Am nächsten Tag hatte Seven das merkwürdige Verhalten des Doktors schon wieder vergessen und machte sich fertig für das Treffen mit Harry Kim. Sie trug ihre Haare zu einem losen Pferdeschwanz gebunden und hatte sich für ein schlichtes Kleid entschieden. Pünktlich um 19 Uhr kam sie vor dem Holodeck an und als sie Harry sah, der Stielaugen bei ihrem Anblick bekam, machte sich bereits das erste Körnchen Zweifel in ihr breit. Doch sie ließ sich nichts anmerken und beide gingen auf's Holodeck.

Zwei Stunden später war Seven wieder in ihrem Quartier und zog sich um. Sie hatte nicht das geringste Interesse noch einmal mit Harry auszugehen. Der junge Ensign war albern, redete zuviel und unsinniges Zeug, hatte ihr dauernd in ihren Ausschnitt gestarrt und zum Ende war er sogar drauf und dran gewesen sie zu küssen. Da war es Seven dann zu viel geworden und sie kehrte wieder ganz in ihr Borg-Dasein zurück und sagte: "Ensign Kim, ich sehe nun, daß es eine Fehleinschätzung meinerseits war mit Ihnen auszugehen. Sie sind noch nicht reif genug. Bitte entschuldigen Sie mich jetzt, ich muß dringend regenerieren. Nutzen Sie ruhig das Programm weiter."

Damit hatte sie einen völlig verdatterten Harry mit offenem Mund stehenlassen, der kein Wort herausbrachte. Als sie die Holodecktüren hinter Seven schlossen, stand er immer noch in der Pose da.

Sie hoffte, daß es mit Commander Chakotay besser laufen würde.

Am nächsten Tag war es dann soweit. Chakotay und Seven trafen sich vor dem Holodeck und obwohl Seven diesmal noch attraktiver aussah mit ihrem langen Abendkleid und den offenen Haaren, bemerkte sie gleich den Unterschied zwischen Harry und Chakotay. Der erste Offizier staunte zwar über ihren Auftritt, machte ihr aber nur ein Kompliment und fragte dann: "Bereit?" und hielt ihr galant seinen Arm hin, damit sie Borg sich unterhaken konnte. Sie lächelte ihn an und haktel sich dann unter. Gemeinsam betraten sie das Holodeck. Chakotay staunte nicht schlecht, als er das Programm sah. Sie betraten einen riesigen Saal in dem vorne die Bühne stand wo Musiker schon ihre Instrumente aufbauten und hinter der Bühne - da blieb Chakotay wirklich einen Augenblick fasziniert stehen - war ein riesiges Fenster eingelassen, durch das er in das All blicken konnte. Es eine atemberaubende Kulisse.

"Seven", hauchte er ehrfürchtig. "Wo sind wir hier?"

Seven gestattete sich ein Lächeln und war zufrieden, daß ihre Wahl des Programmes so eine Reaktion bei ihm auslöste.

"Wir sind auf einem Vergnügungsschiff im Weltraum", erklärte sie dann. Chakotays Blick klebte immer noch an dem riesigen Panoramafenster. Seven fragte: "Sollen wir unsere Plätze einnehmen?"

Er riß sich von den Sternen los und meinte dann: "Oh, natürlich."

Sie suchten ihre Reihe mit den dazugehörigen Sitzplätzen und als sie sich hingesetzt hatten sagte Chakotay: "Das ist wirklich ein wunderschöner Konzertsaal, Seven. Sie haben einen ausgezeichneten Geschmack." Und mit einem Seitenblick auf sie fügte er leiser hinzu: "Und Sie sehen heute Abend einfach umwerfend aus."

Die Borg errötete leicht und sagte nur: "Vielen Dank, Commander. Ich freue mich, daß es Ihnen gefällt."

"Bitte, sagen Sie ruhig Chakotay. Wir sind schließlich nicht im Dienst."

"Sehr gerne, Chakotay." Seven schlug ein Bein über das andere und da sie sich eine Armlehne teilen mußten, berührte ihr Arm jetzt seinen. Chakotay spürte ein leichtes Kribbeln, er dachte sofort an die sanften Berührungen von Kathryn und beschloß, sie auf jeden Fall hierher mitzunehmen.

Dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Bühne, wo soeben eine exotisch aussehende Frau die Bühne betreten hatte und der Saal brach in Applaus aus. Seven und Chakotay klatscheten ebenfalls und als der Lärm verstummt war, begann das Konzert.

2 Stunden später saßen beide dann noch in einem kleinen Restaurant beisammen, das sich ebenfalls mit einem wundervollen Blick auf die Sterne auf dem Promenadendeck des Schiffes befand. Ein Gesprächsthema zu finden fiel diesmal sogar Seven nicht schwer, denn das Konzert bot genügend Gesprächsstoff.

Chakotay sagte gerade: "Dieses Stimmtimbre war einfach unglaublich", als er an die Sängerin dachte. "Und so einen weiten Tonumfang habe ich auch noch nicht gehört."

Seven, die für sich zugeben mußte selber von dem Gesang äußerst angetan gewesen war, konnte dem nur zustimmen.

"Selbst die vokalen Prozessoren der Borg erreichen nicht diese Vielfalt an Tönen und Ausdruckskraft. Es wäre auch höchst irrelevant in dem Bereich etwas außer Norm zu schaffen."

Chakotay stellte sich, als die das sagte, plötzlich einen Borgkubus vor, in dem tausende Drohnen ein Lied sangen. Er lachte auf.

"Habe ich etwas erheiterndes gesagt, Chakotay?" fragte Seven mit einer hochgezogenen Augenbraue.

Dieser beugte sich jetzt ein wenig über den Tisch zu ihr heran, legte dabei seine rechte Hand zum abstützen in ihren Eßbereich, sah ihr in die Augen und meinte dann in einem verschwörerischen Tonfall: "Ich stelle mir gerade die Borg als Sänger vor - bestimmt wären sie dann im Universum auch bekannt geworden, allerdings nicht gefürchtet."

Jetzt mußte auch Seven lachen. Es war ein heiteres und freies Lachen und dann legte sie ihre Hand auf die von Chakotay und fokussierte ihn regelrecht. Dieser Mann war der Richtige für sie.

Chakotay zog seine Hand zwar nicht zurück, aber er war überrascht von dieser Aktion. Er verharrte in der Position und dann sagte Seven leise: "Chakotay, ich habe Sie heute nicht nur als Begleitung eingeladen. Ich hoffte, es wäre ein Date. Ich finde Sie sehr attraktiv."

Chakotay starrte Seven völlig entgeistert an und diese wartete auf eine Reaktion.

"Chakotay!" ertönte plötzlich eine Stimme, die sowohl Chakotay als auch Seven herumfahren ließ.