Wunder
Zwei völlig gegensätzliche Gedanken waren es, die Beth zur selben Zeit in den Kopf schossen: ‚Renne um dein Leben' und ‚Gib ihm, was er braucht, bis es ihm wieder gut geht' – Selbsterhaltungstrieb gegen Fürsorge. Mick nahm ihr die Entscheidung ab, denn in dem Moment, in dem der Vampir mit einer Kraft, die sie ihm in diesem Zustand nicht zugetraut hatte, aus seiner Ecke hervor schoss, um sich mit entblößten Reißzähnen auf sie zu stürzen, war der Fluchtinstinkt in ihr stärker als jedes andere Gefühl und sie warf sich blitzschnell auf dem Bett herum. Doch blitzschnell war nicht schnell genug. Sie stieß einen panischen Schrei aus, als er sie dennoch zu packen bekam und auf den Rücken warf und stemmte reflexartig ihre Hände gegen seinen Oberkörper, der sofort über ihr war. Sein Gebiss schnappte ins Leere, jedoch so dicht an ihrer Halsschlagader vorbei, dass sie ihren Kopf in Panik zur Seite warf. Ein ungeduldiges Grollen drang aus seiner Kehle und fand seine Antwort in einem lauten, wütenden Knurren aus einer ganz anderen Richtung.
Dennoch stieß Micks Kopf wieder zu ihr hinab und der Druck gegen Beth Hände war so enorm, dass sie ihm nicht länger standhalten konnte. Ihre Arme gaben nach und sie fühlte für einen kurzen Moment seinen keuchenden Atem und die Enden seiner spitzen Zähne auf ihrer Haut. Dann wurde er plötzlich herumgeworfen und landete seinerseits auf dem Rücken, während sich Josef, der scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war, über ihn warf und versuchte seine Arme zu packen. Beth drehte sich schnell und brachte mit wild schlagendem Herzen Abstand zwischen sich und Mick, der sich mit aller Macht gegen Josef zur Wehr setzte.
„Mick! Mick! Komm zu dir!" brachte Josef mühsam beherrscht hervor und schrie im nächsten Augenblick schmerzerfüllt auf, weil sein Freund wie tollwütig seine Zähne in seinen Unterarm schlug, ihm eine tiefe, blutende Wunde zufügend. Josef fuhr schockiert zurück und fast gelang es der Bestie in Mick, sich gänzlich von ihm zu befreien. Er drehte sich zur Seite und streckte seine Arme nach Beth aus, verfehlte ihr Bein nur um Millimeter. Doch dieses Mal wich sie nicht zurück. Sie starrte ihn nur an, mit weit aufgerissenen Augen und rasendem Puls, und wusste nicht genau, was sie tun sollte. Ihr war der schmerzhafte Hunger in seinen Augen nicht entgangen, die Not und Verzweiflung, aber Mick hatte sich noch nie so verhalten und sie war sich sicher, dass er sie getötet hätte, wäre Josef nicht gekommen – Josef, der nun erneut wieder über Mick war und versuchte ihn festzuhalten, ohne dabei selbst noch einmal verletzt zu werden. Mick war völlig außer Kontrolle. Er biss und schlug um sich und schien gar nicht zu bemerken, dass er von Freunden umgeben war, die ihm nur helfen wollten. Er war wie ein wildes Tier, das halb wahnsinnig vor Hunger war und aus Angst vor dem Tod, alle Kräfte mobilisierte, die es noch besaß, nur um an sein Ziel zu kommen. Und vielleicht hatte Mick Recht. Natürlich brauchte er Blut, um sich regenerieren zu können, und er war der Einzige, der genau wusste, wie es in seinem Körper aussah, der wusste, wie viel Zeit er hatte und was er wann genau brauchte.
Josef hatte Mick nun endlich im Griff, hielt ihn mit beiden Armen unten und sah ihn besorgt an, während Mick erneut zu ihr hinüber gierte, die Fänge entblößt und schwer atmend. Mit Erschrecken musste sie feststellen, dass sich das Weiß seiner Augen in ein intensives Gelb verwandelt hatte. Ihr musste niemand sagen, dass dies ein alarmierendes Zeichen war und die Besorgnis in Josefs Augen wuchs mit jeder Sekunde, die verstrich.
Beth konnte nicht anders. Sie kroch wieder näher heran und sofort begann sich Mick wieder gegen Josefs festen Griff zu wehren, versuchte, ihm zu entkommen, um endlich an seine Nahrung zu gelangen.
„Bleib, wo du bist!" fuhr Josef sie an und der harte Ton ließ sie tatsächlich inne halten. Im selben Moment stürmte Kendlroe ins Zimmer, nur mit Hose und offenem Hemd bekleidet, da er wohl ein Nickerchen in einem der Kühlschränke im Keller gemacht hatte. Irgendwie musste er dennoch den Tumult in den oberen Räumen bemerkt haben. Er glaubte wohl kaum seinen Augen zu trauen, bei dem Bild, das sich ihm bot.
„Wir brauchen Blut!" rief Josef ihm zu. „Schnell!! So viel, wie du tragen kannst!"
Kendlroe verschwand sofort, ohne weitere Fragen zu stellen, und Beth rutschte erneut näher, krempelte sich unter dem fiebrigen Blick Micks einen Ärmel hoch.
„Bist du verrückt!" fuhr Josef sie erneut an und hatte nun sichtlich Schwierigkeiten, Mick weiterhin unten zu halten. „Er wird dich umbringen! Er ist völlig ausgehungert!"
„Dann musst du halt aufpassen", gab sie knapp zurück und ehe er etwas dagegen tun konnte, hatte sie ihren Arm schon vorgestreckt. Micks Kopf schnellte vor und seine Zähne durchbohrten ihre Haut wie feines Papier, fuhren tief in ihr Fleisch, bis hinein in die heftig pulsierende Ader. Es war schmerzhaft, wirklich schmerzhaft – ganz anders als der Biss in ihrer Liebesnacht und Mick sog mit solcher Gier ihr Blut in sich hinein, dass sie es langsam mit der Angst zu tun bekam. Sie hatte ihm zwar schon einmal mit ihrem Blut das Leben gerettet, aber auch damals in der Wüste, war er nicht so ausgezehrt, so durstig gewesen wie jetzt. Doch es gab kein Zurück mehr. Er brauchte das, brauchte ihren Lebenssaft, um seinen Körper wieder heilen zu können, um endlich gesund zu werden. Nur das war wichtig, nur das zählte in diesem Moment. Josef schien dasselbe zu denken, denn er griff nicht ein, sondern wartete mit angespannter Miene und ließ weder sie noch Mick aus den Augen. Und irgendwie beruhigte sie seine Gegenwart wieder und machte es möglich, dass sie sich wenigstens etwas entspannte und das betäubende Sekret, dass durch den Biss in ihre Blutbahn geriet, seine Wirkung entfalten konnte. Ganz langsam wurde ihr schwummerig vor Augen, wurden ihre Glieder schwerer und ihr Körper zittriger.
„Okay, das genügt", hörte sie Josef nach einer Weile wie aus weiter Entfernung sagen, doch sie schüttelte den Kopf. Sie konnte Micks Hunger noch immer fühlen, spürte, dass er noch sehr viel mehr Blut brauchte. Aber Josef ließ das nicht zu. Er packte ihren Arm und drückte Mick zurück, sodass seine Fänge sich automatisch aus ihrem Arm lösten, auch wenn er sich dagegen wehrte. Doch seine Kräfte waren trotz der Blutzufuhr nicht stärker geworden, ganz im Gegenteil, er wirkte erschöpfter und müder als zuvor, das bekam sogar Beth in ihrer eigenen Müdigkeit mit.
„Er braucht mehr", stieß sie matt hervor und hob schon wieder ihren Arm, doch Josef schob sie verärgert zurück.
„Du hast in den letzten 24 Stunden mehr als genug Blut gespendet", sagte er fest. „Wenn du weiter machst, bist du die nächste, die ich ins Krankenhaus bringen kann."
Jetzt erst registrierte Beth, dass Kendlroe bereits mit einigen Blutkonserven zurückgekehrt war und nun eine ziemlich große Spritze damit aufzog, die er Mick ohne Umschweife in den Arm stieß. Ein wütendes Fauchen drang über Micks Lippen, und er machte einen Ansatz, seinen Arm wegzuziehen, aber die Kraft, gegen zwei andere Vampire anzukommen, hatte er längst nicht mehr. Josef studierte besorgt sein Gesicht. „Irgendwas stimmt nicht", murmelte er und schloss kurz die Augen, konzentrierte sich auf etwas, das ihren eigenen Sinnen entging. Beth wusste nicht genau, was er damit herauszufinden versuchte, aber der Blick, den er danach mit Kendlroe austauschte, ließ ihren Magen eine kleine Umdrehung machen.
„Das kann nicht sein!" stieß Josef ungläubig aus und seine Augen weiteten sich, als Micks Lider plötzlich zufielen und sein Kopf zur Seite sackte.
„Mick!" rief er erregt und nahm sein Gesicht zwischen die Hände, tätschelte seine Wange, schüttelte ihn. „Mick! Bleib hier! Tu das nicht!"
Tatsächlich schlug Mick die Augen wieder auf, nur waren sie längst nicht mehr so hell wie zuvor. Kendlroe zog hastig eine weitere Spritze auf und führte so Mick weiter Blut zu, aber es half nicht wirklich. Erneut schlossen sich die Augen ihres Freundes und dieses Mal schien auch jegliche Spannung aus seinem Körper zu weichen. Beth merkte, dass sie fast zur selben Zeit die Luft anhielt wie Josef, denn für einen Moment blieb Mick ganz still liegen – zu still. Doch dann hob sich sein Brustkorb wieder und er begann zu atmen, schnell und flach.
Beth sah verwirrt von Mick zu Josef und musste feststellen, dass dieser einfach nur wie erstarrt da saß. Sein Blick haftete auf Mick und in seine Augen stand Erschütterung und tiefste Verwirrung geschrieben. Ganz ähnlich sah auch Dr. Kendlroe aus und Beth verstand gar nichts mehr.
„Das… das… kann nicht…", Josef schluckte schwer, „… kann nicht sein. Das ist unmöglich…"
Er stand auf, fuhr sich mit der Hand fahrig durch das Haar und ging ein paar Schritte von Mick weg, nur um dann umso schneller wieder an ihn heran zu treten und ihn erneut völlig aufgelöst anzustarren.
Beth rutschte dicht an Mick heran, ohne auch nur von irgendjemandem daran gehindert zu werden, und berührte seine Wange. Fast wäre sie erschrocken zurückgezuckt. Sie war erneut sehr warm… zu warm für einen Vampir. Aber das konnte nicht sein…
Sie suchte Josefs Blick, doch der war immer noch nicht wirklich ansprechbar. Er hatte beide Hände vor seinen Mund gehoben und strich sich fast grob mit den Zeigefingern über den Nasenrücken, während seine Augen immer wieder ungläubig über Micks Körper wanderten.
Beth nahm eine Bewegung neben sich wahr, während ihre eigenen Gedanken Purzelbäume schlugen. Der Doktor war aus seiner Starre erwacht und beugte sich über Mick. Er wirkte furchtbar angespannt, als seine Finger vorsichtig sein Hemd so weit hoch schoben, dass er einen Blick auf die mit Wundpflastern abgedeckten Operationsnarben werfen konnte. Durch zwei davon war frisches Blut gesickert. Beth schluckte schwer, als der Arzt sich einer dieser Wunden zuwandte und mit großer Vorsicht begann, das Klebeband von Micks Haut zu lösen, mit dem die Ärzte im Krankenhaus die Kompressen auf seinen Wunden befestigt hatten.
Doch nun konnte sie nicht mehr an sich halten. „Ist er… ist er wieder…", begann sie, konnte aber nicht weitersprechen, weil der Gedanke so absurd war.
„… ein Mensch, ja", nahm Kendlroe ihr die Worte aus dem Mund und sie glaubte, dass ihr Herzschlag wirklich für einen Moment aussetzte. „Und das ist eigentlich nicht möglich", setzte er hinzu und hatte nun das Pflaster abgelöst. Die frische Narbe darunter sah erstaunlich gut aus. Sie war wiedererwartend völlig intakt und schien sogar zu heilen. Zu heilen? Nach weniger als 24 Stunden?
Kendlroe schüttelte fasziniert den Kopf und sah dann zu Josef auf, der, unbemerkt von Beth, dicht an sie heran getreten war, und große Schwierigkeiten hatte, zu glauben, was sich ihnen hier offenbarte.
„Siehst du das?" fragte sein Freund und hielt die blutige Kompresse hoch. „Das ist noch feucht! Aber der Riss ist schon halbwegs verheilt. Hier – da kannst du ihn sehen!"
Er wies auf eine feine, verschorfte Linie, die an der Narbe entlang verlief.
„Dann… dann hat es also genügt?" brachte Josef nun doch hoffnungsvoll hervor.
„Genau kann ich das noch nicht sagen", meinte der Arzt und griff hinter sich, um das Stethoskop, das auf dem Nachttisch lag, zu ergreifen. „Aber auf jeden Fall atmet er selbstständig und wirkt relativ stabil – was wir vorher nun wirklich nicht behaupten konnten."
Er begann Micks Brust sorgfältig abzuhören und nickte dann. „Das klingt zwar immer noch nicht optimal, aber auf jeden Fall besser als zuvor. Er hat immer noch ein wenig Fieber, was bedeutet, dass die Infektionen noch nicht völlig verschwunden sind."
„Aber er wird nicht sterben", schloss Josef und sah seinen Freund hoffnungsvoll an.
Der schenkte ihm ein mildes Lächeln. „Im Moment sieht es nicht danach aus – nein."
Beths Herz machte einen kleinen Sprung. Sie fasste sich an die Brust und stieß einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, während sich Josef erneut, doch dieses Mal mit großer Erleichterung, mit einer Hand durch das Haar fuhr und tief ausatmete.
„Und was… was hat das jetzt alles zu bedeuten?" wandte sich Beth mit großen Augen an den Arzt.
Kendlroe runzelte seine Stirn, bemüht darum, seine Gedanken in Worte zu fassen, die auch ein Laie verstehen konnte.
„So wie es aussieht, ist unser Freund hier sowohl Vampir als auch Mensch", erklärte er so ruhig wie möglich und Josef stieß ein etwas ungläubiges Lachen aus.
„Was nicht möglich ist", setzte Kendlroe hinzu.
„Wieso?" wollte Beth wissen.
„Weil der Stoffwechsel eines Vampirs und der eines Menschen nicht kompatibel sind", erklärte Kendlroe geduldig, während er nun auch die anderen Wundpflaster von Micks sich rasch hebenden und senkenden Oberkörper löste. „Es gibt nur ein ‚entweder - oder'. Der Vampir wird den Menschen immer töten. Es gibt Stoffe und Hormone im Blut des Vampirs, die enorme Veränderungen in der Zellstruktur und im Stoffwechsel eines Menschen bewirken – wir nennen das ‚Verwandeln', aber im Grunde genommen ist es eher wie eine schwere Krankheit…", Josef gab ein missbilligendes Brummen von sich, „…, die dich zwar nicht wirklich tötet, aber irreparable Schäden in deinem Körper hervorruft. Das Individuum bleibt in vielen Fällen dabei lebensfähig, muss sich aber erst an diesen neuen Körper und die damit zusammenhängenden neuen Verhaltensweisen gewöhnen. In den ersten Wochen ist es besonders schwierig und es gab auch schon Fälle, bei denen die betroffenen Personen erst später verschieden sind, weil ihr Köper mit den Veränderungen nicht klar gekommen ist. Bisher war es nicht möglich diesen Prozess wieder rückgängig zu machen…"
Beth hatte in ihrem dämmerigen Zustand Schwierigkeiten, seiner Erklärung zu folgen, wirklich zu verarbeiten, was er ihr da erzählte, dennoch wurde sie bei diesen Worten hellhörig. „Heißt das, dass es schon immer Vampire gab, die das wollten? Wieder zu Menschen werden, meine ich."
„Mehr oder weniger", gab Kendlroe widerwillig zu. Auch er schien einer dieser Vampire zu sein, der mit seinem dunklen Schicksal zufrieden war. „Das Vampirdasein hat einige Vorteile, auf die die meisten natürlich nicht verzichten wollten. Aber das Interesse beides miteinander zu kombinieren, die Vorteile des menschlichen Seins mit denen des vampirischen Lebens, war natürlich auch auf unserer Seite schon immer vorhanden."
„Freaks gibt es anscheinend überall", knurrte Josef und ließ sich mit einem Seufzen auf dem Fußende des Bettes nieder. Sein Blick wanderte zum wiederholten Male über Micks Gestalt und für einen Moment machte er den Eindruck, ein besorgten Vater am Bett seines kranken Kindes zu sein.
„Als Josef mir von diesem Heilmittel erzählte, das angeblich aus Vampiren wieder Menschen machen kann, war ich geschockt und gleichzeitig unglaublich neugierig", fuhr Kendlroe fort. „Ich konnte es kaum glauben und wollte es unbedingt sehen, aber er konnte mir nichts davon bringen…"
„Du hast ihm davon erzählt?" Beth warf Josef einen erstaunten Blick zu. „Ich dachte, du wolltest damit möglichst nichts zu tun haben."
„Ich habe mir Sorgen gemacht, okay", verteidigte sich Josef schnell. „Mick hat sich darauf gestürzt, als wäre es sein Seelenheil schlechthin – ohne es vorher untersuchen zu lassen und sich zu vergewissern, dass es ihn nicht umbringt. Typisch Mick eben! Ich wollte nur möglichen Gefahren vorbeugen."
„Ich hab' es ohnehin nicht wirklich glauben können", warf Kendlroe ein. „Bis ich gestern Mick gesehen habe… und das jetzt…" Sein Blick glitt wieder fassungslos über Micks Körper. „Zu glauben, dass es ein Mittel gibt, das vorübergehend einen Vampir wieder zum Menschen macht, war ja schon schwierig, aber das hier…"
„… das ist noch etwas ganz anderes", fügte Josef leise und sehr nachdenklich hinzu. Er sah nicht gerade danach aus, als würde er sich über dieses Wunder freuen. Viel eher schien es ihm Angst zu machen und seine Sorgen um Mick wieder zu verstärken, denn er biss sich vor Anspannung auf die Unterlippe und strahlte mit seiner ganzen Körperhaltung eine Unsicherheit aus, die für einen Menschen seines Kalibers völlig untypisch war. Beth war wirklich irritiert.
„Wieso ist das so anders?" fragte sie geradeheraus.
„Weil es danach aussieht, als ob…" Kendlroe brach ab, versuchte seine Gedanken zu sortieren, doch Josef kam ihm zur Hilfe. „… als ob er zwischen den verschiedenen Zuständen hin und her wechseln könnte?"
„Ja", stieß Kendlroe beeindruckt hervor. „Und ich verstehe nicht, wie das funktionieren kann."
Für einen Moment legte sich eine tiefe, nachdenkliche Stille über alle. Wunder waren manchmal schwer zu begreifen, vor allem, wenn sie so unerwartet kamen. Beth betrachtete Micks schmales Gesicht, die tiefen Ringe unter seinen Augen, die spröden Lippen und ein dumpfes, ungutes Gefühl schlich sich in ihr Unterbewusstsein ein. Selbst wenn es ein Wunder war – gut ging es ihm damit nicht. Wenn alles so prima funktionierte, warum war er dann so abgemagert und ausgezehrt?
„Und wenn es nicht wirklich funktioniert?" sprach sie schließlich die Ängste aus, die sich langsam deutlich in ihr ausbreiteten. Beide Männer sahen sie alarmiert an. Zumindest Kendlroe hatte daran in all der Aufregung über diese Sensation wohl noch gar nicht gedacht. Josef hingegen fühlte sich wohl in seinen düsteren Gedanken bestätigt. Er sah für einen Moment so unglücklich aus, dass sie zögerte weiterzusprechen. Aber es musste raus, musste unbedingt angesprochen werden.
„Ich meine, er sieht nicht wirklich gut aus, oder?" fuhr sie mit Unbehagen fort und wandte sich mit ihren Sorgen direkt an den Arzt. „Und zwar nicht erst seit gestern Nacht. Wir… wir wissen ja gar nicht an welchem Punkt der Forschung wir Mick gerettet haben. Vielleicht befindet er sich ja noch in einem Entwicklungsstadium, in dem er ganz andere medizinische Hilfen braucht."
„Das kann durchaus sein", lenkte Kendlroe ein, „aber momentan sieht es so aus, als würde er sich langsam erholen, also denke ich schon, dass er irgendwie mit seinen beiden Seiten klar kommt – zumindest hoffe ich das."
„Wir sollten ihn trotzdem nicht aus den Augen lassen", wandte nun auch Josef ein. „Und wir sollten unsere Vorräte an Blut aufstocken. Wer weiß schon, wann er sich wieder verwandelt… Logan wollte bald hier auftauchen. Ich sag' ihm er soll noch was mitbringen."
Beths Blick wanderte wieder zu Mick, glitt über seine Lippen und sie verspürte sofort ein unangenehmes Kribbeln in ihrem immer noch etwas schmerzenden Handgelenk. Auch wenn sie ihm sofort wieder ihr Blut zur Verfügung stellen würde, wohl fühlte sie sich bei dieser Vorstellung nicht.
Es war schon eigenartig, wie man begann, die Dinge mit anderen Augen zu sehen, wenn man erst einmal in eine Situation geraten war, in der man von ihnen abhängig war. Blut schmeckte, plötzlich um so vieles besser, war so viel kostbarer und reiner, seit es Mick das Leben gerettet hatte – selbst dieses abgepackte, eingelagerte, durchschnittliche Null positiv, das ich mir soeben in ein Glas gegossen hatte und nun genüsslich auf der Zunge zergehen ließ.
Zum ersten Mal seit Stunden konnte ich mich wieder ein wenig entspannen und meinen eigenen Hunger stillen. Mick zuzusehen, wie er an Beth saugte, war die reinste Qual gewesen, gerade weil sie auch noch einen so seltenen und damit umso köstlicheren Bluttyp besaß. Normalerweise hatte es mir bisher immer selbst große Lust bereitet, diesem viel zu seltenen Schauspiel in Micks Leben beizuwohnen, jedoch war ich dabei meist selbst gut versorgt gewesen und hatte nicht gezwungenermaßen Diät halten müssen.
Aber ich hatte es ertragen können, hatte dieses Blut doch meinem Freund wieder die nötige Kraft gegeben, um weiter zu leben oder zumindest weiterzukämpfen, denn ein ganz dummes Gefühl tief in meinem Inneren sagte mir, dass noch längst nicht alle Gefahren überwunden, alle Ängste ausgestanden waren. Dazu war Vieles einfach zu unklar und mysteriös. Uns fehlten zu viele Informationen, um wirklich die nächsten Schritte um Mick herum planen zu können. Wenn tatsächlich etwas Überraschendes passierte, mussten wir erneut improvisieren und beten, dass uns das Glück nicht verließ. Und das hasste ich.
Ich spürte, dass August aus dem Flur in die Wohnküche kam, noch bevor ich seine Gestalt aus dem Augenwinkel erfasste und wandte mich stirnrunzelnd zu ihm um.
„Du sollst sie doch nicht mit ihm allein lassen", erinnerte ich ihn und er hob in einer beruhigenden Geste die Hände.
„Es geht ihm momentan ganz gut", erklärte er schnell. „Sein Puls ist ein wenig zu schnell und seine Körpertemperatur zu hoch, aber ich denke nicht, dass das ausreicht, um ihn dazu zu bringen, sich wieder zu verwandeln."
Ich nickte. Also, war August auch schon der Gedanke gekommen, dass der Vampir genau dann erschien, wenn der Mensch zu schwach wurde, um sie beide am Leben zu halten. Solange dieser aber mit allem einigermaßen klar kam, verhielt er sich still. Die Frage war nur: Warum?
„Dennoch müssen wir uns unbedingt über das alles unterhalten", setzte August hinzu und sah mich ernst an. „Die Zeit drängt."
„Ich weiß", sagte ich leise und atmete tief durch, um mich selbst auf die sicherlich nicht sonderlich guten Nachrichten vorzubereiten.
August trat an den Kühlschrank heran und nahm sich nun ebenfalls eine Packung Null positiv heraus, die ich für alle Mithelfer frei gegeben hatte. „Die Kleine hat schon irgendwie Recht", begann er, während er das Blut in ein Glas aus dem altmodischen Hängeschrank über uns füllte. „Wir dürfen nicht allzu euphorisch sein, was Micks Wunderzustand angeht. Ich gebe es ungern zu, aber ich habe wirklich keine Ahnung, wie die das hingekriegt haben und - was noch schlimmer ist – was sie da überhaupt auf Kosten welcher Nebenwirkungen erreicht haben. Diese raschen Wechsel zwischen dem menschlichen und dem Vampirstoffwechsel kann auf Dauer nicht gesund sein. Früher oder später wird sein Körper irgendwie darauf reagieren…"
„Haben dir die Unterlagen, die ich dir gegeben habe, nichts gebracht?" fragte ich etwas enttäuscht.
„Nicht wirklich", gab August zu und nahm einen großen Schluck Blut. „Die haben das nicht ohne Grund so knapp und unleserlich verfasst. Ein paar Dinge bekomme ich zusammen, aber Vieles bleibt auch mir verborgen. Und ausgerechnet in Micks Akte fehlen einige Seiten."
Ich biss die Zähne so fest zusammen, dass ein leises Knirschen ertönte. „Peterson", knurrte ich und der Hass gegen diesen Mann glühte von Neuem auf.
„Genau den brauche ich", meinte August und nach einem kurzen Moment fiel mir auf, dass er keinen Scherz gemacht hatte.
„Lebend?" fragte ich dennoch hoffnungsvoll.
„Tot nützt er uns und vor allem Mick nichts", war die traurige Antwort. „Er ist der Einzige, der uns erklären kann, was mit Mick los ist, und wie wir mit ihm umgehen müssen. Momentan weiß ich noch nicht einmal, ob er normales Fieber hat, oder ob der Vampir in ihm wieder Blut braucht. Ich weiß nur, dass seine Temperatur nicht in Ordnung ist. So bin ich keine Hilfe!"
Ich starrte ausdruckslos in das tiefe Rot des Blutes in meinem Glas und fühlte mich mit einem Mal gar nicht mehr gut. Natürlich hatte ich Logan und die anderen weiter nach Peterson suchen lassen, aber dass die Zeit bezüglich dieser Suche so drängte, war mir nicht klar gewesen. Alles, was mich dazu bewegt hatte, den Mann zu suchen, war der Gedanke an Rache gewesen und nun bekam das Ganze eine ganz andere, viel wichtigere Dimension. Peterson hatte gewusst, dass wir ihn brauchen würden. ‚Sie machen einen Fehler', hatte er gesagt und langsam verstand ich, was er damit gemeint hatte. Es machte mich furchtbar wütend, denn ich wusste, dass ich meine Rache für längere Zeit aufschieben musste.
„Ich brauche ihn – möglichst sofort!" betonte August noch einmal und ich spürte, wie sich meine Wut auch gegen ihn richtete.
„Und wie soll ich das machen?!" knurrte ich. „Glaubst du, Peterson ruft von sich aus hier an und sagt mir, wo er ist?"
„Nein, aber ich hab durch das Fenster in Micks Zimmer gesehen, dass Logan vor ein paar Minuten endlich angekommen ist", erklärte er immer noch ruhig, obwohl ich spüren konnte, dass ihn mein Ton ärgerte. „Vielleicht kannst du ihn ein bisschen antreiben und ihm sagen, dass er sich nur auf die Suche nach Peterson konzentrieren soll."
„Das wollte ich so und so", gab ich gereizt zurück und im selben Moment hörte ich Logan die Treppe aus dem Keller hinauf stapfen, in dem er sich gerade häuslich einrichtete. „Aber du kannst es ihm auch gerne selbst sagen…"
Logan fiel es gar nicht auf, dass wir ihn beide anstarrten, als er die Küche betrat, und er gab sich auch gar nicht die Mühe, August zu begrüßen. Mich hatte er bei seinem Eintreffen mit seiner Jammerei über dieses ‚Loch, das sich Farm schimpft' so genervt, dass ich ihm tatsächlich einen hundert Dollar-Schein in die gierigen Klauen gedrückt hatte, nur damit er für eine Weile seine Klappe hielt und sich möglichst in den Keller verzog. Anscheinend reichte die Bezahlung nur für eine halbe Stunde und das ‚Bleib mir vom Hals, solange es geht' war schon wieder vergessen. Stattdessen riss er nun schlecht gelaunt die Kühlschranktür auf und wühlte in den Blutkonserven herum. Er bedachte mich mit einem empörten Blick als ich ihm wortlos eine Packung AB positiv aus der Hand nahm und gegen eine Packung Null positiv austauschte.
„Geiz ist keine Tugend", maulte er und ließ meinen drohenden Blick an sich abprallen, indem er nur die Schultern zuckte und einfach in die Packung biss. Ich schüttelte innerlich den Kopf. Benehmen und Stil, waren wohl Begriffe, die in Logans Leben keine Rolle spielten.
„Mann, das waren zwei Tage", seufzte er schließlich, als er seinen Durst gestillt hatte und sah uns beide abwechselnd an. „Chaos ohne Ende… wirklich."
„Hast du alles aufgebaut?" fragte ich ungeduldig, um zu verhindern, dass er wieder mit dem Jammern anfing.
Logan seufzte wie ein misshandeltes Riesenbaby. „Ja, Chef, zum größten Teil, aber ich weiß wirklich nicht genau, ob der Generator hier genug Saft hat, um alle elektronischen Geräte ausreichend zu versorgen." Und wie zur Bestätigung seiner Worte flackerte das Licht der Lampe plötzlich hektisch. Ich gab es zwar ungern zu, aber der Gedanke machte mir ein wenig Angst. Mit demselben Generator wurden auch alle Kühlschränke und medizinischen Geräte betrieben.
„Kann man den vielleicht ein wenig unterstützen?" hakte ich sofort nach.
„Seh' ich aus wie ein Elektriker?" war die empörte Antwort.
„Du kennst bestimmt jemanden", meinte ich streng. „Ruf den an und hol ihn her! Jetzt!"
Probleme über Probleme. Wie sollte das alles nur weitergehen? Aber wenigstens reagierte Logan sofort und griff zu seinem Handy. Erneut flackerte das Licht und ich packte Logan am Arm. „Verschieb das!" sagte ich schnell, meinen Blick besorgt auf die unruhige Küchenlampe heftend. „Geh runter und schalte deine Geräte aus…"
Der Gedanke war gut und richtig, nur kam er zu spät. Einmal noch zuckte das Licht, dann warf die Dunkelheit ihren Schatten über uns alle.
„Hat sich ja wohl dann erledigt", war Logans geistreicher Kommentar und ich stieß ihm mit aller Kraft meinen Ellenbogen in die Seite. Ihm entfuhr ein entrüsteter Schmerzenslaut, aber er wagte es nicht sich zu beschweren. Dazu war die Situation zu ernst.
„So, dann rufst du deinen Freund jetzt doch an", kommandierte ich und Logan gehorchte, ohne zu murren. „Wir brauchen unbedingt unsere Kühlschränke! Kommt Mick auch ohne Geräte klar?" Mein Blick suchte den Augusts und zu meiner Erleichterung nickte er.
„Momentan ist das kein Problem", meinte er. „Aber das sollte schnellstmöglich wieder repariert werden!"
„Josef?!" Das war Beth beunruhigte Stimme, die aus dem Flur zu uns rüber schallte. Für sie war das alles wahrscheinlich noch viel beängstigender. Im Gegensatz zu uns Vampiren, konnte sie nämlich tatsächlich nur noch sehr wenig sehen.
„Ich bin hier", rief ich ihr zu und lief ihr entgegen, gefolgt von August. „Das ist nur ein Stromausfall."
„Schlimm?" Sie tastete sich durch den Flur auf uns zu und blieb stehen, als sie unsere Umrisse im Mondlicht, das durch eines der Zimmer in den Flur fiel, erfassen konnte.
„Ich denke, das kriegen wir bald wieder hin", brachte ich mit mehr Optimismus hervor, als ich eigentlich besaß. Aber sie hörte mir gar nicht richtig zu, sondern hielt sich nur verkrampft an ihrem Handy fest.
„Du wirst es nicht glauben", sagte sie, nachdem sie ein paar Mal tief durchgeatmet hatte. „Diana hat mich gerade angerufen…"
„Die Studentin?" hakte ich nach und sie nickte rasch.
„Sie… sie meinte, sie müsse mich dringend treffen", berichtete Beth. „Es ginge um Peterson und Mick. Sie hätte Informationen, die ungemein wichtig wären."
„Und sie konnte dir nicht am Telefon sagen, worum es genau geht?" hakte ich misstrauisch nach.
„Nein, ich… ich glaube, sie hatte furchtbare Angst", gab Beth beunruhigt zurück. „Sie klang so angespannt und sie sagte, ich solle niemandem davon erzählen, und hat, nachdem sie mir den Treffpunkt durchgegeben hat, gleich aufgelegt, ohne auf eine wirkliche Zusage von mir zu warten."
„Das ist eine Falle", sprach August den Gedanken aus, der mir auch schon gekommen war. „Da steckt bestimmt die Legion dahinter."
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und starrte für einen Moment nachdenklich den dreckigen Teppich an, der im Flur ausgelegt war. Dann suchte ich erneut Beths Blick. „Sie sagte, sie hätte Informationen über Peterson und Mick?"
Sie nickte. „Und zwar sehr, sehr wichtige. Wenn ich wissen wolle, was mit ihm passiert ist, müsse ich sie unbedingt treffen."
Ich kratzte mich gedankenverloren an der Schläfe und schüttelte dann den Kopf. „Das ist nicht die Legion", stellte ich für mich fest, und war mir dabei wirklich sicher. „Die wissen genau, dass Mick bei uns ist, und würden nicht versuchen, uns mit so einem Vorwand anzulocken. Da kann nur jemand dahinterstecken, der nicht genau weiß, was mit Mick während des Kampfes passiert ist und ob er noch lebt. Jemand der dich nicht gesehen hat und von daher nicht weiß, dass du zu uns gehörst…"
„Peterson", entfuhr es Beth erstaunt. „Natürlich! Das würde auch erklären, warum sie so angespannt war. Wenn er zu ihr gekommen ist und ihr erzählt hat, dass man ihm nach dem Leben trachtet, hat sie jetzt natürlich fürchterliche Angst."
„Zu Recht", gab ich zurück. „Die Legion hat ihre Augen und Ohren überall. Und dass ein Teil von denen vor uns in der Universität war, kann eigentlich nur bedeuten, dass es in Dianas Umfeld irgendwo eine undichte Stelle gibt. Schließlich war sie es, die uns den Tipp mit dem stillgelegten Flügel gegeben hat."
Beths Augen wurden gleich ein ganzes Stück größer. „Oh, mein Gott! Dann ist sie wirklich in Gefahr!"
„Nicht solange sie macht, was Peterson ihr sagt."
„Heißt das, er will sich eigentlich mit mir treffen?" entfuhr es Beth erstaunt.
„Schon möglich", meinte ich und der Gedanke allein sorgte schon für einen enormen Adrenalinschub in meinen Adern. „Vielleicht erhofft er sich, dass du ihm irgendwie helfen kannst… Was auch immer, wir müssen auf jeden Fall dort hin!"
„Wir?" hakte Beth stirnrunzelnd nach.
„Glaubst du, ich lasse dich alleine gehen?" fragte ich empört zurück.
„Nein, ich…" Sie warf einen Blick hinter sich, in die Richtung, in der Micks Zimmer lag und jetzt erst verstand ich, worum es ihr ging. „Ich dachte eigentlich, du könntest an meiner Stelle hingehen…"
Ich sah sie streng an und schüttelte den Kopf. „Du bleibst auf keinen Fall hier – nicht solange ich nicht genau weiß, ob Mick wieder zu diesem unkontrollierten…" Ich brach ab, weil mir ein Wort im Kopf herum schwirrte, das ich auf keinen Fall benutzen wollte - gerade weil Mick seine vampirische Seite oft selbst so bezeichnet hatte und ich weigerte mich Vampire als so etwas zu sehen, ganz gleich wie tollwütig sich mein Freund vorhin benommen hatte.
„Aber vielleicht braucht er mein Blut", hielt sie mir entgegen und der Klang ihrer Stimme verriet, dass sie wirklich Angst hatte, ihn hier allein zurückzulassen.
„Wir haben einen ganzen Kühlschrank voll mit Blutkonserven", gab ich so beruhigend wie möglich zurück und, als ob das Universum dieses Mal auf meiner Seite war, sprang der Generator in diesem Augenblick an und das Licht schenkte uns wieder seinen freundlichen Glanz. „Sogar einen funktionierenden Kühlschrank", setzte ich mit einem schiefen Lächeln hinzu. „Er braucht dein Blut nicht unbedingt. Und August bleibt hier."
Mein Freund nickte bestätigend. „Micks Zustand ist momentan wirklich stabil", beruhigte er sie und ich war mir ziemlich sicher, dass er ihr dabei ein ‚einigermaßen' unterschlagen hatte. Doch war ich ihm dankbar dafür, denn nach einem Moment des Nachdenkens nickte Beth schließlich widerwillig. „Aber es muss schnell gehen", sagte sie ernst und erhielt nun selbst ein Kopfnicken als Antwort.
„Wir werden wieder fliegen", setzte ich erklärend hinzu und war, wie schon so oft in meinem Leben, wirklich froh, so wohlhabend zu sein, dass ich mir einen eigenen Helikopter leisten konnte. Mit einer Sache hatte Beth nämlich recht: Wir mussten uns tatsächlich beeilen, bevor Mick wieder außer Kontrolle geriet und unsere Improvisationsbemühungen auf Widerstände stießen, die sie nicht beheben konnten.
