die Schule die sein Vater für seinen schwulen Sohn ideal fand), welche Blaine mit zugekniffenem Mund über sich ergehen ließ und verbittert, versuchte ihnen nicht viel Wert zuzuschreiben.
Blaine war nie sein Lieblingskind gewesen, dafür war Cooper ja da, aber zum ersten Mal war er erleichtert darüber, dass sich sein Vater so wenig für ihn Interessierte. Hätte Cooper sich vor seinen Eltern geoutet, wäre sein Fall sehr wahrscheinlich viel schmerzlicher verlaufen als seiner.
Der Moment, in dem die Schulglocke läutete, riss ihn vollkommen aus seinem Halbschlaf auf. Er schaute von seinem Tisch auf und schrieb schnell die Hausaufgaben von der Tafel ab, bevor er seine Sachen zusammenpackte und seine Tasche über die Schulter schlang.
Noch zwei Stunden Geometrie und eine Stunde Geschichte, dann war er für heute fertig. Er nahm seinen Stapel Bücher in die Hand und verließ als Letzter den Klassenraum.
Heute war es wieder so weit. Die Gerüchte, dass ein paar neue Gesichter in der nächtlichen Szene aufgetaucht waren, hatte die Runde gemacht und die Warblers sahen es als ihre Aufgabe diese Neulinge sauber einzuführen und ihnen zu zeigen, wie die Dinge in Lima und Umgebung hier liefen.
In letzter Zeit war es relativ ruhig auf den Straßen gewesen und Blaines nächtliche Streifzüge waren immer seltener geworden. Diese Untätigkeit ließ ihn immer wieder unruhiger und ungeduldiger werden, sodass ein normaler Schultag für ihn fast unerträglich geworden war.
Er tauchte unter den Massen von Schülern, die sich fast alle in eine Richtung bewegten unter, und umklammerte seine Bücher. In den Gängen dieser Schule zu laufen war das Gefährlichste was man ,als jemand mit seinem Status, machen konnte.
Allein bei dem Gedanken an die kalten Slushies die in der Kantine verkauft wurden stellten sich alle seine Nackenhaare auf. Als er sich vergewissert hatte, dass kein Football Spieler mit Bechern irgendwo auflauerten, öffnete er seinen Spind und stopfte seine Bücher in den kleinen Raum. Ein geschlurrtes "Streberschwuchtel" (was nicht einmal ein Wort war, aber was hatte er auch von den Athleten erwartet), war die einzige Warnung gewesen, bevor er einen heftigen Ruck spürte, der ihn mit dem Kopf voraus gegen die Spind Tür drückte und dann zu Boden fallen ließ.
Spind Würfe.
Eine ebenso schmerzvolle wie schnelle Technik, die die Athleten an dieser Schule scheinbar perfektioniert hatten und deshalb so oft, wie nur möglich an den Losern der Kette angewendet wurde. Blaine hatte normalerweise das Glück durch seine schnellen Reflexe die Stürze abzudämpfen, aber in Momenten wie diesen, wo er sich in Sicherheit wiegte, kamen diese Stöße zu plötzlich, als das Er sich schützen könnte. Innerlich fluchend und mit einem Pochen an der Stirn, rappelte er sich in eine sitzende Position auf.
Er hörte das leise Geräusch von Füßen nicht und musste sich einen Aufschrei verkneifen, als ein heißer Schmerz von seiner Hand den Arm aufwärtsfuhr. Der Druck löste sich wieder aber der pochende Schmerz blieb, zusammen mit einem absurd deutlichen Schuhsohlen Abdruck.
Jemand war ihm auf die Hand getreten!
Er schaute reflexartig auf und konnte gerade noch die schmale Gestalt von Kurt Hummel erhaschen, der wie von der Tarantel gestochen den Gang entlang hechtete. Er hatte seine Tasche in einem eisernen Griff umklammert und versuchte hastig seine total verrutschte Uniform zu glätten. Was jedoch am meisten auffiel, waren die total zerzausten Haare, die er sonst unter Todesdrohungen niemand aus ihrer Form bringen ließ. Er sah ziemlich durchgenommen aus und Blaine verwette sein Mittagessen darauf, dass er sich wieder einmal mit einem der heimlichen schwulen der Schule in einer dunklen Ecke verschwunden war. Die Tränen, die ihm aus den Augen zu drohen quoll, übersah er jedoch.
Einerseits widerte es ihn an, aber andererseits war es bewundernswert, wie Hummel so offen im homophoben Lima herumlaufen konnte. Er war unglaublich beliebt und bildete zusammen mit Santana, Brittany und Quinn die Spitze der McKinley Nahrungskette, so klischeehaft es auch klingen mag. Außerdem hatte er den Ruf bei seiner Männer Wahl nicht zimperlich zu sein. Gerüchte von Blowjobs hinter der Turnhalle oder Schnellen Nummern im Hausmeisterraum gab es zahlreich und machten ihn in den Augen der männlichen Population zu einer Art Schlampe, bei der sie sich anstellen konnten.
Egal ob homosexuell oder nicht, sein androgynes Gesicht vereinfachte den Prozess nur. Und auch wenn es Gegner gab, trauten sich diese nicht auf Zusprechen in der Angst die Rache der Sue Silvester, dem Cheerleading Trainer, zu spüren.
Diese Kombination von Sex und Macht wirkte sich natürlich auch auf den Charakter aus und Kurt führte sich auf als stünde er über alles und jedem. Seine Blicke hatten diesen Hauch von Hohn und Kälte, die die meisten einfach schnell wegschauen lies um ihm zu entkommen. Sein puppenartiges Gesicht hatte etwas von einer Maske, teilweise leblos und falsch.
Es war wirklich abartig.
Mit zusammengebissenen Zähnen zog Blaine seine pochende Hand zu sich und schaute nach wie Hummel um die Ecke bog. Er schien ihn nicht bemerkt zu haben, oder er ignorierte ihn schlichtweg einfach, was Blaine für viel Wahrscheinlicher hielt.
Leise fluchend stand er auf und bewegte sich in Richtung Jungs Klo um etwas Kühlung auf seine mittlerweile ziemlich angeschwollene Hand zu bringen. Er war kein Fremder gegenüber Schmerzen aber das bedeutete nicht, dass er es genoss, wenn ihm seine Hand beinahe abfiel. Die böse Beule an seiner Stirn bemerkte er, erst als er in den Spiegel über dem Waschbecken schaute.
Er rieb sich mit der unverletzten Hand an der Nasenwurzel und richtete seine verrutschte Brille wieder. In seinem Spiegelbild konnte er einen müden jungen Mann sehen. Haare schwer zurück gegelt, dicke Hornbrille auf der Nase, Mund verkniffen und gekleidet in ein unbequem aussehendes Hemd samt Fliege.
Er sah erbärmlich aus.
" So ein Scheiß!", zischte er und umklammerte das Becken.
Er hasste es, alles.
Er hasste es sich so zu verkleiden nur um seiner Familie willen, die sowieso von Wurzel auf zerstört ist.
Er hasste es sich den erbärmlichen Gestalten von Footballspielern jeden Tag praktisch auszuliefern.
Er hasste es nicht zurückschlagen zu können.
Er hasste die angeekelten Blicke dieser Hure Hummel auf sich zu spüren.
Schwer atmend riss er sich los, korrigierte seine rutschende Brille ein weiteres Mal (die übrigens nur aus Fensterglas bestand ihn aber Intelligenter wirken ließ. Seine Mutter hatte darauf bestanden), und stampfte aus dem Raum. Schule war gerade das letzte in seinem Kopf und da Geometrie bereits zur Hälfte vorbei war, machte es für ihn keinen Sinn dort jetzt noch zu erscheinen.
Er konnte den Stoff sowieso schon. Als er aus dem Gebäude trat, zog die kalte Luft scharf an ihm vorbei und für einen Moment bereute er es seine Jacke in seinem Spind gelassen zu haben. Der Platz vor ihm war vollgestopft mit Autos aber menschenleer.
Er durchquerte den Parkplatz und suchte sich einen von einer Mauer geschützten Platz hinter der Schule. Dort hatte er wenigstens Schutz vor dem Wind. Bereits während dem Laufen fischte er sich eine Zigarette mitsamt Feuerzeug aus der Hosentasche und brachte sie an seine Lippen. Er war nicht besonders stolz darauf, aber Rauchen entspannte ihn, und solange er nicht mehr als eine Schachtel im Monat verbrauchte, machte er sich auch keine Gedanken. Er blies ein paar Rauchwolken aus und schaute ihnen nach, wie sie langsam in der Luft verschwanden. Es war Mitte Oktober und der Himmel war von einem stechenden blau, dass von kaum einer Wolke unterbrochen wurde. Es war ein überraschend schöner Tag und Blaine fragte sich, wie lange es wohl her ist, seit er das letzte Mal über so etwas absurd Normales wie den Himmel nachgedacht hatte. Und warum er es wohl nicht öfters tat.
Er nahm einen letzten Zug und ließ die Zigarette auf den Boden fallen, wo er sie mit seinem Schuh zertrat. Seine Nerven waren beruhigt und er betrat das Schulgebäude erneut. Auf Geschichte hatte er im Moment keine Lust und er spielte ernsthaft mit dem Gedanken einfach umzudrehen, in sein Auto zu steigen und nach Hause zu fahren. Seine Noten waren fabelhaft und die Lehrer liebten ihn, kein Problem also sich aus der Sache herauszureden. Bei dem Gedanken an das leere Haus spürte er eine Erleichterung in ihm aufsteigen, seine Eltern zu begegnen war nur komisch und unangenehm.
Er bewegte sich schleifend in Richtung seines Spindes um seine restlichen Sachen zu holen, als er hart an der Schulter gepackt wurde und herum gedreht wurde. Er zuckte etwas zusammen und fluchte innerlich, als er die eisernen Augen von Sue Sylvester auf sich spürte. Hatte sie ihn etwa beim Rauchen erwischt?, fragte er sich und erschauerte bei dem Gedanken. " Ehm... hallo Mrs. Sylvester", stotterte er und richtete sich seine Brille zu Recht. Kein Lehrer konnte ihm irgendwie böse sein, wenn er sich so nett und unschuldig gab, das hatte er bereits seit seinem ersten Tag hier durchschaut.
Die Lehrer hier sind so viele unhöfliche Schüler gewohnt, dass sie förmlich auf die Handvoll netten Jugendlichen sprangen. " Sue Silvester für dich du Zwerg!", baffte sie und schaute ihm direkt in die Augen.
" Ich werde mich nicht entschuldigen bei was auch immer ich dich gerade unterbrochen habe. Ich habe dich gerade beim Vorbeilaufen gesehen und gedacht: hey! Der gelige Zwerg sieht aus als könnte er ein paar seiner unwichtigen Lebensminuten für die große Sue Sylvester aufopfern und so seinem Leben wieder etwas Sinn geben. Denn das, was ich jetzt von dir möchte, wird wichtiger sein als alles, was du je in deinem Leben erleben wirst. Vergiss Hochzeit und Kinder. Also bewege seinen Hintern sofort in mein Büro! Aber dalli!"
Blaine öffnete seinen Mund im Protest aber Sylvester hatte ihn bereits am Arm gepackt und schleifte ihm den Gang entlang bis zu einem Raum mit geöffneter Tür. Dort angekommen ließ sie ihn los, schubste ihn fast schon in das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Blaine schaute sich um und betrachtete die sich anhäufenden Trophäen, die sich auf jeder waagrechten Fläche im Zimmer türmten. " Was ist hier los?", hörte er eine zu hohe aber dennoch unverkennlich männliche Stimme fragen und er drehte sich zu dem großen Schreibtisch um, an dem Sylvester bereits saß und ihre Beine auf der Fläche geparkt hatte. Vor dem Tisch standen zwei Stühle, von dem einer schon besetzt war.
Blaine konnte sich gerade noch beherrschen nicht laut zu fluchen. Hummel. Schon wieder. Es war ja klar, dass er ihm einmal auf den Fuß getreten war, ist ja nicht genug für einen Tag gewesen. Hummel, der ihn wahrscheinlich schon beim Hereinkommen gesehen hatte, würdigte ihn absolut keines Blickes mehr und starrte starr die Frau vor ihm an.
Seine Haare waren wieder perfekt nach hinten gekämmt und aufgetürmt. Auch seine Uniform saß wieder, aber das hatte er ja auch erwartet, keiner der Cheerios würde sich trauen auch nur mit einem Fleck auf der Uniform vor ihrer Trainerin zu stehen. Blaine blieb still, setzte sich auf den freien Stuhl und konnte nicht wiederstehen diesen noch etwas weiter von Kurt wegzuschieben.
Er warf ihm einen Seitenblick zu und konnte an seiner stocksteifen Haltung und dem Gesichtsausdruck erkennen, dass dieser im Moment lieber Dreck fressen würde, als hier mit ihm zu sitzen.
Der Gedanke versetzte ihm gleich schon einmal bessere Laune. Aber trotzdem musste er sich fragen, was um alles in der Welt Sue Sylvester von ihm und Hummel wollte. Außer we- " Gelkopf, Porzellan! Ihr fragt euch sicher, warum ich euch hier in mein heiliges Büro gerufen habe. Die Schuld liegt einzig und allein bei dir Porzellan, ich hatte dich eigentlich für Intelligenter gehalten aber deine Noten sagen mir, dass du den IQ eines Steines hast und mit Pauken und Trompeten durch Chemie und Mathe fällst." Hummel schnappte empört nach Luft, hielt aber klugerweise seinen Mund. " Und wenn deine Noten nicht bald so hoch sind, wie du kicken kannst, muss ich dich leider aus dem Team nehmen."
Es war erstaunlich und fast schon beunruhigend, wie schnell sich seine Gesichtsfarbe von Puderrot zu leichenblass verwandelte. Er biss sich kraftvoll auf die Lippen und schwieg. " Und warum bin ich dann hier, wenn es um Hummel geht?", wand Blaine ein, der zuvor Kurt mit einem genugtuendem Lächeln auf den Lippen beobachtet hatte. Natürlich war ihm klar, warum Sylvester ihn einbestellt hatte, schließlich hatte er den besten Durchschnitt des ganzen Jahrganges auch in Chemie und Mathe, aber mit Hummel eine Konversation zu halten war nicht nur unmöglich, sondern stand auch ganz weit unten auf seiner Liste. Das würde er sich sicher nicht den ganzen Tag anhören können.
" Oh doch Mr. Ich-schreib-in-jeder-verdammten-Klausur-die-volle-Punktzahl. DU wirst Mr. Hummel hier Nachhilfe geben und ihm helfen wieder an der Spitze zu sein.", sie zeigte mit einer Handgeste auf Kurt, der seinen Mund im Protest geöffnet hatte und nun auch wieder eine etwas gesündere Hautfarbe besaß, wenn man blass wie ein Leintuch als gesund einschätzte.
Er wischte ihre Hand beiseite und funkelte sie an. "Können sie vielleicht nicht über mich reden als wäre ich nicht im Raum? Und habe ich überhaupt hier noch etwas mit zu sagen?" Sylvester schien ihn einfach zu ignorieren und blickte fest auf Blaine, der in seinem Stuhl defiant zurückgesunken war und sie ebenfalls anfunkelte. " Nein", meinte er knapp. Er schien kurz nachzudenken und fügte dann hinzu: " ich habe keine Zeit um jemanden zu unterrichten. Die guten Noten kommen nicht von selbst und auch wenn sie es mir nicht glauben ich besitze ein Privatleben." Sylvesters Gesicht zuckte kurz und ihre Augen verengten sich. Ohne ihre Augen von Blaine zu lösen griff sie in eine Schublade und zog einen Ordner heraus.
"Du lässt mir keine andere Wahl Klebkopf. Nun wird dreckig gespielt.", sie schmiss den Ordner auf seine Seite des Tisches und setzte sich mit verschränkten Armen zurück. Blaine schaute von dem Ordner zu Sylvester und wieder zurück, bis er schließlich zögerlich die Hand ausstreckte.
Er nahm ihn an sich und schlug ihn auf. Mit einem Mal war alle Luft aus seinen Lungen gewichen und er fühlte sich als hätte ihm jemanden einen Schlag ins Gesicht versetzt. Vor ihm befand sich eine Akte mit seinen genauen Informationen. Nicht nur die Normalen Daten wie Adresse oder Geburtstag, nein es waren Daten, die Coach Sylvester definitiv nicht hätte, besitzen dürfen und ihm gefährlich werden konnten. Er spürte, wie ihm die Farbe aus dem Gesicht wich.
" D-das ist Erpressung!", er schlug den Ordner zu und presste ihn fest an seine Brust.
" Das können sie nicht machen!" Das war schlimm. Sehr sehr SEHR schlimm. Blaine konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie Hummel sich interessiert nach vorne beugte, die Neugierde stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sylvester lächelte selbstgefällig. " Ich bin Sue Sylvester, schau nur zu, wie ich es machen werde. Bist du dir immer noch sicher, dass du diesen Job nicht übernehmen wirst? Ich bin mir sicher einige Leute würden diese Akten gerne sehen. Ich halte hier deine Chancen auf ein Stipendium in Harvard in den Händen und ich zögere nicht zurück davon Gebrauch zu machen."
Blaine biss knirschend seine Zähne zusammen und ballte seine Fäuste, nur um sie mit einem gepressten zischen wieder zu lösen. Seine Verletzung auf der linken Hand pochte unaufhörlich und er wünschte Hummel in diesem Moment jeden ihm bekannten Fluch an den Hals. " Wenn du es dir jedoch überlegt hast, kann dieser Ordner und die Kopien, die ich übrigens davon gemacht habe, ganz schnell den Weg in den Schredder finden und deine Zukunft an einer Elite Universität wäre gerettet." Blaine senkte den Blick auf den Ordner in seinen Händen. Auf eine perverse Weise war genau das die Chance einige Dinge vollkommen aus der Welt zu schaffen, auf die er gewartet hatte.
Wenn nur Sylvester davon wusste, und er bei ihrem Deal mitmachen würde wären die Sachen aus der Welt. Nicht zu schweigen die Konsequenzen die Folgen würden, wenn sie ihre Drohung wahr machen würde und die Akten veröffentlichte. " Ich mach's. Ich gebe Hummel Nachhilfe in Chemie und Mathe und Sie werden jegliche Akte über mich vernichten."
Er legte die Akte wieder vor Sylvester und schaute ihr standhaft in die Augen, irgendein Zeichen suchend was ihn zweifeln lassen würde. Kurt räusperte sich übertrieben dramatisch und lenkte Blaines Aufmerksamkeit wieder auf ihn. " Und ich habe nichts dazu zu sagen? Ich meine, wenn es quasi um mich geht. Ich würde nämlich einlenken, dass-", " nein du hast hier nichts dazu zu sagen Ladyface. Außer du willst unbedingt aus dem Team geschmissen werden. Da kann ich dir auch so helfen.", unterbrach ihn Sue.
Kurt rollte seine Augen. " Es ist ja nicht die Nachhilfe, die mich stört, aber warum Anderson hier? Es gibt so viele bessere Tutoren, und ja damit meine ich nicht nur vom Aussehen her." Blaine rollte seine Augen über diese Oberflächlichkeit und erwiderte Kurts abschätzenden Blick, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, bis dieser fast schon nervös seinen Blick senkte und sein leicht gerötetes Gesicht abwand. Blaines Augenbrauen schossen ungläubig in die Höhe. War Hummel tatsächlich rot geworden oder bildete er sich das jetzt nur ein?
Sue Sylvester betrachtete die beiden unbeeindruckt und räusperte sich. "Nun verschwindet endlich. Ich hab keine Zeit mehr mit euch zu verschwenden, die ich nutzen, könnte um neue Pläne gegen den Glee Club und ihren schäbigen Leiter, zu schmieden." Sie faltete ihre Hände auf dem Tisch und nickte mit dem Kopf zur Tür.
"Aber-", versuchte Kurt einzuwenden aber Sylvester unterbrach ihn erneut. "Nichts aber, beweg deinen dicken Hintern zusammen mit der Brillenschlange aus meinem Büro sonst lernt ihr mich kennen!", Hummel erwiderte ihren Blick trotzig, stolzierte aber schließlich mit erhobenem Haupt aus dem Raum. Blaine seufzte und machte sich ebenfalls daran den Raum so schnell wie möglich zu verlassen, in der Angst Sue würde etwas nach ihm werfen wenn er ihr nicht folgeleistete.
Kurz bevor er durch die offene Tür trat, hörte er Sylvesters Stimme ein weiteres Mal. "Ich wünsch euch viel Spaß, aber ich will bloß keine schwulen Regenbogen kackenden Babys später sehen." Zutiefst verwirrt drehte sich Blaine um. "Raus hier oder ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder Babys machen können wirst. Nicht dass du das jemals bräuchtest.", ohne zu zögern, trat Blaine verstört aus dem Raum und schloss die Tür hinter sich.
Er wollte nicht herausfinden, wie ernst sie es mit ihren Drohungen meinte. In den paar Monaten, die er schon auf der Schule verbrachte, lernte er schnell das Sue Sylvester nicht jemand war, dem man nachts auf der Straße begegnen möchte. Und Blaine war wirklich niemand den man schnell einschüchtern könnte, aber seinen Stolz und seine Würde, würde er gerne behalten, vielen Dank.
Im Gang angekommen schaute Blaine auf seine Uhr. Die Sache im Büro hatte bereits viel Zeit in Anspruch genommen. Wenn er jetzt noch gehen würde, hätte er zu Hause noch ein paar Stunden für sich. Aber bevor er auch nur daran denken konnte zu gehen, musste er noch Hummel finden und mindestens Handy Nummern austauschen. Er würde nie mit Blaine in der Öffentlichkeit vor seinen Freunden gesehen werden wollen und Blaine brauchte ja irgendeinen Weg ihn wegen den Zeiten zu kontaktieren. Blaine hatte keine Lust Sylvester zu verärgern. Er traute ihr zu die Akten zu behalten und einzusetzen, wenn es wichtig für ihn wurde, also würde er die Sache hier auch richtig machen und ernst nehmen.
Er hob seinen Kopf und sah den Jungen einige Meter entfernt, mit den Armen verschränkt an einem Spind lehnend. Blaine atmete tief ein und näherte sich ihm. "Wir werden Handy Nummern austauschen müssen damit wir unsere Termine festlegen können. Ruf am besten noch heute Abend an."
Kurt sah aus als hätte er auf eine Zitrone gebissen. "muss das sein?", fragte er fast schon pampig und stellte sich auf. Blaine hob eine Augenbraue und schaute ihn abwartend an. Kurt schnaubte. "Schau, du brauchst mich nicht zu unterrichten. Ich hatte nur in letzter Zeit keine Zeit zum Lernen. Ich machs besser, verkürze meine Freizeit etwas und lerne, damit lenkt sich die Sache wieder ein. "
Blaine hatte geahnt das Hummel ein solches Angebot bringen würde, aber wie verlockend das Angebot auch für ihn klang, hier stand etwas Wichtiges auf dem Spiel. "Nein, ich habe meine Gründe das hier ernst zu nehmen als tue ich das auch.", er holte sein Handy aus der Hosentasche und drückte es Kurt in die Hände. Dieser rollte seine Augen und tippte mit geübten Fingern seine Nummer ein. Blaine streckte seine Hand wieder aus um das Handy wieder entgegen zu nehmen und hörte, wie Kurt leise nach Luft schnappte.
Seine blauen Augen hatten sich auf seine mittlerweile ebenfalls blaue Hand fixiert, die er immer noch ausgestreckt vor sich hielt. "Das solltest du dir lieber mal anschauen lassen, sieht schlimm aus", meinte Hummel vorsichtig und musterte die Hand mitleidig.
Blaine dachte er hatte sich gerade verhört, wollte Hummel ihn verarschen?
Er war es doch gewesen der ihm auf die verdammte Hand getreten war!
Und nun hatte er echt noch die dreistigkeit ihm zu raten deswegen zum Arzt zu gehen?
Er spürte wie sich ein Klos in seinem Hals bildete. Er riss Kurt das Handy aus der Hand und musste fast schon vor Genugtuung grinsen als er Kurt vor seinem kalten Blick und seiner Aggressivität zurück schrecken sah. Irgendwie schaffte es Blaine ein gequältes Lächeln hervorzubringen. " Ich ruf dich an", meinte er, drehte sich abrupt um und ging mit schnellen Schritten auf den Ausgang zu.
Kurt der ihm perplex nachschaute erwachte aus seiner Starre und rief ihm verwirrt hinter her, dass er noch Blaines Nummer bräuchte. Blaine ignorierte ihn eiskalt und schmiss die Tür hinter sich zu.
Er wusste nicht was er tun würde, wenn er noch weiter mit ihm da gestanden wäre. Die Wut war so schnell in ihm hochgekocht und er musste einfach nur noch weg von ihm. Er erreichte sein Auto, ein Geschenk seiner Eltern zum 16 Geburtstag, in Rekord Zeit und riss die Tür hinter sich ins Schloss.
Seine Hände fanden automatisch den Weg zu seiner Zigaretten Packung und er zündete sich die zweite Zigarette an diesem Tage an. Eigentlich wollte er im Rahmen bleiben, aber er hatte das Gefühl, dass es nicht die Letzte für die nächsten paar Tage sein würde.
