Am Abend hatte der Doktor wie angekündigt den Captain in ihr Quartier gebracht und sie höchstpersönlich ins Bett gesteckt. Das neue Lungengewebe war noch ziemlich empfindlich und er machte seiner Patientin noch einmal eindringlich klar, daß sie ruhig zu liegen hatte bis das Gewebe wieder richtig verheilt war.

"Wenn Sie sich zu viel bewegen riskieren Sie es, daß die Lunge noch einmal kollabiert. Und dann werde ich Sie nicht mehr in Ihr Quatier entlassen." Das MHN klappte den Tricorder wieder zu.

"Ich komme morgen wieder. Erholen Sie sich und schlafen Sie gut, Captain. Gute Nacht."

"Gute Nacht, Doktor", antwortete Kathryn. Sie hörte wie die Türen aufglitten und im nächsten Moment noch einmal die Stimme des Doktors: "Commander, Sie besitzen ein ausgezeichnetes Timing, ich bin gerade fertig. Sehen Sie zu, daß der Captain auch wirklich ruhig im Bett liegen bleibt."

"Mache ich Doktor, danke."

"Schönen Abend noch, Chakotay."

"Ihnen auch."

Die Türen schlossen sich und Chakotay rief: "Kathryn? Darf ich reinkommen?"

"Sie sind doch schon drin Commander", antwortete Kathryn amüsiert. "Kommen Sie ruhig her."

Chakotay betrat das Schlafzimmer und holte sich dann einen Stuhl, den er neben das Bett stellte.

Das MHN hatte Kathryn zugedeckt und ihr einen Kortikalmonitor verpaßt.

"Er scheint ja diesmal richtig Eindruck auf Sie gemacht zu haben", feixte Chakotay.

Kathryn seufzte. "Ich glaube sogar fast, daß er es richtig genossen hat mich in meine Schranken zu weisen."

Chakotay grinste. "Er kennt Sie halt schon zu gut, Captain."

"Naja, es sind zum Glück nur 2 Tage... haben Sie mir ein paar Berichte mitgebracht Chakotay?"

Der erste Offizier schüttelte ungläubig den Kopf. "Ich glaube, Sie haben dem Doktor gar nicht zugehört. Natürlich habe ich Ihnen keine Berichte mitgebracht, Sie sollen sich ausruhen."

Kathryn rollte mit den Augen. "Sie nicht auch noch, Chakotay", meinte sie dann lachend. "Läuft hier etwa eine Verschwörung gegen mich?"

Chakotay grinste. "Ich halte mich nur an die Anweisungen des leitenden, medizinischen Arztes."

"Also gut, keine Berichte."

"Wie wäre es, wenn ich Ihnen jetzt etwas schönes zu Essen und Trinken repliziere?"

"Das klingt gut. Kaffee und Walliser Kaninchen wären toll."

Chakotay schnaubte leicht. "Ich glaube nicht, daß das jetzt das angemessene Abendbrot wäre." Er stand auf, ging zum Replikator und kam kurz darauf mit einem Teller heißer Nudelsuppe und einem Glas Wasser an. "Empfehlung des ersten Offiziers für erholungsbedürftige Captains", sagte er nur und stellte ihr das Tablett auf den Nachttisch. Dann legte er seinen Arm um Kathryns Schultern, zog sie ganz vorsichtig in eine sitzende Position und stopfte einige Kissen in ihren Rücken, damit sie eine Stütze hatte.

Als er seinen Arm um sie legte lief ihr ein Schauer über den Rücken. Sie liebte seine Berührungen, ob es nun an der Schulter, Hand oder wie jetzt am Rücken war, in solchen Momenten spürte sie immer ein Prickeln auf ihrer Haut. Jetzt lag sie an die Kissen gelehnt und Chakotay reichte ihr die Suppe.

"Danke, Chakotay", sagte sie und fing an zu essen. Als sie fertig war mußte sie im Stillen ihrem ersten Offizier danken, die Suppe hatte ihr gut getan. Er räumte das Tablett wieder ab und ohne daß Kathryn es wirklich beabsichtig hatte rutschten ihr die Worte heraus: "Wollen Sie sich nicht neben mich setzten Chakotay?"

Er lächelte nur. "Natürlich, wenn es Sie nicht stört?"

Katrhyn schüttelte den Kopf. "Ganz im Gegenteil", meinte sie nur.

So setzte er sich neben sie und sie legte ihren Kopf an seine Brust. In Kathryn meldete sich ein mahnende Stimme zu Wort. Was tust Du da, Kathryn? Er ist Dein erster Offizier, das geht zu weit.

Doch dieses Mal ignorierte sie die Stimme. Am liebsten wäre sie für immer so sitzen geblieben. Durch die Uniform konnte sie seinen Herzschlag hören und obwohl es etwas schneller schlug als normal beruhigten sie die gleichmäßigen Töne. "Ach Chakotay..." seufzte sie ganz leise.

Der wiederum konnte gerade nicht wirklich glauben, was gerade passierte. Kathryn schmiegte sich an ihn, ihre Hand hatte sich in seine gelegt und von ihrem Haar, das ganz nahe an seinem Mund war weil sie ihren Kopf an seinen Hals gelehnt hatte, ging ein süßlicher Geruch aus, fast wie Honig, dachte er.

Er atmete den Duft tief ein und wie von selbst legte er seinen anderen Arm um ihre Taille und hielt sie schützend fest. Diese kleine Veränderung, daß er seinen Arm um sie legte, hatte auf Kathryn eine Wirkung wie eine kalte Dusche. Sie schreckte regelrecht hoch und sah einem verwirrt aussehenden Chakotay in die Augen, der sie sofort losgelassen hatte.

"Kathryn, ist alles in Ordnung?" fragte er besorgt.

Was habe ich getan, fuhr es dem Captain durch den Kopf. "Ja, es war nur...", sie wußte absolut nicht, was es genau war, aber sie mußte das hier und jetzt beenden, bevor sie komplett die Kontrolle verlieren würde.

"Es tut mir leid, Chakotay", sagte sie leise. "Ich glaube, ich würde jetzt gerne etwas schlafen, ich bin doch noch recht kaputt", versuchte sie eine Erklärung zu geben.

Doch Chakotay hatte verstanden. Sichtlich enttäuscht stand er sofort auf und meinte nur: "Natürlich, das verstehe ich. Ich werde dann mal Gehen. Gute Nacht, Captain, und erholen Sie sich gut."

Kathryn wollte ihn zurückhalten, doch der Schaden war bereits angerichtet. Reumütig blickte sie ihrem ersten Offizier hinterher, der jetzt ihr Quartier verließ.

"Es tut mir so leid, Chakotay", flüsterte sie für sich selber und versuchte das, was gerade passiert vor ihrem Captain-Ich zu verteidigen.

Chakotay stand vor ihrem Quartier und atmete einmal tief durch um seine Emotionen unter Kontrolle zu bekommen. "Wäre auch zu schön gewesen", sagte er leise zu sich selber. Er machte sich auf den Weg zu seinem Quartier und mit einem Glas Rotwein in der Hand setzte er sich auf seine Couch und starrte in den Weltraum. Obwohl er jegliches Recht dazu gehabt hätte wütend zu sein auf sie, so spürte er nur Enttäuschung. Ein wenig verstand er auch ihre Situation, sie war immerhin der Captain und natürlich kannte er die Sternenflottenklausel die verhinderte, daß sie so einfach zusammen kamen. Und sie ist gerade nicht auf der Höhe, erinnerte er sich. Wie auch immer, etwas positives konnte Chakotay der Sache abgewinnen - Kathryn schien ihn immer noch zu lieben. Und er würde nicht aufgeben. Am nächsten Tag würde er sie wieder besuchen gehen und vielleicht ergab sich die Gelegenheit das, was heute passiert war, noch einmal anzusprechen. Sternenflotte hin oder her - das konnte nicht mehr im Sinn des Verfassers sein.

Nachdem das MHN den Captain in ihr Quartier gebracht und den Computer angewiesen hatte, ihn sofort zu benachrichtigen sollten die Werte vom Kortikalmonitor außer Norm geraten bereitete er sich auf das Treffen mit Seven vor. Er wollte mit dem typischen, ersten Date anfangen - ein Essen mit anschließendem Tanzvergnügen. Dazu hatte er ein kleines Restaurant gewählt, das eine wunderschöne Terrasse hatte mit Blick über das Meer und am Rande eine kleine Tanzfläche mit Live-Musik.

Pünktlich um 19 Uhr ging er zum Holodeck, wo Seven schon auf ihn wartete.

Eine Lektion in Kleiderordnung wäre auch angebracht, überlegte das MHN als er Seven musterte. Wenn sie wirklich mit jemandem ausgehen wollte, sollte sie sich einen anderen Stil zulegen, der auf jeden Fall privater sein durfte. Jetzt sah sie aus, als wolle sie auf dem Holodeck nur etwas reparieren - hochgesteckte Haare und ihr Funktionsoverall, sie sah halt aus wie immer.

"Guten Abend, Doktor", begrüßte ihn die Borg.

Das MHN lächelte. "Hallo Seven, ich habe mir die Freiheit genommen und bereits ein Programm ausgewählt. Sind Sie bereit?" fragte er höflich.

Seven nickte. "Wir können anfangen."

"Computer, Programm MHN beta 3 öffnen."

"Programm vollständig, Sie können eintreten", kam sofort die Antwort des Computers. Die Holodecktüren glitten beiseite und die beiden Offiziere betraten einen schmalen Weg, der zum Restaurant hinauf führte.

"Gefällt es Ihnen?" fragte das MHN nach einer Weile, als Seven nichts sagte.

"Es ist für unser Vorhaben angemessen", erwiderte sie und wollte weitergehen. Das MHN hielt sie am Arm zurück und Seven drehte sich überrascht um.

"Und hier ist gleich die erste Lektion im Thema Konversation. Falls Ihr Date fragen sollte, ob Ihnen etwas gefällt, dann sagen Sie einfach 'es ist wunderschön'. Vermeiden Sie beim ersten Mal Mißfallen auszudrücken. Sollte Ihnen etwas wirklich nicht zusagen, umschreiben Sie mit positiven Worten, z.B. in dem Sie sagen: 'Der Mond würde noch besser aussehen, wenn diese Nebelschleier nicht wären'."

Seven nickte. "Ich werde mein Bestes geben."

"Also Seven, gefällt es Ihnen?" fragte das MHN erneut.

Seven sah sich noch einmal um und sagte dann: "Es ist sehr schön hier."

"Na bitte, das war wunderbar. Dann gehen wir jetzt weiter."

Seven fand es zwar nicht gerade angenehm für sich selber vage Halbwahrheiten und Schmeicheleien zu benutzen, sah aber ein, daß das unter den Menschen so üblich war. Wenn sie also jemandem näher kommen wollte mußte sie das wohl lernen.

Als sie oben angekommen waren hielt das MHN ihn galant die Tür auf. Seven bedankte sich und trat in die alte Gaststube. Der Doktor berührte sie leicht an der Schulter von hinten und deutete mit seinem Arm dezent in die Richtung zum Terrassendurchgang. Seven verstand die Aufforderung und beide wählten einen Zweiertisch direkt am Geländer. Damit die Atmosphäre passen würde hatte das MHN vorher noch zwei weitere holografische Pärchen an den Tischen verteilt, die sich leise unterhielten.

"Habe ich bisher alles richtig gemacht, Doktor?" fragte Seven, als das MHN sie länger musterte.

Das Hologramm hatte gar nicht mitbekommen, daß er sie angestarrt hatte, er war in einen halben Tagtraum verfallen und konzentrierte sich jetzt wieder auf die Umgebung und Sevens Frage.

"Oh, ja, natürlich. Als nächstes folgt die Bestellung und die ungezwungene Konversation", erklärte er und winkte unauffällig einen Ober heran.

"Wir nehmen eine Flasche von dem Château Mouton-Rothschild und das 7-Gänge-Menü", bestellte der Doktor für beide.

"Bien sûr, natürlisch die 'Errschaften", sagte der Ober und verbeugte sich noch leicht. Dann rauschte er davon um die Bestellung aufzugeben.

Das MHN blickte Seven an und als diese nichts sagte fing er an: "Was machen Sie denn alles so wenn Sie Feierabend haben?"

"Freizeitaktivitäten sind irrelevant, meine Tätigkeit in der Astrometrie füllen meinen Tagesablauf aus", antwortete Seven. Sie saß kerzengerade auf ihrem Stuhl, die Hände auf der Tischkante vor ihrem Bauch und musterte ihr gegenüber.

"Seven, Freizeitaktivitäten sind wichtig für uns, versuchen Sie einmal ihre Borg-Effizienz zu vergessen und hören auf ihre Menschlichkeit. Das ist Smalltalk. Man redet über sich, seine Hobbys und Vorlieben damit man herausfindet, ob der Begleiter zu einem paßt. Versuchen Sie es einmal. Und setzen Sie sich nicht so steif hin, das ist kein Meeting sondern ein Diner. Versuchen Sie etwas lockerer zu werden." Er lächelte ihr noch einmal aufheiternd zu und Seven seufzte. Sie ließ die Schultern etwas sinken und verschränkte dann die Hände auf ihrem Schoß. "Konversation zu betreiben ist äußerst kompliziert", sagte sie dann, doch das MHN schüttelte den Kopf.

"Wenn Sie mit jemandem ausgehen dann tun Sie das, weil Sie sich für ihn interessieren. Überlegen Sie sich was Sie interessant finden und fragen Sie danach. Früher oder später findet man eine gemeinsame Vorliebe und kann diese dann weiter thematisieren. So entwickeln sich Gespräche."

Seven dachte angestrengt nach. Das MHN half ihr. "Spielen Sie nicht gerne Kadis Kot ab und zu?"

"Ja, das stimmt."

Da Seven scheinbar dazu nichts mehr zu sagen hatte versuchte das MHN es anders: "Wie sieht es mit Holodeckprogrammen aus? Was mögen Sie am liebsten für ein Programm?"

Seven brauchte zwar ein wenig um zu antworten, aber sie lernte schnell. Schon bald waren sie und der Doktor in ein Gespräch über die verschiedenen Vor-und Nachteil von diversen Holodeckprogrammen vertieft.

Der Kellner trat an den Tisch heran und servierte den Wein zusammen mit dem ersten Gang.

Hier gelang Seven eine Überraschung, denn sie probierte ohne Vorbehalte den Apfel-Sellerie-Salat und äußerte sich dann positiv über den Geschmack und die harmonierende Mischung. Das MHN vergaß immer mehr, daß er nur ein "Übungsobjekt" war und genoß ihre Gesellschaft in vollen Zügen.

Nach dem dritten Gang kündigte der Kellner eine längere Pause bis zum Hauptgericht an und das MHN nutzte die Gelegenheit, um die Borg auf die Tanzfläche zu führen.

Auch hier machte Seven galant mit und schon standen beide in der Mitte und das MHN betrachtete sie. Ihm kam dabei wieder sein Ratgeber-Status zu Bewußtsein und er sagte: "An Ihrem persönlichen Stil müssen wir noch etwas arbeiten, Computer - ein schwarzes, langes Kleid für Seven of Nine erzeugen."

Im nächsten Moment war Sevens Overall ersetzt worden durch ein wunderschönes Neckholder-Chiffonkleid mit einem tiefen V-Ausschnitt und einem langen, schwarzen Chiffonschal, das elegant über Sevens Armbeugen lag und am Rücken vorbeiführte. Überrascht sah die Borg an sich hinunter und war für einen Moment überrumpelt.

"Sie sehen einfach atemberaubend aus, Seven. Nunja, fast. Eine Kleinigkeit fehlt noch..."

Das MHN trat dichter an sie heran, griff vorsichtig an ihren Hinterkopf und löste die Haarklammer. Sevens blonde, lange Haare fielen wie ein Schleier über ihre Schultern und umrahmten ihr überraschtes Gesicht. Das MHN konnte nicht anders als sie anstarren. Sie sieht aus wie aus einem Gemälde entstiegen, dachte er und ohne die Augen von ihrem Gesicht zu lösen nahm er die Tanzposition ein. Seven zog leicht die Augenbrauen zusammen, offensichtlich wußte sie nicht genau, was sie jetzt zu tun hatte. Da das MHN immer noch mit einem erhobenen Arm und einem ausgstreckten stehenblieb fragte sie: "Doktor?"

Ein weiteres Mal an diesem Abend erwachte das MHN aus seiner Starre und meinte hastig: "Oh, das ist die Tanzhaltung. Legen Sie ihre linke Hand auf meine Schulter und die rechte in meine andere Hand."

Seven tat wie geheißen und das MHN nickte den Musikern zu, die scheinbar genau auf diesen Moment gewartet hatten. Ein langsames Lied erklang und der Doktor sagte: "Lassen Sie sich einfach von mir führen."

Seven nickte und schaute nach unten. Der Zeigefinger des Doktors drückte sanft ihr Kinn wieder hoch und er sagte: "Fühlen Sie die Bewegungen Seven, und konzentrieren Sie sich nur auf ihren Partner, in dem Falle mich."

Seven stellte verwundert fest, daß das sogar funktionierte. Das MHN hatte ein strahlendes Lächeln auf den Lippen und Seven, die annahm, das gehört sich so, lächelte nun ebenfalls.

Der Doktor versank völlig in Sevens Augen und zuckte zusammen als Seven plötzlich sagte: "Doktor, die Musik hat schon lange aufgehört."

Das MHN blickte sich um und sah, daß der Kellner bereits an ihrem Tisch mit 2 Tellern wartete und die Musiker gar nicht mehr auf ihrem Podest waren.

"Ich... ehm... war wohl in Gedanken", sagte er und geleitete Seven an den Tisch.

Die beiden probierten den Hauptgang und das MHN sagte: "Sie tanzen sehr gut, Seven."

Die Borg schaute ihn an und lächelte. "Danke Doktor, Sie können ausgezeichnet führen."

Er schmunzelte verlegen und wünschte sich, daß dieser Abend nie enden würde. Sie aßen mit Genuß aber schweigend den Hauptgang und der Kellner brachte gerade das nächste Gericht als Seven sagte:

"Ich denke, ich würde diesen Abend gern mit Ensign Kim und Commander Chakotay wiederholen, ich denke, diese beiden sind eine gute Wahl."

Das MHN erstarrte und der wunderschöne Abend zerplatzte in 1000 Scherben. Doch er zwang seine Gefühle zurück und meinte: "Eine interessante Wahl, ich bin sicher, wenn Sie sich bei den beiden so bezaubernd und natürlich wie heute geben, dann wird es ein Erfolg."

"Danke Doktor, Sie waren mir wirklich eine große Hilfe. Aber eine wichtige Sache fehlt noch", meinte sie und das MHN blickte auf und zog die Stirn leicht kraus. Er hatte doch alles mit ihr durchgenommen? Konversation, Essen, Tanzen, sogar Kleidung, was konnte denn noch fehlen?

"Ich... habe noch nie jemanden geküßt", beichtete Seven dann.

Das kann sie nicht von mir verlangen, dachte das MHN entsetzt. Es fiel ihm jetzt schon schwer seine Fassung zu wahren, aber wenn Sie jetzt noch das Küssen mit ihm üben wollte...

"Ich dachte an eine neutrale Holofigur", schickte Seven hinter, da sie merkte, daß der Doktor unruhig wurde. "Ich hätte nie...ich meine, ich würde Sie nie mit so etwas..." stammelte sie, als ihr dämmerte, was er befürchten mußte.

"Oh, natürlich, das hatte ich nie angenommen", erwiderte das Hologramm sichtlich enttäuscht. Seven legte den Kopf schief und fragte: "Habe ich Sie in Verlegenheit gebracht? Seien Sie versichert, daß das niemals meine Absicht war."

Das MHN straffte die Schultern und lächelte dann: "Nein Seven, das haben Sie nicht. Ich war nur... überrascht daß sie so eine.. intime Sache in meinem Beisein machen möchten. Aber wenn es Sie nicht stört versuchen Sie es ruhig. Computer, einen männlichen Begleiter erstellen, Größe 1.80m, keine besonderen Merkmale, Abendgarderobe."

Auf der Tanzfläsche erschien eine neue Holofigur in einem Anzug und wartete, daß Seven sich ihm näherte. Das MHN nickte ihr aufmunternd zu und Seven stand auf und trat vor die Figur.

"Legen Sie ihre Hände leicht um seinen Nacken", raunte ihr das MHN noch zu "und versuchen Sie mit Gefühl zu küssen. Schließen Sie die Augen und fühlen Sie."

Seven schaute ihren Holo-Kußpartner eine Weile in die Augen, und dann tat sie das, was das MHN ihr geraten hatte. Sie fand es angenehm und prickelnd und merkte gar nicht, daß sie alles um sich herum vergaß. Als sie sich wieder von ihrem Partner löste fragte sie: "War das in Ordnung?"

Doch sie bekam keine Antwort. Verwundert drehte sie sich herum um zu sehen, warum der Doktor nicht geantwortet hatte. Sein Platz war leer. Seven drehte sich suchend herum aber das MHN war nirgends zu sehen. "Computer, Figur wieder löschen", sagte sie und der Mann verschwand. Jetzt trat der holografische Kellner an sie heran und sagte leise: "Madam, Ihr Begleiter bat mich Ihnen auszurichten, daß es ihm sehr leid täte aber er dringend gebraucht wurde und weg mußte. Sie sollen aber ruhig mit ihrem Freund den restlichen Abend genießen."

Dann räumte der Kellner den Tisch ab und Seven stand allein da. Sie hatte gar nicht gehört daß sich jemand beim Doktor gemeldet hatte... vielleicht war ich auch zu beschäftigt, überlegte sie und beschloß, später noch einmal auf der Krankenstation vorbeizuschauen und dem MHN für seinen Unterricht zu danken.

"Computer, Programm beenden." Das Restaurant verschwand, ebenfalls Sevens Abendkleid. Sie steckte ihre Haare wieder hoch und machte sich dann auf den Weg zu ihrem Quartier um sich dort noch selber mit einer Kochlektion zu beschäfigen.