7. Abmachung
Ich blicke Edward fassungslos an „Das ist eine ganz miese Nummer und dass weist du auch." Das Lächeln verschwand und ein besorgter Ausdruck trat in seine Augen „Bella, ich habe geschworen dich zu beschützen. Nicht nur mir selbst, sondern auch dir! Dank Alice, kann dass auch nahezu die halbe Stadt bezeugen. Und wenn das bedeutet, dass ich dich vor dir selbst beschützten muss, dann werde ich das auch tun. Bitte, mach es mir etwas leichter!" mittlerweile klang er fast fehlend. Er blickte mir eindringlich in die Augen als er mit einer beschwörenden Stimme fortfuhr „Bitte! Bitte, mach es mir einfacher, lass mich auf dich aufpassen! Auch wenn es dir nicht gefallen mag, ich denke dabei nur an dich, du solltest wirklich noch nicht rumlaufen!"
Aus ihm sprach so viel Liebe, so viel Fürsorge dass ich meinen Groll langsam abklingen ließ und mich seufzend in mein Kissen zurücklehnte. „Das war es aber nicht was ich meinte. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mich schonen sollte, das werde ich auch machen. Du hättest mich nicht so überrumpeln dürfen, das war nicht nett. Ich mag es nicht, wenn Dinge die mich betreffen, über meinen Kopf hinweg entschieden werden."
Ich war nicht mehr wütend, aber mir war es ernst und ich hatte, dass Gefühl dass wir diese Sache besser früher als später klären sollten. „Schau, ich bin kein Kind und ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Es kann sein, dass ich im laufe meines Lebens Entscheidungen treffen werde, mit denen du nicht immer einverstanden sein wirst. Und ich erwarte von dir, dass du sie entweder akzeptierst, oder aber, wenn du dass nicht kannst, zumindest mit mir darüber redest. Ist das wirklich zuviel verlangt?"
Edward blickte aus dem Fenster und dachte einen Moment über das was ich gerade gesagt hatte nach. Er holte einmal tief Luft und atmet langsam wieder aus, ehe er mir in erneut in die Augen sah „Nein, ist es nicht! Du hast Recht! Ich wollte dich nicht bevormunden! Du kannst aber nicht von mir erwarten, dass ich in Zukunft jede deiner Entscheidungen einfach so hinnehmen werde!" dass wollte ich so nicht hinnehmen, aber bevor ich etwas sagen konnte fuhr er schon fort. „Bitte lass mich ausreden! Ich verspreche dir aber, dass ich mit dir reden werde! In Ordnung? Du wirst auch nicht immer mit allem einverstanden sein! Wir habe in der Vergangenheit schon Kompromisse geschlossen, also ich sehe keinen Grund warum wir das nicht auch in Zukunft tun können, einverstanden?"
Jetzt war es an mir tief Luft zu holen und das gesagte noch einmal im Kopf durch zugehen. Er hatte in gewisser weise Recht, ich kann nicht erwarten, dass er mich ernst nimmt, wenn ich ihm gleichzeitig das Recht auf eine eigene Meinung abspreche. Das wäre ungerecht! Ich weiß zwar nicht, welche Kompromisse wir bereits geschlossen hatten, aber das schien mir für die Zukunft ein gutes Konzept zu sein, damit konnte ich leben.
Ich strahlte ihn an und hielt ihm meine Hand hin, „In Ordnung, wir haben eine Abmachung!" er sah meine Hand einen Moment mit hochgezogenen Augenbrauen an bevor er lächelte und sie schüttelte um unser Abmachung zu besiegeln. Sein Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen als er sich weiter vorbeugte, auch ich beugte mich vor und unsere Lippen trafen sich über unseren Händen zu einem kurzen festen Kuss.
Der Kuss veränderte sich schnell und unsere Lippen bewegten sich miteinander auf eine Art und Weise, die mir die Luft raubte und meinen Kopf schwirren ließ. Edward löste sich von mir und setzte noch einen kurzen Schmatzer auf meinen Mund bevor er sich wieder zurück lehnte und mich zu Atem kommen ließ. Er schenkte mir dieses herrliche schiefe Lächeln und schüttelte belustigt den Kopf.
„Du bist das gefährlichste Wesen, das mir je begegnet ist! Ich hätte nicht gedacht, dass du Carlisle davon überzeugen könntest dich jetzt schon aufstehen zu lassen!" Er sah mich einen Moment nachdenklich an bevor er fortfuhr „Obwohl ich es nicht gerne zugebe, muss ich doch gestehen, dass ich dich in gewisser weise verstehen kann. Also gut, dann wollen wir dich mal ins Bad schaffen, damit du dich frisch machen kannst. Anschließend geht es für dich aber sofort wieder ins Bett und ich will nicht mit dir darüber diskutieren müssen!"
„In Ordnung!" Die Aussicht auf eine Haarwäsche hob meine Stimmung erheblich, deshalb viel es mir nicht schwer ihm zuzustimmen. Ich lehnte mich mit verschränkten Armen in mein Kissen zurück und wartete darauf, dass er mir meine Krücken besorgen würde, doch statt sich von mir fort zu bewegen, bewegte er sich auf mich zu. Verwirrt sah ich ihn an und setzte in dem Moment als sich seine Arme unter meine Beine und um meinen Schultern legten zum sprechen an „Was wird das?". Edward sah verwirrt zu mir herab und erwiderte „Na ich bringe dich ins Bad!" ehe er mich vorsichtig an seinen festen Oberkörper zog.
„Aber …" weiter kam ich nicht, ehe er weiter sprach „Du willst doch ins Bad, oder?" „Ja schon, aber …" „Na also! Kein aber! Entweder so, oder gar nicht!" ich sah ihm an, dass er es ernst meinte. Er zog eine Augenbraue nach oben und sah mich fragend an „Na schön! In Ordnung!" gab ich ihm grummelnd nach, zur Antwort erhielt ich ein strahlendes Lächeln und einen Kuss auf die Stirn.
Als er sich aufrichtet legten sich meine Arme wie von selbst um seinen Hals und ich schmiegte mich noch enger an ihn. Er trug mich so mühelos, dass ich keine Angst hatte zu fallen, es fühlte sich einfach gut an ihm so nahe zu sein. Ich fühlte mich auch nicht wie eine fünfjährige, sondern sicher, beschützt, wie eine … mir schwirrten mehrere Wörter durch den Kopf, bevor ich mich für jenes entschied welches mir zuerst in den Sinn kam, ich fühlte mich wie eine Geliebte. Nicht in Sinne von Verhältnis, Affäre, Zweitbeziehung oder wie immer man so etwas nennt, sondern Geliebte im Sinne von geliebte Person. Das war der Platz an den ich gehörte.
Diese Erkenntnis beschleunigte meinen Herzschlag, Edward sah mich mit einem wissenden Blick an und zwinkerte mir zu bevor er mich langsam absetzte. Ich war so mit meinen Gedanken beschäftigt, dass mir bis dahin gar nicht aufgefallen war, dass wir das Bad bereits erreicht hatten. „Lehn dich mit dem Rücken ans Waschbecken und versuche dein rechtes Bein nicht zu belasten." Als meine Füße den Boden berührte spürte ich wie mir schummrig wurde, meine Beine fühlte sich etwas wackelig an und ich war mir nicht sicher, ob sie mein Gewicht überhaupt tragen würde.
Ich schloss die Augen und atmete tief durch. „Bella? Hast du Schmerzen?" Edwards Stimme klang besorgt und der Griff um meine Taille verstärkte sich etwas. Ich schüttelte den Kopf und erwiderte zwischen tiefen Atemzügen „Etwas schummrig." während ich meine Arme von seinem Hals löste und mich an seinen Schultern festhielt. „Das kommt vom Kreislauf! Du stehst das erste Mal seit fast vier Tagen wieder aufrecht. Atme einfach weiter tief durch, es sollte gleich besser werden!"
Er klang erleichtert und viel zu alt für sein Alter. Da ich meine Augen immer noch geschlossen hatte fiel es mir leicht, Edward in einem Arztkittel und einer Krankenakte in seiner Hand vor mir zu sehen. Ich musste über meine Vorstellung schmunzeln und schüttelte leicht den Kopf über mich selbst.
Als ich meine Augen öffnete begegnete ich einem neugierigen Blick und einer hochgezogene Augenbraue „Besser?" Ich atmete noch einmal tief ein und konzentrierte mich auf meinen Körper bevor ich zu ihm aufblicke „Ja! Ich fühle mich zwar etwas unbeholfen, so auf einem Bein, aber mir geht's besser!" „Gut, halt dich hier fest und rühr dich nicht von der Stelle. Ich hole schnell deine Sachen." Er löste sich von mir, wartete noch einen Moment um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich einen sicheren Stand hatte und verschwand zur Tür hinaus, um im nächsten Augenblick mit einer Reisetasche in der Hand wieder hinein zu kommen. „Das ging aber schnell." „Die Tasche stand direkt neben der Tür." „Oh, ist mir gar nicht aufgefallen!"
Als ich nach der Tasche greifen wollte verlor ich mein Gleichgewicht und kippte nach vorne, bevor ich auch nur tief Luft holen konnte, schlang sich ein Arm um meine Hüfte und ich plumpste Hände voraus in Edwards Brustkorb. Benommen blicke ich auf meine Hände und sah aus dem Augenwinkel wie Edward die Tasche neben mir auf dem Waschtisch abstellte. Als sich seine freigewordene Hand an meine Wange schmiegte blicke ich auf und begegnete seinen goldenen Augen, in ihnen spiegelte sich Sorge und Belustigung. Je länger ich in seinen Blick erwiderte umso drängender wurde das Verlangen, meine Arme um ihn zu schlingen und ihn nie mehr los zu lassen. Edward schien es genauso zu gehen, denn er zog mich enger an sich und senke seinen Kopf langsam zu mir hinunter.
In diesem Moment erklang eine belustigte Stimme von der Badezimmertür her „Klopf, klopf! Ich hoffe doch ich störe nicht bei irgendwas?!"
