Naomi hielt sich an die Anweisung des MHN's und nutzte die Gelegenheit um nachzudenken, was sie jetzt tun würde. Normalerweise hätte sie ein überhörtes Gespräch niemals weitererzählt, aber sie konnte es einfach nicht ertragen, daß der Doktor so geknickt war. Daher beschloß sie nach einigem Überlegen, einfach Seven etwas auszuhorchen. Sie hatte am nächsten Morgen eh eine Schicht in der Astrometrie, eine gute Gelegenheit für ein Gespräch. Natürlich würde sie kein Wort davon erwähnen, was sie gehört hatte. Nun ja, vielleicht nur ein kleines Detail. Vor allem aber mußte sie erst einmal abwarten, ob von Sevens Seite her Interesse für ihn da war.

Als sie dann am nächsten Morgen die Astrometrie betrat, war Seven schon da und arbeitete.

"Guten Morgen Seven", begrüßte sie Naomi freundlich.

"Naomi Wildman", erwiderte Seven den Gruß in ihrer typischen Borg Art.

"Was habe ich heute zu tun?"

Seven unterbrach ihre Arbeit und ging an eine andere Konsole. Die Darstellung auf dem großen Schirm änderte sich von der Übersicht des aktuellen Planetensystems zu einem Gasriesen, den Naomi schon einmal gesehen hatte, allerdings durch das Fenster. Die Voyager hatte ihn vor ca. einer Woche passiert.

"Wir haben diesen Gasriesen vor einer Woche passiert. Deine Aufgabe ist es, alle relevanten Daten auszulesen und den Gasriesen zu analysieren. Die nötigen Kriterien findest Du in der Datenbank."

Dann wandte sich Seven wieder ab um an ihrer eigenen Analyse weiterzuarbeiten.

Naomi seufzte leise und machte sich dann an die Arbeit.

Nach einer ganzen Weile des stillen Arbeitens frage Naomi unverfänglich: "Wie geht es Ihnen denn eigentlich jetzt, da Sie ein eigenes Quartier haben? Hatten Sie schon Besuch?"

Seven, die für irrelevante Konversationen eigentlich nichts übrig hatte nahm das als Gelegenheit, ihre menschlichen Fertigkeiten weiter zu verbessern. Daher antwortete sie: "Bisher hatte ich drei Besucher - Ensign Kim, Commander Chakotay und den Doktor."

"Und was haben die gesagt? Hat es Ihnen gefallen?"

"Ich denke schon. Der Doktor meinte, ich hätte einen guten Geschmack."

"Haben Sie ihn zum Abendessen eingeladen?" fragte Naomi vorsichtig weiter.

Seven hörte auf zu tippen und schaute das Mädchen jetzt an. "Ja", erwiderte sie skeptisch.

Naomi hatte nicht mit ihrer Arbeit aufgehört und deshalb auch nicht bemerkt, daß sie jetzt die volle Aufmerksamkeit von Seven hatte. Unschuldig fragte sie weiter: "Hatten sie beide ein Date?"

Jetzt war Sevens Argwohn komplett geweckt. "Naomi Wildman", sagte sie ernst, "was bezweckst Du mit diesen Fragen?" frage die direkt. Naomi merkte sofort, daß sie ertappt war. Sie biß sich auf die Unterlippe, drehte sich dann aber zu der Borg um.

"Nun ja, ich war gestern kurz auf der Krankenstation und... der Doktor schien mir etwas unglücklich zu sein und da dachte ich... naja, ich habe mitbekommen daß er bei Ihnen war..." Das junge Mädchen zuckte nun hilflos mit den Schultern.

Seven atmete einmal tief durch, dann beschloß sie, daß es nicht schaden könnte die Wahrheit zu sagen. "Ich habe ihn zu mir gebeten, das ist korrekt. Allerdings schien er kein Interesse daran zu haben, mit mir privat noch Zeit zu verbringen."

Naomis Herz klopfte. Sie hätte nie gedacht, daß Seven ihr so etwas erzählen würde. "Sind Sie sicher? Und was ist mit Ihnen? Würde Sie sich gerne weiterhin privat mit ihm treffen?"

Seven hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt und musterte Naomi durchdringend. Dann sagte sie: "Ich würde mich sehr über ein weiteres Treffen freuen, allerdings befürchte ich, daß ich aufgrund meiner Borgseite mich niemals als Mensch geben kann. Ich glaube, das schreckt viele Menschen ab."

Naomi konterte sofort: "Das stimmt nicht, Seven. Ich kenne keinen an Bord, der sie nicht mag."

Seven lächelte leicht und meinte dann: "Das habe ich auch nicht gemeint. Ich möchte gerne mehr als eine Freundschaft hier an Bord aufbauen. Ich möchte... " doch hier schwieg sie sich dann doch aus. Naomi hatte jedoch verstanden. "Sie möchten eine Beziehung?"

Seven hob eine Augenbraue. "Das ist korrekt. Aber es hat nicht geklappt. Der Doktor... er hat mir immer geholfen, aber ich glaube, er empfindet nicht das für mich, das ich ihm entgegenbringe. Er wollte mir vermutlich nur helfen, mich einzugliedern. Aber ich bin immer noch Borg."

Naomis Herz hüpfte. Es war scheinbar ein Mißverständnis zwischen den beiden. Sie dachte, er wolle keine Borg, er dachte, sie wolle kein Hologramm. Naomi lächelte und sagte dann: "Vielleicht denkt er ja dasselbe."

Seven zog die Augenbrauen zusammen und fragte: "Wie meinst Du das?"

"Naja, vielleicht denkt er ja, daß Sie kein Hologramm wollen."

"Das denke ich nicht. Er hat mein Quartier verlassen obwohl ich ihm singalisiert habe, daß ich Interesse an ihm hätte."

Naomi dachte nach. "Seven, glauben Sie mir, warum auch immer er verschwunden ist - es hatte einen anderen Grund. Einen Grund, den Sie vielleicht übersehen."

Seven kniff die Augen zusammen. "Woher willst Du das wissen?"

Das Mädchen öffnete und schloß den Mund mehrmals, aber sie wußte nicht, wie sie es erklären sollte ohne etwas auszuplaudern. Schließlich sah sie Seven eindringlich an und sagte nur: "Ich kann Ihnen nicht sagen, woher ich das weiß, aber es stimmt. Und wenn Sie beide eine Chance haben wollen, dann sollten Sie mit dem Doktor noch einmal reden. Und zwar Klartext. Sagen Sie ihm, was sie mir gesagt haben."

Damit drehte sich Naomi wieder um und tippte an ihrer Analyse weiter.

Seven stand perplex da und wußte nicht recht, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Als ein paar Minuten verstrichen waren, meinte Naomi noch einmal: "Am besten wäre es, wenn Sie ihn gleich aufsuchen. Ich passe solange hier auf."

Seven war es nicht gewohnt von Teenagern Anweisungen zu bekommen, aber die junge Halb-Kterianerin hatte ihr gerade vor Augen geführt, daß sie jetzt erwachsen wurde. Daher nickte Seven nur und sagte: "Ich bin bald wieder zurück."

"Lassen Sie sich Zeit, es gibt hier eh nichts weiter zu tun. Die Analyse lege ich Ihnen auf die Konsole wenn ich fertig bin."

Seven nickte noch einmal und verließ dann die Astrometrie.